Di, 12.03.2013TV | Mississippi Burning - Die Wurzel des HassesBrennende Kreuze gelöschtHier hat Parker, einer der vielseitigsten Regisseure unserer Zeit, erneut seine außergewöhnliche Spitzenklasse bewiesen. Rassismus, ein ernstes Thema, das nichts an Aktualität verloren hat, verpackt er in einen äußerst spannenden Spielfilm. Treffende Dialoge stützen sich auf ein ausgezeichnetes Drehbuch (z.B. dieser ‘Dr. Martin River King Kong‘ oder ‘Diesen Sack Würmer kriegen wir nur von innen auf.‘ oder ‘Eine Klapperschlange frisst sich nicht selber auf.‘) Actionreiche Szenen machen das unmenschliche Unrecht sichtbar (lynchen, Bomben). Und über den Clu Clux Clan erfahren wir ‘Große Kapuzen, aber nichts drunter.‘ Auch das Umschwenken der öffentlichen Meinung wird durch immer wieder eingeblendete Interviews der Anwohner dokumentiert.
Die beiden FBI Ermittler ergänzen sich in ihrer ganzen Gegensätzlichkeit. Gene Hackman, früher mal Sheriff im Süden der USA, gibt das charmante Raubein. Er kommentiert voller Ironie das Geschehen, hält aber auch schon mal einen widerspenstigen Rassisten an dessen Kronjuwelen fest. Sein Vorgesetzter, Willem Dafoe, hat studiert und vertraut auf rechtmäßige Vorschriften. Die Lage eskaliert fast bis zum Bürgerkrieg, denn die Farbigen schlagen mit Clu Clux Clan-Methoden zurück.
Am Ende macht uns Alan Parker Mut: Verhaftungswelle und Verurteilung der Schuldigen. Einträchtig stehen Farbige neben Weißen und singen gemeinsam. Zuvor gibt uns Parker noch die Message mit ‘Jeder ist schuldig, der zusieht und nichts dagegen unternimmt‘. Und ‘Hass ist anerzogen nicht angeboren‘. Eindrucksvoll und immer noch aktuell. | |
Mo, 11.03.2013TV | Hamburger HillHügel 937Dieser Film gehört nicht zur ersten Garnitur der großen Vietnamfilme der 80er Jahre. Er ist dennoch ein bemerkenswertes Beispiel dieses Genres. Zum einen weil ihn die Doppelbegabung John Irvin (Romanautor und Regisseur) gemacht hat, zum anderen weil er bewusst ohne spektakuläre Mammutszenarien auskommt. Hier steht das Kampfgeschehen im Mittelpunkt. Auf die großen Namen der Filmbranche wird verzichtet, weil die Anonymität des Krieges wichtiger ist. Die Szenen wiederholen sich, es ist kein echtes Vorankommen sichtbar. Irgendwann scheint der Hügel 937 erobert zu sein. Ein sinnloses, mit hohem Blutzoll bezahltes Unterfangen.
Es scheint der etwas andere Vietnamfilm zu sein. Wir sehen kurze, unorthodoxe Szenen von Straßenrand, hören Tonbandcassetten und Briefe der Lieben von Daheim, es gibt ‘Friendly Fire‘, Filmteams der Presse an der Front, viele kritische Dialoge, die verdeutlichen sollen, was der ‘Kleine Mann‘, der seinen Kopf hinhält so denkt. ‘Wir sind alle hier verdammte Nigger!‘ Und immer wieder blutige Kampfhandlungen - sogar Mann gegen Mann – neben zivilen Opfern. Im Gegensatz dazu schaffen die Popsongs der damaligen Zeit (Tammy Wynette, Percy Sledge, Otis Reading u.a.) eine sentimentale Gegenwelt, ein Zuhause für Träume und Sehnsüchte der Soldaten. Als ehemaliger Kriegsberichterstatter (‘fully embeded‘) weiß Irvin, wovon er redet. Durchaus beeindruckend als schonungsloser Anti-Kriegsfilm. | |
Mo, 11.03.2013TV | Freundschaft PlusSex ohne Liebe?Sowohl der deutsche Titel als auch der des Originals (‘Ohne Bindung‘) sind noch das Beste an diesem Film. Damit meint Regisseur Reitman blanken Sex ohne Liebe.
Und (Emma) Natalie Portman sorgt dafür, dass nicht alles in unreifer Herz-Schmerz-Sauce ertrinkt. Durch bewegende Mimik zeigt sie einen Wirrwarr von echten Gefühlen, schwankt zwischen Sex als Schutz vor echter Liebe und dem Eingeständnis von Schwäche bei aufkommenden Gefühlen. Beau Adam (Ashton Kutcher, spielt sich selbst) vertieft nur die Verflachung. Der Kurzauftritt von Kevin Kline macht eher ratlos.
Ansonsten ist es eine vorhersehbare Story, mit so viel infantilen Witzchen und platter Komik, dass sie schon wieder gut ist. Die alles beobachtenden Freunde geben die üblichen dämlichen Ratschläge und die Mädels in Umfeld sind schlechtweg zickige Witzfiguren. Schlussmachen als Einstieg in die große Liebe, gefolgt von einer Phase Liebeskummer. Schließlich landen Adam und Emma wie erwartet in der Löffelchen-Stellung. Natalie Portman kann halt alles, wie diese Teeny-Komödie beweist, die zu jedem Kindergeburtstag passen würde. | |
So, 10.03.2013TV | Jede Sekunde zählt - MindhuntersHerzklopfenDer übliche Mainstream-Trash aus Hollywood. Hier als Werbefilm für Armee oder CIA getarnt. Eine Handvoll Profiler-Anwärter sind auf einer einsamen Insel, wo sie sich für den Job qualifizieren sollen. Im Hintergrund zieht der große Unbekannte die Mordsfäden nach dem Muster der ’10 kleinen Negerlein‘.
Da die Handlung offen ist und nur dem Gesetz des Thrills folgt, gibt es jede Minute schockierende Überraschungen. Da geht es splattermäßig zu und selbst die Mumie grüßt aus dem Gruft.
Die ganze Situation wird vom gegenseitigen Misstrauen getragen, was man daran erkennt, dass alle ständig mit gezogener Waffe einander bedrohen. Zwischendurch gibt es dann noch Berichte über die eigenen Schicksale mit schwerer Kindheit. Damit man die Spannung nicht vergisst, deuten immer wieder Uhren auf ein Zeitlimit hin. Das hat dann auch der deutsche Untertitel aufgenommen.
Bis zum nächsten Toten beweisen die Überlebenden, was für helle Kerlchen/Mädchen sie doch sind. Drei bleiben übrig. Der nette Lucas (Jonny Lee Miller) entpuppt sich als Bösewicht, wird aber von Sara (Kathryn Morris) beim Unterwasser-Showdown besiegt. Erschossene wie Gabe (LL Cool J.) werden dann doch nicht so schwer verletzt, dass sie wieder auftauchen können.
Dass der Verleih ‘Herzstillstand‘ wegen ‘unglaublicher Spannung‘ vorhersagt, ist wohl eine glatte Übertreibung. Bestenfalls bei Sensibelchen leichtes Herzklopfen. | |
Sa, 09.03.2013TV | Wann war der Mann ein Mann?Der Untergang des männlichen ImperiumsDer deutsche Titel weckt im Gegensatz zum Original Assoziationen an den Grönemeyer-Hit. Wobei der ursprüngliche schon recht pathetisch daneben schießt. Allerdings Hausmann und Karrierefrau sind weidlich ausgelutschte Themen. Dann warten alle, die sich schlau gemacht haben, auf das Erscheinen des Steinzeitmenschen, Cro. Der kommt etwas zögerlich, dann etwas unpassend vorbei und versandet im Nebel der Belanglosigkeiten, nachdem er dem gestressten Vater teils unverständliche teils sinnlose Tipps gegeben hat. Der Unerfahrene (Grégori Derangère) bedient alle Klischees voller Eifer aber ohne Witz.. Nichts Neues also. Die Handlung verzettelt sich dann auch noch in Nebenkriegsschauplätzen, die vor Gemeinplätzen nur so wimmeln. Selbst das hier nur spärlich behandelte Thema ‘Sex‘ kommt schal und steril rüber, vom Mann mit Schürze mal ganz abgesehen. Die pubertierenden Töchter passen in jeden Film dieser Art und Oma hebt sich nur um Haaresbreite von den übrigen Darstellern ab. Opa tut das Beste, was er tun kann: er stirbt. Mutter (Géraldine Pailhas) macht selbstverständlich Karriere, bleibt aber steif und blass. Die Schauspieler versuchen vergeblich das spröde Drehbuch amüsant umzusetzen. Mehr ist halt nicht drin in diesem Untergang einer Komödie. Als deutsche Frage unbeantwortet, als Bezugspunkt auf das männliche Imperium lauer, unausgegorener Aufguss. K.V. | |
Fr, 08.03.2013TV | Kairo 678Aufstand der FrauenDie Fragen, die der ägyptische Film gleich zu Beginn aufwirft, könnten genauso gut auch bei uns gestellt werden: 1. ‘Wurdet ihr belästigt?‘ 2. ‘Wie häufig?‘ und 3. ‘Wie habt ihr darauf reagiert?‘ Denn alles unterhalb einer Vergewaltigung ist doch noch OK, sagt man. Die Frauen wurden nun mal so erzogen, alles schüchtern zu erdulden. Es besteht eine Diskrepanz zwischen öffentlichem Verhalten und privaten Absichten. Doch inzwischen wehren sich die Frauen. Wir sehen drei Beispiele. Seba (Nelly Karim) gibt Selbstverteidigungskurse, Nelly (Nahed El Sebai) macht eine Anzeige. Das ist ein Novum für Ägypten. Und Fayza (Boshra Parwani) sticht den Grabscher in der Buslinie 678 mit einer Haarnadel in Richtung Kronjuwelen. Der ermittelnde Kommissar (Bassem Samra) ist auch für die Komik zuständig. Zu Hause ist er ein Pantoffelheld. In der Ehe helfen den Frauen gegen erduldeten Sex ein Biss in eine Zwiebel oder totale Müdigkeit. So wird ein an sich ernstes Thema recht unterhaltsam dargeboten und appelliert an die Frauen den Mut zur Emanzipation zu haben und an die Männer mehr Verständnis, Toleranz und Respekt gegenüber den Frauen zu zeigen – nicht nur in Ägypten. | |
Do, 07.03.2013TV | VincereMussolini und die FrauenDie Bilder schaffen eine dunkel-düstere Atmosphäre, denn sie zeigen das Leiden einer unschuldigen Frau, die sich in den Falschen verliebt hat. Ein Kapitel, das bisher sowohl von der Wissenschaft als auch vom Film wenig Beachtung fand: Mussolinis erste Frau Ida Dalser und ihr gemeinsamer Sohn Benito Albino. Die ausführliche Schilderung der Anfänge dieser stürmischen Liebe vertieft Idas Elend am Ende, das sie an den Rand des Wahnsinns bringt. Giovanna Mezzogiorno brilliert in dieser Rolle der mater dolorosa. Sie liebt ihn total und hingebungsvoll, er liebt sie distanziert und männlich unterkühlt. Ihre Liebesvorstellungen ‘Ihn oder keinen‘ ähneln in den Absolutheitsansprüchen dem politischen Konzept des Duce ‘Siegen oder Sterben‘. Geschickt werden in die Handlung echte historische Aufnahmen und gut gemachte neueren Datum eingestreut.
Die nicht legitimierte Verbindung passt nicht ins faschistische Gedankengut Italiens der 20er und 30er Jahre. Ihre Hochzeit bleibt ein Traum in Idas Wunschvorstellungen. Deshalb schlägt der Staat der Schwarzhemden zu: Verhaftung, Trennung von Mutter und Sohn, Psychiatrie: ‘paranoides Syndrom‘. Besonders beeindruckend ist der kleine Benito vor Vaters Büste und wie er den Vater in wahnhaften Anfällen kolportiert (Doppelrolle für Filipo Timi). Die Physiognomie des Wahnsinns wird aber auch in den echten Reden des Duce herausgearbeitet.
Für Eidetiker ein Genuss, für historisch interessierte eine spannende Geschichtsstunde, für alle aber eine menschliche Tragödie, die bewegt. | |
Mi, 06.03.2013TV | Mama ist beim FriseurDer Friseur ist die BBCDer Titel ist die Antwort, die alle drei Kinder gleichzeitig geben, wenn sie die Nachbarn nach ihrer Mutter fragen. Es ist eine leichte Sommerkomödie, nicht ganz ohne Tiefgang, aber auch ohne rechte Zündung. Sie schildert die Trennung der Eltern aus der Sicht der drei Kinder. Die Enthüllung, dass Papa (Laurent Lucas) schwul ist wird humorvoll aber auch sehr sensibel geschildert. Elise, die Älteste (Marianne Fortier), versteht und übernimmt schmollend die Führung. Benoit (Hugo St-Onge Paquin), der Jüngste, leidet am meisten unter dem Weggang der Mutter. Hier wird es traurig-tragisch, denn er nässt ein, versteckt sich im Schrank, lutscht am Daumen und hätte fast die Garage abgefackelt. Elise flüchtet in ihr Tagebuch und zu einem sonderbaren Fliegenmann (Gabreil Arcand). Die Welt der Kinder ist besser als die der Erwachsenen. Die Kids können quasi symbolisch ins angrenzende Maisfeld fliehen oder helfend eingreifen, wenn es nötig ist. Die Nachbarn kommen meistens als Witzfiguren oder Schwerenöter daher. Vater bleibt blass und Mutter distanziert. Selbst die Oma ist nicht recht greifbar, genau wie der Mittlere Sohn.
Dialoge und Situationen erfordern manchmal ein Schmunzeln. Das wirkt dann wie ein aufloderndes Streichholz in völliger Dunkelheit: kurz auf und weg! Entsprechend dem Zeitgeist der 60er Jahre werden die Probleme nicht besprochen. Der Soundtrack enthält typische Vertreter dieser Zeit und sorgt für die nötige Sommerlaune. Ganz OK! | |
Di, 05.03.2013TV | Nevada SmithWestern für AnfängerFalls man noch nie bewusst einen Western gesehen haben sollte, ist das der richtige Einstieg. Der Altmeister Henry Hathaway hat 1966 alles reingepackt, was man kennen muss. Ein Grünschnabel (Steve McQueen) verfolgt die Mörder seiner Eltern. (Rache!). Er zieht mit einem Pferd, einem Gewehr und einem verrosteten Colt los. Da er aber völlig unerfahren ist, muss er noch viel lernen: schießen, saufen, Kartenspielen und natürlich lesen. Die Cajun-Frau Pilar (Suzanne Pleshette) hilft ihm aus den Sümpfen, Neesa, eine Squaw (Janet Margolin), pflegt das Halbblut gesund. Aber erst die Rache, dann die Liebe. Es wird nicht übertrieben viel geballert und es gibt nur wenige Faustkämpfe, was eigentlich untypisch ist. Stellenweise erinnert der Streifen an unseren guten alten Heimatfilm aus jener Zeit. So viel schöne Landschaft: Berge, Flüsse, Wälder…
Im Gespräch mit Pater Zaccardi (Ralf Valone) gibt es dann noch religiöse Nachhilfe. Im Konflikt zwischen Rache und Nächstenliebe ‘braucht man mehr Mut der Versuchung (der Rache) zu widerstehen, als sich ihr zu unterwerfen‘. Der schmerzhafte Todeskampf des letzten Verbrechers (Karl Malden) bildet Höhepunkt und Schluss des Films.
Ein schnitttechnisches Schmankerl gibt es aber auch: das Ende eines Banküberfalls im Tresorraum – dunkel – Anlandung eines Bootes…
Locker, entspannt, alles bekannt. | |
Mo, 04.03.2013TV | Spurlos - Die Entführung der Alice CreedSuperspannendEs gibt ja hunderte von Filmen über eine Entführung. Am Ende ist alles wieder FFE und die Welt in Ordnung. Aber der hier zählt zu den spannendsten Brit-Thrillern der letzten Jahre. Der Anfang ohne Worte macht neugierig. Dann steigt die Spannung und wird bis zum Ende hoch gehalten. Man ist gepackt von den wirklich unerwarteten Wendungen. (Ich habe insgesamt sieben gezählt!) Und das Tollste ist das Ende, was es so auch noch nicht gegeben hat.
Die beiden Entführer Victor und Danny (Eddie Marsan, Martin Compston) bilden mit der Titelfigur Alice (Gemma-Tamara-Arterton) eine hervorragende Front von Akteuren. Sie schenken sich nichts. Viel geschieht durch vielsagende Blicke oder umherliegende Dinge offenbaren einen Verrat. Die Hackordnung unter den Gangstern muss hergestellt, das ‘große und das kleine Geschäft‘ der Geisel öffentlich erledigt werden. Wilde Szenen wechseln mit äußerst sensiblen Einstellungen. Nervenaufreibend auch das gegenseitige Misstrauen von Danny und Victor. Besonders tragisch kommt es für Danny, der sich zwischen homo und hetero entscheiden muss Da kann es sein, dass er eine Patronenhülse verschlucken muss, um sich nicht zu verraten. Knallhart auch der Showdown am Ende. Es bleibt die Frage, ob Alice glücklich ist, nachdem sie ihre Situation erkannt hat? Der Zuschauer kann entspannt durchatmen. Spannung und Action sind eine Superklasse für sich! | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.