Mo, 04.03.2013Kino | LincolnNur für AmisWer geglaubt hat, dass nach dem ‘War Horse‘ vom Vorjahr Spielberg wieder einen besseren Film abliefern würde, sieht sich enttäuscht. Hier konnte er dem Amerikanismus bis zum Abwinken frönen. Er bietet eine hochprozentige Mischung aus Pathos und Patriotismus, gestützt auf tiefes Gottvertrauen mit der Botschaft ‘Am amerikanischen Wesen soll die Welt genesen.‘ Dreiviertel des Films sind Dialoge. Hier wird versucht, Dramatik durch das sich gegenseitige Anschreien der Akteure zu erreichen. Die zwischengeschalteten Szenen aus dem Privatleben des Präsidenten passen zur Umgebung wie der Fisch zum Fahrrad. Von den Darstellern möchte ich nur Sally Field als Mrs. Lincoln und Tommy Lee Jones als Senator Stevens hervorheben. Die Präsidentengattin trägt die auffälligste Garderobe und zeigt etwas persönliche Tragik neben spitzzüngiger Ironie. Der Senator legt am Ende vor dem Zubettgehen nicht nur seine schlecht sitzende Perücke ab, sondern hat auch noch eine interessante Enthüllung neben sich. Von Daniel Day-Lewis fallen mir spontan fünf Filme ein, in denen er mich weit mehr beeindruckt hat. Es will einfach keine Spannung aufkommen, weil man den Zusammenhang nicht immer nachvollziehen kann. Die historische, namentliche Abstimmung der Abgeordneten gerät dann zur albernen Lachnummer auf Bingo-Niveau. Die historischen Ungenauigkeiten kann man getrost vernachlässigen. In Europa ein Flop, für Amis Top und viele Nominierungen gingen vorbei. | |
Mo, 04.03.2013TV | AppaloosaDer etwas andere WesternEd Harris, den wir aus vielen tollen Rollen kennen, steht hier mal vor und hinter der Kamera. Er hat nach der Romanvorlage alles zusammengetragen, was die Atmo eines Neowesterns ausmacht: Saloon, Schießerei, Verfolgungsritte etc. Und doch ist dieser Film anders. Er spielt mit den genreüblichen Elementen und variiert sie.
Auffallend das westernuntyprische Frauenbild. Ally (Renée Zellweger) gerät zwischen zwei Vertreter echter Männerfreundschaft. Offiziell gehört sie zwar zu Cole (Ed Harris), aber eigentlich fühlt sie sich mehr zu Hitch (Viggo Mortensen) hingezogen. Der gibt in diesem Dreieck den treuen Hagen. Das Problem wird – man traut seinen Ohren kaum – unter den dreien ausdiskutiert. Das wird dann noch von Ally getoppt, als sie sich mit dem Bösewicht (Jeremy Irons) einlässt. Bei ihrer Entführung packt sie wohl das ‘Stockholm-Syndrom‘. Alles äußerst ungewöhnlich. Cole wahrt die Kontenance, Ally sitzt weiterhin an seinem Tisch. Sie liebt halt immer den ‘Leithengst‘, sagt sie. Dabei hat er es doch eigentlich eher mit ‘Huren und Squaws‘. Coles Antwort ‘Sie ist weder noch!‘ Für einen Western sind die Dialoge recht treffsicher und bisweilen philosophisch angehoben. Auch wenn Cole häufiger Formulierungsschwierigkeiten hat. Das Ende ist der obligatorische Ritt in den Sonnenuntergang, und Cole bleibt da, wo er schon die Vorhänge ausgesucht hat. Manche Erwartungen werden enttäuscht, dafür vielleicht ungeahnte erfüllt. | |
Sa, 02.03.2013TV | Surrogates - Mein zweites IchErsatzmenschenDie Idee, die diesem Film zugrunde liegt ist recht interessant: jeder hat ein ‘Ersatzmenschen‘, (Surrogat) der genauso aussieht wie er und der draußen in der Welt ferngesteuert für ihm seine Erfahrungen macht. Zwischen beide Wesen (Machines und Humans) besteht eine unsichtbare Verbindung. Die Spannung kommt von den Actionszenen und der Tatsache, dass jede Person ein echter Mensch sein kann oder sein Surry. Und da gibt es oftmals Überraschungen. Tom Greer, der Held (Bruce-dieLocke-Willis) rettet hier zwar nicht die Welt, kämpft aber für die richtige Seite. Hier sind es echte Menschlichkeit und wahre Emotionen. So findet er auch am Ende seine Frau Maggie (Rosamund Pike) wieder.
Die Surrys haben auffallend glatte Haut, denn sie altern nie. So gerät das Happy End von Tom und Maggie Greer recht rührselig. Beide sind alt, hässlich, aber menschlich mit echten Gefühlen. Was für ein Fortschritt! Sie sind vom Leben gezeichnet. Der Antagonismus zwischen Mensch und Technik wird nicht besonders vertieft. Doch es gelingt, einen Schauder vor dieser zukünftigen, kalten Welt zu erzeugen. Dass die Kampfszenen wie Videospiele aussehen, überrascht da wenig. Schon eher, wenn wir sehen, wie Toms Partnerin, die schöne Agentin Peters (Radha Mitchell) als Surry zerstört wird. Auch das Ende aller Surrys beeindruckt, wenn alle zu hunderten abgeschaltet unbeweglich daliegen. Gute Science Fiction Unterhaltung. | |
Sa, 02.03.2013TV | Rio für AnfängerPlätscher-PlätscherEin Botschafter (Bill Pullman), eine Schönheitschirurgin (Charlotte Rampling) und eine Filmteam (Irène Jacob) geistern durch Rio. Die ziellose Handlung wird nur durch die Weltstars zusammengehalten. Billige Späße, sinnfreie Streitereien und platte Dialoge kennzeichnen den größten Teil des Films. Die Situation in den Favelas ist veraltet und klischeehaft. So ist dieses Machwerk selbst als Entwicklungshilfe unbrauchbar. Für eine Groteske ist alles zu real, die möglicherweise versteckte Ironie kaum auffindbar. Da musste Regisseur Jonathan Nossiter noch eine Schippe drauflegen: ein munteres Sex-Durcheinander nach dem Motto ‘Bumsfidel in Rio‘. Viel ‘Rumgezicke und Rumgeficke‘ als Tarnung für die Planlosigkeit. Eheprobleme neben Erektionsschwierigkeiten und multi-kulti Problemen. Und dazwischen rennen noch nackte Indios durch den Wald. Unglaublich!
Die Rampling residiert wie ein weiblicher Buddha, Pullman verkleidet sich als Hippie und faselt Unverständliches und die Jacob kann sich nicht entscheiden, ob sexy Partymaus oder treue Ehefrau.
Der Vorwurf kommt nicht aus der Ecke der Prüderie, da lob ich mir noch einen bolzengeraden Porno. Die Unverschämtheit, mit der hier Zeit, Geld und Talent durch Arbeiten an der Oberfläche verschleudert werden, ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten. Selbst der Spaßfaktor bleibt weitgehend außen vor. K.V. | |
Fr, 01.03.2013TV | The Royal TenenbaumsDer alte RoyalDie Darstellerriege ist erste Sahne und wird ihrem Ruf durchaus gerecht, die Handlung sprüht nur so vor geistreichen Einfällen, es geht mitunter recht turbulent zu, ein skurriler Einfall jagt den nächsten, im Soundtrack erkennen wir die Stones und Simon & Garfunkel, Rückblenden verstärken den Comedy-Effekt, der bis zum Slapstick reicht und am Ende bleibt doch ein fader Geschmack bei dieser Familiendramödie, in der Gene Hackman als Titelheld im Mittelpunkt steht.
Die oftmals stilisierte Komik verhindert, dass der Funke überspringt. Ein Drama wird z.B. haarscharf daneben aufgebaut, aber nur kurz. So entsteht ein seltsamer sentimentaler Mix, der die Emotionen erstickt. Echte Eheprobleme wechseln im Dialog mit flapsigen Erklärungen, das Unerwartete hat Konjunktur. Die Vielzahl der Personen wirkt etwas störend auf das Gesamtbild, wobei die erwachsenen Kinder Paltrow, Stiller und Wilson in der Fülle von Kleinigkeiten untergehen und ihr Anhang Glover und Murray gleich mit. Da zerfranst Einiges an den Rändern. Im Prinzip ist das doch aber gute Unterhaltung. Doch ein Gähnen macht sich breit, der berühmte Gummibandeffekt. Die Gags verflachen und werden weniger. Hinzu kommt, dass die lose Bildfolge die Realität relativiert und die Distanz zum Zuschauer vergrößert.
Kann man, muss man aber nicht sehen. | |
Do, 28.02.2013TV | Erzähl es dem WindEntwicklungshilfeHinter dem poetischen Titel verbirgt sich ein ethnologisches Dokument der Kurden. Dieses Volk ohne eigenes Land wohnt seit Generationen in Gebieten, die heute zu verschiedenen nationalstaatlichen Territorien gehören und die heute zum Iran, zum Irak, zur Türkei oder zu Syrien gehören. Ein Gebiet ohne festdefinierte Grenzen, aber einer Bevölkerung mit einer nationalen Identität. Den Umstand, dass es in den dünn besiedelten Gebieten keine Infrastruktur gibt und die Analphabetenrate sehr hoch ist, es also keine Briefe und Telefonate gibt, hat sich der alte Mam Baldar (Omar Chawshin) zunutze gemacht. Er transportiert Nachrichten auf Tonbandcassetten. So kommt er mit seinem klapprigen Laster viel herum, (wir sehen eindrucksvolle Landschaftsbilder); durch die ‘Nachrichtenübertragung‘ bekommt er die Sorgen und Nöte seiner Landsleute mit, auch die Zerstörung ihrer Häuser, denn die Kurden sind permanent im Krieg. Es sind auch verschlüsselte Botschaften auf seinen Tonbändern. Die muss er dann zu einem geheimen Sender in den Bergen bringen. Er gerät zwischen die Fronten und wird ungewollt zum versöhnenden Bindeglied: er überbringt den ersten Schrei eines Neugeborenen zu seinem Vater: ein Schrei der Hoffnung.
Eine atavistische, medienfeindliche Lebensweise geht eine Verbindung mit moderner Technik ein, die aber auch noch nicht auf dem neuesten Stand ist, aber am Rand der Zivilisation den absoluten Fortschritt darstellt. Ein Dokument als Entwicklungshilfe für eine vergessene Nation. | |
Di, 26.02.2013TV | Die 1000 Augen des Dr. MabuseDer beste Mabuse aller ZeitenDas ist wohl der beste, weil spannendste und ursprünglichste Film aus der Mabuse- Reihe der Neuzeit. Nicht nur weil ihn die Regie-Legende Fritz Lang gemacht hat. Die Nachfolger (z.B. ‘Das Stahlnetz…‘ oder die ‘Unsichtbaren Krallen…‘) gingen alle in Richtung Edgar Wallace, den man deshalb auch als eine Art Fortsetzung ansehen kann. Werner Peters als Hieronymus B. Mistelzweig (‘B für Bauch!‘) ist von der Komik her ein Vorläufer von Eddi Arent. Und so wechselte der Tatort von Berlin nach London. Die ‘Tausend Augen‘ haben sogar so etwas wie emotionalen Tiefgang. Hier sind auch die falschen Fährten angesiedelt. Wir erleben zwischenmenschliche Probleme, Liebe und Hass. Es gibt mehrere Ermittler und mehrere verdächtige Täter. Mabuse will ähnlich wie Blofeld in 007 die Weltherrschaft. Er stützt sich dabei auf alte NS Pläne und Überwachungssysteme. Per Knopfdruck werden Nummernschilder gewechselt, Erschossene stehen wieder auf und mehrere Attentate auf Kommissar Kras (Gert Fröbe) verübt. Die Romanze ist herb aber überzeugend, auch wenn man Peter van Eyck und Dawn Addams die klassische Ausbildung als Schauspieler anmerkt. So sind am Ende Zweifel ob des tatsächlichen Happy Endes angebracht. Und Dr. Mabuse (Wolfgang Preiss) hält es am Ende wie Paulchen Panther: ‘Heute ist nicht alle Tage. Ich komm‘ wieder keine Frage.‘ Zeitlos spannend, fraglose Klasse! | |
Di, 26.02.2013TV | Women Without MenFrauen ohne EhemännerEin beeindruckendes Debut von Shirin Neshat. Sie kombiniert den politischen Umbruch im Iran der 50er Jahre mit den emanzipatorischen Bemühungen von vier Frauen, die aus der von Männern dominierten Welt des Schahs ausbrechen. Drei der Frauen begegnen sich auf ihrer Flucht im parkähnlichen Garten von Fakhri, der Ältesten von ihnen. Dieses Treffen wird am Anfang durch Munis, einer politischen Aktivistin, die auf dem Dach eines Hauses steht und am Ende runterspringt eingerahmt. Die anderen bewegen sich für eine gewisse Zeit in einer Art Garten Eden. Wir sehen im Wechsel Alltagsszenen (Klageweiber, Marktszenen, einen Hochzeitstanz) mit imaginären oder visionären Bildern (eine steinerne Ebene, Urwald) die die Albträume und Sehnsüchte von Frauen andeuten. Dann verlässt der Film die Wirklichkeit und führt uns in träumerische Fantasiewelten. Eine Hausdurchsuchung bringt uns zurück in die Realität und verdeutlicht die Fragilität des Überlebens einer emanzipierten Frau.
Von den vier bleiben am Ende noch zwei übrig. Die Ältere ist frustriert, weil auch gescheitert. Einzig die Jüngere schreitet selbstbewusst in die Zukunft. Alle vier Frauen haben Gemeinsamkeiten: Leid und Unterdrückung erfahren.
Sensibel gemacht, in großartige, teilweise poetische Bilder gefasst unter Verwendung von ‘Licht, Luft und Stille‘, denn ‘Sich vom Schmerz zu befreien heißt sich von der Welt zu befreien.‘ | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.