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Mo, 25.02.2013
TV | True Grit
Echte Männlichkeit2 Sterne
Der Film enthält als Neowestern alle genreüblichen Zutaten: Riesenballereien, Wettschießen, Lagerfeuer, Verfolgungsritte oder eine Schlangengrube, eine Wildwestshow à la Buffalo Bill. Es gibt den Marshall und die Gangster. Da ist nichts Ungewöhnliches dabei. Nur einiges ist halt etwas anders. Eine Girly (Hailee Steinfeld) z.B., das schießt und juristisch bewandert ist. Unverkennbar dagegen die typischen Coen-Merkmale: unverhoffte Brutalität. Der arme LaBoeuf (Matt Damon) wird furchtbar malträtiert. Sowohl für ihn als auch für den versoffenen Marshall Cogburn (Jeff Bridges) reicht es nicht zum Happy End, dessen schauspielerische Leistung hier zwar herausragend ist, aber wie für die übrigen zehn Kategorien mit Recht nur oscarnominiert wurde, ohne einen zu bekommen. Dafür hat sich die Produktion wenigstens gelohnt. Der angehängte Nachschlag nach plötzlichem Cut und 25 Jahren wirkt irgendwie fremd. Der hier angedeutete Hauch der Geschichte von ‘Kinder, wie die Zeit vergeht‘, ist wie der Streusel auf dem Kuchen. Da gehört er hin und ist süß. Im Schritt hingegen drückt und juckt er, weil er irritiert. Für Männer, die wirklich ‘Eier in der Hose‘ haben, trifft letzteres zu.
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So, 24.02.2013
TV | Ryans Tochter
Eine Frage der Ehre4 Sterne
Ein lange Zeit verkanntes Meisterwerk von David Lean. Es gibt keine atemberaubende Stunts, der irisch-englische Konflikt ist wirklich kein Thema mehr und das zentrale Problem: Ehebruch ist schon zu oft durchgenudelt worden, zumal sich der moralische Anspruch seit den 70er Jahren gewandelt hat. Und dennoch überzeugt in diesem Klassiker das Lokalkolorit der Atmosphäre; gedreht wurde an der Südwestspitze Irlands. Wir sehen großartige Bilder von der Küstenlandschaft in wildem Sturm. Dann die äußerst glaubwürdigen, tollen Darsteller. Hier ist vor allem John Mills als quasimodomäßiger Dorfdepp Michael hervorzuheben. Und die Machart zeigt Klasse. Leise Ironie, Kritik am Zeitgeist und traumatisierte Helden werden episch ausgebreitet. Der Seitensprung von Ryans Tochter Rosy (Sarah Miles) mit dem britischen Offizier Doryan (Christopher Jones) wird durch die Feigheit ihres Vaters (Leo McKern) zum Politikum. Rosy wird vor den Augen ihres Ehemanns Shaughnessy (souverän Robert Mitchum) fast gelyncht. Wie der ‘Zwei und Zwei‘ zusammengezählt hat, ist nur zu ahnen. Vage Vermutungen und Fantasie erklimmen mittels Logik den Gipfel der Erkenntnis. Die Betroffenen: Ehemann, Vater, Pfarrer (Trevor Howard) und Michael tauschen sich oftmals schweigend aus. Das ist großartig, zum Teil bewegend inszeniert. Und am Ende gibt uns Regisseur Lean noch eine Aufgabe. Was soll Shaughnessy tun? Vergeben und vergessen? Sich scheiden lassen und Ryans Tochter mit Schimpf und Schande davon jagen? In mehrfacher Hinsicht großartig.
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Fr, 22.02.2013
TV | Hügel des Schreckens
Die Berge stehen auf3 Sterne
Noch 14 Jahre nach Kriegsende beschäftigte sich Hollywood mit Themen aus dieser Zeit. Hier sind es die Nazi-Besatzer in Griechenland. Manche Szenen kommen uns heute allerdings etwas betulich, wenn nicht gar schwach vor. Mike Morrison (Robert Mitchum) verstrickt sich ungewollt als amerikanischer Reporter (mit zwei Fäusten) in Spionagegeschäfte mit der örtlichen Gestapo. Es ist manchmal eine etwas krude Story mit unklaren Details und Motiven der Gegner, bei der die Fronten zwischen Guten und Bösen nicht immer gleich erkennbar sind. Stanley Baker gibt wie so oft den Bösewicht, der am Ende doch noch sein liebendes Herz erkennt. Die einheimische Widerstandskämpferin Elfie (Gia Scala) und die von den Deutschen zur Mitarbeit gezwungene Lisa (bewusst mit der deutschen Schauspielerin Elisabeth Müller besetzt) helfen Mike eine geheime Agentenliste außer Landes zu schaffen. Lisa ist die einzige wirklich tragische Figur. Die Love Story wird in den Hintergrund gedrängt, um einer idealistischen Lösung zu weichen: Mike und Lisas Kinder entkommen. Die zusätzliche Hilfe, die Mike völlig unerwartet am Ende von Sebastian Cabot erhält, wirkt wie der ‘deus ex machina‘ der Antike. Erwähnenswert wohl noch (nach Drehbuch von Leon Uris ‘Die Berge stehen auf‘) die damals nicht unübliche Erschießung von Geiseln in einem griechischem Dorf als Vergeltungsmaßnahme. Etwas angestaubt, aber dennoch recht spannend.
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Do, 21.02.2013
TV | Die purpurnen Flüsse
Die 'Rose' heute4 Sterne
Der Titel macht neugierig, denn er beschreibt ein Unding und die ekelerregenden Nahaufnahmen verstärken das noch. Zwei Polizisten ermitteln in zwei völlig unterschiedlichen Delikten: verstümmelte Leiche und Hakenkreuzschmierereien auf dem Friedhof und treffen sich vor malerischer Bergkulisse. Die äußerst komplexe Story folgt der Romanvorlage von Grangé, der auch am Drehbuch mitgearbeitet hat, was man an der Qualität der witzigen und teils geistreichen Dialoge merkt. Die Actionszenen sind wohl dosiert, die Fälle mysteriös. Manches mutet wie der ‘Name der Rose‘ an. Nur dass es heute spielt. Die Elite-Uni (‘der Tempel des Wissens‘) ähnelt in ihrer Abgeschiedenheit einem Kloster. Jean Reno und Vincent Cassel (auch sein Vater Jean-Pierre hat eine kleine Rolle) ergänzen sich vortrefflich und schenken sich nichts. Bei den oft harten Schnitten setzt der Soundtrack akustische Akzente, die voll reinhämmern. Und die Dorfpolizisten sorgen wie immer für Komik. Wenn man den Titel zu begreifen beginnt, ist man schon nahe an der Lösung, obwohl vorher bereits Hinweise auf Eugenik verstreut wurden. Und erst bei Anzeichen auf eine faschistoide Zuchtanstalt mit Menschen ahnt man die Lösung, die dann aber noch im spektakulären Showdown auf dem Gletscher durch die Zwillingsschwestern (Nadia Farès) getoppt wird. Das ist gut gemachte Spannung pur.
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Do, 21.02.2013
TV | Das verrückte Liebesleben des Simon Eskenazy
Der wilde Simon1 Stern
Die inhaltliche Stofffülle würde für drei weitere Filme reichen: Simon, schwuler Musiker (Klezmer Klarinettist), geschieden, hat Sohn, den er nicht kennt, Mutter im Rollstuhl, Transe im Bad. Seine Ex taucht wieder auf und will heiraten etc…Bei der vordergründigen Komik (z.B. Rollentausch der Transe) schaut man aber die meiste Zeit dem ständig umherrennenden Hauptdarsteller Antoine de Caunes zu, der eigentlich nur immer das Eine will und zwar mit wechselnden süßen Partnern. Die Dialoge sind flach bis uninteressant, die Situationskomik gleichförmig. Neben heißer Klezmer Musik erfreuen vielleicht den einen oder anderen die heißen Küsse von Mann zu Mann oder das übliche hüftenschwingende Rumgezicke. Hier fällt besonders der wunderschöne Naim auf (Mehdi Dehbi). Als dann auch noch mangels anderer Möglichkeiten die viel ältere Produzentin von Simon angebaggert wird und der Sohn natürlich auch schon immer Klarinette gespielt hat, habe ich mich von diesem Machwerk gedanklich verabschiedet. Dieser Simon will nicht nur alles, er will auch noch ständig. Geht leider nicht. Eine Komödie aus der Tiefebene der Andersartigkeit, wobei Bewegung noch lange nicht Wirbel darstellt. Und die Komik sucht den Witz. Beide verlieren sich am Ende in der Belanglosigkeit.
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Mi, 20.02.2013
TV | Die Fremde
Familienehre4 Sterne
Einer der besten Filme über in Deutschland lebende Türken; mit einer großartigen Sibel Kekilli (Umay) in der Hauptrolle. Gleich zu Anfang spürt man an der Sprache den ‘Culture Clash‘, der die Familie spaltet: die Kids reden deutsch miteinander, die Alten türkisch. Und das geht so weiter bei der aufkommenden Problematik, wegen Umays Emanzipationsversuch. Die Mutter klammert sich an Nostalgie, der Vater ist tief in der Tradition verhaftet. Gespräch Vater – Tochter: ‘Du bist eine verheiratete Frau.‘ ‘Er schlägt mich.‘ ‘Er ist dein Ehemann. Heute schlägt er, morgen streichelt er dich.‘ Da tun sich unüberbrückbare Gegensätze auf, die ein versöhnliches Einlenken unmöglich machen. Das sind unterschiedliche Universen, in denen Umay und ihre Familie leben. Dabei lieben sich alle doch und gehen daran zugrunde. Die Hochzeit von Umays Schwester – mit der ganzen Hintergrundproblematik –dient als Brandbeschleuniger. Ihre Rede ist einer der Höhepunkte des Films neben den Gesprächen mit dem kleinen Cem. Das trifft den Nerv und geht zu Herzen. Umay lebt zwischen beiden Welten. Man erwartet ein böses Ende. Doch es kommt noch schlimmer. Die symbolische Bedeutung des überraschenden Ausgangs überhöht die bloße Tragik von Schuld und Sühne und von zurückgewiesener Liebe. Es trifft Unschuldige! Eigentlich alle! Da bleiben nur Leid und Schmerz für alle Betroffenen. Eindringlich, anrührend, hoch aktuell. Wahnsinn! Ein Muss!
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Di, 19.02.2013
TV | Hanussen
Der Prophet4 Sterne
Wie schon zuvor in ‘Mephisto‘ beschäftigte sich Regisseur Istvan Szabo auch hier mit dem Thema des aufkommenden Nationalsozialismus, obwohl er die Grandezza des Vorgängers nicht ganz schafft. Doch in beiden Filmen sehen wir einen großartigen Klaus Maria Brandauer in der Titelrolle. Dabei muss Szabo sinngemäß mit dem 1. Weltkrieg beginnen. Wir sehen die untergehende, autoritäre K.u.k. Monarchie als Wegbereiter für ein System, das Zucht und Ordnung betont und auf Kadavergehorsam aufbaute. Die Dialoge verdeutlichen das damals weitverbreitete Volksempfinden und die Sehnsucht nach einem starken Mann, der uns aus dem Chaos führen wird. Es ist ein intensives Kammerspiel, in dem die Akteure äußerst konzentriert bei der Sache sind. Dabei bleibt unklar, ob Hanussen - der Womanizer - ein Hellseher oder Hochstapler mit hypnotischen Fähigkeiten war, dem es auf der Bühne gelang, eine Willensübertragung zu demonstrieren. Seine Fähigkeiten nehmen anfangs Bezug auf individuelle Prophezeiungen und enden mit politischen Visionen. Ob seine Vorhersage des Reichstagsbrandes 1933 sein Ende herbeigeführt hat, ist eher unwahrscheinlich. Es sind vielmehr seine jüdische Abstammung und seine Weigerung mit den Nazis zusammenzuarbeiten. Viel wichtiger ist aber die Essenz, dass jeder klar denkende Mensch ohne Hellseher zu sein Hitler als Gefahr schon vor 1933 hätte voraussagen können und müssen. ‘Er war der kommende Mann.‘ Überzeugend, interessant, diskussionswürdig.
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Mo, 18.02.2013
TV | Ondine - Das Mädchen aus dem Meer
Die Selkie & der Fischer4 Sterne
Neil Jordan, dem kleinen, großen Märchenerzähler ist wieder ein Coup gelungen. Es beginnt wie ein Märchen: Fischer fischt Mädchen aus dem Meer; es geht weiter als Liebesgeschichte ohne Schmalz aber in wunderschönen Bildern vor irischer Kulisse und bekommt am Ende noch eine unerwartete Wendung zum Drogenkrimi. Letzteres ist aber nicht so wichtig. Alles geht hier sehr schnell, meistens im Dunkeln, man ahnt den Zusammenhang. Das reicht. Die Betonung liegt auf dem Märchen und das bezieht sich lose auf die schottische Mär von einer ‘Selkie‘, einer Robbe, die sich an Land in eine schöne Frau verwandelt. Wir kennen sie als Undine. Collin Farrell spielt den armen Fischer Syracuse, einen echten Pechvogel, professionell gut. Ondine (Alicja Bachleda-Curus) bringt ihm Glück. Sie ist das neue Gesicht: unverbraucht, emotional, eine herbe Schönheit. Das Umfeld beeindruckt sowohl mit der saufenden Mutter und Ex-Ehefrau Maura (Dervla-Whitechapel-Kirwan) als auch mit der kranken aber altklugen Tochter Annie (Alison Barry). Der Film schippert zwischen zwei Wahrheiten hindurch: die eine Wahrheit ist das Märchen, die anders das Leben. Hier erfahren wir, dass Ondine eigentlich Joanna heißt und aus Rumänien stammt. Beide Ebenen verbindet der Priester Stephen Rea (Jordans Lieblingsschauspieler). Wunderschön emotional-romantisch, mit nur so viel Zuckerguss wie nötig, unterlegt mit weichem, herzerwärmendem Gesang und sanften Gitarrenklängen.
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So, 17.02.2013
TV | In meinem Himmel
Susies Himmel4 Sterne
Der Originaltitel ist wohl ironisch gemeint, denn welche menschlichen Knochen sind schon hübsch? Da gefällt mir der deutsche schon besser. Peter Jackson hat die Romanvorlage von Alice Sebold mit viel Animation eindrucksvoll verfilmt. Wie kann man auch sonst den Bereich zwischen Himmel und Erde darstellen? Dazu braucht man jede Menge Fantasie. Da hat Gewalt keinen Platz. Die eigentliche Tat sieht man daher auch nicht genau. Dafür viele Tränen. Vor allem von den Eltern Mark Wahlberg und Rachel Weisz. Die können ihr Talent hier nicht beweisen. Dafür kommt die Auflockerung von der durchgeknallten Oma (Susan Sarandon). Sie ist so toll, dass sie fast ihren eigenen Film macht. Und zur Verhinderung des familiären Zuckergusses gibt es gegen Ende noch eine gehörige Portion Spannung. Stanley Tucci ist der böse Massenmörder, angepasst aber mit einem Touch Diabolik. Susie wird von Saoirse Ronan hervorragend gespielt. Sie kann staunen, weinen oder sich fürchten, kann sich verlieben, anhimmeln oder durch zeitlose Räume schweben. Obwohl sie tot ist, will keine Trauer aufkommen. Es sieht alles viel zu schön aus und der Übergang vom Hier zum Jenseits ist fließend. Wenn so der Himmel ist, will wohl jeder dahin. Ein spannendes Märchen, in dem Sebold ihre eigenen schlimmen Erfahrungen verarbeitet hat, die fast so gravierend waren wie der Tod.
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Fr, 15.02.2013
TV | Gandhi
Mahatma die große Seele4 Sterne
Das ist einer der ganz großen Monumentalfilme aus den frühen 80er Jahren. In epischer Breite werden in anschaulicher Form entscheidende Episoden aus dem Leben des großen Inders erzählt. Sein Ende bildet den Rahmen des Films. Und das ist dramaturgisch nicht ungeschickt. Gandhis Ideen wird in Dialogen viel Platz eingeräumt (‘Armut ist die schrecklichste Form der Gewalt‘). Ebenso wie für eine differenzierte Charakterzeichnung seiner Gefährten (z.B. Nehru) und seiner Umgebung (Ehefrau). Spektakuläre Massenszenen mit damals noch echten Komparsen stehen neben ruhigen Einblicken in Gandhis Alltag (z.B. Spinnen und Weben). Die Originalschauplätze geben viel Lokalkolorit her. Täuschend ähnlich, fast besser als das Original, lieh der damals noch unbekannte Ben Kingsley dem Inder sein Gesicht. Er trägt und prägt den Klassiker. Richard Attenboroughs Meisterwerk ist nicht nur ein Denkmal für den Vater des passiven Widerstandes und des zivilen Ungehorsams, sondern es dokumentiert auch Indiens Weg in die Unabhängigkeit. Es ist ein Abgesang auf den Kolonialismus und den Feudalismus und damit letzten Endes auch ein zeitloses Lehrstück für die Freiheit im Allgemeinen. Rassismus und Unterdrückung werden in ihrer ganzen menschlichen Verachtung angeprangert. Auch die Rivalität zwischen Moslems und Hindus bleibt nicht unerwähnt. (‘Sie sind das rechte und das linke Auge Indiens.‘) Ganz großes Kino: Weltkulturerbe!

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