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Do, 14.02.2013
TV | Lost Persons Area
Die Verlorenen2 Sterne
Die Landschaft ist ebenso triste und eintönig wie das Leben der Bewohner. Und das wird konsequent durchgehalten. Es betrifft das Essen (Thunfisch auf Pfirsich), die Kleidung (zwischen Löchern und Waschmaschine) und auch die Freizeitgestaltung (Bowling). Nichts für Ästheten und rosarote Brillenträger. Die Menschen – hier im Mittelpunkt das Pärchen Marcus (Sam Louwyck) und Bettina (Lisbeth Gruwez) – leben zwischen unerfüllten Hoffnungen und enttäuschten Erwartungen. Sie sind wortkarg, aber es gibt auch nicht viel zu erzählen. Da ist es schon ein Highlight, wenn die pure Gier nach so etwas wie Wohlfühlen sich im Sex dokumentiert. Und dabei prallen Lügen und andere Verständigungsprobleme vom Gegenüber ab wie Fett von Teflon. Ein Unfall wirbelt Emotionen auf, die aber bald wieder in sich zusammensacken. Marcus hat berufliche Probleme und Bettina verzweifelt am Leben ‘Allein unter Männern‘. Perspektivlosigkeit und Tristesse sind Genossen, die das Geworfensein der eigenen Existenz nichten. Warum das so ist, wissen Marcus und Bettina auch nicht. Sie tun es einfach. Arthouse für Filmfestivals. Bei aller Relativität der Zeit: hier ist der Sitz auf der heißen Herdplatte relativ lang.
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Do, 14.02.2013
TV | Eine ganz private Affäre
Keine Affäre1 Stern
Prominent besetzt, konventionell gemacht und mit vielen Assoziationen zu Chandler, Hammett und Co. Die Darsteller tun ihr Bestes, aber Regie und Drehbuch lassen kein Auftauchen oberhalb der normalen Krimikost aus Frankreich zu. Und da hängen die spannungsgeladenen Früchte ja an sich sehr hoch. Drum interessieren eher die Unterschiede zu den berühmten s/w Vorbildern. Der Schnüffler hier heißt Manéri und wird von Thierry Lhermitte recht professionell dargestellt. Bei seinen Ermittlungen trifft er auf keine interessanten Personen. Normaler Trott halt! Er geht fast als Callboy durch, zockt und ist geschieden, mit einem sonderbaren Verhältnis zur Ex. Aus der langen Liste der Akteure ragt nur Marion Cotillard heraus. Nicht nur weil sie sonst nie so viel nackte Haut zeigt wie hier ‘als freizügige Schlampe‘, sondern weil sie am Ende auch noch Teil der überraschenden Wendung ist. Das reißt einen aber auch nicht mehr vom Hocker. Denn die eigentlich noch offenen Fragen wie ‘Wer war’s?‘ und ‘Warum?‘ beantworten sich von selbst. Sie lösen sich nicht in Wohlgefallen auf, sondern in Achselzucken. So fahren wir am Ende mit Schnüffler Manéri in irgendeinem Auto irgendwo hin. Vielleicht hat er ja demnächst mal ‘eine ganz private Affäre‘. Hier im Film hat er jedenfalls keine.
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Do, 14.02.2013
TV | Unter Bomben
Taxi nach Tobruk3 Sterne
Zeina (Nada Abou Farhat) ist auf der Suche nach ihrem kleinen Sohn Karim. Sie geht mit dem Taxifahrer Tony (Georges Khabbaz) auf eine Odyssee durch ein von Bomben verwüstetes Land. Der Film schildert eindrucksvoll die Ängste der Zivilbevölkerung im Libanon. Genau wie für die meisten Bewohner der Gegend ist es nicht Zeinas Krieg. Für sie bleibt nur das Leid. Zeina schwankt zwischen Hoffnung und Ungewissheit. Tony kennt die Gegend und hat auch viele Freunde da. Er kann ihr helfen. Es ergeben sich zwei entgegengesetzte Entwicklungen: in einer Außenwelt voller Krieg und Zerstörung, in der der Tod ein ständiger Begleiter ist, kommen sich Zeina und Tony menschlich näher. Sie offenbaren scheibchenweise immer mehr aus ihrer persönlichen Vergangenheit. Gekonnt hält Regisseur Philippe Aractingi dieses Verhältnis in der Schwebe: zwischen gegenseitigem sexuellem Interesse und einer neu entdeckten Gemeinsamkeit, denn auch Tony hat Familie. Damit verlässt der Film die individuelle Ebene dieser Not- und Fahrgemeinschaft und bereitet mit einer zeitlosen Feststellung das Ende vor. Wem wäre vordergründig geholfen, wenn Zeina ihren Sohn tatsächlich finden würde? So kann Aractingi den Film all denen widmen – auch und vor allem den Kindern - die in diesem Krieg umgekommen sind.
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Do, 14.02.2013
TV | A Serious Man
Der arme Larry2 Sterne
Schon beim Titel nehmen sich die Coen-Brüder selber auf den Arm. Die zentrale Figur Larry (Michael Stuhlbarg) ist nicht unbedingt ein ernster Mann, sondern eine arme Sau. Bei der oft zitierten jüdischen Gemengelage, die mit vielen Fachausdrücken untermauert wird, erinnert Larrys Situation eher an das Buch Hiob. Für ihn kommt es knüppeldick: Frau, Kinder, Ehe, Job: alles läuft schief. Und das ist alles sehr kurzweilig. Es reicht nicht bis zur Schadendfreude – dafür ist Larry einfach ein zu lieber Kerl – doch Dialoge und Situationen schaffen eine groteske Atmo, die in Albträumen überdreht und keine Sinnfrage aufkommen lässt. Erklärung? Fehlanzeige! Es ist Unterhaltung pur. ‘Und wie spricht Gott zu uns? Er lässt Fragen entstehen, aber keine Antworten.‘ Es gibt keine Entwicklung, sondern es geht einfach immer nur weiter. Man gewöhnt sich an das Groteske. Die Figuren agieren marionettenhaft, ihre Aktivitäten verlaufen in schablonenhaften Bahnen. Auch das ist Komisch. Es entsteht eine emotionale Distanz zwischen Zuschauer und Darsteller. Da halten es die Coen–Brüder mit Shakespeare: ‘Wie es euch gefällt‘ oder ‘Was ihr wollt‘. Na ja!? Über das Niveau kann man streiten, ohne William mit diesem Vergleich zu nahe treten zu wollen.
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Do, 14.02.2013
TV | Plunkett und MacLeane - Gegen Tod und Teufel
Drei vornehme Wegelagerer4 Sterne
Das ist ein munterer Historienulk im vorrevolutionären England des 18. Jahrhunderts mit prächtigem höfischem Pomp und ebenso beeindruckenden Schmuddelkostümen. Der pralle Inhalt ist angefüllt mit den zu erwartenden Zutaten: Raubüberfälle, Hahnenkämpfe, Glücksspiele, ein Duell und viel temporeicher Action. Die Komik kommt von der begleitenden Rockmusik ‘You’re Going to Hell‘ und der ‘gepflegten‘ Sprache, die aber auch den Gebrauch von F-Verben keineswegs vernachlässigt und die dazugehörenden Aktivitäten nicht ausspart. So lautet die Steigerung von steinreich über stinkreich schließlich ‘scheißreich‘. Ein Heidenspaß! Die beiden Titelhelden agieren mit viel Spielfreude, wobei Plunkett (Robert Carlyle) der Kopf der räuberischen Bande ist und Macleane (Jonny Lee Miller) der vornehme Pinkel. Bei seinem Glück bei den Frauen holt er sich vorübergehend schon mal die Syphilis, bekommt aber auch am Ende die schöne Rebecca (Liv Tyler). Und für die Spannung sorgt Mr Chance (Ken Stott) als brutaler Bösewicht. Optischer und dramaturgischer Höhepunkt ist die spektakuläre Rettung vom Galgen. Gut gemachte Unterhaltung: temporeich und charmant.
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Do, 07.02.2013
TV | Gigante
Wachmann & Putzfrau2 Sterne
Ein ganz stiller Film für Schüchterne mit viel Geduld, denn es passiert fast nichts. Der wortkarge, etwas korpulente Wachmann Jara (Horacio Camandule) beobachtet die Putzfrau Julia (Leonor Svarcas) immer intensiver. Er traut sich aber nicht, sie anzusprechen. Erst in der letzten Einstellung sitzen beide am Strand. Man hört aber nicht, was sie miteinander bereden. Der Schluss passt zum vorhergehenden Geschehen, wie das anonyme Geschenk für Julia: ein Kaktus. Der Zuschauer ist quasi der friedlich-freundliche Mit-Stalker, der das Interesse an Julia mit Jara teilen muss und der jede neue Information über sie ebenso wissbegierig aufsaugt, wie die kleinen Missgeschicke oder Ladendiebstähle, die Jara mitansieht und helfend eingreift. Das ist rührend gemacht, aber nicht jedermanns Sache. Die beiden Darsteller agieren wie in einem Dokumentarfilm über die Arbeit im Supermarkt. Still erledigen sie ihren Job. Was das alles mit dem Titel zu tun hat? Keine Ahnung. Riesen kann ich nicht entdecken. Das Ganze ist hier vom üblichen Film so weit weg, so vollkommen anders, dass es durch seinen Seltenheitswert schon wieder gut ist.
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Do, 07.02.2013
TV | Ashes of Time - Redux
Die Asche der Zeit2 Sterne
Die Stärke des Regisseurs Wong Kar-wai liegt im Zauber der Bilder seines Films. Selbst bei völlig statischen Situationen weht noch ein Schleier durch das Blickfeld und bringt Bewegung durch Schattenspiele im gebrochenen Licht. Die Handlung wird zur Nebensache. Da werden reihenwiese Morddrohungen ausgestoßen oder Mordaufträge vergeben. Und das in endlos langen Dialogen, denen man auch nicht so ohne weiteres folgen kann. Zumal wenn sie mit Sprüchen garniert sind wie ‘Die Ursache aller Probleme des Menschen liegt in seinem Gedächtnis.‘ So entfernt sich die Handlung von der Realität. Gelegentlich wird man zurückgerufen durch plötzliche Liebesausbrüche oder Schwertkämpfe und wird immer wieder durch verschlüsselte Dialoge auf Distanz gehalten. Da versiegt auch das Verständnis für das individuelle Drama. So zwingen vage Ahnungen den Zuschauer die wunderschönen Bilder als letzten Halt zu genießen. Mit dem Titel ist auch schwerlich etwas anzufangen. Wenn man die Zeit verbrennt, bleibt Asche übrig. Ist diese Asche dann die Erinnerung? Dem Film kann ich diese Erkenntnis nicht entnehmen.
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Mi, 06.02.2013
TV | Star Force Soldier
Weltraumsoldaten2 Sterne
Der Anfang ist vielversprechend und selbst nach der ‘Landung‘ von Todd (Kurt Russell) auf dem Müllplaneten bieten sich gute Ansätze für einen tollen Film. Doch leider bleibt es im Verlauf nur bei kurzen Andeutungen. Man ahnt den Antagonismus von Mensch und Roboter, von Anstand und Menschlichkeit gegenüber den technologischen Götzen, den Killermaschinen. Selbst das gesunde Leben der Öko-Kolonie bietet Chancen, die leider nicht genutzt werden. Die brutal gekürzte Fassung wirkt kryptisch. Dadurch klaffen Lücken in der Handlung – besonders am Ende – die durch Unverständnis den Sinn der Aktionen minimieren. Und Kurt Russell kann zeigen, was er drauf hat: eine Potenzierung von Bruce Willis und Arnie Schwarzenegger. Das ist allerdings vorhersehbar. Seine Gesichtslähmung hält selbst als ihm eine Träne die Backe runterläuft. Selbst die mögliche Love Story mit Sandra (Connie Nielsen) – sonst eigentlich fester Bestandteil fast jedes Films - bleibt im Ansatz stecken. So ergibt sich ein simples Ende nach vielen vertanen Möglichkeiten. Gelungen ist hingegen die klimatische Darstellung auf diesem Himmelskörper: unbändige Stürme oder sintflutartige Regenfälle. Aber sonst? K.V.
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Di, 05.02.2013
Kino | Kinder des Himmels
Schuhballade4 Sterne
Das ist nicht nur Majid Majidis schönster Films wegen seiner eindrucksvollen Bildersprache mit der er diese Ballade von den Schuhen erzählt, sondern es sind wie immer bei ihm die absolut authentischen Darsteller, die einen Einblick in das Alltagsleben des Landes gewähren. Es wird auch das Wohlstandgefälle deutlich. Hier ist es vor allem die Jobsuche des Vaters (Mohammad Amir Naji) und seine Stellung gegenüber seiner kränkelnden Frau (Fereshte Sarabendi). Auch der stringent erzählte Plot in seiner Ringform überzeugt durchaus. Die gedankliche und optische Verbindung von verlorenen Turnschuhen und dem Preis bei einem Laufwettbewerb übersteigt den Rahmen des normalen Kinderfilms. Dabei sind die beiden Geschwister grandios. Ali (Amir Farrokh Hashemian) und seine Schwester Zahra (Bahare Seddiqi) spielen überzeugend echt und können Steine erweichen. Alis abgrundtieftraurige große Augen sind ebenso unvergesslich wie Zahras pfiffige Leichtigkeit. Und nachdem jeder nach Lauf und Sieg den erhofften Preis – ein Paar Turnschuhe – schon in Alis Händen wähnt, werden wir stattdessen still und wunderschön mit Kinderfüssen im Goldfischteich hinausbegleitet. Diese Kinder nehmen uns mit in den Himmel, in dem man träumen kann.

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Krimi mal anders5 Sterne

Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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