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Di, 05.02.2013
TV | The Sentinel - Wem kannst du trauen?
Guter alter Mainstream2 Sterne
Das ist guter alter Mainstream, quasi ein Bruttotyp des Genres Agententhriller. Man braucht dazu eine Handvoll Superstars und eine Geschichte, die ganz oben angesiedelt ist, am besten ein Attentat auf den Präsidenten. Zwei der Helden bekämpfen sich anfangs gegenseitig, später dann gegen die Bösen gemeinsam. Und die bedrohen die nationale Sicherheit des Landes. Der Unerschrockene David (Kiefer24Sutherland) findet heraus, dass sein ehemaliger Freund Pete (Michael Douglas) eine Affäre mit der Präsidentengattin (Kim Basinger) hat. Soviel zum Thema Ungeheuerlichkeit. Bis zum alle versöhnenden finalen Showdown kommen schon mal einige Schwierigkeiten auf. Probleme werden aber zum Wohlgefallen der Zuschauer recht schnell gelöst. Es wird auf Teufel komm raus ermittelt und dabei viel gerannt. Es gibt nur ganz spärliche Hinweise auf das Privatleben der Helden. Gerade genug für das sentimentale Versöhnungsfest am Ende. So bleibt aber keine Zeit für die Ausgestaltung der Charaktere, die leider zweidimensional bleiben. Natürlich muss auch etwas fürs Auge geboten werden. Hier kommt die attraktive aber unerfahrene Eva Longoria ins Spiel. So fühlt man sich angenehm unterhalten. Man sieht nichts Neues, aber der Mix ist so gut, die Darsteller so überzeugend, dass man davon durchaus gefangen ist.
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Mo, 04.02.2013
TV | Mitten im Sturm
Überleben im Gulag3 Sterne
Der Film verdeutlicht überaus beeindruckend die Ohnmacht des Einzelnen gegenüber der Willkür des stalinistischen Systems (“Meister Schnurrbart“) und ebenso die hier gezeigten Auswüchse menschlicher Demütigungen. Besonders erstaunlich, da hier eine Professorin (Emily Watson), die eigentlich voll hinter der Ideologie von Väterchen Stalin steht, zur Haft im Gulag verurteilt wird. Da werden aus Freunden Feinde und aus Richtern Mithäftlinge. Schmerzlich auch die Trennung von Mann und Kindern. Emily Watson trägt das Geschehen. In ihrem Gesichtsausdruck versammelt sich die ganze Skala menschlicher Emotionen von laut schreiend bis stumm leidend, von Empörung und Wut, aber auch von Wärme und Mitgefühl. Das prägt den Film, in dem eine gesamteuropäische Crew (u.a. Ulrich Tukur, Ian Hart, Lena Stolze) ganz toll agiert. Der Schwerpunkt liegt auf der individuellen Problematik des Lagerlebens. Und da überzeugen die genau beobachteten zwischenmenschlichen Aspekte. Hier helfen Lyrik und die Liebe der gequälten Seele mancher Lagerinsassen. “Süß ist es zu schlafen, süßer noch ein Stein zu sein.“ Das Ende kommt dann kurz und bündig, aber wohltuend erwärmend bei der Eiseskälte dieses Wirbelwindes.
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So, 03.02.2013
TV | The Box
Die Todeskiste4 Sterne
Eine interessante Idee wurde eindrucksvoll umgesetzt. Es ist richtig, dass wir in Kisten leben und überall Kisten um uns herum haben. Soviel zum Titel. Ein Fremder gibt bei Familie Lewis eine Box ab. Es stellt sich die Frage: bei Knopfdruck stirbt ein Mensch, aber es gibt auch 1 Million $. Die finanzielle Gier besiegt die Ungewissheit. Wir erfahren immer nur so viel, dass wir gespannt folgen können. Arthur Lewis (James Marsden) und Ehefrau Norma (Cameron Diaz) versuchen dahinter zu kommen, was es mit dem Überbringer der Box, dem ominösen älteren Herrn (leicht entstellt Frank Langella) auf sich hat. Als ihr Sohn mit hineingezogen wird, spitzt sich das Ganze spannungsmäßig zu. Arthur gerät in pseudo-religiöse Kreise und hat die Wahl zwischen Seelenheil und ewiger Verdammnis und das bei aufregenden, digitalen Seherlebnissen. Die letzte Konsequenz bringt für Arthur die Frage: Norma ermorden oder Sohn retten? (Es gibt nur eine Kugel.) Damit begibt sich der Film auf eine moralische Ebene und stellt die Frage nach Schuld und Freiheit, Verantwortung und Liebe. Im Gegensatz zu vielen anderen Science-Fiction-Horrordramen kennen wir den Bösewicht, erahnen seine Motive, aber er ist nicht greifbar und die Lösung ist, dass der Horror weiter geht. Eine andere Familie hat wieder eine Box bekommen… Das ist eine intelligente Schauermär.
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Fr, 01.02.2013
TV | Occi gegen die Welt
Der Bastard3 Sterne
Eine herbe Story von denen, die am Rande der Gesellschaft leben und gegen engstirnige Vorurteile ankämpfen müssen. Hier ist es eine ledige Mutter (Jodie Whittaker, schauspielerisch durchaus überzeugend, aber etwas zu jung gecastet) im katholischen Irland, mit ihrem Sohn Austin, genannt Occi (Martin McCann). Der wird mit dem schlimmsten Schimpfwort der englischen Sprache etikettiert: ‘Bastard’ d.h. unehelicher Sohn eines unbekannten Vaters. Die Gesellschaft versteht ihn nicht und umgekehrt. Occi kommt ins Heim, dann in eine Nervenheilanstalt (‘Klapse‘). Er wird medikamentös ruhig gestellt und begegnet Mary (Marcella Plunkett), die ihn mag. Er versucht es mit Arbeit auf einem Fischerboot, aber auch hier fühlt er sich stigmatisiert. Es kommt noch schlimmer. Als er erfährt, wer sein Vater ist und seine Mutter stirbt, rastet er aus. Doch bevor er in den Abgrund stürzt, trifft er Mary wieder und beide finden eine Lösung. Keine gemeinsame – wie erwartet - sondern eine tragfähige. Das ist ein überraschendes aber auch überzeugendes Ende, das von Occis Traum unterstützt wird, in dem ihn seine Mutter ins Leben schickt ‘Go on.‘ Ein Hoffnung verbreitender, gelungener Schluss. Ein Schwan soll ja kurz vor seinem Tode singen. Hier wäre es ein Lied auf Occis früheres Leben und zugleich auf einen möglichen Neuanfang. Kompromisslos hart und dennoch nicht ohne Gefühl.
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Do, 31.01.2013
TV | Cartagena
Leo & die Frauen4 Sterne
Natürlich drängt sich der Vergleich zum Nachzieher von ‘Rost & Knochen‘ auf, obwohl beide Filme nur das gleiche Thema behandeln: Frau im Rollstuhl wird von abgetakeltem Faustkämpfer gepflegt. Sonst haben sie nichts gemeinsam. Wer nicht so sehr auf effekthaschenden, spektakulären Stunts steht, dem wird dieses äußerst sensible Psychostudie besser gefallen. Die menschliche Annäherung zwischen Muriel (Sophie Marceau) und Leo (Christopher Lambert) findet in der Stille statt, mit langen Blicken, einem Lächeln oder der immer freundlicher klingenden Stimme von Muriel. Auch die Intimsphäre wird geachtet (Perkussion), denn sie ist ja auch eine Frau. Die Gespräche drehen sich um Vorlesen und Zuhören. Im Grunde umwerben neben Muriel noch ihre Pflegerin Lucia (Margarita de Francisco) und seine Boxschülerin Lina (Linnett Hernandez Valdes) den charmanten Leo. Der lebt in zwei völlig unterschiedlichen Welten. Er bekämpft sein Alkoholproblem, sie ihre aufkeimende Liebe. Der Rollstuhl ist das verbindende Element. Dabei geht es keineswegs humorlos zu: Er ‘Ich habe eine Überraschung für sie.‘ – ‘Ach, sie trinken nicht mehr, sie koksen jetzt.‘ oder ihre Frage ‘Können sie kochen?‘ Antwort ‘Ich war in der Armee.‘ darauf sie ‘Ich habe von Essen gesprochen nicht von Fressen.‘ Im Gegensatz zu Lucia und Lina ist am Ende der Zuschauer und Muriel happy, wenn der Film mit einem Poem ausklingt.
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Mi, 30.01.2013
TV | Schiffsmeldungen
Back to the Roots5 Sterne
Dieser Film gehört zu den besten Feel-Good-Movies aller Zeiten - nicht nur wegen der Handlung. Da wurde der Roman von Annie Proulx sinngemäß in wunderschöne Bilder umgesetzt und die örtliche Atmosphäre vom Leben am Rande der Welt vortrefflich eingefangen. Man merkt, dass hier sogar der spröde Charme der Einheimischen sprühen kann. Es gibt jede Menge skurriler aber liebenswürdiger Typen. Auch die im Roman beschriebenen Phänomene von Geistern und mystischen Zeichen werden in unvergessliche Bilder gefasst, wie z.B. das festgebundene Haus. Immer nur so wohl dosiert, dass man sie fast glauben kann. Träume und Albträume verdeutlichen Gefühle. Neben der rührenden Vater-Tochter Beziehung kommt noch in der Retrospektive eine erschreckende Familiensaga hinzu und eine überzeugende Liebesgeschichte. Es ist rührend gemacht, wie nach enttäuschter Liebe erneut Zutrauen gefasst wird. Außerdem gibt es ironische Einblicke in den Lokaljournalismus und die Umweltproblematik. Die Darstellerriege ist ausnahmslos großartig. Erwähnt sei nur Kevin Spacey als liebender Vater, der fast im Grenzbereich warmherziger, schlichter Einfalt anzusiedeln ist oder Judi Dench als herb-herzliche aber richtungsweisende Tante, die vom Schicksal arg gebeutelt wurde. Auch der Kurzauftritt von Cate Blanchett als herzloses, flatterhaftes Flittchen ist beeindruckend, sowie Julianne Moore als zurückhaltend-feinfühlig Mutter, die verwundete Männerseelen auffangen kann. Die Vergangenheit wird anrührend in die Gegenwart mit eingebunden und von einer ohrwurmartigen Melodie begleitet verschaffen die fantastischen Bilder das absolute Filmvergnügen.
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Di, 29.01.2013
TV | Du sollst nicht lieben
Tödliche Liebe3 Sterne
Der Titel erinnert in seiner Formulierung an ein Gebot bzw. Verbot. Hier gilt das für einen Mann in Bezug auf einen anderen Mann. Dass orthodoxe Juden schwul sind ist ein Tabu. Wenn einer davon, Aaron, ein verheirateter Familienvater ist, handelt es sich um ein Drama mit einem Ausmaß einer klassischen, antiken Tragödie. Diese ausweglose Situation beschreibt Regisseur Chaim Tabakman äußerst sensibel und eindringlich. Aaron und Ezri kommen sich schrittweise näher. Von der ersten Umarmung bis zum ‘Sandwich‘. Außerdem kreiert Tabakman eine detaillierte Insider-Atmosphäre, in der sich eine Dreiecksgeschichte entwickelt, in der neben Aaron (Zohar Strauss) auch seine Frau Rivka (Tinkerbell) eine stille, leidende Rolle spielt. Der jugendliche Verführer Ezri (Ran Danker) taucht auf und verschwindet auch wieder. Viele ausdrucksstarke Blicke werden ausgetauscht. Gerüchte kursieren. Die Sittenwächter kommen. Es gibt lange bibelkompatible Streitgespräche. Aaron sagt ‘Ich war tot. Jetzt lebe ich.‘ und seiner Frau gegenüber ‘Das Böse ist über mich gekommen.‘ Er sieht keinen Ausweg. Das Ehepaar bildet eine Art stille Pieta: Geständnis? Verzeihung? Danach taucht Aaron in einen See…Ein schwieriges Thema, mutig und mit viel Gefühl angegangen.
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Di, 29.01.2013
TV | Die Entführung der U-Bahn Pelham 123
Duell im Tunnel1 Stern
Typisches Fließbandprodukt aus Hollywood. Wenn der Titel schon Inhaltsangabe ist, der jeden Misserfolg ausschließt, will keine rechte Spannung aufkommen. Auch die schnellen Schnitte akustisch begleitet von Zonk-Wam-Zoom greifen nur den Sehnerv an. Aus den gleichförmig gestalteten Figuren ragt nur der sympathische Denzel Washington heraus. Von ihm gibt es auch kurz angedeutet einen persönlichen Hintergrund. Sonst gibt es das nicht. Wir erfahren nicht einmal, warum John Travolta diese ‘Entführung‘ macht. Und der ballert und schreit lustlos um sich. Stattdessen dürfen wir aber ausgiebig auf die elektronische Anzeigetafel starren. Da kommt Freude auf, wenn sich etwas Menschliches regt und sei es nur dass Denzel sich Kaffee auf die Hose schüttet. Das Umfeld besteht nur aus Deltas – inklusive Bürgermeister. Wie gesagt: man weiß schon alles im Voraus, kann nichts von einem Reißer oder gar einem Psychoduell spüren. Ein schlichtes Gegenüber ist noch lange kein Duell. Glatt poliertes Oberflächenrelief bei dem selbst die zweite Dimension nur verschwommen aufblitzt. Meingott, Walter Matthau rotiert im Grabe vor Gram. K.V.
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Mo, 28.01.2013
TV | Precious - Das Leben ist kostbar
Harlem Blues4 Sterne
Ein erschütterndes Gesellschaftsbild, deprimierend aber leider wahr. Der Teenager Claireece (Gabourey Sidibe), genannt ‘Precious‘ (wertvoll!) ist alles andere als hübsch, übermäßig korpulent und zum zweiten Mal vom Vater schwanger. Sie wird von der Mutter (Mo‘-Nique), die alles weiß, brutal drangsaliert, geschlagen und beschimpft (‘Fettes Schwein‘). Die intensive Darstellung der beiden Hauptdarsteller treibt im Gespräch nicht nur der Sozialarbeiterin (Mariah Carey) die Tränen in die Augen. Dieses unerträgliche, menschenunwürdige Leben besteht nur aus Fernsehen und fettem Essen bis Precious ausbricht und in eine Sonderschule ‘Each One-Teach One‘ geht. Hier hilft ihr die Lehrerin und eine männliche Krankenschwester (Lenny Kravitz) In den schlimmsten Momenten träumt sich Precious in die Glamourwelt des Showgeschäftes. Hier ist sie dann ein Weiße, schlank und schön. Aber es kommt noch schlimmer: ihr Vater stirbt an Aids. Damit ist auch die Zukunft von Precious klar. Selbst Filmausschnitte im Fernsehen verstärken diese Hölle noch: ‘… und dennoch leben sie‘ mit Sophia Loren, deren Tochter missbraucht wird und im Gespräch wird ‘Barfly‘ mit Mickey Rouke erwähnt, der sich zu Tode säuft. Precious gibt aber in diesen hoffnungslosen Kampf nie auf. Ein Apell !? Unbeschreiblich, denn Worte versagen hier den Dienst, Preise nicht.
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Mo, 28.01.2013
TV | Die Fälscher
Blütenzauber4 Sterne
Hier wird ein Thema behandelt, dass unter Historikern wenig Beachtung gefunden hat. Vielleicht weil es zeigt, dass die Nazis clevere Ideen in die Tat umsetzten konnten: ‘Unternehmen Bernhard‘; die Überschwemmung des britischen und amerikanischen Geldmarktes mit gefälschten Banknoten, um deren Finanzsystem zum Zusammenbruch zu bringen. Dazu kasernierten sie in Kzs jüdische Spezialisten. Diese größte Fälscheraktion aller Zeiten hat Regisseur Stefan Ruzowitzky in einen interessanten Rahmen gekleidet und einen spannenden bisweilen bewegenden Krimi daraus gemacht. Da die Faktenlage klar ist, konzentriert sich der Film auf die Problematik. Die Häftlinge leben zwischen Terror und Komfort, zwischen Angst und Wohlergehen. Sie erörtern die Frage, ob sie durch ihre ‘Prostitution‘ den Nazis helfen oder ob sie reiner Egoismus antreibt. Bald wird klar, dass sie nur bei Erfolg ihrer Arbeit überleben werden (‘Anpassen oder untergehen.‘) Es stellt sich generell die Frage nach dem Widerstand gegen autoritäre, menschenverachtende Systeme. Angesicht der Erschießungen wählen manche resigniert den Selbstmord, andere ertragen schlimmste Demütigungen, wenn SS Schergen sie als Pissoir benutzen. Zwischen allen Stühlen sitzt der der einzige freundliche Nazi Herzog (ganz toll Devid Striesow). Er outet sich als Mitläufer und Erfüllungsgehilfe, zeigt aber auch menschliche Regungen. Der Oberfälscher (Karl Markovics) lässt ihn laufen. Das Leben ist halt ungerecht, aber nie langweilig.

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Krimi mal anders5 Sterne

Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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