So, 27.01.2013TV | Breakfast of Champions - Frühstück für HeldenNick, Bruce und AlbertKultregisseur Alan Rudolph hat versucht eine Romanvorlage von Kultautor Kurt Vonnegut in Szene zu setzen. Die Exzentrizität der beiden hat sich wohl hier wie der ansteigende Verlauf einer geometrischen Kurve nach oben bewegt. Man kann den hervorragenden Darstellern zuschauen, ohne ihr Verhalten zu begreifen. Und das ist seeehr anstrengend! Das ist dann wohl die höchste Form der Groteske oder schon jenseits der Grenze von Sinnhaftigkeit. Weder lustig, noch traurig, weder ernsthaft noch schaurig. Für diese Figuren kann man nur Mitleid empfinden. Sie sind verzweifelt, einsam und durchgeknallt. Dabei wird der eine Dwayne Hoover (Schmalzlocke Bruce Willis) von den Fans angehimmelt, was aber keineswegs seine suizidalen Absichten vertreibt. Der andere, Harry Le Sabre (selten abartig Nick Nolte), schämt sich seiner transsexuellen Neigungen und der dritte im Bunde, Kilgore Trout, (als verschrobener Kauz Albert Finney), trottet als erfolgloser Schriftsteller durch eine versiffte Umwelt. Eigentlich kennt man alles, was man hier sieht, vielleicht nicht in so geballter Form und so überzeichnet durchgeknallt. Der Titel bezieht sich auf einen Martini. Das hilft ebenso wenig weiter, wie Dwaynes letzter Satz ‘Bis man tot ist, heißt es leben!‘ oder ‘Wenn man den Zug verpasst hat, isser weg!‘ Da warte ich doch lieber auf Godot. Dank der guten Darsteller ist es kein Schwachsinn, aber schwerverdauliche Kost mit sinnfreien Elementen. | |
So, 27.01.2013Kino | Django UnchainedWie entfesseltTarantino ist eine großartige Huldigung an den guten, alten Spaghetti-Western gelungen. Auf Schritt und Tritt assoziiert man Querverbindungen mit dem ‘Lied vom Tod‘. Nicht nur bei den musikalischen Übernahmen von Ennio Morricone. Auch der Woodstock-Veteran Richie Havens berührt immer noch mit seinem Schrei nach ‘Freedom‘. Lange Kameraeinstellungen mit Slow-Mo und viel verspritztem Tomatensaft verdeutlichen die emotionale Schlagkraft dieses Rachedramas, das durch exzessive Folterszenen schockiert. Wir Deutschen spielen nicht nur wegen Christoph Walz als Dr. King Schultz eine bedeutende Rolle: es sind z.B. Namen wie ‘Broomhilda’ oder die nordisch variierte Siegfried-Sage. Walz ist überhaupt der überragende Akteur dieses Films, dem es gelingt durch seinen abgehobenen, etwas gespreizten Sprachgebrauch eine Distanz zum brutalen Kopfgeldjäger-Geschäft herzustellen. So verleiht leise Komik dem Geschehen eine zusätzliche Qualität. Daneben beeindruckt Leonardo diCaprio, der den geschäftstüchtigen, herzlosen Südstaaten-Macho sehr differenziert darstellt und von Jetzt-auf-Gleich vom liebenswürdig-schleimigen Geschäftsmann zum bestialischen Monster werden kann, beraten vom alten Stephen (Samuel L. Jackson beeindruckt als Typ).
Das große Thema – neben der Liebesgeschichte – ist natürlich die Sklaverei. Eines der häufigsten Worte ist ‘Nigger‘. Bei uns sollen ja Kinderbücher vom Wort ‘Neger‘ gesäubert werden. Die Verwendung bereitet Tarantino offenbar keine Probleme. Großartig, historisch, oscarwürdig. | |
Sa, 26.01.2013TV | Wagnis der LiebeHerzdame in GefahrDame Cartland, deren Roman hier verfilmt wurde, kann man getrost in einer Abteilung mit Frau Pilcher ablegen. Doch allein mit dem Wortspiel des Originaltitels kann sie auftrumpfen. Abgesehen von der Alliteration geht es tatsächlich ums Zocken und auch noch um eine Herzdame, die in Gefahr ist. Die1987 noch pausbäckige Helena Bonham Carter spielt Serena und steht im Fokus der Ereignisse dieses Kostümschinkens, kurz nachdem sie in einem Zimmer mit Aussicht glänzen konnte. Hier in dieser Edelschmonzette kann sie sich neben Steward Granger (Kurzauftritt als charmanter Grand Seigneur), Diana Rigg (als böse Schwiegermutter), James Fox (als frauenfeindliches Ekel) und Christopher Plummer (als glückloser Vater) durchaus behaupten.
Es passiert recht viel, aber alle Probleme lösen sich - bevor man ‘Jack-Robinson‘ sagen kann - in Wohlgefallen auf. Weibliche und männliche Bösewichter schmuggeln und morden was das Zeug hält, es gibt Duelle, die der wahre Held natürlich überlebt und nach Geständnis und niederschmetternder Erkenntnis folgt naturgemäß die Ohnmacht einer Frau. Die Handlung eilt von einer Einstellung zu nächsten, knüpft Szene an Szene und versucht mit wenig Spannung zu unterhalten. Das liegt an der Unwahrscheinlichkeit immer neuer Ereignisse, die fertig abgeschlossen präsentiert werden, bis alle Bösen tot oder weg sind und die Liebenden vor dem Traualtar stehen. Dame Cartland sei Dank. | |
Fr, 25.01.2013TV | D'Artagnans TochterSexy SophieTavernier hat hier bewiesen, dass er auch das kann: ein Mantel und Degenabenteuer. Er hat alle guten Zutaten, die dieses Genre auszeichnen hineingesteckt und mit viel Esprit und Tempo ein farbenprächtiges Spektakel geboten. Die Handlung hat er in Frankreichs Blütezeit verlegt, als drei oder vier Musketiere je nach dem in aller Munde waren und die Welt in Atem hielten. Dabei gibt es nur so viel Historie wie nötig: die ‘Fronde‘, Mazarin, das Aufkommen des neuen Getränks: Kaffee. Aber so viel Witz wie möglich: der Adel bügelt und diskutiert die Menüfolge oder das Ende des Monologes von d’Artagnan am Grab ‘Ihr ward noch nie sehr gesprächig, mein Freund.‘ Jede Menge Fechtduelle, bei denen die Akteure zwischendurch amüsante Bemerkungen machen. Den ‘Roten Faden‘ bietet eine geheime Botschaft, die sich als Wäscheliste entpuppt. Daran hangeln sich Vater d’Artagnan (Philippe Noiret) und Tochter Eloise (sexy Sophie Marceau) entlang. Sie müssen natürlich den König retten, dessen Leben in höchster Gefahr ist und der von einer Bande ränkeschmiedender Witzfiguren umgeben ist. Damit die Bösen so richtig böse erscheinen, werden sie von der schönen Eglantine angeführt (Charlotte Kady). Für zusätzliche Abwechslung sorgt auch die amüsante Vater-Tochter Problematik. Und am Ende heißt es ‘Der Hof kehrt zum König zurück wie die Hennen zum Hahn.‘ Gute Unterhaltung. | |
Do, 24.01.2013TV | Arizona DreamJohnny zwischen zwei FrauenDie im Titel erwähnten Traumsequenzen sind noch das Beste an Kusturicas Film, den er mit seinem Kumpel Johnny Depp gemacht hat. Es ist sein schwächster. Kusturica hat seine balkanesken Wurzeln vernachlässigt und so sehen wir eine sonderbare Komik, die nur von der Optik und aufgekratzt munteren Darstellern lebt. Die bieten allerdings einen durchgeknallten Klamauk, der zwischen Albernheiten und auf melo-getrimmter Dramatik rangiert. Das ist nicht wirklich lustig, auf Dauer sogar ermüdend. Es ist aber auch keine echte Groteske, denn das persönliche Engagement der vier Hauptfiguren (abgesehen von Jerry Lewis Sondereinsatz) geht bei der Rollengestaltung so weit, dass keine Distanz mehr möglich ist. Das vertreibt den Spaß.
Eine diffuse Handlung schält sich heraus: Johnny Depp gefangen im Traum zweier Frauen. Die Ältere, Elaine, (Faye Dunaway) kriegt ihn, die Jüngere, Grace, (Lili Taylor) will ihn. Was die beiden Ladies von ihm wollen verdeutlicht die Symbolik vom ‘Fliegen‘. Die Filmausschnitte aus ‘Der unsichtbare Dritte‘, ‘Wie ein wilder Stier‘ und dem ‘Paten‘ laufen so neben der Handlung her wie Hobos, die versuchen auf einen fahrenden Güterzug aufzuspringen.
Und so hofft der Zuschauer auf das Ende, dass Kusturica aber vorerst nicht liefert, weil er selbst noch danach sucht. Und als er dann eins gefunden hat, ist das auch nicht grotesk sondern hohl, keinesfalls aber tragi-komisch. K.V. | |
Mi, 23.01.2013TV | Gefährliches GrasGrashalmeIn den USA kennt jedes Kind die Gedichtsammlung von Walt Whitman ‘Leaves of Grass‘ und die meisten können die eine oder andere Zeile sogar auswendig.
Hier oszilliert die Handlung 1. zwischen einem Familiendrama mit Love Story, 2. einer Verwechslungskomödie und 3. einem Drogenkrimi. Das ist so clever gemacht, dass bei dieser seltsamen Mischung ein äußerst unterhaltsamer Film rausgekommen ist.
Ad eins: zwei eineiige Zwillinge von Mutter Kincaid (Susan Sarandon) unterscheiden sich beruflich: Billy ist Professor für Altphilologie und Brady ist Drogenanbauer. Zweimal Edward Norton exzellent! Ihr Verhältnis zu der früher kiffenden Mutter ist problematisch und bietet eine echte Auseinandersetzung. Billy findet Anerkennung bei Janet (Kerry Russell), der Englischlehrerin des Ortes.
Ad zwei: wie sich die beiden Zwillinge aus der Patsche helfen, ist so pfiffig gemacht, dass selbst der Zuschauer sich manchmal fragt ‘Wer ist jetzt wer?‘ Billy oder Brady?
Ad drei: urplötzlich wird es amerikanisch blutig. Es gibt Tote. Schulden beim Gangsterboss Rothbaum, der Jude (Richard Dreyfuss).
Die Dialoge laufen dank der Situation auf witzigem, manchmal sogar anspruchsvollem Niveau: es geht um Heidegger und Plato, und es fallen Begriffe wie ‘Epistemologie‘. Diese gelungene Mischung aus verschiedenen Genres ist sehr unterhaltsam, enthält ernsthafte, aber auch lustige Facetten und findet eine Lösung, die über der engen Kleinkrämerei von Realismus steht. Selten gut. | |
Mi, 23.01.2013Kino | 16. Französische Filmtage Dresden: Der Geschmack von Rost und Knochen OmUNur Rost und KnochenNach dem Film hat man den Titel im Kopf und besagten Geschmack im Mund. Dabei ist es eigentlich doch eine ungewöhnliche Story von der beinamputierten Orca-Trainerin Stéphanie und dem Freistil-Kämpfer Ali. Sie (großartig Marion Cotillard) wurde physisch kaputt gemacht, er (Matthias–das Tier-Schoenaerts) lässt seinen Körper freiwillig demolieren. Es gibt durchaus einige ergreifende Szenen, und eine Weile wird die Story auch vom Gegensatz der beiden Hauptfiguren (über die Matratze hinaus!) getragen. Hier ist es der Gesichtsausdruck der Cotillard, der zwischen Verwunderung und sexuellem Begehren hin und herschwankt. Zeitweise glaubt sie sich im falschen Film. Und als Stéphanie mit ihren Prothesen die Wetteinsätze einsammelt, kommt sogar etwas Komik auf. Das persönliche Umfeld mit Sohn und Schwester sowie sein Nebenerwerb zerfleddern die Handlung etwas. Am Ende geht dann doch alles ziemlich glatt. Den Unfall des kleinen Sohnes ahnt man, und die Läuterung Alis zum weinenden Gefühlsmenschen musste ja wohl kommen, gerät aber etwas knapp und nicht überzeugend. Da öffnet sich dann leise die Schublade mit der Aufschrift ‘Schmonzette‘. Und so hinterlässt der Ausblick mit dem FFE-Effekt nach alledem den besagten, schwer zu erklärenden Nachgeschmack. | |
Di, 22.01.2013TV | Bonjour TristesseGuten Tag TraurigkeitEs ist heute schwer nachzuvollziehen, wieso der Film für viele bedeutende Regisseure so ungeheuer wichtig war. Und auch der Welterfolg des Romans stößt heute auf ungläubiges Staunen. Wir sind Ende der 50er Jahre. Damals traf beides wohl genau den Zeitgeist. Reißt es heute noch jemand vom Hocker, wenn Raymond, ein oberflächlicher Womanizer (David Niven), der eigentlich nur seine Tochter Cecile (Jean Seberg) liebt, jedem erreichbaren Rock den Hof macht? Vielleicht findet ja das Leben der Reichen und Schönen Interesse, hier sind es Pelze, Schmuck und Spielcasino. Cecile verhindert eine Beziehung des Vaters zu Anne, einer etwas reiferen Frau, die sich daraufhin auch noch umbringt oder verunglückt. Und das ganz unspektakulär. Neben der steril-steifen Deborah Kerr, die hier die Rolle der ‘moralinsauren Moralaposteline‘ gibt, überzeugt nur die junge, frisch-freche Jean Seberg - wenn man mal vom Blondchen (Mylène Demongeot), das letzten Endes doch erfolgreich ist, absieht. Dann ist es wohl die Sprache. Der Off-Kommentar lehnt sich eng an den Roman an und hebt das Niveau etwas, weil hier differenziert und reflektiert wird. Der krönende Höhepunkt ist aber das Chanson der Gréco. Hier deutet der Kontrast von Inhalt und Titel Ironie an. Es geht also um die pubertätsbedingte, an und für sich grundlose Traurigkeit eines Teenagers? Gefühlvoll formuliert: | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.