Mo, 21.01.2013TV | Wie ein Schrei im WindDie FalleDer deutsche Titel ist so viel sagend freifloatend, dass er zu fast jedem Film passen könnte. Der des Originals trifft das zentrale Ereignis: der Fallensteller Jean La Bete (‘das wilde Tier‘) gerät in die eigene Falle und wird von der Frau, die er sich gekauft hat, geheilt und durch Amputation gerettet. Die beiden Hauptdarsteller Oliver Reed und Rita Tushingham liefern sich ein hinreißendes Kammerspiel. Ihre darstellerische Leistungen bringen sehr überzeugend eine Reihe von menschlichen Eigenschaften zum Vorschein: Sie, die ‘graue Maus‘, stumm, sensibel, leidensfähig und unerwartet stark besitzt einen schlichten Charme, der den Zuschauer ebenso in seinen Bann zieht, wie ihr Gegenüber, das Raubein mit harter Schale, aber weichem Kern.
Es ist spannend und meisterlich erzählt wie sich die beiden Gegensätze annähern. Jeder rettet dem Anderen das Leben.
Es ist eine Auseinandersetzung auf mehreren Ebenen: zwischen Mensch und Natur, zwischen Zivilisation und Wildnis, aber auch zwischen Mann und Frau. Also ein zeitloses allgemeingültiges Phänomen. Die erste Ebene bringt die Spannung, hier sei besonders der legendäre Kampf mit den Wölfen erwähnt. Die beiden anderen Ebenen betreffen den psychologischen Bereich. Er tobt und randaliert, sie weint. Er frisst wie ein Schwein, sie achtet auf Tischmanieren, geduldig lächelnd.
Die allumfassenden Erfolge kommen letztlich durch gemeinsame Aktionen bis hin zum wohltuenden Happy End. Immer wieder klasse dieser Klassiker. | |
So, 20.01.2013TV | Das Kabinett des Doktor ParnassusFantastisches MärchenTerry Gilliam hat ein groteskes Märchen geschaffen und man erkennt seinen Anteil an der Präsentation der Monty Pythons. Der Bilderzauberer entführt uns in die Welt der Schausteller. Parnassus (ganz toll Christopher Plummer) zieht mit einem mobilen ‘Imaginarium‘ durchs Land. Genau das Medium braucht Gilliam um ansatzlos von der Welt der Fantasie in die Wirklichkeit zu wechseln und wieder zurück. Dabei entwickelt er ein Tempo und einen Ideenreichtum, dass einem bisweilen schwindelig werden kann. Natürlich schließt der Doktor eine Wette mit dem Teufel ab (ebenso beeindruckend, obwohl ohne Musik, Tom Waits) und der Preis ist natürlich seine schöne Tochter Valentina (‘Schnuckelchen‘ Lili Cole). Unterwegs setzt es ironische Seitenhiebe auf esoterische Traumwelten, Geldwäsche, Organhandel, auf die Mafia und eine Wohltätigkeitsorganisation. Den kaufgeilen Hausfrauen verspricht die modernisierte Freak-Show reich und berühmt zu werden. ‘Sie sind tot, aber unsterblich‘ denn ‘Nichts ist von Dauer, nicht einmal der Tod‘. Das verheißen ihnen die vier Tonys: Ledger, Depp, Law und Farrell. Ein versöhnliches Ende: der unsterbliche Parnassus erlebt Großvater-Freuden und der Teufel hat einen Abgang auf Wolken. Das ist ganz großes, fantasievolles Kino auf höchstem Niveau. | |
Sa, 19.01.2013TV | Der BockererDie spinnen die NazisEin zu Unrecht wenig beachteter Aufklärungsfilm über die Nazizeit. Er wird oft als Politposse abgetan. Dem widersprechen allerdings die Dokumentaraufnahmen vom 2. Weltkrieg. Es ist ein Lehrstück über die Zivilcourage eines kleinen Mannes (überzeugend Karl Merkatz), der auf seine Art mit dem gesunden Menschenverstand gegen die Nazi-Besatzer in Österreich Widerstand leistet, ohne sich zu verbiegen. Die historisch korrekten Details werden mit dem österreichischen Charme verbunden und pointiert zu einer bissigen, knallharten Satire. Alles wird sehr anschaulich geschildert. Nicht nur die Schikanen und Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung werden in drastischer Form gezeigt, auch die Arroganz der Nazis inklusive ihrer homosexuellen Neigungen. Mit Fachausdrücken wie den ‘Nürnberger Gesetzen und dem ‘Ariernachweis‘ wird Geschichte verständlich aufgearbeitet. Es gibt Mitläufer, Handlanger und Kriegsgewinnler, Enteignung und Räumung. Das Bewegendste ist die ganz persönliche Zerrissenheit, die den Keil mitten durch die Familie treibt. Ein Vollwaise wird durch den Krieg zum Enkel, ein Irrer tritt in Bockerers Fieberfantasien als Hitler auf. Viele kleine Details runden das stimmige Gesamtbild ab, manche werden überspitzt zu einem genialen Coup, wie das Aufhängen der NS Fahne.
In der Aussage zeitlos gültig, hat der Film nichts an Brisanz eingebüßt. Er sollte Pflichtprogramm in der Schule sein, um den Unbelehrbaren entgegenzuwirken. | |
Sa, 19.01.2013TV | Cairo ExitAmal und TarekDas ist das neue ägyptische Kino aus der Zeit nach Mubarak. Freimütig gewährt der Film Einblicke in den Alltag der Ägypter, und zugleich greift er Themen auf, die in einem möglichen Gottesstaat so nicht abgehandelt werden dürften.
Der Moslem Tarek (Mohamed Ramadan) liebt die Christin Amal (Maryhan). Er ist, obwohl Akademiker, arbeitslos, sie sucht händeringend einen Job. Heirat so gut wie ausgeschlossen. Aber das ist immer noch das Ziel vieler Araberinnen. Voraussetzung ist der Zustand der Jungfräulichkeit. Abhilfe schafft da ein Hymennäher.
Trotz der Problematik ist auch noch Platz für Komik, wenn sich der Koranvorleser als Hütchenspieler entpuppt oder das Handy bei Anruf durch einen herabgelassenen Korb in den dritten Stock befördert wird. Und es gibt ganz stille, bewegende Momente im Verhältnis Mutter-Sohn. Dass Amals alleinerziehende Schwester im Bordell arbeitet, ist für Islamisten unvorstellbar. Ganz nebenbei sehen wir die weite Kluft zwischen reich und arm. Traumsequenzen erinnern trotz der Kürze an bestes europäisches Kino. Tarek und Amal symbolisieren die junge Generation des Landes. Sie sind auf der Suche, leben in beengten Verhältnissen und müssen gegen den täglichen Frust ankämpfen. Es gilt das Motto ‘Ein ruhiges Meer macht keinen guten Seemann‘. Der Schluss bietet Diskussionsstoff: ein Happy End oder nur ein Traum. Man hört Tarek und Amal sind im Paradies. Beeindruckend aktuell, durchaus realistisch. | |
Sa, 19.01.2013TV | Rasputin - Hellseher der ZarinDer HeilerGérard Depardieu hat schon äußerst eindrucksvoll viele menschliche Giganten aus Kunst und Literatur auf der Leinwand verkörpert. Und es ist auch nicht seine erste Zusammenarbeit mit Regisseurin Josée Dayan. Aber der ‘Rasputin‘ ist seine schwächste Rolle, in der er sein schauspielerisches Potential nicht abrufen kann. Die oberflächliche Darstellungsweise beeindruckt keineswegs. Er kommt als saufender Tanzbär daher und ist in seiner russischen Umgebung so fremd wie neuerdings als eingebürgerter Newcomer.
Anfang und Ende zeigen die zwei historischen Ermordungen, was dramaturgisch in Ordnung ist, aber weitgehend ohne Effekt bleibt. Die meisten historischen Bezüge sind richtig wie z.B. der schwache Zar oder der Einfluss der Militärs auf weltpolitische Entscheidungen. Das Ende der Romanows mag noch angehen, aber das von Rasputin gerät zur Farce: sind es die sieben Leben, die man einer Katze nachsagt oder soll er als Person messianisch überhöht werden. Das wirkt lächerlich.
Statt des unpassenden deutschen Untertitels wäre ‘der Heiler‘ treffender gewesen. Und der fraglichen Bi-Sexualität des Wundermannes wird viel zu viel Raum eingeräumt.
Aber die opulente Ausstattung des aristokratischen Zarenreiches und das Ambiente stimmen. So ist ein anschaulicher, weitgehend harmloser Bilderbogen entstanden. Nur für Augenmenschen. | |
Fr, 18.01.2013TV | Tief in den WäldernGeheimnisse der SeeleÜber den Inhalt des Filmes lässt sich trefflich streiten. Über die schauspielerische Leistung der Darsteller nicht. Allen voran Islid Le Besco als Josephine. Für sie scheint der Film wie geschaffen. Ihr grob geschnittener, archaischer Gesichtsausdruck passt zur Problematik. An ihrer Rolle scheiden sich dann auch die Geister. Regisseur Jacquot hat versucht, das Unsichtbare sichtbar zu machen.
Die unbeantwortete Frage bleibt, ob unter Hypnose sexuelle Abhängigkeit möglich ist oder nicht. Ist Josephine dem wilden ‘Teufel‘ Timothée (Nahuel Pérez Biscayart), verfallen oder folgt sie ihm freiwillig. Wir sehen jede Menge Widersprüche in ihrem Verhalten und selbst im Verhör und der anschließenden Gerichtsverhandlung versucht sie eine Erklärung zu finden: er hatte sie magnetisiert, sie war in Lethargie verfallen, seine Stimme hatte Gewalt über ihren Körper, Timothée hatte sie verhext (wir sind im 19. Jahrhundert!). In wachen Momenten beschimpft Josephine ihn als Makaken und widerliches Monster, das sie demnächst umbringen wird. Aber sie erträgt das Brandzeichen, ohne mit der Wimper zu zucken. Sie ist wie von Sinnen. Obwohl die Geschichte auf einem wahren Fall beruhen soll, gibt es keine Antwort, keine Lösung. Es ist halt nur ein Blick in die unergründlichen Geheimnisse der menschlichen Seele und die lebt wohl ‘tief in den Wäldern‘ der menschlichen Existenz. | |
Fr, 18.01.2013TV | PollGeheime 'Schnapspflege'Regisseur Chris Kraus hat in seinen Film ganz schön viel hineingepackt. Herausgekommen ist ein aufwendiges Gesellschaftsporträt mit Hausmusik und Badeszenen vor dem 1. Weltkrieg am Rande des kaiserlichen Reiches oder wie ein Besucher sagt ‘Poll liegt am Arsch der Welt, aber an einem schönen Arsch.‘ Hier leben Deutsche, Russen, Balten in angespannter Ruhe miteinander. Der Fokus wechselt von einer Vater-Tochter Beziehung zu einem Abenteuerroman mit historischem Ambiente, inklusive einer unglücklichen Liebesgeschichte.
Tochter Oda hält die Ereignisse in ihrem Tagebuch fest. Alle Personen laden irgendwie Schuld auf sich. Der Vater (Edgar Selge) macht makabre Experimente, seine Frau (Jeanette Hain) betrügt ihn mit dem Gutsverwalter (Richy Müller) und Oda (grandiose Neuentdeckung Paula Beer) versucht heimlich einen verwundeten Anarchisten, den sie ‘Schnaps‘ nennt, zu retten. Der Kriegsbeginn beschleunigt und klärt die Verhältnisse und so steigt die Spannung bis alles in Flammen aufgeht. Es ist der Untergang einer Gesellschaft, die ihre Zukunft bereits hinter sich hat. Damit wird aber auch ein Allgemeingültigkeitsanspruch erhoben, der die historische Wahrheit von dieser unbekannten Schriftstellerin Oda Schäfer obsolet werden lässt. Chapeau vor Kamerafrau Daniela Knapp. Der dumpfe Ton der Dialoge ähnelt bisweilen mit seinen unartikulierten, gebellähnlichem Lautfetzen an eine Art Höhlensprache. Aber sonst ganz toll. | |
Mi, 16.01.2013TV | Samstagnacht bis SonntagmorgenErwachsenwerdenKarel Reisz hat mit der Verfilmung des Klassikers von Alan Sillitoe genau wie der Roman des ‘zornigen jungen Mannes‘ das Lebensgefühl der Jugend der 60er Jahre zum Ausdruck gebracht. Arthur Seaton (der ganz junge Albert Finney) ist Fabrikarbeiter und lebt nur für die Zeit, die der Titel umfasst. Er will Spaß haben und Party machen. Dafür arbeitet er. Dabei ist er selbstbewusst, aufmüpfig und lebt in einem Hochgefühl von ‘Was-kostet-die-Welt‘?! Nur nicht so zufrieden und angepasst werden, wie die Generation seiner ‘spießigen‘ Eltern. Er verachtet das Establishment. Schnell ist er als ‘Kommunist, Taugenichts und Weiberheld‘ abgestempelt. Und damit liegt man gar nicht mal so falsch. Er gerät in Schwierigkeiten: ein Verhältnis mit Brenda (Rachel Roberts), einer älteren Frau eines Arbeitskollegen, deren Schwangerschaft und einem Versuch, sich in ein anständiges Mädchen Doreen (Shirley Anne Field) zu verlieben. Er bezieht Prügel und wird erwachsen.
Die deutsche Synchronisation bringt den Slang der jungen Leute von damals voll rüber. Bei uns nannte man sie ‘die Halbstarken‘. In England liegt die Betonung auf Arbeiterklasse, hier das Erwachsenwerden des Arthur Seaton. Wie im Roman kann man sich am Ende Arthurs zukünftigen Weg denken. Ein Klassiker. | |
Mi, 16.01.2013TV | Brownian MovementAch was?!Nach Robert Brown (1827): eine unkontrollierte Wärmebewegung von Teilchen in Flüssigkeiten und Gasen.
Das Prinzip hat Nanouk Leopold auf den Menschen übertragen. Frau Doktor (Sandra Hüller), glücklich verheiratet, ein kleiner Sohn, trifft sich zum Sex mit Alten, Kranken und irgendwie Deformierten.
Keiner weiß warum? Keiner wird es je erfahren. Deshalb diese Geheimniskrämerei. Ohne viele Worte, oft eher schweigend stehen die Bilder vor uns. Man glaubt bisweilen, ein Standbild vor sich zu haben. Der eigentliche, abartige Sex findet dann aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Was soll’s? Gut, wir wissen jetzt, dass es so ein Phänomen halt gibt. Das ist aber auch schon alles. Amour fou? Oder gar Erotikdrama? Manche sahen hier sogar ‘Sex in der Tiefe des Raumes‘ oder gar eine ‘Studie über Architektur und Verlangen‘. Da brummt der Trafo aber schon etwas lauter als gewöhnlich. Man kann auch im Rundglas der sich drehenden Wäschetrommel die Metaphysik des Transzendentalen erkennen. Dann doch lieber den Wetterbericht. Der hat eine bedeutsamere Beziehung zur Realität. | |
Mi, 16.01.2013TV | Chéri - Eine Komödie der EitelkeitenDer Jüngling und die KurtisaneStephen Frears hat ein prachtvoll ausgestattetes Gesellschaftsbild von der Jahrhundertwende gemacht. Ein Leben voller Luxus, Laster und Leidenschaft. Es kreist um drei Personen: Mutter, Kathy Bates, will Sohnemann Chéri (Rupert Friend) verheiraten. Der gerät aber in die Fänge von Léa (Michelle Pfeiffer). Die in die Jahre gekommene Kurtisane wollte sich eigentlich zur Ruhe setzen, verliebt sich aber in den 19 jährigen Chéri.
Was sich zwischen den beiden in dieser ‘unangemessenen Beziehung‘ abspielt, wird sensibel dargestellt. Es ist ein Machtkampf, den die Ältere auf Grund ihrer einschlägigen Erfahrung anscheinend gewinnt. Aber Léa leidet, ohne die Kontenance zu verlieren. Anfangs spielt sie mit ihm, unterdrückt ihre echten Gefühle. Michelle Pfeiffer glänzt und strahlt als reife Frau im Kampf mit sich selbst, im Gegensatz zu Frears ‘Gefährlichen Liebschaften‘ (1988), wo sie noch die leicht verführbare, reine Jungfrau spielte. Hier verdeutlicht sie den Schmerz und den Verzicht bravourös mit der Weisheit des Alters. Lea ‘Ein Körper von guter Qualität hält sich lange.‘
Er irrlichtert umher, schmollt, versucht es mit der Ehe und bleibt unglücklich trotz Emanzipationsversuchen. Die schönen Bilder nehmen der Tragik nicht den Stachel. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.