Di, 15.01.2013TV | Eine pornographische BeziehungImmer donnerstagsEine Frau (Natalie Baye) verwirklicht ihre sexuellen Träume über eine Kontaktanzeige. Er (Sergi Lopez) ist in dieser Hinsicht die Erfüllung schlechthin. Es ist nichts für Voyeure, denn der Titel ist irreführend. Man sieht nur eine Sexszene, die allerdings mit betonter Verzögerung und viel Gefühl. Von Anfang an machen beide getrennte Analysen. Man ahnt es ist nichts für die Ewigkeit.
Der Vergleich zu Chéreaus ‘Intimacy‘ – zwei Jahre später - drängt sich auf und läuft ins Leere. Wir erfahren nichts über die beiden. Sie leben ihren wöchentlichen Sex und sind überwältigt, ‘gefühlsverloren‘. Er wird zur Gewohnheit, Vertrautheit, sie denken über den Nachmittag hinaus. Es gibt Streit und Frust. Ein nächstes Mal ? – Vielleicht. Gespräche im Café streifen den philosophischen Bereich. Unpersönlich, nichts Privates, trotz einer Liebeserklärung. Ein Hotelgast stirbt, ein Hinweis? Das Ende, ein Missverständnis. Vertrauen konnte nicht entstehen. Sie meint, da ist immer noch etwas, aber was? Sex und Liebe sind zwei Paar Schuhe und nur mit diesen beiden kann man laufen, sonst humpelt man auf einem Bein. Die beiden Darsteller sind Klasse: sensibel, ehrlich, suchend… | |
Di, 15.01.2013TV | Auf der TodeslisteZwei Brüder ermittelnDie Liste, um die es geht, ist eigentlich unwichtig. Und auch die Bösen kennt man nicht so richtig. Dagegen steht ein berührender Plot und die Art und Weise, wie er erzählt wird. Mit Rückblenden, die man zwischen Kinderfilmformat und Familienmassaker einordnen kann. In bewährter Salamitaktik wird ein Scheibchen nach dem anderen aufgeschnitten. Und zwar von drei Ermittlungsseiten: zwei betroffene Brüder Michael und Romain von diesseits und jenseits der Polizei, dann die Polizei selber und Florence (Claire Borotra) auch eine Betroffene. Das ist und bleibt spannend. Digitale (E-Mail Liste) und analoge Ermittlungsmethoden (kleine Särge, roter Schal) wechseln sich ab. Ganz nah am Geschehen ist Michael (Eric Cantona). Der ist inzwischen erfolgreich vom Fußballfeld auf die Leinwand übergewechselt. Hier zeigt er sogar Gefühle. Geschickt steht das Familiendrama stets hinter dem Geschehen und kommt immer wieder mal ins Bild, immer wieder mit einem zusätzlichen Aspekt. Handwerklich solide, schauspielerisch überzeugend. | |
Mo, 14.01.2013TV | Der GhostwriterDer Tod des VorgängersRoman Polanski hat einen gepflegten Polit-Krimi gemacht, der ganz ohne spektakuläre Stunts oder aufreibende Verfolgungsjagden auskommt. Die beiden Protagonisten belauern sich gegenseitig. Besonders das persönliche Umfeld des früheren britischen Premiers Lang (Pierce Brosnan hier wohlwollend distanziert) findet große Beachtung. Bei seinen Recherchen stößt sein mutiger, pfiffiger und aufrechter ‘Redenschreiber‘ Ewan McGregor auf Ungereimtheiten in dessen Vergangenheit. Da gibt es viel Gesprächsstoff. Die Dialoge sind scharfzüngig und vertreiben einen Teil der Langeweile (z.B. ‘Sind sie krank?‘ – ‘Nein, ich altere nur.‘ oder ‘Wer einen Stammbaum sucht, soll ins Gartencenter gehen.‘)
Auch Polanskis persönliche Problematik mit der ‘Auslieferung‘ wird marginal gestreift. Ebenso offensichtlich sind die zeitgeschichtlichen Bezüge zu Tony Blair (Transparente: ‘Blair – Liar‘). Doch das geniale Highlight ist der Schluss. Allein deswegen lohnt es sich, den Film anzuschauen. Damit meine ich nicht das Attentat, sondern wie McGregor die Lösung des Puzzles findet. Was man sieht, was nicht, wie man der Kamerafahrt bei der Weitergabe der Info folgt und dann: Din à 4 Blätter flattern durchs Bild, ein Auto beschleunigt auf Bildhöhe, ein Bobby folgt ihm, ein leiser ‘Bang‘…Aus! Jeder weiß Bescheid, keiner hat was gesehen. Große Klasse dieser Schluss. | |
Sa, 12.01.2013TV | Sadistico - Wunschkonzert für einen TotenWeiblicher StalkerClint Eastwoods erste Regiearbeit von 1971 offenbart zweierlei: zum einen, dass er in im Laufe der Jahre sehr viel dazugelernt hat und zum anderen, hat es nie an einer klaren Kernaussage in seinen Filme gefehlt.
Hier spielt er einen DJ, der eine Radioshow moderiert und für einen weiblichen Stalker (Jessica Walter) den Song ‘Misty‘ immer wieder auflegen soll. Das Thema fand zur damaligen Zeit noch kaum Erwähnung im Film. Vor allem nicht diese weibliche Variante. Die Steigerung der Belästigungen wird konsequent durchgehalten. Das genügt zum Dabeibleiben. Auch die Attacke auf Clints Freundin Tobie (Donna Mills) ist ein Appetizer für das dramatische Ende.
Der deutsche Titel berührt allerdings das Thema etwa so nah wie sich die Kontinente Amerika und Europa sind. Und auch die Vorhersehbarkeit nimmt etwas von der Spannung. Hier wird so viel mit dem sprichwörtlichen Zaunpfahl gewunken, dass selbst ein Toter die Anspielungen klar deuten kann. Zur Belohnung fürs Durchhaltevermögen bei den ewig langen Autofahrten gibt es Sonnenuntergänge am Meer und gute Musikeinlagen.
Manchmal wird die Vorahnung von Schmunzeln begleitet. Und trotzdem geht die Spannung nicht völlig verloren. Sie wird beim Finale mit der Brechstange auf- und auch wieder abgebaut. Ein früher Eastwood fürs Archiv. Man ahnt wohin seine Reise als Regisseur/Darsteller geht. | |
Do, 10.01.2013TV | Madame BovaryEmmas EndeDer Roman von Flaubert war Mitte des 19. Jahrhunderts eine gesellschaftliche Bombe. Nicht nur wegen der sexuellen Freizügigkeit seiner Titelheldin Emma (Isabelle Huppert), sondern auch wegen ihrer eigenmächtigen Geldgeschäfte, die damals nicht nur unüblich, sondern auch für äußerst verwerflich gehalten wurden. So muss sie auch in beiderlei Hinsicht scheitern. Ihr Ehemann ist ein Langweiler, aber gesellschaftlich geachtet. ‘Charles Konversation ist platt wie ein Trottoir.‘ Ihre Liebhaber (Christophe Malavoy, Lucas Belvaux) enttäuschen sie, und der finanzielle Ruin treibt sie in den Selbstmord.
Chabrol beweist hier, dass es auch in werkgetreuer Literatur kann. Der Off-Kommentar besteht aus Zitaten der Vorlage, wohl dosiert, nicht anklagend, nur beschreibend. ‘Ihre Liebe war ein wahrer Honigmond‘. Die Huppert trägt diesen Film. Sie blüht auf und verwelkt. Ihr Todeskampf ist das Bewegendste und Erschreckendste, was sie je abgeliefert hat. Und wie bei Flaubert ist die Erklärung: es war ihr Schicksal. Und wie bei ihm auch hat die Kirche keine Antworten. Wer von den allgemein akzeptierten Konventionen abweicht ist kompromittiert und steht außerhalb der Gesellschaft. Eine tolle Romanverfilmung mit einem Zeitbild, das völlig unaufgeregt daherkommt und eine Alltagsatmosphäre bietet, die sowohl in der detailgenauen Inneneinrichtung stimmt, wie auch für die in ihr lebenden Personen zutrifft. Professionelle Klasse. | |
Mi, 09.01.2013TV | Big Fish - Der Zauber, der ein Leben zur Legende machtMärchen und andere FamiliengeschichtenDas ist der bisher schönste von Tim Burtons Filmen. Eine herzerwärmende Komödie mit Gags und Slapsticks (bei der Geburt oder gegen die bösen Chinesen). Und es wird romantisch mit einem Hauch von Wehmut. Es gibt einen ersten Rahmen. Ein Vater-Sohn Konflikt am Lebensende ‘Sie waren wie Fremde, die einander gut kannten‘. Und es geht um Märchen und andere Familiengeschichten. Der alte Ed Bloom (Albert Finney) liegt im Sterben und versammelt seine Frau (‘die Liebe seines Lebens‘ Jessica Lange), seinen Sohn (Billy Crudup) und seine Schwiegertochter (Marion Cotillard) um sich. Er war zwar der geborene Märchenerzähler, aber es gibt Vieles, was er getan hat, aber worüber er nicht geredet hat und Vieles, worüber er geredet hat, was er aber nicht getan hat. So entwickelt sich neben der Realität eine Märchenwelt mit Hexen (Helena Bonham Carter gleich zweimal) und Riesen, einem fürchterliches Unwetter und einer Zauberwelt, in der die Zeit schon mal stehen bleibt. Die Liebeswerbung des jungen Ed (Ewan McGregor und Alison Lohman) bietet so ziemlich das Romantischste, was man sich denken kann. Der alte Ed erklärt uns, dass bei der Wahl zwischen nackter Wahrheit und fantasievoller Ausschmückung Letzteres die angenehmere Variante ist. Zum Träumen schön mit leichtem Ziehen in der Magengrube wegen eines kleinen Wermutstropfens. | |
Mi, 09.01.2013Kino | Life of Pi: Schiffbruch mit TigerPi und Richard ParkerDer deutsche Titel ist Inhaltsangabe, vernachlässigt dabei aber das Anfangs- und das Endkapitel der Geschichte. Der des Originals weist auf den Helden hin (Suraj Sharma). Die englische Aussprache der Abkürzung ‘Pi‘ schwankt zwischen Pizza und pinkeln. Es ist aber die französische Kurzform für Schwimmbad.
Dreierlei ist an diesem Film unglaublich im positiven Sinne: Zunächst ist es das, was uns Ang Lee hier optisch bietet. Es sind so noch nie gesehene Bilder – unter und über Wasser, mit Wasserleuchten, fliegenden Fischschwärmen und einem Sturm, der jedem Kapitän die Hose im Wind zerfetzen würde.
Dann ist es eine unglaubliche Geschichte: ein Junge namens Pi und ein Tiger namens Richard Parker in einem Rettungsboot. Wie sich Mensch und Tier durch die gemeinsame Todesnähe näher kommen und wie sie sich zu verstehen beginnen, wird überzeugend geschildert. Dabei behält jeder der beiden seine Eigenständigkeit. Wir sehen spannende, wildumkämpfte Auseinandersetzungen, aber auch ein echt bewegendes Drama auf hoher See.
Und schließlich gibt es noch eine märchenhafte Auswahl von zwei möglichen Versionen in Bezug auf das Ende. Hier bekommen die anderen geretteten Tiere (Zebra, Orang-Utan, Hyäne) dann eine symbolische Bedeutung für die umgekommenen Mitglieder der Familie von Pi. Es ist dieser Teil, der die Esoteriker besonders fasziniert hat. Ich verweise den mal ins Märchenland.
Außerdem ist der Film in 3D und bietet mit Gérard Depardieu auch noch komische Seiten. Ein außergewöhnliches Meisterwerk. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.