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Mi, 09.01.2013
Kino | Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger 4D
Pi und Richard Parker5 Sterne
Der deutsche Titel ist Inhaltsangabe, vernachlässigt dabei aber das Anfangs- und das Endkapitel der Geschichte. Der des Originals weist auf den Helden hin (Suraj Sharma). Die englische Aussprache der Abkürzung ‘Pi‘ schwankt zwischen Pizza und pinkeln. Es ist aber die französische Kurzform für Schwimmbad. Dreierlei ist an diesem Film unglaublich im positiven Sinne: Zunächst ist es das, was uns Ang Lee hier optisch bietet. Es sind so noch nie gesehene Bilder – unter und über Wasser, mit Wasserleuchten, fliegenden Fischschwärmen und einem Sturm, der jedem Kapitän die Hose im Wind zerfetzen würde. Dann ist es eine unglaubliche Geschichte: ein Junge namens Pi und ein Tiger namens Richard Parker in einem Rettungsboot. Wie sich Mensch und Tier durch die gemeinsame Todesnähe näher kommen und wie sie sich zu verstehen beginnen, wird überzeugend geschildert. Dabei behält jeder der beiden seine Eigenständigkeit. Wir sehen spannende, wildumkämpfte Auseinandersetzungen, aber auch ein echt bewegendes Drama auf hoher See. Und schließlich gibt es noch eine märchenhafte Auswahl von zwei möglichen Versionen in Bezug auf das Ende. Hier bekommen die anderen geretteten Tiere (Zebra, Orang-Utan, Hyäne) dann eine symbolische Bedeutung für die umgekommenen Mitglieder der Familie von Pi. Es ist dieser Teil, der die Esoteriker besonders fasziniert hat. Ich verweise den mal ins Märchenland. Außerdem ist der Film in 3D und bietet mit Gérard Depardieu auch noch komische Seiten. Ein außergewöhnliches Meisterwerk.
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Di, 08.01.2013
TV | The Escapist - Raus aus der Hölle
Der Ausbrecher2 Sterne
Mit Leonard Cohens berühmten ‘Partisan‘ beginnt und endet dieser sonderbare Knast-Ausbrecher-Film. Dabei gibt es in diesem Genre eigentlich nur zwei Arten: die Flucht gelingt oder sie gelingt nicht. Doch hier gibt es eine dritte Möglichkeit. Die Parallelität von zwei Handlungssträngen mag als Stilmittel interessant sein: hier Planung und Verlauf eines Ausbruchs, aber für die Spannung ist das Gift. Es geht wie auf einer Wippe hin und her oder man fühlt sich wie der berühmte Hamster auf der Rolle. Man kommt voran, aber nicht weiter. Und es gibt jede Menge praktischer Fragen. Wir sehen eine äußerst liberale JVA mit Drogenlabor, stets gegenseitigem freien Besuch der Häftlinge und alle Werkzeuge, die man so zu einer Flucht braucht. Eine sonderbare Anzahl von prominenten Mithäftlingen (Mackintosh, Lewis, Fiennes, Cunningham) agiert im Umfeld neben Brian Cox, wirkt allerdings etwas planlos und verschwindet auch ebenso wieder. Dann geht’s in idealistische Gefilde. Wir sehen Cox in Freiheit am Themseufer, wie er seine Tochter in die Arme schließt und erfahren: alles nur Einbildung. Die Gedanken sind ja bekanntlich frei. Eine interessante Idee wird auf dem Altar des Idealismus dargebracht. Aber kann das die Sehnsüchte des Materialismus der Freidenker voll befriedigen? Die Spannung sagt ‘Nein‘. Da lindert nur Leonards Song die ärgste Pein.
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Mo, 07.01.2013
TV | A Single Man
Der Unverheiratete2 Sterne
Falls einen die Schwulenproblematik nicht interessiert, dann sind es hier die tollen Bilder, die seltenen Einstellungen und die Erzählweise in Retrospektiven, die beeindrucken. Aber auch die frechen Dialoge sind keineswegs von der Hand zu weisen. (‘Liebhaber sind wie Busse. Man muss nur warten, bis der Nächste kommt.‘). George (Colin Firth) schwankt in seiner Bisexualität zwischen den Polen hin und her. Am Anfang steht der Tod seines Liebsten (Matthew Goode), am Ende sein eigener. Dazwischen versucht Julianne Moore (‘Mein Leben in der Vergangenheit ist meine Zukunft‘), seine Jugendliebe, und ein schöner Student (Nicholas Hoult) bei ihm zu landen. Doch die tiefe Todessehnsucht bleibt, wobei die Selbstmordversuche schon grotesk erscheinen. Die Verunsicherung in einem Leben zwischen den Fronten mündet in der Zwangsläufigkeit der Ereignisse. Offen bleibt, ob George an gebrochenem Herzen oder an Tabletten stirbt. Es ist überraschend und irgendwie unvollendet, weil mitten drin. Erst beim gedanklichen Nachkarten erkennt man, wie obsessiv neurotisch die Vorstellungen von George von Anfang an bereits waren. Dann ist es tragisch.
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Mo, 07.01.2013
TV | Königreich der Himmel
Der kleine Held4 Sterne
Ein fulminantes Ritterepos von der Zeit der Kreuzzüge. Über den historischen Wahrheitsgehalt kann man streiten. Das ist aber obsolet angesichts des hohen Unterhaltungswertes der umwerfenden Bilder, den zeitgemäßen Dialogen und dem Fehlen von jeglichem unpassendem Tand. Den einzigen Einwand kann man gegen die Titelfigur des Balian machen. Er ist mit Orlando Bloom glatt fehlbesetzt. Dem ‘Dreikäsehoch‘ nimmt man den Helden, der wie ein Löwe kämpft, nur schwerlich ab. Eher ist ein Hase beim Gewichtheben vorstellbar. Aber er sieht gut aus. Die Grundidee der Kreuzzüge kommt rüber. Es gibt edle Recken (Jeremy Irons), aber auch Fanatiker und Fieslinge wie Rotschopf Bredan Gleeson. Hinter der Silbermaske des Königs, die sein von Lepra gezeichnetes Gesicht verhüllt, verbirgt sich Ed Norton unbekannterweise. Und auch die Araber kommen als ehrenwerte Männer (Ghassan Massoud) zu Wort. Christen kämpfen naturgemäß gegen Araber, bekriegen sich auch untereinander und schmieden Intrigen gegeneinander. Der optische Höhepunkt ist die Rückeroberung Jerusalems. Hier kommt das ‘griechische Feuer‘ zum entscheidenden Einsatz. Für die Lovestory mit Orlando ist Eva Green zuständig die sich hier meist züchtig zurückhält. Und der Zuckerguss vom Happy End ist mit 20% auch erträglich niedrig. So wie man sich Ritterfilme wünscht: spannend und unterhaltsam. Director’s Cut ist besser.
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Sa, 05.01.2013
TV | Sin City - Recut & Extended
Killer killen Killer3 Sterne
Es sind nicht nur die s/w Bilder, sondern auch die Schnittfolgen und Einstellungen sowie die Sprunghaftigkeit der Szenen, die diesen Film als Comik-Thriller ausweisen. Und dieser schwarze Film ist kein ‘film noir‘, da die Betonung doch mehr auf Brutalität als auf Kriminalität liegt. Hinzu kommt das disneyhafte ‘ewige Leben‘ der Figuren. Die werden durchsiebt, gehängt und mehrfach überfahren, ohne den ‘Löffel abzugeben‘. Der Plot mischt das Unmögliche mit dem Realen. Man spürt beinahe das Umblättern der Seiten des Comikheftchens. In den drei Episoden, die immer kürzer werden, kommen Farben nur punktuell vor: Frauen, Autos, Blut oder der böse ‘Gelbkopf‘. Sie bilden das verbindende Stilelement aller drei Episoden. Im 1. Teil sträubt sich Bruce Willis einer Lolita zu verfallen. Hier werden Stilbrüche zum Überraschungsprinzip erhoben und vertuschen zusammen mit dem zynisch-lustigen Off-Kommentar die Risse in einer rührseligen Story. Im 2. Teil kämpft Mickey Rouke ums Überleben gegen jede Menge hübsche Mädels (Jaime King, Carla Gugino, Jessica Alba u.v.a.) und im 3. erweist sich Clive Owen als ganzer Mann. Er ist wie viele andere der Macho-Killer, während die Mädels Huren, Göttinnen oder Amazonen sind. Das permanente, mehrfache Dauerkillen überrascht anfangs bevor es gewohnheitsmäßig zum Joke degeneriert und verharmlost wird.
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Sa, 05.01.2013
TV | Public Enemy No. 1 - Mordinstinkt
Der Berufsgangster4 Sterne
Ein äußerst spannender Krimi, der in seiner prallen Action bewusst als Zweiteiler angelegt ist. Und keine laue Szenen zulässt. Er nimmt das Ende vorweg, ohne den Ausgang zu zeigen. Eigentlich Stoff für vier Filme: das übliche Gangstermilieu, in dem das Gesetz des Dschungels gilt und die oberste Maxime Respekt heißt. Dann ein Gefängnisfilm mit den üblichen Ausbruchsversuchen und Seitenhieben auf den Strafvollzug. Gefolgt von einer Gerichtsverhandlung, bei der Korruption im Spiel ist. Und schließlich ein Spiel mit der Presse zur Imagepflege des inzwischen berühmt berüchtigten Königs der Ausbrecher. Als Zugabe kommt noch ein Touch von "Bonnie und Clyde" hinzu. Wir verfolgen diese Gangsterkarriere, die Vincent Cassel grandios darstellt, und sind einfach gepackt von der überaus interessanten Handlungsfülle, in der brutale Gewaltszenen (auch gegen Frauen) wohl dosiert sind und die viele überraschende Wendungen aufweist. Es gibt aber auch noch Platz für Emotionen (Mesrine zu seinem Vater oder zu seiner kleinen Tochter) und er hat einen Hang zu philosophieren mit Anlehnung an die rote Terrorszene. Diese Komplexität einer Person zeigt, dass Gangster auch Menschen sind, die nur anders ticken, wie immer durch eigene Erfahrungen geprägt. Das Hochgefühl dieses redegewandten, sympathischen Gauners unterstreichen Ohrwürmer von der Piaf und Tammy Wynette. Sehenswerte Hochspannung.
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Fr, 04.01.2013
TV | Pee Wees irre Abenteuer
Fahrradsuche1 Stern
Das ist schrilles, etwas abgespactes Popcorn-Kino, was Tim Burton da abgeliefert hat. Wie so oft ist sein Erkennungszeichen die quietschebunte Ausstattung. Und da es ihm ja nie an fantasievollen Einfällen mangelt, ist das auch recht unterhaltsam. Gleich zu Anfang ist die Frühstückszubereitung mit dem Dominoeffekt das Highlight des Films. Später streifen manche Szenen die Grenzen zum Albern-Affigen. Doch Dank des titelgebenden Hauptdarstellers Pee Wee Herman (Paul Reubens) ist das immerhin noch spaßig. Die Komik lebt von der Übertreibung. Die Suche nach dem Fahrrad ist ein Comik mit unaufdringlichen Anleihen bei Tarzan, Bond und Spielberg, ein skurriles Roadmovie. Der Hauptdarsteller ist ein Mischung aus Mr Bean und Kad Merad von den Sch’tis. Man klopft sich zwar nicht auf die Schenkel und schmeißt sich nicht weg vor Lachen, aber zum Schmunzeln und zum Staunen über die abgefahrenen Ideen reicht’s.
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Do, 03.01.2013
TV | Sweeney Todd - Der teuflische Barbier aus der Fleet Street
Lustiger Kannibalismus2 Sterne
Es ist eine Blutorgie. Ein Genuss für Leute, die auf rote Fontänen stehen, die den Leuten aus dem Hals spritzen. Das menschliche Massenschächten als Rohstoff für Pasteten ist allerdings starker Tobak. Wer sich daran ergötzen kann, muss noch die etwas gewöhnungsbedürftigen ‘Arien‘ von Stephen Sondheims überstehen. Die gehen so in Richtung Sprechgesang oder Sing-Sang wie man ihn von Kinderliedern her kennt. Sie stören immer weniger, verlangsamen aber die Handlung. Überzeugend ist allerdings die Machart. Tim Burton ist ein absoluter Könner. Er verwendet Farben und Schminke ganz bewusst, schafft eine in sich geschlossene Atmosphäre in einem stilsicheren Ambiente und lässt die Darsteller in einer Weise vor der Kamera agieren, dass man zwischen Abscheu und Faszination hin und hergerissen ist. Allen voran Johnny Depp und Helena Bonham Carter. Sie lassen bei all ihren abartigen Mordgelüsten gelegentlich sogar eine echte menschliche Regung zu. Er will Rache, sie seine Zuneigung. Unter den Opfern beeindrucken Alan Rickman und Timothy Spall. Todds Tochter, das schöne Blondchen Johanna (Jayne Wisener) ist eine echte Neuentdeckung. Sie erscheint in stillen Einstellungen wie die Nymphen auf Hamilton-Fotos. Eine bewusst skurrile Unterhaltung, ekelerregend lustig. Da werden die Chips nicht angerührt.
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Mi, 02.01.2013
TV | Sleepy Hollow
Der kopflose Reiter4 Sterne
Tim Burton hat aus der literarischen Vorlage von Washington Irving (1783-1859) ein Horrormärchen gemacht. Er geht dabei weit über diese 'Legende' hinaus. Das ist legitim, denn Irving ist äußerst knapp und recht vage. So kann Burton erläutern und ausmalen. Das tut er in eindrucksvollen Bildern mit viel virtueller Animation. Im Grunde hat er nur die Grundidee übernommen und trifft sich mit dieser so in etwa inhaltlich erst am Ende wieder. Dazwischen schiebt er natürlich eine Liebesgeschichte zwischen Crane und Katrina ein (Johnny Depp und Christina Ricci) und bringt eine ganze Reihe von prominenten Darstellern zum Einsatz, wohl dosiert auf viele kleinere Rollen. Es gilt aber besonders Johnny Depp hervorzuheben. Er gibt seiner Rolle eine komplexe Tiefe mit abwechslungsreichen Gegensätzen. Seine Brille und die Gerätschaften sind legendär, seine Kindheitserinnerungen im Traum erste Sahne, eine gelungene Ergänzung, die interpretierende Erklärungen liefert. Und das Ambiente - ein dichter, dunkler Wald - der keinen Ausblick erlaubt, schafft die notwendige klaustrophobische Enge. Dazu gibt's einen Soundtrack, der je nach Situation mithilft, die Handlung in die Länge zu ziehen bzw. wenn nötig dramatisch zu unterstützen. Hier geht Eigenständigkeit vor bloßer Adaption, Blutschocker vor Werktreue. Am Ende überspannt Burton den Bogen fast ein bisschen. Man verliert bei den vielen kopflosen Toten fast den Überblick. Klasse!

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Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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