Di, 18.12.2012TV | Begegnung in BiarritzEine obsessive LiebeEs beginnt mit einem Unfall und endet mit einem Kuss. Die Anmache ist wie die übrige Handlung ziemlich oberflächlich. Und es bleiben unbeantwortbare Fragen: wie z.B. können zwei Spitzendarsteller in so einen flachen Quark mitmachen. Durch Hélène (Deneuve) blüht der Film wenigstens optisch etwas auf. Da hätte man mehr von der malerischen Bucht von Biarritz zeigen können. Und der unreife Gilles (Dewaere) versucht im Rahmen des Drehbuchs schauspielerisch sein Besten zu geben, doch das ist oft sehr abrupt und schwer nachvollziehbar. Die Nebenhandlungen verwässern zusätzlich. Und damit man dabeibleibt, kommen dann bewusst provokative Sätze vor wie ‘Die unbefriedigte Alte will doch nur deinen Schwanz.‘ Erst zickt sie rum, dann zickt er zurück, schließlich haben sie es dann doch getan. (Was man aber nicht sieht!). Die Dramatik wirkt aufgesetzt, Streitpunkte sind aus der Luft gegriffen. Sie arbeitet (Anästhesistin!), er säuft, schläft und verdingt sich als Fremdenführer. Das ist alles so offensichtlich. Man fragt sich, wie konnte bloß der große, aber völlig verkopfte Téchiné so ein billiges Zeug abliefern.
Zugegeben er hat sich viel vorgenommen: Hélène versucht ihren toten Liebhaber zu vergessen, Gilles vertieft sich in dessen Aufzeichnungen. Sie kommt von der Vergangenheit nicht los, er hat keine Zukunft. Und die Wahrheit ertragen beide nicht. Diese Begegnung ist nur Schall und Rauch? Aber ohne Feuer gibt’s nicht einmal Rauch. K.V. | |
Di, 18.12.2012TV | Série noireMörderische VorstadtEine ‘schwarze Serie‘ - wie im Titel angekündigt - ist es nicht unbedingt. Und schon gar nicht ein ‘schwarzer Film‘. Es läuft eher in Richtung Groteske, allerdings auf eine bitterböse. Die Pantomime am Anfang gibt eine Einstimmung. Und die Wohnung des Handelsvertreters Frank (großartig Patrick Dewaere) ist eine Mischung aus Müllkippe und menschlichem Schweinestall. Auch die folgenden Szenen schwanken zwischen Komik und Dramatik. Blitzschnell kommt ein Mord dazu, weitere folgen. Ungewöhnlich die Bezahlung einer alten Vettel (Jeanne Herviale) mit dem Körper ihrer Nichte. Die stille Mona (beeindruckend †Marie Trintignant) ist mysteriös und eigenwillig, aber auch stürmisch klammernd. Leider gerät sie am Ende handlungsmässig etwas in Schieflage. Das Ende passt zwar zum Anfang ebenso wie der Schlusssatz ‘Wir haben jetzt nichts mehr zu befürchten.‘ Alle penetrante Fragen stellende Personen sind ermordet. Die Dialoge als Wahrheitsfindung schwanken zwischen moralischen Skrupeln und Lügen. Oft spielt auch ein Kommunikationsproblem eine Rolle und schwebt luftig-leicht über der furchtbaren Realität der Vororte von Paris.
Das plötzliche Umschalten der Handlung dieses grotesken Sozialkrimis, der oftmals fast einem Wechsel des Genres gleichkommt, ist ein Kennzeichen des Films. Das ist meisterhaft gemacht. Man kann sich hier nie gedanklich irgendwie einnorden. | |
Do, 13.12.2012TV | Der PflichtverteidigerDer arme AnwaltDer Pflichtverteidiger Lahoud (Roschdy Zem) muss wegen Geldmangels ein Ding drehen. Das ist recht nett anzuschauen, aber leider etwas zäh geraten. Die vorgestellten Fälle zeigen zwar, dass Regisseurin Cayre vom Fach ist. Da kennt sie sich aus. Doch die Handlung zieht sich wie Käse im Fondue-Topf. Da ist zu viel Leerlauf drin. Und auch die Gags sind seltener als das Nordlicht am Polarkreis. Da gibt es z.B. ein rares Leuchten, wenn der Drogenkurier, der mit Abführmittel vollgepumpt ist, sagt ‘Ich scheiße die Beweise.‘ Ganz klitzekleine Anflüge von Humor schweben schon mal vorbei, wenn die Anwälte im Gänsemarsch wie auf dem Zebrastreifen in der Abbey Road hinter einander her watscheln. Unbestreitbar ist wohl, dass ein Pflichtverteidiger nicht reich wird. Aber auch in der Liebe läuft nichts bei Lahoud, obwohl ihn eine ‘verflossene‘ Kollegin anhimmelt. Wie im Großen und Ganzen ist Cayre auch hier zu unentschlossen. Erstaunlich ist, dass Lahoud Flaubert zitiert: ‘Er fand das Glück, das er verdient hatte, auf sich warten.‘ Das trifft eigentlich auf Lahoud selber zu. Er ist und bleibt sympathisch und zeigt Mitgefühl für die armen Kleinkriminellen, die er verteidigt. | |
Mi, 12.12.2012TV | Staatsfeinde - Mord auf höchster EbeneEine StaatsaffäreDas ist ein Film in der guten Tradition französischer Krimi-Wertarbeit. Er erfüllt die 5 klassischen Kriterien dieses Genres: er ist äußerst spannend, zeitweise actionreich-brutal, witzig aber auch tragisch und enthält eine komplexe Story nah an der Realität. Hier geht es um eine illegale Waffenlieferung.
Victor Bornand (André Dussollier) ist Dreh und Angelpunkt des Geschäftes. Er hat die Connection aber auch die Chuzpe und den Charme, die es erfordert. Parallel dazu ermittelt die Newcomerin im Revier Nora Chahid (äußerst schlagkräftig Rachida Brakni). Sie ist blitzschnell und knallhart. Letztendlich die eigentliche Gewinnerin. Dazwischen treiben noch ein Killer (beeindruckend Thierry Frémont) und Mado (Christine Boisson), eine halbseidene Gangsterlady mit Escortservice ihr Unwesen und kommen sich bisweilen ins Gehege. Die Drecksarbeit machen wie immer die niederen Chargen. Die Grenzen zwischen Geheimdienst und Lobbyisten sind fließend. So wird am Ende nicht mehr die Frage nach Recht oder Gerechtigkeit gestellt, nach Wahrheit oder Deal. Die Toten waren ohnehin die Bösen. Punkt. Auch das ist zufriedenstellend und lässt sich gut als Opfer für spannende Unterhaltung darbringen. Toll! | |
Mi, 12.12.2012TV | Liebe und IntrigenIsabelles RacheEs beginnt mit einem Zickenkrieg auf der Managerebene und endet mit einem Gerichtsthriller. Christine (Kristin Scott Thomas) ist die ältere, erfolgreiche Chefin eines großen Konzerns. Sie hat das Heft und alle Fäden in der Hand. Isabelle (Ludivine Sagnier) ist jung, intelligent, ehrgeizig und leidet unter ihrer Chefin. Die beiden liefern sich ein Psychoduell, in dem es anfangs noch um Egoismus oder Teamwork geht. Aber dann wird aus Spaß Ernst und aus Ernst Todernst. Auch die Männerwelt steht keineswegs im Abseits. Daniel hilft Isabelle im Büro, Philippe im Bett. Die erste Runde geht klar an Christine. Man ist gespannt darauf, wann und wie Isabelle zurückschlagen wird. Das tut sie auf für Frauen untypische Art und Weise. Dann Polizeiverhör, Isabelle belastet sich selbst und gesteht alles. Und es kommt eine überraschende Kehrtwende: Isabelle widerruft und alle bisherigen Beweise (Messer, Schal) werden entkräftet. Sie kommt frei und wird befördert. Nur Daniel hat sie durchschaut. Und so könnte das Spiel um Liebe und Intrige weitergehen…
Mit überzeugender Logik geht Regisseur Alain Corneau hier zu Werke. In der Auseinandersetzung werden fast alle möglichen Register gezogen. Weibliche Diabolik arbeitet mit listigen Demütigungen (Christine), bleibt dabei aber äußerlich freundlich und cool. Die Gegnerin (Isabelle) macht der Polizei gegenüber auf zerknirscht und menschlich am Boden zerstört. Geschickt lanciert sie einen unschuldigen Täter. Es bleibt spannend zwischen Bett und Schreibtisch. | |
Di, 11.12.2012TV | Monty Pythons wunderbare Welt der SchwerkraftUnd nun zu etwas völllig anderemDer erste Versuch eines Filmes der Superkomikertruppe von 1971. Hier in der ‘Schwerkraft‘ war alles noch auf einer Vielzahl von Sketchen aufgebaut. Später dann bei ‘Kokosnuss‘ und ‘Brian‘ war es ein ganzer eigenständiger Spielfilm, bevor sie mit dem ‘Sinn des Lebens‘ zu Einzelsketchen zurückkehrten. Aber Methode und Ausführung waren immer gleich. Es gab u.a. jede Menge lustiger Todesfälle. Nichts war heilig, kein Tabu, stattdessen die Übertreibung mit einer unerwarteten Pointe, deren Wirkung so groß war, weil man sich so etwas nicht vorstellen konnte. Stellenweise gab es Ausflüge ins Surrealistische, die aber immer wieder mit einem Bein im Realen fußten. Und man nahm sich selber gekonnt auf den Arm, nach Rücksprache mit dem Publikum. Die sechs Komiker Cleese, Idle, Jones, Palin, Chapman und Gilliam prägten wie niemand sonst die nachfolgenden Generationen vor dem Bildschirm ebenso wie die vor der Kamera. Durch die Komik des Unmöglichen brachen alle Dämme des Konventionellen vor überbordender Heiterkeit, zum Teil hervorgerufen durch toternste Mimik der Akteure. Die Gags bildeten Gesprächsstoff mit Nachahmungseffekten. Die Montys entführten den Zuschauer in eine eigene Welt der schwerelosen Heiterkeit, deren Wirkung immer noch nicht verpufft ist. | |
Mo, 10.12.2012TV | Mein Vater, der HeldVater als LoverEine romantische Sommerkomödie, die vom Talent der Darsteller und den fantasievollen Einfällen der Handlung lebt. Ein Urlaub, in dem die pubertierende Tochter Véronique (Marie Gillain) ihren Vater (Depardieu) als ihren Liebhaber ausgibt. Der pendelt zwischen Eifersucht und Schutzverhalten hin und her und liefert sich Rededuelle mit seiner Tochter. Und auch Vater ist für einsame Witwen noch interessant. (‘Die ist zwar kein Schlaganfall, aber ganz passabel.‘) 1991 hielt sich Depardieus barocke Körperfülle noch in Grenzen. Die Auswahl der Freunde von Véro ist recht unterschiedlich. Besonders amüsant sind dabei die Totalausfälle. Mit leichter Hand inszeniert, kann man Papa Depardieu beim Wasserskifahren, Reiten und Surfen bewundern. Er gibt sogar (etwas überraschend und unglaubwürdig!) den Pianisten. Dagegen ist er als Souffleur unter dem Balkon nicht schlecht. Das Loslassen von der Tochter ist am Ende noch akzeptabel, Vaters Happy End hingegen ist des Guten etwas zu viel. Nette Unterhaltung ohne Probleme. Die hat man wohl samt und sonders ebenfalls in den Urlaub geschickt. Stattdessen entstehen Helden in Sachen Liebe und Verständnis. | |
Sa, 08.12.2012TV | MammutGlobalDer Titel hat mit dem Film so viel zu tun wie besagtes Mammut mit der Raumfahrt. Vater Leo (Gael Garcia Bernal) macht Millionen und ist dafür global unterwegs, Mutter Ellen (Michelle Williams) ist Unfallchirurgin und im Dauerstress. Auf die kleine Tochter passt das philippinische Kindermädchen Gloria (Marifa Necesito) auf. In dokumentarischer Art und Weise werden die sich aus dieser Konstellation ergebenden Probleme beleuchtet. Beziehungen ändern sich aufgrund gemeinsamer Realität, das Kindermädchen wird Ersatzmutter. Vater versucht es mit der ehelichen Treue in Thailand. Ob er da den lokalen Schönheiten widerstehen kann? Schau ‘mer mal! Glorias Sohn erfährt daheim ein Unglück. Und am Ende ist alles wieder Friede, Freude, Eierkuchen.
Zuvor gab es noch nationalistische Vorurteile der einheimischen Nutten. Pätscher-plätscher…Das Harmoniebedürfnis von Regisseur Moodysson ist so groß, dass keine Rührung aufkommen kann. Die Tränen der Akteure verdampfen an der heißen Luft der Dialoge. Man versteht ansatzweise die dargestellten menschlichen Probleme, nimmt sie aber zur Kenntnis wie die Rechnung im Supermarkt. Für den, der etwas Neues erfahren will, ist der Film glatte Zeitverschwendung. Für die Übrigen aber auch. | |
Fr, 07.12.2012TV | Das LächelnOdiles EndeZu Beginn werden zur Einstimmung sechs Begriffe eingeblendet: ‘Düfte, Blumen, Kreaturen, Jahreszeiten, Weine, Jugend‘, mit denen jeder angenehme Gefühle assoziiert. Alle kommen im folgenden Film auch irgendwie vor. Nur einer wurde nicht erwähnt: der Tod. Aber darum geht es bei den beiden Hauptfiguren in ihrer sonderbaren Liebesgeschichte. Der alte, totkranke, impotente Psychiater Pierre-Francois (Jean-Pierre Marielle) und die junge Odile (Emmanuelle Seigner). Sie will es richtig krachen lassen. Das ermöglicht ihr der Schausteller Jean-Jean (Richard Bohringer), der Herr der ‘Arsch- und Tittenshow‘.
Es entwickelt sich eine eigenartige Handlung mit Andeutungen: Odile hat immer häufiger Nasenbluten, sie träumt von Möglichkeiten aus der Gegenwart und Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit. Verbale Freizügigkeit täuscht darüber hinweg, dass man nicht viel sieht. Dazu ist die Kamera im entscheidenden Augenblick zu nah am Geschehen. (‘Die Spalte deines Hinterns ist das Lächeln meines Lebens‘.) Es wird Tacheles geredet. Will Pierre-Francois nur ein ‘Vögelabenteuer‘? Will Odile nur ‘dass den Männern die Eier platzen‘? Spielt sie nur mit ihrem wie sie ihn nennt ‘Alterchen‘? Alles scheint möglich. Die unterlegte Musik betont punktgenau die Handlung. Sie reicht von Klassik bis Swing, von Big Band bis Jazz. Das Ende überrascht zwar nicht, enthält aber eine nette Hommage an Antonionis ‘Blow up‘. Ein etwas anderer Liebesfilm mit stimmungsvollen Bildern. | |
Do, 06.12.2012TV | HerzensbrecherImaginäre LiebeDer Originaltitel spricht von ‘der imaginären Liebe‘. Und so formuliert es auch einer der drei Figuren ‘Man liebt die Vorstellung und nicht den Anderen‘. Nicholas (Nils Schneider), Marie (Monia Chokri) und Francis (Regisseur Dolan) versichern sich ständig, dass sie sich lieben. Sie reden aber nur darüber, streicheln sich und prügeln sich auch, aber sie tun es nicht miteinander, nur mit anderen: homo und hetero.
Immer wenn zwei aus dem Trio versuchen sich näher zu kommen, bleibt der Dritte außen vor. Ewig lange Monologe ermüden auf die Dauer. Einzig die Machart weckt Interesse. Es ist typisch für Regisseur Dolan: viel Slomo, eine zuckende Kamera und eigenartige Zwischenschnitte (z.B. Zeichnungen). Und immer wieder der Song ‘Bang-Bang‘ als Symbolträger. Er präsentiert ein revolutionäres Ambiente, seltsam unpassende Dialoge danach (‘Der Smoke, der Scheiße verbergen kann.‘) und dabei eine permanente Bespiegelung der selbstverliebten Egozentrikern, die ständig über Beziehungen reden und unter dem Fehlen einer solchen leiden, aber es nie zu einer echten kommen lassen. Stattdessen schwärmen sie lieber vom ‘Löffelchen-machen‘. Ihre träumerischen Gedanken sind die Realität, in der sie leben. Ein anstrengendes Konstrukt, an dem der Regisseur nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern auch ein vitales eigenes Interesse hat an diesem Spezial-Dreier. Ob das dem Zuschauer auch so geht, bleibt die Frage. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.