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Do, 06.12.2012
TV | Granatäpfel und Myrrhe
Olivenbauer & Tänzerin4 Sterne
Der Titel quillt quasi über vor mythologischer bzw. biblischer Bedeutung. Hier ist es der Name eine Tanzshow in Palästina. Gerade haben die Tänzerin Kamar (Yasmine Al Massri) den Olivenbauer Zaid (Ashraf Farah) geheiratet. Da schlägt die Besatzungsmacht Israel zu und verhaftet kurzerhand Zaid wegen eines recht dubiosen Vergehens. Wir erfahren etwas, über die Methode illegal Land zu konfiszieren und den Eigentümer als Geisel zu nehmen. Die Israelis nennen das ‘administrative Haft‘, in der sie den Gefangenen erpressen um die Landnahme zu legalisieren. Sicherlich zeigt der Film eine etwas einseitige palästinensische Sichtweise. Doch die Situation an sich hat fast eine zeitlose Bedeutung, wenn man die Methoden und die weitreichenden Folgen bedenkt. Die gerade erst geschlossene Ehe gerät in arge Bedrängnis. Man spürt die Entfremdung zwischen Kamar und Zaid ohne einen tatsächlichen Seitensprung allein wegen der örtlichen Distanz. Das Leben geht halt weiter. Auch der wirtschaftliche Engpass ist eine Folge von Zaids Haft. Dagegen ist der nächtliche Schusswechsel Alltag, genauso wie die omnipräsente Mauer zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn. Hiam Abbass, der Superstar des Nahen Ostens, verleiht als Cafébesitzerin dem palästinensischen Volk eine Stimme. Mutig tritt sie den Besatzern entgegen und kann doch letztendlich nichts ausrichten. Bei aller Subjektivität kann man doch die vielen Wahrheitskörner entdecken. Die stimmungsvollen Bilder erleichtern die Suche.
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Mi, 05.12.2012
TV | Die Blonde mit entblößten Brüsten
Ein Sommer auf der Seine2 Sterne
Wenn man schon keinen tollen Film abliefert, kann man das Interesse des Publikums nur durch einen scharfen Titel erregen. Ursprünglich hieß der Streifen ‘Ein Sommer auf der Seine‘. Und das trifft genau in die zwölf. Julien und Louis zwei Brüder fahren einen Lastkahn. Wegen Geldnot klauen sie besagten Manet. Museumswärterin Rosalie (Vahina Giocante) verfolgt sie und wird zur Komplizin. Es ist eine mittelmäßige Story mit mittelmäßigen Darstellern. Lediglich manche stimmungsvollen Einstellungen sind ganz schön. Anfangs schwankt man noch zwischen albernem Rumgezicke und Anmache. Erst als das in der Horizontalen zwischen dem älteren Julien (Nicolas Duvauchelle) und Rosalie geklärt ist, gibt’s Rivalität zwischen den Brüdern. Das ist wenig überzeugend, denn Louis (Steve Le Roi) ist erst zwölf. Der Kunstraub gerät aus dem Fokus und wird ersetzt vom romantischen freien Leben der Schiffer. Doch da sind wir optisch schon meilenweit vom aufreizenden Titel entfernt, werden von Gangstern halbherzig und unentschlossen überrascht und erfahren etwas von Rosalies Vater. Immerhin streift die Kamera wenigstens mal kurz am schärfsten Bild der Kunstgeschichte (einem Courbet) vorbei. Und so dümpeln wir von flachen Dialogen begleitet durch Ansätze von sozialem Tiefgang zum Happy End. Was für ein Sommer auf der Seine!? So entspannt, dass die Wasseroberfläche nachgibt und man träumend in der Seine versinkt.
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Mi, 05.12.2012
TV | Hellboy
Der Höllenbub2 Sterne
Wenn man den Nazi-Mist am Anfang weggelassen hätte, wäre es ein Gewinn für den Film gewesen. Aber das gehört ja wohl schon seit Indiana Jones als Standard zu diesem Genre dazu. Die Animationseffekte sind beeindruckend. Das titelgebende Feuer wird gekonnt als brennendes aber bisweilen nicht verbrennendes Medium eingesetzt. Besonders schön bei der feurigen Liz (Selma Blair). Bei den monströsen Großraum-Einstellungen entsteht ein Riesenfeeling im Gegensatz zu den kleinen Menschlein. Selbst für Charakterzeichnung ist Zeit: Professor Broom (John Hurt) hier mal als tragische Gestalt. Besonders ausgeprägt der Gegensatz zwischen Hellboy (Ron Perlman), dem Hau-drauf Ungeheuer mit flotten Sprüchen und seinem Partner Abe, dem eher feinfühligen ‘Schlangenmenschen‘ (Doug Jones). Nur für die Liebe ist hier kein rechter Platz bei diesem schaurig schönen Schocker. Eine Andeutung genügt bei der Wandlung zum echten Menschen. Ein richtiger Genuss für den echten Fan, für die Anderen interessante Unterhaltung mit viel Animationsaction. Das schreit förmlich nach einer Fortsetzung.
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Di, 04.12.2012
TV | The Chaser
Der Lude und der Killer4 Sterne
Dieser unheimlich spannende Krimi fällt durch seine neue Handlung und seine Machart besonders auf. Die Ausgangssituation der beiden Gegenspieler ist dabei recht ungewöhnlich: Zuhälter und Ex Cop Joong-ho (ganz toll Kim Yun-seok), dem seine ‘Pferdchen abhandenkommen, jagt einen Massenmörder (Ha Yung-woo). Das geht recht logisch von statten und die Spannungsschraube wird vor allem gegen Ende ständig angezogen. Es ist ein Nachtfilm mit viel schwarz und fast genauso viel rotem Blut. Das ist nur zu ertragen, weil es zwischendurch menschlich rührende Szenen gibt. Die kleine Tochter der Nutte (Kim Yu-jeong) z.B. ist vorlaut und cool und rührt nicht nur das Herz von Joong-ho. Zweifelhafte Verhörmethoden ermöglichen Geständnisse durch Gewalt, die natürlich nicht rechtskräftig sind. Doch die psychologische Falle schnappt dann später umso eindrucksvoller zu. Bevor die Spannung ins Unerträgliche steigt, ironisiert die Handlung mit raffinierten Wendungen eine zweite Konfrontation von Opfer und Killer. Die letzte Bluttat vor dem Showdown wird in Slomo ohne Ton nur mit Musik unterlegt und wirkt doppelt brutal. Eine gelungene Mischung aus pickelharter Action und emotionaler Rührung mit ungewöhnlichen Situationen voller Witz und Menschlichkeit.
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Mo, 03.12.2012
TV | Ein russischer Sommer
Endstation4 Sterne
Wir erleben die letzten Tage von Leo Tolstoi. Da sich der Film auf die Romanvorlage von Professor Parini stützt, der offenbar sorgfältig recherchiert hatte, bekommen wir ein recht detailgetreues Bild vom Tode des russischen Schriftstellers. Der Unterhaltungswert kommt vom Kontrast der ‘alten Liebe‘ der Tolstois mit der ‘neuen Liebe‘ seines Sekretärs Bulgakow (James McAvoy). Die Alten streiten sich zwischen Liebesbeteuerungen ums Geld aus den Rechten von Tolstois Werken, die Jungen schweben auf Wolke sieben, so wie es Leo und Sophia vor vielen Jahren auch taten Seine Klasse erhält der Film jedoch von den großartigen Schauspielern: Christopher Plummer spielt Tolstoi bärbeißig aber empfindsam, seine Frau Sofia (Helen Mirren) zerbricht fast an ihrer Liebe im Kampf mit Leos Entourage. Hier ist vor allem der diabolische Tschertkow (Paul Giamatti) hervorzuheben. Sofias Temperament geht schon mal mit ihr durch. Das reicht vom Geschirr zerdeppern bis zum Suizidversuch. Auch die beiden obersten Maximen aus Tolstois Werken ‘Liebe und Freiheit‘ werden ausreichend gewürdigt, sowie die Bedeutung der Presse um 1910. Der deutsche Titel ist zwar poetisch, aber eher nichtssagend. Der des Originals ist schwerlich adäquat zu übersetzen: ‘Endstation!?‘ (Tolstoi stirbt auf einem Bahnhof). Das wäre zu puristisch und verdeckt dabei den warmherzigen Charme und den sprühenden Witz des Films.
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Sa, 01.12.2012
TV | Das Fleisch der Orchidee
Die Tochter von Orchidee4 Sterne
Ungewöhnlich anstrengender Sozialkimi. Die Geschichte wird weder vorwärts noch rückwärts erzählt, sondern diagonal. Darin liegt das Geheimnis der Spannung. Erst nach etwa einer Stunde beginnt man langsam zu begreifen, was hier los ist oder los war. Regisseur Chéreau erhebt die Geheimniskrämerei zum Prinzip der Erzählung. Er verwehrt uns so manchen Blick ins Detail. Zweimal genügt ein markerschütternder Schrei! Und so laufen zwei Handlungsstränge selbstständig neben einander her. Zwei aus unterschiedlichen Gründen Gejagte treffen sich: Claire (ganz groß Charlotte Rampling, jung und knackig) und Delage (Bruno Cremer). Erst als die Handlungsstränge zu Parallelen werden, bekommen wir mit viel Verzögerung Aufklärung. Zunächst von Lady Vamos (Simone Signoret). Claires Verwandtschaft und die zwei Killer bringen zusätzlich Licht ins Dunkel. Das ist genau wie der Regen ein ständiger Begleiter der Szenerie. Auch der an sich sinnfreie Titel wird erklärt. Es wird grotesk, die Figuren agieren etwas steif, oftmals treten sie im Rudel auf, aber es wird nie langweilig. Eine Reihe von Toten säumt den Weg von Erbschaftstreitigkeiten und Ganovenehre. Mitdenken ist angesagt, denn die Handlung zieht schon mal zwecks Ablenkung mysteriöse Kreise, z.B. der Kurzauftritt von Alida Valli als die Irre vom Bahnhof. Durch seine Machart ist der Film weder einfach noch zeitgebunden. Lohnenswert.
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Fr, 30.11.2012
TV | Im Jahr des Drachen
Krieg in Chinatown3 Sterne
Cimino garniert seine Filme ja gern mit vielen Morden. Zumal wenn es sich um die Mafia in New York dreht, geht es da munter zur Sache. Hier haben die beiden Drehbuchschreiber (Cimino / Stone) gut recherchiert. Ihre Figuren wirken authentisch und es ist durchaus spannend. Der hochdekorierte Bulle im Außendienst Captain White (Mickey Rouke) nutzt den Krieg in der Bronx, um ihn zu beenden und gleichzeitig mit der Korruption bei der Polizei aufzuräumen. Dabei trifft er auf die Journalistin Tracy (Ariane Koizumi). Wie die beiden sich fetzen bevor sie auf der Matratze landen und auch noch später ist spaßig und eine etwas andere Love-Story. Dafür sind Whites Eheprobleme zum Heulen und werden mit einem zusätzlichen Schocker beendet. Bei den Ballerszenen erweist sich Cimino erneut als Meister des Genres. Viel explodiert mit viel Getöse und die getroffenen Akteure agieren ballettartig. Eine Erweiterung am Rande ist der Medienkrieg, der bei den ‘Aufräumarbeiten‘ inszeniert wird. Es gibt sogar komische Situationen, wenn Nonnen im polizeilichen Abhördienst tätig sind. Dagegen bleibt der chinesische Obergauner John Lone eher etwas blass. Er ist zwar aalglatt aber nicht gerade furchteinflößend. Kein echter Konkurrent für den angegrauten Rouke, der sich hier eher raubeinig-charmant gibt. Cimino kann erzählen und das wirkt echt und nicht gekünstelt.
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Fr, 30.11.2012
Kino | Winterdieb
Das Kind von da oben4 Sterne
Der zweite Film von Ursula Meier ist durchdachter und daher auch eindrucksvoller als ihr Erstling. Der 12jährige Simon (Kacey Mottet Klein), der unten im Tal in einem seelenlosen Hochhaus wohnt, fährt ins Skigebiet hinauf auf den Berg und klaut den reichen Touristen ihre Ausrüstung. Damit verdient er für sich und seine ‘Schwester‘ Louise (Léa Seydoux) den gemeinsamen Lebensunterhalt. Diese Ausgangssituation wird dramaturgisch gesteigert durch diverse Probleme, die der Job für Simon mit sich bringt. Gleichzeitig erhöht aber auch die menschliche Seite der Geschichte ihre Schlagzahl. Louise gesteht, dass für sie Simon seit 12 Jahren ein Klotz am Bein war. Zweifel an dem angeblichen Bruder-Schwester Verhältnis kommen auf. Hier liegt die Stärke des Films. Während Simon unter der Einsamkeit leidet und erst am Ende unter Tränen seine verletzte Seele offenbart, ist Louise alles andere als eine Mutter. Diese Rolle hat sie immer schon abgelehnt und dabei bleibt es auch. Meier schildert auch Ansätze der Verwahrlosung des sonderbaren Pärchens. Die lokale Differenz von unten (wo die Armen wohnen) und oben (die Reichen) ist eine ebenso geistreiche Facette wie das Ende: Simon und Louise in zwei gegenläufig fahrenden Gondeln. Die Welt der Reichen wird kurz aber eindrucksvoll von Gillian-Akte-X- Anderson verkörpert. Plot und Schauspieler überzeugen. Das wunderschöne, winterliche Panorama dient als Kontrast zum menschlichen Drama.
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Do, 29.11.2012
TV | 11:14
Viertel nach elf2 Sterne
Hier werden vom damals noch recht jungen Regisseur Greg Marcks mehrere Episoden recht unterhaltsam und mit viel Tempo miteinander verbunden. Da gibt es Autounfälle mit Fahrerflucht, einen Überfall, Sex auf dem Friedhof und unterwegs geht sogar ein Pimmel verloren, beim Versuch aus dem Autofenster zu pinkeln. Auch Tote sind mit von der Partie. Allen gemeinsam ist, dass keine der Aktivitäten von Erfolg gekrönt ist. Man erkennt immer mehr die personellen Zusammenhänge, begreift die teils fatalen Verknüpfungen und fragt sich, wie das alles enden soll? Vom Titel her kann da rein zeitlich problemlos vor und zurückgeblendet werden. Ein Blick auf eine Uhr reicht. Zwei Altstars wie Barbara Hershey (fast unerkennbar mit Brille) sowie Patrick Swayze als besorgter Vater agieren neben Hilary Swank (mit Zahnspange). Nachwuchsstars wie Colin Hanks, Jason Segel oder Henry Thomas sind noch dabei, etwas zu werden. Die unbeantwortete Frage bleibt unbeantwortet: es endet mit dem Abspann. Keine Lösung ist auch eine. Nur keine befriedigende. Dafür singt Nancy Sinatra den Ohrwurm aus den 60er Jahren von den ‘marschierenden Stiefeln‘. Hier marschiert aber niemand. Die Akteure waren eher auf dem ‘Highway to Hell‘ unterwegs. Es ist halt flotte Unterhaltung ohne Tiefgang.

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