Mi, 28.11.2012TV | Leaving Las Vegas - Liebe bis in den TodLeaving this worldDas tragische Liebesdrama zwischen der Hure Sera (Elisabeth Shue) und Ben einem suizidalen Alkoholiker ist erschreckend realistisch und emotional beeindruckend. Das waren noch Zeiten, als Nicolas Cage mit seinem schauspielerischen Talent punkten konnte. Und das hier ist seine beste Rolle. Elisabeth Shue ist aber ebenso großartig.
Mike Figgis hat eine äußerst sensible Psychostudie von zwei Charakteren abgeliefert, die sich trotz aller unvereinbaren Gegensätze brauchen. Es ist eine obsessive Beziehung, die letztlich auf einen Antagonismus zwischen Liebe und Alkohol hinausläuft. Sera vertritt die absolute Liebe, die bedingungslos liebt, und den Untergang des Geliebten akzeptiert. Ben hingegen torkelt zwischen seiner Absicht, sich zu Tode zu saufen und den aufkommenden Liebesgefühlen hin und her. Erstaunlich, was hier so konsumiert wird. (Sogar unter Wasser!) Das ist wahrlich keine Werbung für die Alkoholbranche.
Das Umfeld der beiden wird kurz und treffend geschildert. Hier beeindruckt vor allem Julian Sands als Seras Zuhälter. Er versinnbildlicht die Gewalt in dem Milieu, in dem sich Sera und Ben bewegen. Sie ziehen sich dann aber in ihr eigenes Universum zurück, wo es tiefe Gefühle und echte Nähe gibt.
Es ist beachtenswert, dass es im Kampf zwischen Liebe und Alkohol zwei Sieger gibt. Seras Liebe bleibt unerschütterlich und Ben bleibt bei seinem Vorsatz. Ganz groß! Jeder Preis ist hier berechtigt. | |
Di, 27.11.2012TV | Auftrag RacheAm Rande der FinsternisDer Stoff ist ein Klassiker unter den ‘Konzern-vergiftet-Umwelt‘ Filmen und geht dabei über Leichen. Und er hat nichts an Aktualität eingebüßt. Die Action ist zeitgemäß etwas aufgeputzt (seit den 1980er Jahren). Anfangs halten sich noch der brutale Rachethriller und die Emotionen der Vaterfigur (Mel Gibson) die Waage. Im Verlauf bis zum finalen Blutbad verschwinden dann allerdings die Gefühle immer mehr und der Rachegedanke wird somit austauschbar. Es gibt auch nicht nur einen Schurken und damit keine schlichte Festlegung auf nur eine Person. Und die Figur des windigen Beraters Jedburgh (Ray Winstone) bringt noch zusätzliche Spannung. Keine handzahme Unterhaltung, denn zumindest ein Schocker trifft ziemlich am Anfang ins Mark der Zuschauer. Aber das poetische Ende versöhnt für all die vorherigen Bluttaten. Diese Art von finalem optischem Gedankenausblick sieht man nicht erst seit ‘LIEBE‘ häufiger. | |
Di, 27.11.2012TV | Departures - Die Kunst des AusklangsDer HeimkehrerCellist Daigo (Masahiro Motoki) wird arbeitslos und verdingt sich als Leichenaufbahrer in seiner Heimat. Wir wissen, dass das Cello ein einschmeichelndes, beruhigendes Instrument ist. Und wir hören es als Überleitung von Szenen, Rückblenden oder als Unterlegung von wunderschönen Landschaftsbildern. Oft sind es Ohrwürmer oder Klassiker z.B. das Ave Maria. Das ist die Stärke des Films. Und so zeigt es auch das offizielle Plakat. Ein Großteil der Handlung besteht allerdings aus der immer wiederkehrenden Aufbereitung der Leichen vor den Augen der Angehörigen. Anfangs ist auch noch so etwas wie leiser Humor vorhanden, der von der überbordenden Fröhlichkeit von Daigos Frau bis zur Unkenntlichkeit übertüncht wird. Das Ende ist vorhersehbar und die makabren Szenen halten sich in Grenzen. Wir erfahren, dass das Verneigen zur abschließenden Verstärkung der eigenen Aussage zum japanischen Gesprächsverhalten gehört wie der Karpfen zum Teich. In manchen Situationen kann man froh sein, dass es noch keine Geruchsfilme gibt. Da könnte wie bei den Akteuren Brechreiz aufkommen. Bei mir ebenso wenig wie emotionales Ergriffensein. Ungerührt gähnte ich mich zum Ende. Weswegen die Preise? Überbewertet! | |
Mo, 26.11.2012TV | AntichristGott ist totDer Film wird in drei Kapitel eingeteilt, die eine figürliche Bedeutung für die Dramaturgie haben. Die ‘drei Bettler‘ sind nicht nur Titel für Kapitel 4, sondern Überschrift für die vorausgehenden drei: ‘Trauer, Schmerz, Verzweiflung‘. An diesem skelettartigen Aufbau kann man sich noch festhalten, um nicht in den letzten beiden Kapiteln qualvoll zu versinken. Mit äußerst brutaler Konsequenz wird der Schmerz aus Verzweiflung optisch umgesetzt Es beginnt als interaktive Paartherapie von Charlotte Gainsbourg und Willem Dafoe. Trotz wiederholter verbaler Liebesbekundungen, schlagen sie sich erst und dann metzeln sie sich, nicht nur beim Sex, sondern überhaupt. Autoaggression führt zu Verstümmelung des Geliebten. Das Thema wird bestialisch durchgezogen. ‘Die Natur ist die Kirche Satans‘, sagt sie. Wir sehen die Antipoden von Menschlichkeit, Mitgefühl, Liebe, Trost und Sanftmut. Man könnte diese Liste noch beliebig fortführen. Dabei wirken die biblischen Anspielungen eher als Belustigung. Sie sind vielmehr ein Feigenblatt für die Darstellung von unvorstellbaren Qualen.
Wir sehen eine Welt, in der Tiere sprechen und der Mensch dem Menschen ein Wolf ist. In einem Zustand der Raserei entledigt er sich seiner Geschlechtsorgane und vernichtet damit seine eigene Zukunft. Soll das ein Leben ohne einen barmherzigen Gott sein? So der Titel! ?
Dann wäre es ja letztlich sogar eine Werbung für den Glauben. Unvorstellbar hart. Im zweifacher Hinsicht bildgewaltig. | |
Sa, 24.11.2012TV | Zwischen uns das ParadiesDer LiebestestWas als romantischer Liebesfilm beginnt, endet im Fiasko der unterschiedlichen Ideologien. Ein bosnisches Paar Luna und Amar (Zrinka Cvitesic und Leon Lucev) entwickelt sich in verschiedene Richtungen. Aus der Vogelperspektive sieht der Lebensweg der beiden aus wie ein Ypsilon. Anfangs sind ihre beiden Lebenslinien noch deckungsgleich, dann ab einem gewissen Punkt, geht es in unterschiedliche Richtungen. Jasmila Zbanic zeigt durchaus realistisch, wie diese tragische Entwicklung von statten geht. Die Differenzen werden immer größer, bis die Kluft nicht mehr zu überbrücken ist. Es beginnt mit unterschiedlichen Ansichten über Mode und Kleidung und endet bei seinem plötzlichen Verzicht auf vorehelichen Geschlechtsverkehr und einem Kinderwunsch. Im Gegensatz zur extremistischen Gemengelage in einem Trainingscamp räumt sie der Darstellung der muslimischen Glaubensausübung breiten Raum ein. Hier ist eine Feier fester Bestandteil des Familienlebens. Im Camp hingegen herrschen stringente mittelalterliche Zustände. Der typisch bosnische Aspekt wird durch Heimat und Besitz emotional eindrucksvoll thematisiert. Man erlebt die seelischen Nöte von Vertreibung und Ohnmacht.
Luna und Amar fragen sich ’Was ist mit uns passiert?’ Wie die Linien am oberen Rand des Ypsilons berühren sie sich nicht mehr. Zwischen ihren Wertvorstellungen liegen Welten. Am Ende bittet er sie ’Komm zurück zu mir.’ Darauf sie ’Komm du doch zurück.’ Unvereinbare Gegensätze bleiben. Beide wissen aber, dass ’zwischen ihnen das Paradies’ liegt. Toll! | |
Mi, 21.11.2012TV | RuhelosTrister geht's nimmerAm Anfang steht eine Ohrfeige. Patrice Chéreau hat hier wieder eins seiner Gedankengebäude abgeliefert, und zwar diesmal ein äußerst herbes. Zunächst erscheint die zentrale Figur Daniel (Romain Duris) lediglich ein Grantler zu sein. Doch im Verlauf des Films erkennt man - und das gilt auch für die übrigen Figuren – seine /ihre tieftraurige, depressive Grundeinstellung. Das ganze Ensemble überzeugt so total, dass der Zuschauer ebenfalls in diese Stimmungslage gerät – und zwar nachhaltig. Hinzu kommen die langatmigen Dialoge, die das Durchhalten keineswegs erleichtern und die Reizschwelle zum Genervtsein oftmals überschreiten. Man versteht oft den Grund der Auseinandersetzung nicht so recht. Die Personen bewegen sich in einem Teufelskreis wie der Hamster auf der Rolle, haben für ihr eigenes Leben den Tunnelblick und leiden vor sich hin, ohne Aussicht auf Besserung. Diese tragische, innere Zerrissenheit und Unruhe wird besonders bei Daniels weiblichem Pendant (Charlotte Gainsbourg) deutlich. Wenn sie an ihn denkt, liebt sie ihn. (Sic!) Das ist schön scheußlich! Beim Sex lachen sie unkontrolliert. Aber wie kann man nur so leben? Hier lagern Liebeschwüre neben Morddrohungen und ein Lächeln neben dem Tod. Selbst für Hiam Abbas findet sich hier noch ein Plätzchen, der Frau mit dem traurigsten Blick Arabiens.
Es gibt quasi eine Ohrfeige für die Seele, nicht als Bestrafung, sondern als Erinnerung an die Möglichkeit eines freudlosen Daseins. Aber das schafft Schwielen im Gemüt und liefert Rüstzeug für das harte Leben. | |
Mi, 21.11.2012TV | The Town - Stadt ohne GnadeBallermann und Co.Der Titel nimmt Bezug auf das Ambiente. Klar, dass die meisten Banküberfälle vorwiegend in der ’Stadt’ gemacht werden. Alles Weitere verläuft nach Schema-F. Trotz viel Geballer kommt kaum Spannung auf. Die Ergebnisse der Ermittlungen der Polizei (Jon Hamm) sind oft etwas überraschend und haben sogar einen Hauch von Logik. Gerade mal so viel, dass man nicht mit einem unglaubwürdigen ’oh-oh-oh-,ehrlich?’ abschaltet. Der erzählerische Rückblick auf Obergangster Ben Afflecks Familie soll menschliche Tiefe bringen, ist aber nur akzeptabel, weil man seine Wandlung vom Saulus zum Paulus glauben soll und er bei Claire (Rebecca Hall) Eindruck schinden will. In Wirklichkeit gibt er aber seine kriminelle Karriere keineswegs auf. Er vollzieht keinen Sinneswandel im Sinne eines Neuanfangs. Am Ende erweist sich Ben auch noch Claire gegenüber als recht großzügig – als Gegenleistung für einen One-Night-Stand. Dass er mit der Verkleidung als Polizist davon kommt, war wohl seine Bedingung, die Rolle anzunehmen.
Ein Film wie weiland aus dem Westen, da gab’s auch nichts Neues. Wenn das ein Klassiker sein soll, fragt man sich, was in aller Welt ihn dazu machen sollte? Weder die Story, noch die Machart und schon gar nicht die Akteure sind über dem Durchschnitt. Wer hat das Fließband vergessen abzustellen, von dem dieser Streifen runter gefallen ist? K.V. | |
So, 18.11.2012Kino | SkyfallHimmelssturzGegen diesen Bond sind alle Vorgänger nur Kindergeburtstage. Es ist wirklich der Beste, den es bisher gab. Er ist nicht nur besser, sondern auch anders. Und das aus mehreren Gründen. Regisseur Mendes hat fast nicht mehr zu überbietende, knallharte, temporeiche Action mit pyrotechnisch eindrucksvollen Explosionen garniert und im Wechsel dazu darstellerisch gekonnte Großaufnahmen gemischt. Mimik und echte Gefühle sind angesagt. Darüber hinaus wird wieder Wert auf kurze, geistreiche Dialoge gelegt: ‘Was ist ihr Hobby?‘ – ‘Die Auferstehung.‘ Und wenn James gefragt wird, was er denn die ganze Zeit gemacht habe, antwortet er ‘Den Tod genossen‘. Es ist ein zusätzliches Zuckerl für alle Bond-Kenner, wenn mit allseits bekannten Dingen (dem alten Bond-Auto), Personen (der neuen Miss Moneypenny) oder auch der alten Titelmusik aufgewartet wird. Statt Haien oder Krokodilen gibt es Komodowarane. Der Wiedererkennungswert steigert den Genuss.
Das Bond-Girl Sévérine (Bérénice Marlohe), das unverschuldet in die Fänge des Erzbösewichtes geraten war, bekommt James zwar nicht als Belohnung für seine Mühe, dafür gibt Javier Bardem aber den alten, katzenstreichelnden ‘Blofeld‘ hier als furchteinflößendes Ungeheuer mit einem Touch Homosexualität. All diese bekannten Asservaten werden nicht aufdringlich aber wirkungsvoll eingesetzt.
Und dann für einen coolen Zyniker wie Bond ungewöhnlich das emotionale Highlight in wunderschöner schottischer Landschaft: das Ende von M (Judie Dench). Es gibt Tränen! Unglaublich packend dieser tolle Mix aus alt und neu! Und Adeles Titelsong passt zu den Superlativen allemal. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.