Do, 15.11.2012TV | Die Eigenheiten einer jungen BlondineDas Mädchen am FensterEin langer Kurzfilm bzw. ein kurzer Langfilm mit antiquiertem Inhalt. Etwas über eine Stunde quält uns der Methusalem unter den heute noch lebenden Regisseuren (über 100 Jahre) mit diesem langweiligen Stoff. Dabei ist die Blondine (Catarina Wallenstein) bloß dunkelblond, die der mittellose Buchhalter Macario (Ricardo Trepa, Enkel des Regisseurs) von gegenüber anhimmelt. Über kurz oder lang will er sie heiraten. Wer hätte das gedacht!? Und beim Kauf der Ringe muss er feststellen, dass sie eine Diebin ist. Er jagt sie davon, Ende der Vorstellung. Der Film ist nur mit Hilfe der schnellen Vorlauftaste zu ertragen. Der altarmäßige Bildaufbau, streng symmetrisch und mit stets parallel zum Bildrand verlaufenden Begrenzungen würgt das Letzte an Spannung ab. Es gibt nichts ungewöhnliches, nichts Bemerkenswertes. Die Figuren bewegen sich unnatürlich hölzern und nicht ohne Pathos. Es drängt sich die Frage auf ‘Was soll das Ganze?‘
Die Existenzberechtigung dieses Machwerkes kann nur sein, dass man etwas hat, worüber man den Mantel des Schweigens ausbreiten kann, nachdem man alles andere bereits an der Garderobe der Aussagen abgegeben hat. K.V. | |
Do, 15.11.2012TV | MammuthRentner als BikerAn diesem Film ist alles sonderbar und eigenartig komisch. Das beginnt beim äußeren Erscheinungsbild des Antihelden Serge (Gérard Depardieu). Der ist schwer fettleibig und trägt überlanges Haupthaar. Im Oberstübchen ist der Rentner eher etwas schlicht geraten und steht unter der Fuchtel seiner mürrischen Gattin Catherine (wie immer ist Yolande Moreau Spitze). Er fährt mit seinem Motorrad (Marke Mammut) los, um sich fehlende Arbeitsbescheinigungen zu beschaffen.
Man kann sich an Depardieu nicht satt sehen und genießt die sonderbaren Situationen, in die er gerät (z.B. Massenweinen im Restaurant). Dabei trifft er auf eine Reihe von Figuren, die alle nicht so ganz knusper sind, wie seine Nichte Solange (Miss Ming). Für sie sehen die Wolken wie eine ‘Strativarus‘ aus. Mit ihrem Auftritt entfernt sich die Handlung etwas von der Realität. Der eigentliche Grund für Serges Reise gerät zur Nebensache und es wird immer grotesker. Durch die schrittweise Einführung von Serges verunglückter großer Liebe (die Adjani als wunderschöner, blutiger Geist) geht der Qualitätslevel nach oben. Diese Rückblenden sind grobkörnig, etwas unscharf und verwackelt. Serge trägt ein biblisches Gewand und kehrt heim. Als Epilog angehängt verblüfft uns das Ende. Das ist das Sonderbarste, das es geben kann. Das war einfach nicht zu erwarten. Serge wird akademisch?! Grotesk halt. | |
Mi, 14.11.2012TV | Schnee, der auf Zedern fälltDie Fratze des RassismusScott Hicks, der Meister des generationsübergreifenden, gefühlsbetonten Melodrams, hat hier einen optisch ansprechenden, thematisch komplexen und menschlich rührenden Film geschaffen. Er liegt ganz eng an der Romanvorlage und übernahm auch gleich den lyrischen Titel für einen Winterfilm (‘Schnee‘) vor wunderschöner Landschaft und die ‘Zeder‘ war der Treffpunkt der Verliebten Ishmael und Hatsue. Deren Geschichte einer unerfüllten, lebenslangen Liebe, die es nie geben durfte, bleibt aber im Hintergrund. Zurzeit – kurz nach Pearl Harbour - geht es beim Prozess um die Frage: Mord oder Unfall? Der junge Ishmael (Ethan Hawke) beobachtet und forscht nach. Er wird unterstützt vom Anwalt (toll Max von Sydow). Der und Ishmaels Vater (Sam Shepard) sind die einzigen Vertreter des gesunden Menschenverstandes. Sie plädieren für Fairness und Menschlichkeit, Integrität und Anstand und müssen gegen einen rassistischen Wall von Vorurteilen ankämpfen, denn der Angeklagte (Rick Yune) ist japanischer Herkunft und zurzeit mit Hatsue (Youki Kudoh) verheiratet. Die Schraube der Tragik wird noch weiter angezogen, denn Ishmael verlor im Krieg gegen die Japaner, seinen Unterarm.
Die Argumentation im Prozess ist zeitlos, der Thriller spannend und die Liebesgeschichte herzzerreißend schön. | |
Di, 13.11.2012TV | Lebanon - Tödliche MissionCinderella an NashornEin Kriegsfilm mit einer ungewöhnlichen Perspektive. Das Ambiente ist der Innenraum eines Panzers. Die Außenwelt wird nur durch das Zielfernrohr wargenommen. Drinnen spürt man förmlich die Enge, das Halbdunkel und den ölverschmierten Mief. Es entsteht eine klaustrophobische Atmosphäre, in der die Nerven blank liegen. Bei der jungen Besatzung geht es um Befehlsgewalt und Verantwortung. Das Leid der libanesischen Zivilbevölkerung wird durch den Blick durchs Zielfernrohr keineswegs gemildert, nur verfremdet, das Fadenkreuz ist dabei eine permanente Bedrohung. Es sind schockierende Bilder und Szenen. Die Israelis setzen verbotene Waffen ein. Syrische Phalangisten spielen eine zwielichtige Rolle.
Der Film ist ein weiteres Beispiel für die Tatsache, dass der Krieg das Grausamste auf der Welt ist, das es gibt, er ist nicht zu rechtfertigen und dass die, die die Befehle erteilen, nicht ihren Kopf dafür hinhalten. Obwohl eine historisch belegte Situation geschildert wird, (der israelisch-libanesische Krieg von 1982) ist es letztendlich doch ein Lehrstück mit Allgemeingültigkeitsanspruch gegen das sinnlose Töten. Darüber können auch die ersten und letzten Einstellungen nicht hinwegtäuschen. Die Überlebenden der Panzerbesatzung genießen einfach genau wie der Zuschauer den befreienden Anblick eines sonnenbeschienenen Sonnenblumenfeldes. Eindrucksvoll und ungewöhnlich. | |
Di, 13.11.2012TV | TourneeImpresario als FroschkönigMathieu Amalric lag das Projekt wohl sehr am Herzen. Er hat nicht nur Regie geführt, sondern auch die Hauptrolle übernommen. Rausgekommen ist eine authentische Milieustudie. Es wird ein Blick hinter die Kulissen des Showbiz geworfen. Hier wird der ‘Neo-Burlesque‘ ein Denkmal gesetzt. Wir sehen echte Vertreterinnen der Gattung mit klangvollen Namen wie ‘Mimi Le Meaux‘ (Miranda Colclasure) ‘Kitten on the Keys‘ (Suzanne Ramsey) oder ‘Dirty Martini‘ (Linda Maracini). Die prallen Mädels zeigen einen fantasievollen, erotischen Tanz. Doch es bleibt nicht bei Titten, Trubel, Trallala, wie nach außen gern suggeriert wird. Hinter der Fassade gibt es Heimweh, Sehnsüchte und Einsamkeit. Und es ist wahrlich nicht alles Gold… Doch die ärmste ‘Sau‘ ist Joachim Zand (Amalric). Er ist Impresario, Vater, Bruder und total überfordert. Die Mädels nennen ihn auch den ‘Froschkönig‘. Das Milieu duldet keine echten Gefühle, obwohl es bei Mimi, der üppigen Tattoo-Blondie doch ganz kurzfristig einen leisen Anflug davon gibt. Stattdessen sehen wir widersprüchliche Reaktionen und unkontrollierte Gefühlsausbrüche. Hier ist nicht Spannung gefragt, sondern Atmosphäre. Es gibt auch keine Entwicklung. Folglich lautet auch der letzte Satz ‘ The Show must go on!‘ | |
Mo, 12.11.2012TV | Mademoiselle ChambonDer Maurer & die ViolinistinKein kleiner, unspektakulärer Film, dessen Inhalt auch nicht gerade neu ist: verheirateter Maurer (Vincent Lindon) verliebt sich in die Lehrerin seines Sohnes (Sandrine Kiberlain) Er baut ein Fenster ein, sie spielt ihm Edward Elgar auf der Geige vor. Der Originaltitel bezieht sich allerdings nur auf die halbe Wahrheit, denn zur Liebe gehören immer noch zwei.
Ein kontrastreicher Anfang mit Baulärm und Presslufthammer, gefolgt vom typischen Hausaufgabentrauma heutiger Eltern (Akkusativobjekt bestimmen!?). Dann geht’s eindimensional auf der emotionalen Ebene weiter. Die langen, wortlosen Pausen verdeutlichen die Gedankengänge der Akteure, ihre inneren Kämpfe mit sich selber. Sie träumt vor sich hin, schwankt wohl zwischen hoffnungsvoller Erwartung und realistischem Frust, er ist nicht bei der Sache und grantelt daheim und auf der Arbeit. Dazu hört man Kammermusik, die in die nachfolgenden Szenen mitfließt. Frau will klare Verhältnisse und bewirbt sich weg. Nach einem (nur einem) gemeinsamen Betthupferl mit einer versteckten Träne kommt es zum spannenden Finale ohne Worte. Lange bleibt die Frage im Raum: Kommt er oder kommt er nicht? Fährt er mit ihr weg oder bleibt er bei Frau und Sohn? Regisseur Stèphane Brizé spielt zum Schluss ausgedehnt mit den Erwartungen der Zuschauer, bevor er die Frage sachlich kühl beantwortet. Die Kamera schaut distanziert durch ein Fenster, bevor sie sich diskret verabschiedet. Statt Action gibt es eine emotionale Volldusche: leise, zart und schön. | |
Sa, 10.11.2012Kino | LoreDie Flucht der KinderDie Titelfigur (herausragend Saskia Rosendahl) treckt am Ende des Krieges von Süddeutschland an die Nordsee zu ihrer Großmutter. Vater und Mutter verschwinden eigenartigerweise aber Lore und die Geschwister erreichen ihr Ziel.
Der Film erzählt mit minimalistischen Mitteln und manchen Handlungslücken. Er lässt dabei vieles im Dunkeln, was die Romanvorlage (‘Die dunkle Kammer‘) deutlicher beschreibt. Lange schweigsame Passagen vertiefen anfangs die Stimmung. Die Figuren sind äußerst wortkarg. Dabei ist die Kamera so dicht an ihnen dran, dass man zwar jede Wimper erkennt, aber die örtliche Zuordnung des Umfeldes bisweilen schwer fällt. Auch Grausamkeiten werden optisch umgesetzt, die man allerdings nur voyeuristisch zur Kenntnis nehmen kann. Da bleibt Vieles unklar, Fragen türmen sich auf, wie z.B. ‘ Wer erschoss warum den kleinen Bruder?‘ Der Film beeindruckt schon irgendwie mit Stimmungs- und Gemütslage, trotz der Längen im Mittelteil, wo man sich zeitweise auf einem Abenteuerausflug wähnen kann, aber man bleibt wegen der Oberflächlichkeit doch etwas unbefriedigt zurück. Das liegt wohl am Drehbuch, denn die Schauspieler – auch hier noch erwähnenswert die Mutter (Ursina Lardi) spielen eindrucksvoll und komplex.
Zwei Pluspunkte allein für den Schluss: mit der Person der Oma (Eva-Maria Hagen-Biermann) wird über die Tischmanieren deutlich, dass die preußische Erziehung endgültig vorbei ist. Und Lores letzter Auftritt zeigt, dass sie als einzige eine tragische Figur bleibt und zeitlebens unter den Folgen der Flucht psychisch leiden wird. Kann man, muss man aber nicht. | |
Fr, 09.11.2012TV | FollowingDer verfolgte VerfolgerEine geniale Dreiecksgeschichte in s/w mit einem wunderbar unvollendeten Ende und einer Hauptperson, die es gar nicht gibt – zumindest für die Polizei. Was für ein Debüt!
Bill (Jeremy Theobald) verfolgt Leute aus Neugier, Cobb (Alex Haw) ist Einbrecher aus Spaß an der Freud‘. Zwischen ihnen und mit ihnen agiert Blondie (Lucy Russell). Der Zuschauer wird auf dem Wissensstand von Bill in eine teuflisch gut vorbereitete Handlung hineingezogen. Die entwickelt eine Eigendynamik mit blitzschnellen Wortwechseln, mafiösen Bestrafungsmethoden, und erst ganz am Ende wird kurz aufgeklärt. Der Zuschauer weiß aber mehr als die Polizei. Die gekonnte Verknüpfung von zwei Handlungssträngen, ihre Zusammenführung und wechselseitige Bedingung ist ganz große Klasse. Wir gleiten mit Bill vom Zufall in ein Debakel, und werden vom Ahnungslosen zum Mitwisser. Die Einbruchsphilosophie hat fast einen Hauch von Kim Ki-duk, denn in den Wohnungen gilt: ‘verstecken und entdecken‘ oder ‘Du nimmst was weg, um zu zeigen, was sie hatten‘. Bill fungiert letztlich als Alibi für Cobb und als Ablenkung für die Polizei.
Man sieht, dass auch mit wenig Geld, ein großartiger Film gemacht werden kann, wobei die vielen kleinen Trivia über die Örtlichkeiten noch einen zusätzlichen charmanten Kick ergeben. | |
Mi, 07.11.2012TV | New Town KillersMörderische HetzjagdDie Idee, die hinter diesem Film steckt, mag fiktiv sein, ist aber durchaus realistisch denkbar. Der sadistische Banker Alastair Raskolnikov (sic!) (Dougray Scott) spielt Katz-und Maus auf Leben und Tod mit dem mittellosen Sean (James Anthony Pearson). Der soll angeblich £12.000 bekommen, wenn er überlebt. Eine spannende Hetzjagd durch die Nacht beginnt. Es gibt Fassadenklettereien, Sprünge von Dach zu Dach, lebhafter Verkehr auf der Toilette, alles mit einem tollen Soundtrack unterlegt.
Bereits die Ausgangssituation von Sean und seiner Schwester Alice (Liz White) ist logisch überzeugend, die Abwärtsspirale zwangsläufig. Im Verlauf des Films wird Sean vom Gejagten zum Rächer, die Straße zur Arena.
Und dann gibt es noch drei Überraschungen, die zur Steigerung der Spannung beitragen: erstens wird Alastairs mörderisches Motiv entzaubert (‘Ich hab’s getan, weil ich’s konnte.‘), zweitens arbeiten die beiden ‘Jäger‘ nicht mehr zusammen und dann schlägt Sean den bösen Banker in seinem eigenen Haus genau mit der Waffe, mit der eigentlich Banker umgehen: dem Computer.
Das ist alles sehr effektvoll in Szene gesetzt und gut durchgestylt, wobei die Actionreihe von brutal bis sozial reicht. ‘New Town‘ ist übrigens die Gegend in die die ärmeren Leute oft gegen ihren Willen umgezogen werden (Plattenbau), die aus der City verdrängt werden. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.