Anzeige
Home » Profil von 8martin » 

Bewertungen

Bewertungen

Mi, 07.11.2012
TV | Kinder des Olymp
Garance & Baptiste5 Sterne
Selten hat ein Regisseur das Shakespeare-Wort von der Welt als Bühne so geschickt in eine Handlung eingebunden, die z.T. auf real existierenden Charakteren beruht. Der Titel verweist auf die billigen Plätze unterm Dach des Theaters, wo das sogenannte ‘Gewöhnliche Volk‘ sitzt. Diese ‘kleinen Leute‘ stehen auch im Mittelpunkt des Films. Viele typische Figuren wie der vor Selbstbewusstsein strotzende Schauspieler (Pierre Brasseur), der Gauner und Mörder (Marcel Herrand), der ‘blinde‘ Bettler (Gaston Modot) oder der Pantomime Baptiste (Jean-Louis Barrault) tummeln sich im und um das Funambule. Sie alle umkreisen die schöne Garance (Arletty), den flatterhaften Schmetterling. Die menschlichen Dramen beinhalten Liebe, Eifersucht und Mord. Auf der Bühne wird die Realität des wahren Lebens vorweggenommen. Die Auftritte von Jean-Louis Barrault sind die Highlights des Films, seine unvergessliche Pantomime als Pierrot für die Ewigkeit. Die traurig-schöne Liebesgeschichte zwischen ihm und Garance mit dem schiwago-mässigen Ende (Baptiste ‘ertrinkt‘ in der tanzenden Volksmasse!) bekommt aber auch noch einen Nebenaspekt, in der Person von Baptistes Ehefrau Natalie (Maria Casares). Sie symbolisiert die selbstlose Liebe, Garance hingegen verkörpert den vorübergehenden Liebesrausch. Dramatischer Höhepunkt ist die parallel verlaufende Liebesnacht der beiden mit einem Mord wegen ihnen. Beides sieht man nicht. Genial, zeitlos, einfach klassisch.
Trennstrich
Di, 06.11.2012
Kino | We Need to Talk About Kevin
Menschliches Monster4 Sterne
Es ist einer der schlimmsten Filme, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. So schlimm, dass ich noch Stunden später sprachlos und starr war. Dabei sehen wir eine wahnsinnig beeindruckende Tilda Swinton als Mutter und die technische Machart des Films ist ganz große Klasse. Regisseurin Lynne Ramsay erzählt vom Heranwachsen eines menschlichen Monsters (Ezra Miller). Genau wie die literarische Vorlage wird fast kein Aspekt ausgelassen, der als Erklärung für diese Fehlentwicklung herhalten kann. Die Mutter wird als Einzige vom massenmordenden Sohn verschont. Sie hat die Entwicklung ihres Sohnes hautnah miterlebt, sich mit Erziehungsversuchen erfolglos an ihm gerieben. Vater Franklin (John C. Reilly) und Schwester Celia (Ashley Gerasimovich) werden von Kevin gehasst und je nach Nützlichkeit eingesetzt. Das schwankt zwischen gespielter Freundlichkeit und verbissener Ablehnung. Die bemerkenswerte Schnitttechnik vermeidet eine Chronologie der Ereignisse und vermittelt immer wieder Einblicke in das furchtbare Ende und in Ereignisse, die nach der schrecklichen Bluttat liegen. Das verstärkt die Wirkung ungemein, ja es verstört und martert die Emotionen der Zuschauer, die von einer Fassungslosigkeit in die nächste gestürzt werden. Auch wenn einem das finale Horrorszenario mit Pfeil und Bogen erspart bleibt, ist man zu tiefst in der Seele getroffen. Wobei das Schlimmste dabei ist, dass es keine befriedigende Erklärung für Kevins Verhalten gibt. Drum sollte der Film besser ‘Watching Kevin‘ heißen.
Trennstrich
Mo, 05.11.2012
TV | Das Schlangenei
Das Reptil Hitler4 Sterne
Ein oftmals zu Unrecht als minderwertig eingeschätzter Bergman-Film. Überzeugend ist unter anderem die Atmosphäre vom Berlin der 20er Jahre, mit vielen genauen Details, von einer Zeit mit galoppierender Inflation; gleich einem Tanz auf dem Vulkan im Varietee mit Sex und Drogen, aber auch SA Exzessen und Prügeleien, bei denen die Polizei bewusst weggesehen hat. Das Geniale ist einerseits die visionäre Interpretation eines Shakespeare-Zitates und ihre Bezugnahme auf die Zeit des aufkommenden Nationalsozialismus, andererseits der kaleidoskopartige Aufbau aller zum Verständnis notwendigen Details, die erst nach der letzten Enthüllung den Durchblick bringen und damit die erschütternde Entspannung. Die Emotionsleiter klettert von düsterer Vorahnung über die Angst zum blanken Entsetzen. Das verschwägerte Artistenpärchen Abel und Manuela Rosenberg! (David Carradine, Liv Ullman) werden eingerahmt vom pflichtbewussten Inspektor Bauer (Gert Fröbe), der den Hitlerputsch verlacht und dem rassistischen Wissenschaftler Vergérus (Heinz Bennent), der mit Arbeitslosen tödliche Experimente macht, von einer neuen Gesellschaft träumt und die These zu beweisen versucht, dass der Mensch eine Fehlkonstruktion sei. (‘Das Minderwertige wird ausgerottet, das Hochwertige gezüchtet.‘). Die Message: Weitsichtige konnten schon in den 20er Jahren den aufkommenden Nationalsozialismus erkennen. Wie in einem Schlangenei sieht man durch die hauchdünne Membrane das bereits vollausgebildete Reptil. Hitler war also vorhersehbar. Eine zeitlose Aussage, die in ihrer Direktheit erschüttert, weil sie historisch nicht von der Hand zu weisen ist.
Trennstrich
Sa, 03.11.2012
TV | Gods and Generals
Generäle sind Götter1 Stern
Eine Militärstudie zum amerikanischen Bürgerkrieg. Regisseur Maxwell ist so sehr um historische Korrektheit bemüht, dass das auf Kosten der Dramatik geht. Aus der großen Zahl von Akteuren fallen nur drei Personen auf, die vorübergehend im Gedächtnis bleiben. Rein zufällig sind das die prominentesten Darsteller der Crew. Da ist General Lee, den Robert Duvall ruhig und als gewieften Taktiker spielt. Er soll wohl die historische Größe transportieren. Dann der Quereinsteiger Chamberlain (Jeff Daniels), der den menschlichen Faktor einbringt. (‘Nenn‘ die Schwarzen nicht Neger. Das ist so entwürdigend.‘) Besonders die eine Szene mit seiner Frau Fanny (Mira Sorvino) ist emotional so gut, dass sie irgendwie neben der Haupthandlung steht. Das Meiste ist ein oftmals pathetisches Geschwurbel aus Patriotismus, Militarismus und religiösem Fundamentalismus. Es wird viel gebetet und die Rollen sind klar verteilt: die Männer kämpfen und die Frauen weinen. Und um noch etwas Qualität zu gewinnen, wurde ein etwas kryptisches Zitat von einem weiblichen Zeitgenossen, nämlich von George Eliot, an den Anfang gestellt: so mit Himmel und Sterne und Heimstätte. Zweimal wird darauf auch optisch Bezug genommen. Nach diesem Film von 2003 weiß man die Qualität eines Films von 1939 noch viel mehr zu schätzen, den der Wind verweht hat. Diesen K.V.
Trennstrich
Do, 01.11.2012
TV | Sing um Dein Leben
Der Fuchs und die Finken2 Sterne
Der junge Arnau (Marc Soto) lebt bei seiner Schwester Sole (Eulalia Ramon) am Rande von Barcelona. Mutter sitzt, und Arnaus einzige Möglichkeit Geld zu verdienen ist sein Talent, Finken zum Singen zu bringen. Da gibt es Wettbewerbe und dem Sieger winkt ein Preisgeld. Am Flussufer findet er einen halbverhungerten Fuchs und päppelt ihn auf. Der verträgt sich allerdings nicht mit den Finken. Die Handlung fließt so ruhig und so träge wie der Fluss, an dem Arnau wohnt. Es passiert nichts Spektakuläres und die Dialoge sind äußerst spärlich. So muss man schon genau hinschauen, um der Handlung zu folgen. Das ermüdet zusehends. Der Zuschauer wird vor vollendete Tatsachen gestellt, für Gefühle ist keine Zeit. So kann sich auch keine Dramatik entwickeln. Auch wenn es dazu genügend Möglichkeiten gäbe. Das familiäre Umfeld bleibt ebenso farblos wie das Tierdrama. Arnau reagiert dumpf und wortkarg. Er ist kein Vertreter des Nebensatzes. Im Gegensatz zur tristen Industriewelt im Bild hat Regisseur Marc Recha den leisen Film mit angenehm melodischer Gitarrenmusik unterlegt, die allerdings angesichts des brutalen Endes verstummt. Das bleibt an der emotionalen Oberfläche der Zuschauer. Psychologen reden da wohl von schwerer Kindheit. Na ja, Arnaud ist ja noch jung. Und wenn Mutter erst einmal aus dem Knast kommt… Gut gemeint, realistisch bitter, aber nicht hoffnungslos.
Trennstrich
Do, 01.11.2012
TV | Fearless - Jenseits der Angst
Ohne Furcht3 Sterne
Peter Weir hat ein sehr komplexes Phänomen aus der Psychologie beackert. Das PTS: Posttraumatisches Stresssyndrom. Wer einen Flugzeugabsturz überlebt, hat es garantiert und reagiert für seine Umgebung sonderbar bis unverständlich. Hier ist es Max (Jeff Bridges). Er liefert eine äußerst beeindruckende Leistung ab. Jemand der dem Tod ins Auge geschaut hat, kennt keine Furcht. Der rast auch volles Rohr mit dem Auto gegen eine Wand (ohne Airbag!). Sein Liebesverhalten zur Ehefrau (Isabella Rossellini) ändert sich total und seine Arbeit wird zur Nebensache. Das hat Peter Weir recht glaubhaft in Szene gesetzt und bis in kleine Nebenrollen hochgradig besetzt: Tom-Amadeus-Hulce, der als Anwalt den finanziellen Aspekt bearbeitet, John Turturro den psychologischen. Nur Benicio Del Toro muss mit gebremstem Schaum spielen (ungewöhnlich für ‘Che‘), seine Frau Carla (Rosie Perez) hingegen agiert wirklich oscarreif. Gegen die hier angebotene, überraschende Überwindung des PTS à la Hollywood (dank einer Erdbeerallergie zurück ins Leben) mögen Experten Einwände haben, aber sie ist griffig und leicht nachvollziehbar. Unterhaltsam und weit besser als die üblichen Katastrophen-Filme.
Trennstrich
Do, 01.11.2012
TV | Topas
Fast der 3. Weltkrieg3 Sterne
Dieser anspruchsvolle Spionagekrimi teilt sich in drei Kapitel: das erste ist fast eine Dokumentation darüber, wie ein Spion die Seiten wechselt und zum Überläufer wird. Ein brisantes Thema im Kalten Krieg. Und wir sind im Jahre 1962, in dem die Kubakrise fast den 3. Weltkrieg ausgelöst hätte. Das 2. Kapitel spielt auf Kuba, die Spannung steigt, das Blut fließt. Hier überzeugt vor allem Edgar-Wallace-Girl Karin Dor als Doppelagentin. Ihr pittoresker Tod bleibt im Gedächtnis – nicht nur weil so unerwartet, sondern weil spannungssteigernd und schön. Außerdem wird der Spionageplot durch die zusätzliche Komponente ‘Eifersucht‘ erweitert. Und die Enttarnung des Spionagerings auf der Insel geht überzeugend flott. Alles scheint in trockenen Tüchern. Aber es folgt drittens ein Epilog, der es in sich hat. Hier muss mitgedacht werden, um den Verrat der beiden Franzosen Granville (Michel Piccoli) und Jarré (Philippe Noiret) nachzuvollziehen. Die etwas langen Dialoge ermüden zwar etwas, sind aber notwendig, denn erst jetzt erfahren wir wer oder was ‘TOPAS‘ ist. Ein flüchtiger Kuss, eine Telefonnummer geben Aufschluss über den Zustand der Ehe des bis dahin so erfolgreichen Topagenten Devereaux (Frederick Stafford) und über weitere Hintermänner. Natürlich siegt letztlich der ‘freie Westen‘. Aber die Karriere von Devereaux ist am Ende. Thematisch gehört der Film ins Archiv, von der Machart her überzeugen lediglich Aufteilung und Tempowechsel. Vielleicht nicht Alfs bester, aber sehenswert allemal.
Trennstrich
Di, 30.10.2012
Kino | Angels' Share - Ein Schluck für die Engel
Ein Schluck für die Engel3 Sterne
Für manche ist hier die Einführung in die Mystik des Whiskys eine informative Sache, für Kenner ein doppelter Genuss. Dass ganze Drumherum rückt das ‘Wasser des Lebens‘ mit Recht in die Nähe von guten Weinen oder teuren Cognac Sorten. Dahin gehört auch die Erklärung des Titels. Was die Handlung angeht, erzählt uns Ken Loach ein echtes Sozialmärchen und denkt dabei an die Statistik, nach der es einer von Vieren schafft aus dem sozialen Abseits herauszukommen. Wie immer arbeitet er meist mit unbekannten Laiendarstellern, die er für seine Zwecke sehr gut einsetzt. Es ist ein typischer Loach-Anfang, der mitten in die Szene der Kleinkriminellen Loser springt, die sich nicht immer recht dafür aber schlecht durch ihr perspektivloses Leben hangeln. Und dabei geht es voll zur Sache. Und diese vier Loser wollen den teuersten Whisky der Welt klauen. Da bleiben schon einige Fragen offen, aber im Märchen geht ja bekanntlich alles glatt. So auch hier. Der unverbrauchte Charme der Hauptdarsteller legt sie dem Zuschauer wärmstens ans Herz. Der Optimismus ist ansteckend. Am Ende verlässt man gutgelaunt das Kino, falls man den Brechreiz, den die eine Szene hervorruft, überwunden hat. Insgesamt echt nett und optimistisch.

Neueste Bewertungen

Sa, 12.07.2025 von antoniawarda

TV | Das 1% Quiz
sehr schlecht gemachte Quizsendung1 Stern

richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...

Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum

TV | deep und deutlich
strange3 Sterne

Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...

Fr, 30.05.2025 von Coa60

TV | Die Carolin Kebekus Show
Frau Baerbock2 Sterne

Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...

Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net

TV | Die Insel
20:15 Uhr bis 22:55 Uhr: ohne jedweden Tiefgang1 Stern

1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...

Sa, 19.04.2025 von frge

TV | Notruf Hafenkante
Krimi mal anders5 Sterne

Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

Ihre Lieblingsfilme und Serien auf DVD und Blu-ray.