Di, 30.10.2012Kino | Angels' Share - Ein Schluck für die Engel OVEin Schluck für die EngelFür manche ist hier die Einführung in die Mystik des Whiskys eine informative Sache, für Kenner ein doppelter Genuss. Dass ganze Drumherum rückt das ‘Wasser des Lebens‘ mit Recht in die Nähe von guten Weinen oder teuren Cognac Sorten. Dahin gehört auch die Erklärung des Titels. Was die Handlung angeht, erzählt uns Ken Loach ein echtes Sozialmärchen und denkt dabei an die Statistik, nach der es einer von Vieren schafft aus dem sozialen Abseits herauszukommen. Wie immer arbeitet er meist mit unbekannten Laiendarstellern, die er für seine Zwecke sehr gut einsetzt. Es ist ein typischer Loach-Anfang, der mitten in die Szene der Kleinkriminellen Loser springt, die sich nicht immer recht dafür aber schlecht durch ihr perspektivloses Leben hangeln. Und dabei geht es voll zur Sache. Und diese vier Loser wollen den teuersten Whisky der Welt klauen. Da bleiben schon einige Fragen offen, aber im Märchen geht ja bekanntlich alles glatt. So auch hier. Der unverbrauchte Charme der Hauptdarsteller legt sie dem Zuschauer wärmstens ans Herz. Der Optimismus ist ansteckend.
Am Ende verlässt man gutgelaunt das Kino, falls man den Brechreiz, den die eine Szene hervorruft, überwunden hat.
Insgesamt echt nett und optimistisch. | |
So, 28.10.2012TV | Where the Money IsWo das Geld istIm Grunde sprechen nur zwei Dinge für diesen Film: die tolle Schauspielkunst von Paul Newman. Das ist echt sehenswert, wie er den vom Schlaganfall total gelähmten Henry vortäuscht, und dann sind da noch die Dialoge, die zum Teil recht witzig und geistreich sind.
Die Handlung selbst ist wirklich nicht heiß. Auch Carol (Linda Fiorentino) verströmt kaum Sex Appeal. Die Raubüberfälle gehen zu glatt und über das zu erwartende Ende braucht man kein Wort zu verlieren, obwohl es auch Komödien gibt, in denen die Gangster davon kommen. Hier hat Carols Mann Wayne (Dermot Mulroney), der bisher nur durch Waschbrettbauch überzeugt hat, noch einen ‘Überraschungscoup‘ vor, der keine Wirkung hat, denn da ist der Film schon zu Ende. Und wo das Geld ist, wussten wir schon vorher. Trotzdem danke Paul Newman. | |
Sa, 27.10.2012TV | Spieglein an der WandSchneewittchen heuteEin Über-Märchen für Freunde des Surrealen, denn es geht weit über die bekannte Vorlage der Gebrüder Grimm hinaus, verfremdet und überhöht sie noch durch Sprache und Habitus, sieht das Geschehen distanziert und cool gestylt. Das gelingt zum Teil nur, weil Bekanntes variiert wird, ein bisschen Cocteau, ein bisschen ‘Marienbad‘. Keineswegs langweilig, aber fordernd weil alles möglich ist und ständig Ungeahntes in Szene gesetzt wird. Die allseits bekannten Figuren um Schneewittchen werden persifliert und verballhornt. Und im Gegensatz zu der Originalvorlage aus dem 19. Jahrhundert geht es hier auch um Sex, abartig und hemmungslos, denn blutrünstig waren die alten Geschichten ja ohnehin. Bekanntes wie ‘die böse Stiefmutter‘ (prägend Fanny Ardant) kommen neben dem ins Gigantische vergrößerten Apfel-Motiv vor. Schneewittchen (Judith Chemla) ist eine verwöhnt Zicke, die Männer, egal ob Vater, Schiegervater oder Bräutigam sind hilflos und dämlich. Es geht letztlich um ein Mutter-Tochter Problem und die Frage der Vergänglichkeit von Schönheit, um Liebe und Altern. Und wenn es die 7 Männer im Wald nicht geben würde (Zwerge), käme keine Komik auf. So bleibt es ein Märchen für Erwachsene, in dem es um Liebe und Lust, Schmerz und Frust geht. | |
Fr, 26.10.2012TV | Morgentau!Ende einer IllusionZeitgeschichtliches Hintergrundwissen ist hilfreich, aber nicht unbedingt Voraussetzung zum Verständnis. Am Einzelschicksal von Dr. Anberber (Aaron Arefe) wird ein Bogen gespannt von der Entmachtung des äthiopischen Kaisers Haile Selassie 1974 bis zu Gorbatschow und dem Fall der Berliner Mauer 1989. Anberber ist Student in der BRD, geht nach Äthiopien zurück und unterstützt als idealistischer Sozialist anfangs die Revolution von Mengisto. Das erzählt der Film in Rückblenden. Wir sind abwechselnd in Afrika und Deutschland. Dort gibt es viel Folklore und Rituale, hier in Europa wird die Zukunft des Landes intellektuell vorbereitet. Die regierende Arbeiterpartei rekrutiert dort Soldaten, nimmt Hinrichtungen vor und fordert öffentliche Selbstkritik. Als Vorbild dienen Albanien, China und die Sowjetunion. Neben diesen historisch korrekten Handlungsabläufen, gibt es aber noch eine subjektive Entwicklung mit Anberbers großer Liebe Azanu (Teje Tesfahun). Die Verknüpfung der beiden Ebenen erzeugt Spannung, schafft aber auch bisweilen etwas Verwirrung. Detailgenaue Einschübe, die wir leider nur allzu gut kennen sind aufregend, wie z.B. Anberbers Verfolgung durch Rechtsextreme in Berlin. Er wird krankenhausreif geschlagen. Parallel dazu herrscht in Äthiopien der Pöbel der Straße. Neben dem historischen und dem subjektiven Aspekt fallen aber auch typisch afrikanische Facetten auf wie die optisch langen Einstellungen von Landschaften und Sonnenuntergängen und Dialoge, die Sätze enthalten wie ‘Nur das Feuer weiß von meiner Rückkehr.‘ oder in Bezug auf die brutale Soldateska ‘ Sie rauben mir meine Erinnerungen, sie töten meine Kindheit.‘
Ein Denkmal äthiopischer Geschichte. Kritisch korrekt aber auch subjektiv ergreifend. | |
Fr, 26.10.2012TV | SkeletonsDrei FilmlegendenDer Titel trifft den Kern der Sache. Die Dorfgemeinschaft von Saugatuck! hat tatsächlich mehrere Leichen im Keller. Wie die dahin kommen recherchiert der Journalist Crane (Ron Silver) nach Schema F. Der schaut immer so mutig und nachdenklich drein und setzt sich so von den Bösewichtern Christopher Plummer und James Coburn ab. Bei denen ahnt man schon ihr kriminelles Tun bereits beim ersten Auftritt. Auch wenn zwecks der Spannung anfangs auf heile Welt gemacht wird. Und die, die die Saugatucker nicht mögen, sind natürlich die Schwulen. Um die Klischee-Kiste zu füllen hat Pfarrer Plummer auch noch einen debilen Sohn. (Strafe Gottes?)
Die finale Auseinandersetzung mündet in einer Ballerei, bei der alle bis auf die Guten tot sind. Und immer wenn es nicht mehr weiter geht, ein Guter stets den Bösen mäht. Vorhersehbar wie die Tagesfolge im Wochenrhythmus. So kann man doch keine Spannung aufbauen. Auch die dritte Legende, Carol Baker, hat einen kurzen Auftritt. Das war’s. Zeit vertan und Langeweile gepflegt. Einzige Freude die sonoren deutschen Synchronstimmen von Coburn und Plummer. Ab mit den Altstars aufs Altenteil. K.V. | |
Do, 25.10.2012TV | Lars und die FrauenLars und BiancaDer Film beginnt als Ulk und wird durch viele komische Situationen immer ernster, ohne dass man sich darüber im Klaren ist. Letztendlich enthält er vielleicht bei näherem Hinsehen sogar eine Message. Hauptdarsteller Lars (Ryan Gosling) ist ein etwas linkischer, aber knuffiger Typ. Alle mögen ihn, aber er verweigert jeglichen privaten Kontakt, auch mit Bruder Gus (Paul Schneider) und Schwägerin Karin (Emily Mortimer). Sprachlosigkeit als er ankündigt ‘Ich habe Besuch. Sie ist nicht von hier. Sie versteht die Sprache nicht. Sie sitzt im Rollstuhl.‘ Er hat sich eine lebensechte Liebespuppe, namens Bianca, gekauft. Jetzt geht ein Zyklus los, den man als Spinnerei abtun oder als Krankheit begreifen kann. Lars hat Wahnvorstellungen. Er behandelt Bianca wie eine lebende Frau. Die Nachbarn frotzeln über ihre Vorzüge: sie ist schweigsam, bleibt immer jung und flexibel. Aber sie spielen alle mit. Der Zuschauer wird in dieses Spiel mit hineingezogen und kann sich wegen der Konsequenz des Handlungsablaufes nicht entziehen. Es kommt zum Streit zwischen Bianca und Lars, der inzwischen von Dagmar (Patricia Clarkson) psychologisch betreut wird. Die Beziehung endet wie im echten Leben. Die Psychologin war erfolgreich (Methode schrittweise Annäherung). Lars trifft Kollegin Margo (ein echtes Mädchen! Originaltitel!) nach der Beerdigung. Gosling spielt den Sonderling perfekt, bis hin zum häufigen Blinzeln. Nicht nur amüsant und skurril. Enthält auch ein Körnchen Wahrheit. | |
Do, 25.10.2012TV | Ein Wort hätte genügtJens GeschichteDer etwas gespreizte deutsche Titel passt schon zu diesem ungewöhnlichen Film. Ich fragte mich nur die ganze Zeit ‘Welches Wort meint er?‘ Dabei will Regisseur Francois Rotger nur Jens‘ Geschichte erzählen: ein 14 jähriges Mädchen (Laurence Leboef!) wird erwachsen. Jen hat den Vater verloren und Mutter Sarah (Marina Hands) den Mann. Diese Ausganssituation gestaltet sich aber im Verlauf zu einem echten Abenteuerfilm, keinem Frauenfilm. Der Jäger wird zum Gejagten. Jen wird vom Girly zur Frau. Das geht recht einfach von statten: mobile Kamera schwängt hin und her, bis zu der obligatorischen Frage ‘Du willst es doch auch?‘ Und das Abenteuer geht weiter: ein Aufklärungskurs für werdenden Mütter passt allerdings zur Handlung wie der Fisch zum Fahrrad. Es folgt eine noch sonderbarere Szene aus der Kategorie Mystery: der Übeltäter wird in einer Grubenfalle von einem Wesen halb Frau, halb Hirsch vernascht. Die Zuschauer reiben sich die Augen und sehen noch abschließend wie die schwangere Jen in eine blitzsaubere, farbenfrohe Siedlung mit Weichzeichner gestaltet, entlassen wird. Das passt wiederum zur malerischen Landschaft.
Für Anteilnahme an Jens Schicksal reicht die Zeit nicht. Der männliche Rachefeldzug gegen den Vergewaltiger (Tony Ward) gerät zum Klischee allerdings mit Überraschungen. Einzig Mutter Sarah hinterlässt in ihrer Hilflosigkeit einen längeren Eindruck. Abenteuerliche Unterhaltung. | |
Di, 23.10.2012TV | Schwarze ErnteClaras TagebuchEin sehr unterhaltsames Sitten- und Gesellschaftsbild aus Dänemark um 1900. Die Handlung verteilt sich gleichmäßig auf Nils (Ole Ernst), den alten Unhold der Familie. Er säuft, hurt, vergewaltigt und treibt sogar Inzucht. Schließlich verspielt er noch Haus und Hof. Seine Ehefrau Line (Marika Lagercratz) gibt für diese Zeit die so typische ‘Griseldis‘. Von den 4 Töchtern ist nur Clara (Sophie Grabol), die Chronistin, gut geraten. Sie verzweifelt an der Welt. Im Umfeld des Gutshofes geschehen Morde und die sexuelle Freizügigkeit von Gesinde und Herrschaften feiert fröhliche Urstätt. Fast keiner der Charaktere ist frei von Schuld und fast keiner ist wirklich glücklich. Viele Untaten wiegen so schwer, dass eine Vergebung ausgeschlossen ist.
Mit dem finanziellen Ruin der Adelsfamilie Uldahl-Ege beginnt auch eine neue Zeit. Man akzeptiert das als Gottes Wille. Neue Herren kommen, der alte Nils macht bei der Versteigerung seines Besitzes einen Abgang mit Kontenance. Die Adelsherrschaft geht zu Ende. Ein Streiflicht beleuchtet die Politik jener Zeit.
In dieser tristen Stofffülle dominiert die Farbe schwarz, aber es ist kein Platz für echte Melodramatik. Selbst die Tragik wird der Dramatik geopfert, was bei dem an sich gemächlichen Tempo das Umblättern des Bilderbogens etwas beschleunigt. | |
Di, 23.10.2012Kino | Die WandPreis der AutarkieMan muss u.a. bereit sein, sich mit einem so schwierigen Thema wie ‘Depression‘ auseinander zu setzen, um den Film zu verstehen. Man kann sich aber auch an Martina Gedecks Schauspielkunst erfreuen und die tollen Naturaufnahmen genießen. All das sind Erklärungsoptionen zu diesem ungewöhnlichen Film.
Die großartige Martina Gedeck stößt an eine unsichtbare Wand und wird auf sich zurückgeworfen. Um sie herum ist die Welt menschenleer. Ihr bleiben nur Hund, Katze und Kuh als Gesprächspartner. Für die fühlt sie sich verantwortlich. Das motiviert sie, aufzustehen und sich und die Tiere zu versorgen. So beginnt sie uralte, inzwischen nur noch von Spezialisten getane Arbeiten zu erledigen: sie pflanzt, erntet, mäht, melkt die Kuh und geht auf die Jagd. Sie wird autark. Versucht sich über ihre Situation und über sich selbst Klarheit zu verschaffen. Dafür hat sie jede Menge Zeit droben auf der Alm. Die Selbstbesinnung weckt also verloren geglaubte Fähigkeiten.
Und da kann die Interpretation sowohl des Romans von Marlen Haushofer als auch des sich eng daran orientierenden Films von Julian Pölsler einen Schritt weitergehen. Der Mensch wird in einen quasi paradiesischen Zustand zurückversetzt. Er kann eine nie gekannte Freiheit und Unabhängigkeit erlangen auf seiner ‘Insel‘. Und lebt in völligem Einklang mit der Natur. Vorausgesetzt dies kleine Universum ist ihm genug. Und diejenigen, die dieses Paradies bedrohen, müssen bekämpft werden. Die Einsamkeit darf ihm nichts anhaben, menschliche Nähe nicht fehlen. Suizidale Gedanken bleiben außen vor. Was für ein geniales Konstrukt. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.