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So, 30.09.2012
TV | Die Spur der Jäger
Die Spur der Wilderer4 Sterne
Hinter dem harmlos klingenden Titel verbirgt sich ein Schwedenkrimi der besonderen Art. Als kontrastreicher Hintergrund dient die farbenprächtige, einheimische Folklore der Skandinavier. Im Vordergrund erleben wir anfangs einen Krimi mit Cowboy-Facetten (Freiheit und Abenteuer!) und involvierte Dörfler, die durch offenkundige oder geheime verwandtschaftliche Beziehungen tief in der Bredouille stecken, denn es gibt zunächst durch Zufall, dann als Folge drei Tote. Die Szenerie wird beherrscht von den Gegensätzen: gradliniger Polizist (Rolf Lassgard) aus der Stadt, einer verschwiegenen Dorfgemeinschaft und fünf rüpelhaften Machos, die besagte Spur legen. Naturgemäß geht es ums Wildern, aber auch um Gewalt gegen Frauen. Hierbei hat die Staatsanwältin Anna (Helena Bergström) einen eindrucksvollen Auftritt, indem sie die Meute verbal gekonnt kalt abtropfen lässt. Grausamkeiten laufen parallel zu Medaillenverleihung und werden mit Chorgesängen unterlegt. Der Bruder als Mörder wird emotional gut eingebaut. Die Suche nach Beweisen zögert das Ende noch etwas hinaus, tut der Spannung aber keinen Abbruch. Es ist ein durchaus spannender, logisch aufgebauter Thriller der bisweilen sogar eine emotionale Seite anklingen lässt und sozialkritische Töne anschlägt.
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So, 30.09.2012
TV | Enttarnt - Verrat auf höchster Ebene
Vertrauensbruch1 Stern
Die angekündigte Spannung hält sich in Grenzen und das liegt nicht an den Schauspielern. Auch der Hinweis auf eine wahre Begebenheit macht noch lange keinen tollen Film, im Gegenteil. Allein der junge Eric O’Neill (Ryan Philippe) überzeugt, weil er den inneren Zwiespalt, in dem er im Hinblick auf seinen Chefs steckt, überwinden muss. Der, Robert Hanssen (Chris Cooper) versucht sein Bestes, um auffallend mürrisch zu sein und wo es geht anzuecken. Etwas, das er sich als Doppelagent eigentlich kaum leisten kann. Darüber hinaus wäre es ganz hilfreich gewesen, wenn man etwas mehr darüber erfahren hätte, wie Hanssen seine Kollegen verraten hat. Soll heißen: etwas Butter bei die Fische. So bleiben wir auf der Diskussionsebene stehen. Da erfährt man ja bei James Bond mehr über den KGB als hier. Das mächtige FBI wird hier nur symbolisch vertreten durch Agentin Burroughs (Laura Linney). Die spielt ihren Part ohne großes Engagement professionell runter. Und auch Hanssens Verhaftung läuft so problemlos, dass das FBI ihn auch ohne O’Neills Hilfe gefasst hätte. Ein Thriller ohne Action und ohne Thrill. K.V.
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Fr, 28.09.2012
TV | Snatch - Schweine und Diamanten
Schweine, Diamanaten und ein Pitbull3 Sterne
Ich hätte den deutschen Titel noch um eine Figur ergänzt: den Pitbull. Der ist öfter im Bild als besagte Schweine und der ‘pferdeapfelgroße Diamant‘, wenn man von den zweibeinigen Schweinen einmal absieht. Guy Richie trifft hier wie immer mit Gangster Slang (Fäkaliensprache), dem stimmigen Ambiente und einem distanziert humorvollem Off-Kommentar genau die Atmo der Szene. Es gibt viel Ballerei und die üblichen Grausamkeiten. Wie immer beklauen (‘Grapsch!‘) und erschießen sich die Gangster gegenseitig und sind beim munteren Wettbewerb dabei ‘Wer ist der dämlichste Ganove‘. Das ist bei aller Brutalität durchaus komisch. Der Inhalt ist ja auch eigentlich unwichtig. Coole Sprüche wie ’Gierig sein, wie ein Schwein!‘ und flotte Schnitte haben die erwünschte Wirkung. Spektakulär der K.O. Niederschlag von Bred Pitt, der überhaupt als Gipsy umwerfend gut ist. Benicio Del Toro geht etwas unter. Er kann sich nicht so recht entfalten. Dafür hat mancher Gag sogar einen Kettenreaktionseffekt. Diesmal kriegen die Juden ihr Fett weg ‘ Er ist so jüdisch wie ein Affe im Kongo.‘ Und der Gipfel der Erkenntnis ist ‘Man sollte niemals unterschätzen, wie berechenbar Beschränktheit ist‘. Na ja, so sind sie wohl halt Guy Richies Ganoven. Wer sie mag?!
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Do, 27.09.2012
Kino | Hiroshima, Mon Amour
Von Liebe und Tod4 Sterne
Jetzt nach dem Erfolg vom Haneke-Film ’Liebe‘ ist man neugierig geworden auf Emmanuelle Riva, die Schöne aus Resnais Erstlingswerk von 1959. Ein Film, der fast keine Handlung hat, eine Spanne von etwa 24 Stunden umfasst und der einen doch packt. Dabei wird er (Elji Okada) nicht müde ihr zu versichern, dass er sie liebt, was sie ja ebenfalls tut, aber darüber hinaus muss sie noch ihre erste Liebe aus dem 2. Weltkrieg mit einem Deutschen (Bernard Fresson) verarbeiten. Damals galt sie als Nazihure. Er wurde erschossen, sie geschoren. Und wenn es um die Liebe und den Tod geht, wo ist da auf der Welt ein geeigneterer Platz als der vom ersten Atombombenabwurf. Es ist ein Zweipersonenstück, aber für die Liebe braucht man nicht mehr. Und es geht auch um Abschied nehmen, ein kleiner Tod. Und es ist auch ein Abschied von der Liebe. Wenn die stirbt, wird man vernünftig. Verkündet uns das Drehbuch, das Marguerite Duras geschrieben hat. So lebt die Französin, um den verstorbenen Tag zu beweinen. Sie hat eine ‘zweifelhafte Moral‘, sagt sie. Das heißt sie hat ‘Zweifel an der Moral der Anderen‘. Das hervorstechendste Merkmal des Films – und damit hat er seinen Platz im Film-Olymp – sind aber die Nahaufnahmen der beiden Liebenden. Man sieht nur Hautfalten, Schatten, Umrisse, sonst nichts und doch alles. Und wir sehen eine ganz tolle, junge Emmanuelle Riva. Gedanklich außerordentlich, hervorragend formuliert, technisch versiert. Ein Klassiker.
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Mi, 26.09.2012
Kino | Amour - Liebe
2 Schocker & 1 Todesfall4 Sterne
Alle, die diesen Film von Michael Haneke als Meisterwerk bezeichnen haben Recht. Was nicht heißen soll, dass ihn alle mögen werden. Doch meisterlich ist hier zum einen die Art und Weise, wie sich der Regisseur und Drehbuchautor diesem hoch sensiblen und auch emotionalen Thema genähert hat. Es geht um Tod, Sterbehilfe/Mord, und Demenz. (d.h. ein Klasse Drehbuch liegt vor!). Zum anderen erleben wir zwei Protagonisten Trintignant und Riva, die altersmäßig passen und eine oscarreife Darstellung abliefern, die den Zuschauer gefühlsmäßig attackiert und menschlich zutiefst erschüttert. Gekonnt sind auch – und das wird hier deutlicher als in früheren Haneke-Filmen – die langen Einstellungen, in denen nicht gesprochen wird. Es lässt dem Zuschauer Zeit, das zu tun was die Figur auf der Leinwand tut: nachdenken über die Situation. Das ist wie ein Sog. Durch zwei Schockmomente werden wir aufgeschreckt, damit wir nicht dem Charme der beiden Alten erliegen. Bemerkenswert auch die Haltung der Tochter (Isabelle Huppert). Sie ist zwar besorgt, aber Tonfall und Fragestellung gehen voll daneben. Sie lebt in einer andern Welt, bedrängt den Vater ‘Wie geht’s weiter?‘ und der muss sich energisch behaupten, um nicht in die Ga-Ga-Ecke abgeschoben zu werden. Die Krönung ist der Schluss. Ausgehend von einer akustisch realistischen Situation, gehen die beiden Alten einfach hinaus. Da denkt man dann nicht mehr an den Anfang. Einfach genial!

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Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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