Mi, 26.09.2012Kino | Liebe OV2 Schocker & 1 TodesfallAlle, die diesen Film von Michael Haneke als Meisterwerk bezeichnen haben Recht. Was nicht heißen soll, dass ihn alle mögen werden. Doch meisterlich ist hier zum einen die Art und Weise, wie sich der Regisseur und Drehbuchautor diesem hoch sensiblen und auch emotionalen Thema genähert hat. Es geht um Tod, Sterbehilfe/Mord, und Demenz. (d.h. ein Klasse Drehbuch liegt vor!). Zum anderen erleben wir zwei Protagonisten Trintignant und Riva, die altersmäßig passen und eine oscarreife Darstellung abliefern, die den Zuschauer gefühlsmäßig attackiert und menschlich zutiefst erschüttert. Gekonnt sind auch – und das wird hier deutlicher als in früheren Haneke-Filmen – die langen Einstellungen, in denen nicht gesprochen wird. Es lässt dem Zuschauer Zeit, das zu tun was die Figur auf der Leinwand tut: nachdenken über die Situation. Das ist wie ein Sog. Durch zwei Schockmomente werden wir aufgeschreckt, damit wir nicht dem Charme der beiden Alten erliegen. Bemerkenswert auch die Haltung der Tochter (Isabelle Huppert). Sie ist zwar besorgt, aber Tonfall und Fragestellung gehen voll daneben. Sie lebt in einer andern Welt, bedrängt den Vater ‘Wie geht’s weiter?‘ und der muss sich energisch behaupten, um nicht in die Ga-Ga-Ecke abgeschoben zu werden. Die Krönung ist der Schluss. Ausgehend von einer akustisch realistischen Situation, gehen die beiden Alten einfach hinaus. Da denkt man dann nicht mehr an den Anfang. Einfach genial! | |
Di, 25.09.2012TV | Police Python 357Der allwissende ZuschauerDer Titel ist so richtungweisend wie ein Nebelhorn in der Nacht. Es soll wohl die Marke der Pistole sein, die hier verwendet wird. Der Film schwankt anfangs zwischen Love Story und Cop Thriller hin und her, um dann nach einiger Zeit in einen Anti-Ermittlungskrimi umzuschwenken. Hier verläuft alles anders herum, als man es von einem Krimi gewöhnt ist. Es geschieht ein Mord an einem leicht lockeren Mädchen Sylvia (Stefania Sandrelli). Sie war die Geliebte von zwei Polizisten: Kommissar Ganay (Francois Périer) verheiratet mit der bettlägerigen Thérèse (Simone Signoret) und sein Subalterner Kommissar Ferrot (Yves Montand). Beide ermitteln. Der Zuschauer kennt den Mörder, Ort und Zeit des Geschehens. Er kann die Ermittlungen verfolgen und dabei genießen, wie jedes Mal, wenn neue Indizien auftauchen sie von dem einen oder anderen aus Gründen des Selbstschutzes abgeschmettert werden. Es ist sehr unterhaltsam zu verfolgen, wie beide einander durch kleine Hinweise auf die Schliche kommen. Ganay berät sich mit seiner Frau, Ferrot geht bis zur Selbstverstümmelung. Bis zum erlösenden Ende gibt es einige Längen, die durch den alle zufriedenstellenden Schluss aber kompensiert werden. Hier vor allem durch das damalige Nachwuchstalent Inspektor Ménard (Mathieu Carrière), der durch Diensteifer und Sensibilität auffällt. Subtil und hintergründig. Mal was anderes. | |
So, 23.09.2012TV | Easy Virtue - Eine unmoralische EhefrauKontenance kontra KlugheitAuch wenn der Film inhaltlich von der literarischen Vorlage abweicht, so hat er doch die geistreichen Dialoge weitgehend übernommen. Die hatte der Meister der Gesellschaftskomödie Noel Coward vorgefertigt. Es gibt Einblicke in die menschliche Befindlichkeit, begleitet von Lerneffekten bei einigen Betroffenen. Und bei aller Kontenance schwingt am Ende ein erster Ton mit und fügt Qualität hinzu. Die Komik lebt von Gegensatz der Neuen Welt zum Alten Europa, wo dem verarmten Adel, nur sein guter Name, die Etikette und sein bornierter Stolz bleiben. Ambiente und Umgangsformen sind very British, inklusive Fuchsjagd.
Die angeheiratet Larita (Jessica Biel), eine rennfahrende Amerikanerin muss sich zwischen den Schwiegereltern bewähren. Mutter Veronica (Kristin Scott Thomas) glänzt als spießige, unbelehrbare, ultrakonservative Zicke, deren spitze Zunge eine Mischung aus Rasierklinge und Florett ist. Ganz im Gegenteil zu ihrem Mann Major Jim Whittaker (Colin Firth), ein traumatisierter Kriegsveteran. Er ist noch der sympathischste aus der ganzen Truppe und wird dafür am Ende belohnt. Larita ist eine Frau mit Vergangenheit, die sie einholt. Differenzen über Kunst und Scham über eine Cancan-Darbietung tun ein Übriges, um das längst überfällige Auseinanderbrechen der Familie Whittaker zu beschleunigen. Und so ist es leicht - wenn überhaupt - nur mit Mut und Verstand, tugendhaft zu sein. Konventionell inszeniert, überzeugen vor allem Darsteller und Ausstattung. | |
So, 23.09.2012TV | Oktober in RiminiZwischen allen StühlenDie unterschiedlichen Titel, unter denen dieser Film gelaufen ist (‘Altweibersommer‘, ‘Der Professor‘ oder ‘Die erste ruhige Nacht‘) belegen die inhaltliche Vielfalt der Thematik. Je nachdem, wo man den Schwerpunkt hinlegt. Es beginnt als eine Lehrer-Schülerin Story. Der unkonventionelle Aushilfslehrer Daniele (Alain Delon) verknallt sich in die bildschöne Vanina (Sonia Petrovna). Die Problematik wird um eine weitere Stufe höher geschraubt durch die Tatsache, dass Daniele mit Monica (Lea Massari) verheiratet ist. Eine Hassliebe, in der die ehelichen Pflichten zu gewalttätiger Schwerstarbeit ausarten. Der Gipfel der Schwierigkeiten ist erreicht, wenn sich Vanina zwischen ihrem reichen Freund Gerardo (Alberto Maria Merli), bei dem sie nur wegen seines Geldes geblieben war, und Daniele entscheiden muss. Das anspruchsvolle Drehbuch liefert denkwürdige Sätze wie ‘Freiheit bedeutet nicht immer Glück‘ oder ‘Eifersucht ist Luxus. Den kann ich mir nicht leisten.‘ Daniele ist in eine halbseidene Zocker Clique geraten, wo Alkohol und leichte Mädchen die Nächte und den Tagesablauf bestimmen. Eigentlich passt er da nicht hinein. Raus kommt er aber auch nicht. So bietet sich ein halboffenes Ende an: wo Vanina und Monica abgeblieben sind, weiß man nicht, Daniele geht in wunderschönen Farben unter. Wie in den 70er Jahren üblich, zerteilen harte Schnitte und grelle Trompetensoli die Handlung. Man spürt selbst beim Vergnügen die tiefe Traurigkeit der Figuren. Nachdenkenswert. | |
Sa, 22.09.2012TV | Der Mann auf den QuaisMutige FrauenDie kleine Sarah (Jennifer Zubar) und ihre Oma Camille (Toto Bissainte) sind die Heldinnen in diesem Film. Jede auf ihre Art leistet Widerstand unter Einsatz ihres Lebens. Dass die Handlung im Haiti des Papa Doc spielt, ist eigentlich sekundär. Auch wenn Regisseur Raoul Peck wahrscheinlich bewusst seine Heimat ausgewählt hat. Doch im Grunde geht es darum, dass es möglich ist, in einer menschenverachtenden Diktatur Mut und Zivilcourage zu beweisen, auch und vor allem in den kleinen Dingen des Alltags. Es fällt auf, dass lange Kamerafahrten auf das Kommende einstimmen. Die Kamera sucht sich quasi ihren Weg in ein Haus z.B. von außen nach innen und dann weiter bis zum Ort der Handlung. Die gefährliche Situation wird gleich am Anfang deutlich und schafft Spannung. Und die gefürchteten Tontons tun ein Übriges; es gibt Folter und Hausdurchsuchungen, das volle Programm eines tyrannischen Staates, hier vertreten durch den ‘bösen Finger‘ Janvier (Jean-Michel Martial), aber der bezahlt auch dafür. Es wird auch nicht vergessen, dass die Kirche auf der Seite der Machthaber stand/steht. Der titelgebende ‘Mann‘ genießt eine Zeitlang Narrenfreiheit. Die Kreisförmigkeit der Erzählweise ist anfangs etwas verwirrend, wird aber am Ende aufgeklärt. Unerwartete Schnitte vertiefen die Handlung, ohne sie voranzubringen.
Spannend, wichtig und bis zum Schluss beeindruckend. | |
Sa, 22.09.2012TV | Der Hauptmann von NakaraKöpenick in AfrikaDie Handlung dieses als Gesellschaftssatire getarnten Films ist durchaus vorhersehbar, kommt etwas behäbig daher und endet wie so oft in den 50er und 60er Jahren mit dem obligaten finalen Kuss des Liebespaares Muntu und Muna (Bernard Safari und Shirlen Wanjari). Die Komik ist gewöhnungsbedürftig, trotz einer Reihe recht skurriler Figuren (z.B. der Prediger als Vater der Braut oder der fettleibige, unterbelichtete Hauptmann). Andererseits gewährt der Film Einblicke in den afrikanischen Alltag. Hier liegt seine Stärke. Oft quietsche bunt und unfreiwillig komisch werden Verwaltung und Klassenunterschiede karikiert, Korruption und Posten etwas bizarr, aber durchaus lebensnah geschildert. Und das könnte so nicht nur in einem totalitären Staat in Afrika passieren.
Die Laiendarsteller agieren zwar etwas unprofessionell, versprühen aber nach einiger Zeit doch einen gewissen reizenden Charme. Die inhaltliche Anlehnung an den Hauptmann von Köpenick ist für uns weniger amüsant als für die Afrikaner. So hilfsbedürftig wie sich der Held Muntu in dieser noch neuartigen Gesellschaft bewegt, ist der ganze Film. Es gäbe da schon noch einiges zu ergänzen, zu verbessern und upzudaten. Ein hoffnungsvoller Ansatz. | |
Fr, 21.09.2012TV | Aguirre, der Zorn GottesFloßfahrt nach EldoradoEs ist kein Abenteuerfilm im herkömmlichen Sinne, sondern es ist zu allererst einmal ein Kinski-Film. Der prägt die Handlung mit seiner diabolischen Mimik und einem Habitus, der an Richard III. erinnert. Die dürftige historische Vorlage dient nur als Vorwand für ein intellektuelles Konstrukt, das sich vage an die spanische Eroberung Südamerikas anlehnt, hier mit der Suche nach Eldorado. So muss der Film notgedrungen einen offenen Ausgang haben, denn ein Erfolg dieser Mission wäre Geschichtsklitterung. Regisseur Herzog konzentriert sich vielmehr auf den Aufstieg dieses Aguirre innerhalb einer kleinen Soldateska. Er meutert und mordet, baut Seilschaften auf und endet im Wahnsinn. Dieser Weg zur Weltherrschaft durch Inbesitznahme von Land ist gepflastert mit Hunger, Fieber und Tod. Im Gegensatz zu den mitgeführten Indio-Sklaven bleiben die freien Indios unsichtbar. Sie schicken nur unablässig ihre tödlichen Giftpfeile. Die Kamera ist immer ganz nahe an den Akteuren. So wird eine gewisse beklemmende Enge kreiert, die nur gelegentlich von Bildern des auf dem Fluss treibenden Floßes ausgedehnt wird. Es überwiegen die Mühsal und die qualvollen Aktivitäten, die nur in Kauf genommen werden wegen der Aussicht auf Gold. Steckt da etwa eine Kapitalismuskritik dahinter? | |
Do, 20.09.2012TV | Pans LabyrinthFeen, Faune und AlrauneDie Frage, ob das im Titel erwähnte Labyrinth mit dem Hirtengott Pan oder einem Faun zu tun hat, ist obsolet. Man sieht das bocksbeinige Fabelwesen und kann sich seinen eignen Reim darauf machen. Es geht um Feen, Faune und Alraune.
Hier wird die Welt der Fantasie mit dem Terror der Faschisten im Spanien unter Franco polarisierend gegen einander gesetzt. Das Ergebnis ist ein Gruselmärchen mit Ekeleffekten und blutrünstigen Grausamkeiten. Hier ist, Hauptmann Vidal (Sergi Lopez) der Stiefvater der Bösewicht und sein Gegenspieler ein guter Faun, der auf der Seite der kleinen Ofelia (Ivana Baquero) steht. Eine Widerstandgruppe bekämpft den machohaften Faschistenhauptmann. Hier profiliert sich besonders Mercedes (Maribel Verdú), deren Rolle an Facettenreichtum alle anderen überragt. Am Ende treffen beide Welten auf einander – die unsichtbare Welt befindet sich mitten in der sichtbaren und bleibt doch verborgen. Es gibt viele Tote, die dann aber zum Teil märchenhaft ‘erlöst‘ werden. In den letzten Einstellungen spielt Regisseur del Toro mit der Einsicht der Zuschauer, ob Ofelia überlebt oder nicht.
Und die Moral von der Geschicht: Widerstand lohnt sich oder die Fantasie siegt letzten Endes über die Diktatur, Ideen gegenüber menschenverachtender Grausamkeit. Interessant. Die Oscars hat er allemal verdient. | |
Do, 20.09.2012TV | Cairo TimeGepflegte LangeweileDie vorübergehend allein gelassene Ehefrau Juliette (Patricia Clarkson) erschließt sich mit Hilfe von Tarek, einem Mitarbeiters ihres Mannes (Alexander Siddig) eine arabische Metropole. Beide sind in der Welt von 1001 Nacht tourismusmässig unterwegs: Suk, Muezzin, Sonne, Sand und Wasserpfeife. Dabei kommen sie sich natürlich näher, aber sie schlendern nur so umher, u.a. durch eine Allee gesäumt von Liebepaaren, und gelangen vom ‘Fast‘ zum ‘Beinahe‘ und landen schließlich bei ‘Nicht wirklich‘. Es soll wohl eine Gegendarstellung zum üblichen Mainstream sein, wo man immer, wenn auch mitunter nach Schwierigkeiten, zwischen den Laken landet. Das Tempo passt sich dem Alter der Akteure an, ständig von Klaviermusik begleitet und in z.T. schöne Bilder verpackt. Durch eine eigentlich unpassende Nebenhandlung wird vergeblich versucht, doch noch einen Hauch von Spannung zu erzeugen, als Juliette als Briefträgerin agieren soll. Bis kurz vor Schluss fragt man sich, was ist eigentlich mit Juliettes Ehemann? Als auch diese Frage beantwortet ist, kann man nur noch wie Pat Clarkson traumverloren ins Weite blicken. Schade, dass es nicht geklappt hat, in der gemeinsamen Zeit in Kairo. Dabei geben ihnen doch die Everly Brothers am Ende den Hinweis ‘I kissed you‘!? So ist der Film zwar leise und langsam aber auch langweilig. | |
Mo, 17.09.2012TV | Rabia - Stille WutDas VersteckDieses Drama um das eigentlich anständige Dienstmädchen Rosa (Martina Garcia) wird in dunklen Farben erzählt, die die Dramatik besonders betonen. Sie wird schwanger, und José Maria (Gustavo Sanchez Parra), der als Mörder gesuchte Vater ihres Kindes versteckt sich heimlich unter dem Dach der Villa der Familie Torres, den Arbeitgebern von Rosa.
Es entwickelt sich ein interessantes Versteckspiel, in dem auch noch der Sohn der Familie eine Rolle spielt. Er hat Rosa angeblich vergewaltigt. José Maria beobachtet aus seinem Versteck heraus, was im Hause Torres so alles vor sich geht. Greift aber auch in tödlicher Konsequenz in das Geschehen ein. Als Begleitung zu dieser unerfüllten Liebe dient das erkaltete Verhältnis des alten, aber wohlhabenden Ehepaares Torres. Für Rosa sind sie allerdings wie Großeltern, für José Maria Konkurrenten.
Als sie ihn entdeckt hat ein Kammerjäger ihm den Garaus gemacht. Bevor sich die Kamera mit einem Totalschwenk durch alle Stockwerke der Villa Torres zurückzieht, werden wir nochmal optisch mit einer wunderschönen, schwangeren Rosa am Meer verwöhnt.
Der cholerische und gewalttätige José Maria ist der Auslöser für eine fatale Kettenreaktion, an deren Ende niemand wirklich glücklich ist. Er zerstört sich und seine Liebe und macht seinen Sohn José Maria jun. Zum Halbwaisen. Traurig, traurig, aber nicht tief tragisch. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.