Mi, 12.09.2012TV | Im Vorhof der HölleHöllenkücheHier ist ausnahmsweise mal der deutsche Titel treffender als der des Originals (‘Zustand der Gnade‘). Der Stadtteil von Manhattan, in dem die Iren wohnen heißt ja bekanntlich ‘Hell’s Kitchen‘ und diese Küche ist weißgott die Hölle. Es ist ein stimmiges Porträt der Szene. Die hochgradige Spannung kommt von den drei Kontrastebenen: die Iren bekämpfen sich mit den Italienern, ein Undercover Agent mit den echten Gangstern und familiäre Beziehungen stehen im Widerspruch zum Geschäft. Und der finale Showdown – eine Mischung aus Gangster-Mikado und Showparade - findet typischerweise am St. Patrick’s Day statt, an dem alle Akteure umkommen. Es ist ein fulminanter Höhepunkt, in dem die Blutorgie so theatralisch schön in Zeitlupe daherkommt, dass sie jedweden Schrecken verliert. Sie wirkt eher wie ein reinigendes Gewitter.
Aus der hervorragenden Darstellerriege seien nur Gary Oldman, Sean Penn und Ed Harris erwähnt. Sie machen zusammen mit Robin Wright die Familienprobleme der Flannerys unter einander aus. Und bei der Lösung der Probleme geht es um nichts weniger als Brudermord oder Bandenkrieg, Verrat an einer Jugendfreundschaft und natürlich um die Familienehre. Echte Tragik, die in diesen Kreisen nur mit der Kanone behoben werden kann. Das ist auch menschlich berührend, weil toll erzählt und grandios gespielt. | |
Di, 11.09.2012TV | Thank You for SmokingDank den RauchernBeim Titel wird so getan, als ob es ein Werbefilm für die Tabakindustrie sei. Ganz im Gegenteil. Doch das Geniale ist, dass es auch kein moralinsaurer, stocktrockener Anti-Raucherfilm ist. Hier steht ein Lobbyist Nick Naylor (Aaron Eckhart) im Mittelpunkt. Das Drehbuch lässt ihn äußerst eloquent erscheinen und Aaron Eckhart kommt sehr sympathisch rüber. Er ist ein echter Charmer, dem man nicht widerstehen kann. So wie z-B. die Journalistin Heather Holloway ( schon etwas reifer, aber nicht schlecht Kathie Holmes). Es werden alle erdenklichen Argumente für und gegen das Rauchen intelligent witzig ausgetauscht. Und durch die Figur des Joey Naylor, dem Sohn des Lobbyisten, bekommt das Ganze auch noch einen sehr persönlichen Touch. Und dadurch kommt man dann zum Punkt. Alle kennen die Argumente gegen das Rauchen. Das hält die Leute aber nicht davon ab, zum Glimmstängel zu greifen. So läuft es auf ein Plädoyer für den freien Willen eines freien Menschen hinaus. Und das ist auch gut so. Natürlich kommt ein pfiffiger Typ wie Naylor überall unter. Er könnte auch den Eskimos Eis verkaufen. Mit dem geistreichen Darüberstehen verfehlt der Film seine Wirkung nicht. Und man wird außerdem noch gut unterhalten. Klasse! | |
Mo, 10.09.2012TV | WarKomischer KriegEs sind die allseits bekannten Zutaten zu diesem Gangster-Cop Mix. So braucht man auch über die Handlung weiter kein Wort zu verlieren. Obwohl die Gemengelage von Triaden, Yakuza und FBI oftmals recht verwirrend daherkommt. Sogar die familiären Probleme des Ermittlers (cool wie immer Jason Stratham) mit Frau und Sohn werden angesprochen. Die Charaktere sind aber eigentlich recht flach geraten und zeichnen sich nur dadurch aus, dass sie auf Alles und Jeden, der sich ihnen in den Weg stellt schießen. Aber das zieht sich ganz schön in die Länge. Kurz vor Schluss kommen dann auch noch die üblichen Identitätswechsel zum Einsatz (Gesichts OP). Und das geht Ratz-Fatz, hin und her, kommt etwas zu spät und wirkt als angebliche Überraschung eher unglaubwürdig. Außerdem tun sich da ein paar Fragen auf nach dem ‘Wieso eigentlich‘? Und die Anzahl der Leichen sagt nichts über die Höhe der Spannung aus. Die am Anfang geschilderte Männerfreundschaft unter Kollegen gerät unterwegs in Vergessenheit. Man fragt sich nur noch ‘Wer schießt eigentlich endlich das Licht aus? ‘ Und als dann einer trifft, wird’s tatsächlich dunkel. Der Publikumserfolg des Films liegt wohl in der Verarbeitung bekannter Tatsachen. So ein Film halt aus der Action-Thriller Schublade von ‘Im Westen…‘ Action gibt schon, aber Thrill weniger. | |
Mo, 10.09.2012TV | Prince of Persia: Der Sand der ZeitDer Prinz und der SandDie Spielkonsole konnte es, aber der Film kann es noch besser. Regisseur Mike Newell schuf ein eindrucksvolles Spektakel, das sich zwar an der Videofassung orientiert, aber weit darüber hinausgeht. Den optisch-dramatischen Hochgenuss verdanken wir Kameramann John Seale, ein Urgestein des australischen Films. Vor allem die unterirdischen Szenen am Ende sind klasse. Da bricht das Erdreich weg, Abgründe tun sich auf, Figuren fallen ins Bodenlose. Gut, wenn man die Story kennt, so kann man auf ein gutes Ende hoffen. Bis dahin unterhalten einen vier äußerst agile Schauspieler. Jake Gyllenhaal dürfte sich jetzt wohl als Actionheld etabliert haben. Er kämpft und springt und fliegt und siegt. Auch die Schöne, die den Dolch mit dem Sand der Zeit hat (Gemma Tamara Arterton) erfüllt ihren Teil. Nur als linkshändige Kämpferin agiert sie etwas steif. Die gekonnte Kameraführung verdeckt das allerdings fast immer. Viel besser, wenn auch ungewohnt ist da Ben Kingsley als Bösewicht Nizam. Und zur Vertiefung des örtlichen Ambientes gibt Alfred Molina einen geldgierigen, orientalischen Galgenvogel, der für Stimmung sorgt. Die Liebesgeschichte ist nicht all zu süß, eher nach dem Motto ‘ Was sich liebt das neckt sich‘.
Für die Videospieler ein Muss, für die anderen ein unterhaltsames Abenteuer. | |
So, 09.09.2012TV | ApocalyptoQuälerei im RegenwaldBildgewaltig ist Mel Gibsons Werk allemal, aber die zentrale Aussage ist doch mehr als fragwürdig. Das inhaltlich krude Machwerk lässt sich in drei Teile zerlegen: a) Urwaldkämpfe und versklavte Unterlegene, b) maya-ähnliche-Menschenopfer und c) Menschenjagd mit Showdown. Dabei hat der Held ‘die Pranke des Jaguars‘ (Rudy Youngblood) was seine Lebensenergie angeht Disney-Qualitäten. Er überlebt locker niagara-ähnliche Wasserfälle, Speerdurchstiche, Treibsandbrei und seine Frau (Dalia Hernandez) hat eine Unterwassergeburt, die sie auch noch in die rettende Höhe nach oben spült, während der Böse in einer Rambo-Falle umkommt. Bleibt die Frage nach der Lust an der Quälerei, an Gräueltaten bis zum Abwinken. Gibson zeigt nicht den stolzen Ureinwohner, sondern die animalischen Bestie Mensch, wie sie verkörpert wird von den Eingeborenen, die grausamer sind als wilde Tiere, auch gegenüber Frauen und Kindern. Ein Abenteuerfilm darf das. Zumal wenn er so herrlich happy endet. Da verheißen auch die am Horizont auftauchenden Spanier nichts Gutes. Und wir gehen mit der ‘Jaguar-Pranke‘ und seiner Familie lieber wieder in den Regenwald. Das zumindest ist die Antwort, die uns der religiöse Fundamentalist Gibson gibt. | |
So, 09.09.2012TV | Lüge und Wahrheit - Shattered GlassZertrümmertes GlasDas Beste ist noch der Titel des Originals mit dem Wortspiel und dem Namen des jungen Nachwuchsreporters (Hayden Christensen): er heißt Stephen Glass und hat am Ende viel Glass zerdeppert, inklusive seiner Karriere. Er begeht die größte Todsünde, die einem investigativen Journalisten unterlaufen kann: er erfindet Informanten, um eine knallige Story zu produzieren. So ist das Ganze eine Dokumentation über die (Nicht)Ausbildung eines Journalisten. Und so trocken kommt der Film auch daher. Als Stephen Glass auch noch in seiner alten Schule als Vorzeigereporter geehrt wird, passt das ins Bild wie ein Kaktus auf den Meeresgrund. Falls das als Satire gedacht ist, kann man es als solche nicht erkennen. Glass zeigt keinerlei Einsicht und schreitet am Ende lächelnd erhobenen Hauptes durch die Welt. Ist es also eine späte Rechtfertigung des echten Stephen Glass? Eine Entschuldigung gibt es für das Vergehen nicht. Dabei gibt es tolle Filme über Enthüllungsjournalismus, die spannend sind und gut gemacht. Der hier ist einer von der blauäugigen Sorte. Ein Film, den die Welt nicht braucht. Langweilig, eindimensional, auch menschlich enttäuschend. K.V. | |
Fr, 07.09.2012TV | Diese NachtDie Nacht des HundesDas ist kein Film, das ist ein Albtraum. Durch die lockere Szenenfolge wird jeglicher Ortsbezogenheit buchstäblich der Boden unter den Füssen weggezogen und da es eine Reise durch die Nacht ist, verschwindet das Zeitgefühl. Schemenhaft kristallisiert sich eine Hafenstadt aus dem Nebel heraus, in der ein Mann (Pascal Greggory) nach einer Frau sucht, die alle kennen, aber keiner kann ihm etwas Genaues über ihren Aufenthaltsort sagen. Bevor er sie findet, ist sein Leben vorbei. Qualvolle Szenen gehen in ihrer Brutalität an die Grenze des Erträglichen. Ein kurzes, lustbetontes Intermezzo erstickt in unerwarteten Bluttaten. Machtkämpfe zwischen nicht genau definierten Gruppen verbreiten Angst und Schrecken, ein erleuchteter Glaspalast und die Musik, die die Nazis zur Nachrichtenankündigung verwendeten, weisen in eine faschistoide Richtung. Personen tauchen auf und verschwinden wieder, lassen ihr Leben. Kafkaesk ist dagegen ein Kindergeburtstag. Im Vorspann und am Ende wird auf die ‘Angst‘ hingewiesen. Die hält den tapferen Zuschauer in ihren Klauen, weil er die Ohnmacht und das mächtige Chaos spürt, dem er hilflos ausgeliefert ist. Ein beängstigendes Konstrukt. Kraftvoll, genial, das einem den Schlaf rauben kann. | |
Do, 06.09.2012TV | Wasabi - Ein Bulle in JapanPlötzlich VaterEs beginnt und endet mit einer fulminanten Ballerei und Schlägerei. Da ist der Polizist Hubert (Jean Reno) fast so gut wie Hill/Spencer. Hier geht es lange Zeit vor allem gegen Tunten. Die Slapsticks sind nicht schlecht, vor allem der mit dem Domino-Effekt. Der besondere Effekt liegt hier wohl in der Diskrepanz zwischen der reglosen Mimik des Hauptdarstellers, die fast bis zur Gesichtslähmung gefriert auf der einen Seite und der Hilflosigkeit gegenüber seiner Geliebten Sophie (Carole Bouquet). Diese Szene ist mit ihrem leicht ironischen Unterton ein gelungener Gegensatz zum Rest des Films. Aber auch das plötzliche aufgetauchten seiner Tochter Yumi (Ryoko Hirosue), einer rotzfrechen Göre, die gerade volljährig wird, passt in das Reno-Klischee. Die Yakuza dient hier lediglich als Sündenbock d.h. als Anlass für ausgiebige Prügel- und Ballerorgien. Als Palliativ gibt es noch ein paar Tränen von Yumi, die natürlich erst am Ende Papa in ihr Herz schließt. Nette, anspruchslose Unterhaltung für ‘Ballermänner‘ und Reno-Fans mit logischen Lücken. Aber wen stört das schon, wenn einem der ‘kleine Senf in die Nase steigt‘!? | |
Do, 06.09.2012TV | Alles für meinen VaterSonntag, Frieden, MaradonaDer Originaltitel ‘Shabbat Shalom Maradona‘ ist nicht nur treffender, sondern auch lustiger. Und darauf kommt es ja wohl Regisseur Dror Zahavi an. Er will das angespannte, feindliche Verhältnis zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn entkrampfen, indem er ihre ähnlich gelagerte menschliche Situation schildert. So versucht er Verständnis für die andere Seite zu schaffen. Dabei zielt er gleich ins Zentrum der Auseinandersetzung: ein arabischer Selbstmordattentäter (eigentlich ein renommierter Kicker), dem sein Vorhaben misslingt, gerät in den ganz normalen Alltag der Israelis. Hier begegnet er dem natürlichen Charme des Mannes von der Straße, der mit seinem Mutterwitz die Gegensätze glatt überspielt. Das beeindruckt Tarek (Shredi Jabarin) genauso wie den Zuschauer. Tarek rettet sogar Leben und verliebt sich in Keren, eine Israelin (Hili Yalon). Der familiäre Hintergrund der beiden Welten wird geschildert. Erstaunliche Bilder wie der Dialog im Baum, oft mit Gelbfilter, gewähren eindrucksvolle Einblicke. Aber man sieht auch die jüdischen Fundamentalisten, die ihr Unwesen treiben und eine Annäherung erschweren. Der Film ist nicht berauschend, aber beeindruckt in seiner unbekümmerten Vorgehensweise. Dazu gehört auch das kurze, bittere Ende. | |
Di, 04.09.2012TV | Die letzten Tage in KeniaWeißes MissgeschickEs hätte vielleicht ein Abgesang auf die Kolonialherrschaft der Briten werden können, aber es ist nur ein leidenschaftlicher Seitensprung mit tödlichen Konsequenzen, der die gesellschaftlichen Konventionen zur Zeit des ersten Weltkrieges sprengt. Dennoch wird die Situation mit leichter Ironie und akribisch eingerichtetem Ambiente vorgestellt. Man schwelgt im Überfluss, genießt den Luxus, man spielt Polo, trinkt Champagner und ist grenzenlos frivol. Der Krieg in Europa ist weit weg. Doch das reicht, damit der Skandal von ihm in den Hintergrund gedrängt wird. Natürlich endet eine Anklage eines Adeligen in jenen Tagen, so eindeutig sie auch sein mag, mit einem Freispruch. Am Verhalten der Gesellschaft ändert das nichts. Sie lebt ihren Hedonismus in cooler Arroganz unbeirrt weiter. Im Gegensatz zu dem betroffenen Ehepaar. Sie, Lady Diana, (ganz toll Greta Scacchi) will vergessen und sucht erneut Schutz. Ihr Mann, Baron Broughton, (Joss Ackland) gibt sich verzweifelt die Kugel. Die Dialognähe zur Romanvorlage trifft genau, kommt aber leider viel zu selten zu Anwendung: z.B. ‘Je besser ich die Männer kenne, desto mehr liebe ich Hunde‘ oder als der Baron für seine Frau das Landgut des erschossenen Liebhabers (Charles Dance) kauft, wird das kommentiert ‘Jetzt, wo er die Hündin wieder hat, kauft er auch noch den Zwinger.‘ Nichts Spektakuläres, aber ein eindringliches, genaues Gesellschaftsbild der letzten Tage in Kenia. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.