Di, 04.09.2012TV | Couchgeflüster - Die erste therapeutische LiebeskomödieMuttchen MerylDer Film ist klischeehaft bis an den Rand der Schmonzette. Dabei vorhersehbar und uninspiriert. Wenn man schon so ein ausgelutschtes Thema wie Frau in den besten Jahren (Uma Thurman) sucht sich 10 Jahre jüngeren Lover wählt, sollte es wenigsten irgendetwas enthalten, was das Hin- bzw. Anschauen lohnt. Beides ist hier totale Fehlanzeige. Nicht einmal – und das ist vielleicht das Besondere an diesem Film für Anspruchslose – kann hier Meryl Streep etwas reißen. Sie darf hier nur als Muttchen gestylt verständnisvoll lächeln. Man kann fast meinen, sie ist hier auf dem Wohltätigkeitsbasar für Nachwuchskünstler tätig. Na dann!? Es ist und bleibt einer ihrer schwächsten Filme. Nachdem der Zuschauer weiß, dass der erwählte Jungspund ihr Sohn ist und sie die Therapeutin der liebestollen Enddreißigerin, verfliegt auch noch der letzte Anflug von Spannung und nimmt die Anteilnahme der Zuschauer gleich mit. Der Originaltitel betont zwar ‘die Blüte der Jahre‘, doch alles verläuft in den konventionell üblichen Bahnen: natürlich handelt es sich wie fast immer um eine jüdische Familie, es folgt die Vorstellung bei den Eltern, die weder lustig noch überraschend ist. Selbst das Ende dieser sogenannten RomCom findet immer wieder auf der Matratze statt, bevor die Akteure im Herz-Schmerz versinken. Deshalb wohl auch das sonderbare halbherzige Ende. Das glaubt den Akteuren doch ‘keine Sau‘, wie man in Bayern sagen würde. K.V. | |
Do, 30.08.2012TV | Traffic - Macht des KartellsDie Macht der DrogenDas geniale an diesem Film ist nicht nur die äußerst komplexe, prall gefüllte Handlungsstruktur, sondern die wirklich allumfassende Vielfalt aller beteiligten Personengruppen des Drogengeschäfts: Dealer, Konsumenten, und Fahnder, korrupte und gesetzestreue Cops, Angehörige, Ehefrauen, Liebhaber etc. Was aber noch hinzukommt, sind die an sich von Haus aus gegensätzlichen Ausgangspositionen durch persönliche Verbindungen. (Damit meine ich nicht das Ehepaar Douglas/Zeta-Jones, das hier an gegnerischen Fronten kämpft!) Hier ragt besonders das Vater-Tochter Verhältnis heraus. Michael Douglas als oberster Drogenfahnder und seine Tochter Erika Christensen als Junkie. Die Handlung geht bis zum Strafprozess mit Kronzeugen, Spionen und Attentaten. Freundschaften werden negiert, Ehegrenzen überschritten. Die Regierung verbündet sich mit den Falschen, ein Drogenkartell zerschlägt ein anderes.
Die Bemühungen und Rechtfertigungen der Eltern kommen überzeugend rüber. Daneben beeindruckt ein Dialog unter Drogeneinfluss. Abgebrochene Sätze und Wortfetzen lassen ein sinnvolles Gespräch nicht mehr zu. Aber auch das fatale Ende wird nicht verheimlicht. Nur zum Schluss übertreibt es Soderbergh mit dem pädagogischen Impetus etwas. Wer hätte schon nach Stuhlkreis und öffentlicher Distanzierung etwas anderes erwartet als ‘Schöne Heile Welt‘? Aber sonst, außerordentliche Spitzenklasse! Nicht zuletzt auch wegen dem unvergleichlichen Benicio Del Toro. | |
Do, 30.08.2012TV | Alle sterben, ich nichtRebellische FreundinnenEin erstaunliches Debut der russischen Nachwuchsregisseurin Valeria G. Guermanika. Sie steht in einer langen, qualitativ anspruchsvollen Reihe des neuen russischen Films und hat sich gleich in die erste Reihe katapultiert. Hier verbindet sie die Sehnsüchte nach der ersten Liebe von Katja, Janna und Vika mit dem rebellischen Aufmucken der drei als Repräsentantinnen der jungen russischen Generation. Es geht wie auch sonst üblich in der restlichen Welt um das Thema Nummer eins: Saufen, Kiffen und Petting plus. Auch die Eltern werden mit ihrer ganzen Hilflosigkeit in Szene gesetzt. Da reicht die Palette von einer Tracht Prügel bis hin zur verängstigten, schweigenden Zustimmung. Und hier sind es die Mädels, die schon mal hinlangen. Die Jungs sind eher etwas eindimensional farblos geraten. Lauter katastrophale Situationen egal, ob aus der Kategorie Mobben oder Poppen. Wir sehen, wie jugendlicher Hass entsteht, selbst gegenüber den eigenen Eltern. Und der sitzt so tief, dass man versteht, es ist keine vorübergehende pubertäre Phase. Selbst die Freundschaft der drei hält diese Belastungen nicht aus. Ohne zu werten, hält die Kamera gnadenlos drauf. Allein der Wille zu überleben ist nicht totzukriegen. So zumindest steht es im Titel.
Eindrucksvoll, herb, realistisch. Kein Kindergeburtstag. | |
Di, 28.08.2012TV | Angel HeartKomplexe SpannungDass Alan Parker in vielen, ganz unterschiedlichen Genres zu Hause ist, hat er mehrfach bewiesen. Hier vereint er nun meisterlich einige zu einer spannenden Mischung von Film Noir, Voodoo, Jazz und Mystery. Er verwendet die bekannten Zutaten aus Mord als Schocker, Verfolgung, Prügelei und Sex. Dabei pflastern Leichen den Weg des Schnüfflers Harry Angel (unglaublich präsent Mickey Rouke). Der gibt buchstäblich mehrfach sein Letztes. Und als diabolischer Gegenspieler Louis Cyphre (Wortspiel: Luzifer!) Robert De Niro, der mysteriös, distinguiert die Fäden zieht. Die Story ist so gut gemacht, dass es der Spannung keinen Abbruch tut, auch wenn man schon mal unterwegs den Überblick verliert. Beim Finale ist man wieder dabei und reibt sich mehrmals erstaunt die Augen. Da weht ein Hauch von Satanismus durchs Bild. Es geht abwärts: in die Hölle. Und das so schnell, dass man den Schuss Selbsterkenntnis oder den Inzest erst beim wiederholten Schauen mitbekommt oder der schnelle Schnitt von parallelen blutdurchtränkten Szenen überfordert den Zuschauer. Da fallen dann auch unverhofft surreal anmutende Bilder auf und bis in kleine Nebenrollen besetzte Promis wie Charlotte Rampling oder Pruit Taylor Vince. | |
Di, 28.08.2012TV | Peau d'ange - Engel weinen nichtKein Engel, keine HautWieder einmal hat es Guillaume Depardieu versucht, als eigenständiger Schauspieler neben dem übermächtigen Vater Gérard zu bestehen. Mit diesem Film ist das nicht geglückt. Ein unausgegorenes Machwerk voller Widersprüche, das die Grenze des Unerträglichen überschreitet. Es klaffen eklatante Diskrepanzen zwischen den Szenen im Film und dem Anspruch des Regisseurs. Grégoire kann nicht lieben, weil er immer noch an seiner verstorbenen Mutter hängt. Doch zu ihrer Beerdigung kommt er zu spät, sie tritt nie auf. Wieso das Verhältnis so eng ist erfährt man nie. Er defloriert das Dienstmädchen Angèle (Morgane Moré), das ihm zugelaufen ist und erwacht unter Tränen. Man fragt sich: warum? Ihr Name gibt zwar einen Hinweis zum Titel, aber was es damit auf sich hat, erfährt man nicht. Wenn man sucht, findet man einen Hinweis zum Duft ihrer Haut. Grégoire heiratet die Tochter eines Konzernchefs, obwohl er sie nicht liebt und besucht Angèle im Gefängnis, wo sie unschuldig sitzt. Natürlich unschuldig. Sie liebt ihn, will aber nicht mit ihm gehen. Ja geht’s noch?!
Schließlich kommt sie frei und bleibt doch bei den Nonnen des Gefängnisses. Renommierte Stars wie Dominique Blanc sowie Valeria Bruni-Tedeschi leisten wohl Aufbauhilfe für Regisseur Vincent Perez.
Bestenfalls kann man bei Angèle mit viel Wohlwollen von einem Käthchen-Effekt reden. Vieles wird klischeehaft dargestellt: nachdem die beiden auf dem Bett nach hinten wegkippen sieht man nur die sich verkrampfenden Hände der beiden, danach Angèle in der Dusche sitzend. Alles klar? Man sehnt das Ende herbei! Engel mögen nicht weinen. Ich aber schon! K.V. | |
So, 26.08.2012TV | Unterwegs mit EvieFahrstunden fürs LebenBen (Rupert Grint) wächst in einem sonderbaren Umfeld auf. Von den sich entfremdeten Eltern ist der Vater (Nicholas Farrell) Pfarrer und eigentlich Hobbyornithologe, die Mutter (Laura Linney) eine religiöse Fundamentalistin mit Hang zur Esoterik und ein Hausgast ist leicht debil. Da ist der 17 jährige Ben noch recht normal, nur unerfahren in den Dingen des Lebens. Er braucht Fahrstunden fürs Auto (Originaltitel!) und fürs Leben. Mit der exzentrischen alten Evie (Julie Walters) geht allerdings die schauspielerische Sonne in diesem Film erst richtig auf. Mit Witz und viel Schwung fegt sie durch die Szenen, bisweilen rotzfrech fluchend, aber auch zerbrechlich skurril. Ein Gegenpol zu Bens übertrieben religiösem Elternhaus. Beide Welten krachen bei einer Theateraufführung der Gemeinde mit einem pfiffigen Knalleffekt aufeinander. Der Gag passt! Vieles ist seltsam oder unglaublich, bisweilen weit weg vom Alltag. Die wunderschöne schottische Landschaft verleitet zum Träumen und die stillen Szenen zum Nachdenken über das Finden des eigenen Weges, über Freundschaft und den aufregenden Prozess des Erwachsenwerdens. Der Zuschauer wird gutgelaunt entlassen mit der bekanntesten Melodie Schottlands ‘Auld Lang Syne‘. | |
Sa, 25.08.2012TV | The Baxter - Geheiratet wird späterDer SuperaufreißerDie grundlegende Idee von der männlichen Typenbezeichnung ‘Baxter‘ für einen unattraktiven, aber lieben Simpelton ist ja ganz nett, auch wenn man beim Googeln das falsch verstehen und ins Hunde-Horror Genre abdriften kann. Die Story ist weißgott nicht neu. Im Grunde geht es um den alten Spruch ‘Warum in die Ferne schweifen, sieh die gute Cecil liegt so nah!‘ Und die (Michelle Williams) ist auch die Einzige in dem eintönigen Ensemble, die etwas wohltuende, sympathische Wärme einbringt. Ihre Gegenspielerin Caroline (Elizabeth Banks) spielt das blonde Dummchen zu klischeehaft. Und Baxter als Regisseur und Hauptdarsteller wirkt allein durch seinen Gesichtsausdruck. Er hat den leicht debilen Blick voll drauf. Tempo und Jokes sind seniorengerecht aufbereitet. Alles wirkt etwas aufgesetzt albern. So bleibt die vorhersehbare Story ganz oben an der Oberfläche. In den 85 Minuten gibt es zwei erwähnenswerte Szenen: eine etwas turbulente mit viel Hin und Hergelaufe und die Bestellung im Fast Food Restaurant. Beide Male wird, wie beim Treffen mit Freunden des Guten zu viel getan und es läuft in Richtung dämlich. K.V. | |
Fr, 24.08.2012TV | Der Tag, der alles veränderteNach ihmDer deutsche Titel bezieht sich auf den tödlichen Autounfall von Mathieu, der des Originals bezieht sich eher auf dessen seelische Verarbeitung durch seine Mutter Camille (Catherine Deneuve). Ihr Gesicht trägt den Film, der komplexe Trauerarbeit thematisiert: die von den Eltern, den Geschwistern und Freunden. Alle trauern anders. Bei Camille ist es oftmals schwer nachvollziehbar, was da so in ihr vorgeht. Aber es ist natürlich sehenswert, wie die Deneuve zwischen Schmerz und schönen Erinnerungen umhertaumelt, ihre Lust am Leiden zelebriert bis hin zur Autoaggression. Sie stilisiert seinen besten Freund Franck (Thomas Dumerchez) zum Ersatzsohn hoch. Er wird fester Bestandteil ihres Lebens. Mit Logik ist ihrem Verhalten wohl nicht beizukommen. Äußerlich wirkt sie – abgesehen von der Tränenflut – recht resolut sogar dominant. Aber eigentlich ist sie immer nur emotional unterwegs. Sie denkt nicht über ihre Aktionen nach, sie fühlt dumpf vor sich hin, agiert quasi mit einer Binde vor den Augen. Das tut sie aber konsequent. Die Widersprüche in ihrem Handeln stammen aus den Übertragungen der Erwartungen des Zuschauers. Ein Schlüssel für diese Gegensätze ist die knall-quietsche-bunte Anfangssequenz, die voller Überraschungen ist, wobei die Kamera immer wieder neue Erkenntnisse enthüllt. Unverhoffter Schnitt! Stille…Tränenflut! So muss das Ende auch offen bleiben. Ein dramatisches Deneuve-Festival. | |
Do, 23.08.2012TV | Der AusreißerKönig ohne KroneDer Titel ist genauso seltsam wie der Humor des Films und die Message. Hier verliebt sich der Traktorverkäufer Armand, ein älterer, homosexueller, beleibter Mann (Ludovic Berthillot) in eine Minderjährige Hetero Curly (Hafsia Herzi). (Die mag an sich ‘Couscous mit Fisch‘ und den ‘Mann mit Hund‘). Hier treibt sie es mit dem Dicken, bis der genug von ihr hat, sie gefesselt am Straßenrand ablegt und wieder zu seinen schwulen alten Knackern in die Waldhütte zurückkehrt. Nachvollziehbar ist die Handlungsweise von Armand nicht so recht. Wenn er schwul ist, macht er nichts mit Curly, wenn doch, ist er nicht schwul. Oder aber Regisseur Alain Guiraudie will uns erklären, dass man beides sein kann, also bi. Doch dazu neigt sich das Übergewicht der Handlung und die Zahl der Akteure doch in Richtung ‘schwule neue Welt‘, auch in Armands Arbeitswelt herrscht rosa vor. Die älteren Jungs plaudern ausgiebig über die Praktiken beim Sex, während Armand und Curly, wenn sie nicht das Eine tun, über Jobaussichten und das Abitur reden.
Der Film schwankt zwischen Normalität und Absurdität ohne sich eindeutig festzulegen. Auch in Punkto Spaß-Komik kommen weder voyeuristische Homos noch Heteros voll auf ihre Kosten. Aber ernst gemeint kann der Film ja auch nicht sein oder…K.V. | |
Di, 21.08.2012TV | EuropaKampf den WerwölfenSchwerer Tobak verpackt in Nachkriegsdeutschland. Düstere, teils klaustrophobische Atmosphäre beim gegeneinander von Deutschen und siegreichen Amis (hier vertreten von Eddie Constantine). Dabei sind die ewig Gestrigen seltsamerweise in der Kategorie ‘Werwolf‘ unterwegs. Vor dem Hintergrund einer Eisenbahn-Dynastie, die unter den Nazis Juden ins KZ transportierte und jetzt die siegreichen Besatzer erster Klasse reisen lässt.
Rausgekommen ist ein Krimi im Retro-Look, meistens in s/w. Oft bringt Kath (Barbara Sukowa) blasse Farbe ins Bild. Wenn man die blutig-roten Killer-Szenen überstanden hat, kann man sich an der technischen Perfektion der Aufnahmen erfreuen. Die abgebrochene Liebesbeziehung mit dem beklemmenden Tod des Antihelden Leo (Jean-Marc Barr) macht das Atmen schwer. Dagegen wirkt das Ende der Titanic wie ein Kindergeburtstag. Und Lars von Trier kennt die deutschen Tugenden. Er karikiert ihre Gründlichkeit, das Beharren auf Vorschriften und Formalitäten. Da kann man schon mal den Überblick verlieren und wie Leo gezwungenermaßen zwischen die Fronten geraten. Spaßig aber auch spannend verläuft der Parallelschnitt von Schaffnerprüfung und Attentat. Die Reise findet ja unter Hypnose statt, die distinguierte Sprache verschafft Distanz, die Figuren tauchen immer wieder unerwartet auf und lösen das Raum-Zeitproblem auf ihre Weise. Dieser bedrückende Krimi hat durchaus lustige Seiten neben Horror und Schocker. Ganz schön viel gekonnt hineingepackt. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.