Mo, 20.08.2012TV | Gilbert Grape - Irgendwo in IowaEnde einer FamilieEin großartiger Film, den eine ebenso grandiose Crew zu einem Erlebnis macht. Die Atmosphäre eines verschlafenen Provinznestes wird wie immer bei Hallström in wunderschönen Farben erzählt, die die Tristesse zwar abmildern, aber nicht völlig verschwinden lassen. Von den hier dargestellten Charakteren bleiben von allen die unglaublich dicke Mutter (Darlene Cates) und natürlich die Titelfigur Johnny Depp im Gedächtnis. Im Original fragt sich der Autor Peter Hedges, was wohl an Gilberts Seel nagt? Das ist die Verantwortung für seine vaterlose Familie und hier vor allem für den überragenden, damals noch jungen Arnie (Leonarde DiCaprio). Der spielt den leicht debilen Bruder so überzeugend, dass man versucht ist, ihn tatsächlich für behindert zu halten.
Am Ende wartet ein typisch amerikanischer Schluss auf uns, der nicht nur wegen der Feuerbestattung der Mutter gelungen ist, und auch nicht als Sinnbild für eine mobile Gesellschaft steht, sondern der als Symbol für einen neuen Anfang gelten kann. Gilbert Grape hat einen Reifeprozess durchgemacht und bricht zu neuen Ufern auf. Von einem tiefen Ernst, der berührt, aber nicht runterzieht. | |
So, 19.08.2012TV | Tengri - Unter dem endlos blauen HimmelLiebe auf der FluchtDie Geschichte einer Liebe in Kirgisien, die nicht sein darf. Amira (Albina Imacheva) ist bereits verheiratet und Timür (Elim Kalmouratov) ist ein aus der Fremde heimgekehrter Fischer, der seinen Platz innerhalb der Dorfgemeinschaft nicht finden kann. Mit viel Gesang und Tanz, Folklore und Wodka sehen wir ländliche Rituale und bekommen Einblicke in Bezug auf die Stellung der Frau. Gewalt in der Ehe ist nichts Ungewöhnliches. Es bleibt den Liebenden nur die Flucht, verfolgt vom Ehemann. Wer von der Gemeinschaft und dem Verwandtschaftsclan abgelehnt wird, kann nur in der Ferne vielleicht in einer Großstadt anonym überleben. Es geht durch eine Landschaft, die durch ihre raue Fremdartigkeit beeindruckt. Amira wird immer dominanter, hilft als Pferdeflüsterin aus der Klemme und ist dabei feurig wie die Steppe in der Sommerhitze. Wohin es letzten Endes geht bleibt offen. Sie versinken im Blau des Himmels. Die globale Welt erwartet die beiden, denn auch in Kirgisien hat man schon vom Internet gehört. | |
Do, 16.08.2012TV | Tel Aviv RendezvousMuss Liebe schööön seinZwei Superstars sind noch lange keine Garantie für einen guten Film. Im Gegenteil, dieser hier ist an unlogischer Inkonsequenz kaum zu übertreffen. Geht fast schon in Richtung dämlicher Schwachsinn. Das wäre immerhin wenigstens schon mal eine Richtung, denn der Film selbst hat keine.
Ein arriviertes Ehepaar, er, Gynäkologe, (Gérard Depardieu) wandert mit Ehefrau (Fanny Ardant) nach Israel aus. Er wollte eigentlich gar nicht, bis sie mit Scheidung droht. Dort angekommen tritt Murphys Gesetz in Kraft: alles was schief gehen kann, geht schief: keine Wohnung, kein Job, Hab und Gut im Meer versenkt, Sprachprobleme, er muss sich beschneiden lassen und schließlich geht Gisèle auch noch fremd. Schlimmer geht`s nimmer.
Diese Realität ist nicht mehr witzig, es ist nur noch peinlich, keine Werbung, um nach Israel auszuwandern. So warten die Zuschauer geschlossen darauf, dass Alain endlich sagt ‘Jetzt reicht’s! Wir fahren nach Hause! ‘ Und als er dann tatsächlich so weit ist, will er plötzlich doch nicht mehr. ‘Ach was?! ‘ hätte Loriot dazu bemerkt. Sie, die immer bleiben wollte, setzt sich durch, obwohl sie kurz zuvor bereit war, nach Frankreich zurückzukehren. Unklar wieso. Aus Liebe? Im Bett läuft bei den beiden aber seit Jahren nichts mehr. Dann kann es nur Agape oder Philia sein, vielleicht sogar die gute alte Minne. Die 10% gibt’s nur für den wunderschönen Song von Jacques Dutronc ‘Paris s’eveille‘. K.V. | |
Do, 16.08.2012TV | Käpt'n Abu RaedDie Mütze des PilotenDas letzte Erscheinen eines Films aus Jordanien ist 50 Jahre her. Und jetzt so ein gelungenes Debüt. Es ist nicht nur ein unheimlich warmherziger Film – vor allem wegen des Hauptdarstellers Nadim Sawalha – sondern er enthält eine Message, die über die Landesgrenzen hinaus wichtig ist. Es wird die Bedeutung von Bildung betont und für die menschenwürdige Behandlung der Ehefrau eingetreten. Anfänglich geht es nur um einen Geschichtenerzähler, den die Kids dazu hochstilisieren, weil er eine Pilotenmütze gefunden hat. Eigentlich gehört er zum Reinigungspersonal des Flughafens. Doch dann wird er Zufluchtsort, Beistand, Retter und Lebensberater. Er trifft Nour (30), eine echte Pilotin (Rana Sultan) und beide unterstützen sich gegenseitig. Als sie verheiratet werden soll, entzieht sie sich der heiklen Situation „Entschuldigt mich. Ich muss mich erschießen!“ Aber Abu Raed gelingt nicht alles. Den Schulbesuch für Tareq kann er nicht auf Dauer garantieren, dafür rettet er zusammen mit Nour die Kinder und die Ehefrau der Familie Murad vor dem Vater einem gewalttätigen Säufer, der auch noch zum Mörder wird. Aber das kann man nur ahnen. Die jordanische Stadtlandschaft sowie die Wüste werden optisch mit einbezogen. Viele leise, auch wortlose Momente, bringen auch eine nachdenkliche Stimmung und ein märchenhaftes Ende mit einem neuen Besitzer der Pilotenmütze. Seltene Rarität, erstaunlich gelungen. | |
Mi, 15.08.2012TV | Der SolistDer obdachlose MusikerLetztendlich will der Film auf die Situation der Obdachlosen in Amerika aufmerksam machen. So zumindest ist im Abspann zu lesen. Obwohl ich lange Zeit an eine Parallele zu ‘Shine‘ dachte. Da lag ich aber voll daneben. Hier ist der Sensationsreporter Lopez (Robert Downey Jr.) auf der Suche nach einer Story und findet sie beim Straßenmusikanten Nathaniel (Jamie Foxx). Lopez ahnt dessen Begabung. Wieso eigentlich? Der Versuch das vielplappernde Talent zu resozialisieren gelingt nicht wirklich. Aber der Zuschauer soll es glauben, gerührt von der tränenreichen Einsicht des Reporters, versagt zu haben. Dabei ist die Freundschaft doch das Allheilmittel. Lopez spürt die Schwester auf und wir bekommen in Rückblenden eine taschenpsychologische Erklärung für Nathaniels Schizophrenie. Während wir klassische Musik hören, sehen wir psychodelische Lichteffekte. Die passen ebenso wenig zur Handlung wie das sonderbare Verhältnis von Lopez zu seiner Ex (Catherine Keener). Und was soll die Waschbär-Problematik?
Bis auf den ehrenwerten Appell an das soziale Gewissen der Mitmenschen ist das ein etwas wirres Geschwurbel, das trotz anstrengender Bemühungen so farblos bleibt, dass man es bereits beim Abspann vergessen hat. | |
Di, 14.08.2012TV | The Nanny DiariesNanny AnnieEs ist eine ganz leicht ironisch-kritische US Gesellschaftskomödie mit einem stellenweise – vor allem gegen Ende hin – leicht dramatischen Touch. Vor allem die Ladies der New Yorker High Society werden hier herrlich von Laura Linney kolportiert. Sie spielt die Mrs X arrogant und herablassend, mitten in einer Ehe, die am Ende ist und entdeckt erst am Schluss das wahre Mutterglück. Doch im ganzen Film ist kein Herzblut drin, nur eifriges Bemühen. Angefangen vom mehrfachen Bezug auf Margret Mead, der Ethnologin, bis zum doppelt gemoppelten Ende, wo Annie Braddock (Scarlett Johansson) alles nochmal raus lässt, was so in der Familie X schief gelaufen ist. Dabei ist alles passiert, was so einem Kindermädchen passieren kann. Graham ist anfangs einer jener Kids, die Tennessee Williams ‘halslose Monster‘ genannt hat. Er muss mal, er kotzt, wird krank, macht Sauerei und liebt die Nanny natürlich erst am Ende. Auch der meistens abwesende und abweisende Mr X (Paul Giamatti) grapscht Annie eigenartigerweise nur halbherzig an den Hintern. Bleibt nur als einzig positiver Gag, der optische und musikalische Hinweis auf Mary Poppins mit dem roten Schirm, aber auch nur ganz flüchtig und ganz kurz. Da war mehr drin. Vielleicht war von zwei Regisseuren einer zu viel. | |
Di, 14.08.2012TV | Cube 2: HypercubeDie VerantwortlichenMan sollte schon den ersten Teil gesehen haben, denn beide bilden eine Dyade und gehören zusammen wie Pfeffer und Salz. Man hat die Schocker aus dem Vorläufer noch im Kopf und kann den Schauder mir viel tieferem Verständnis auskosten. Aber auch dieser Film allein für sich genommen ist ein Knüller der Extraklasse. Regisseur Sekula hat äußerlich einiges verändert (aufgehellt) und die Schockeffekte etwas reduziert. Es ist interessant zu sehen, wie viele Variationsmöglichkeiten es zu einem Thema geben kann. Diesmal haben alle Akteure etwas mit dem Bau des Hypercube zu tun, wofür sie mit ihrem Leben bezahlen – außer Kate, die Psychotherapeutin (Kari Matchett). Sie darf allerdings nur etwas länger leben Die Figuren zeigen hier sogar etwas Ironie. Alles läuft in Richtung auf eine Art Videospiel hinaus, das aus dem Ruder läuft. Dabei ist der Großkonzern IZON natürlich letztendlich der Gewinner. Wir erleben optisch, wie sich wechselnde parallele Realitäten kreuzen, in einem Raum aufeinander treffen und schließlich implodieren. Bis dahin haben wir gelernt, was ein ‘Tessarakt‘ ist oder das ‘Quantenchaos‘. Und es gilt wieder Zahlen zu entschlüsseln (60659). Es ist eine gute Fortsetzung, denn die Spannung bleibt, der Horror wird etwas runtergefahren und es gibt eine Lösung. Gnadenlos gut! | |
Di, 14.08.2012TV | CubeIm ZauberwürfelEine willkürlich zusammengesetzte Gruppe (u.a. eine Ärztin, eine Mathestudentin, ein Polizist, ein Büroangestellter und ein irres Genie) versucht aus einem räumlichen System zu entkommen, das so ähnlich aufgebaut ist wie der berühmte Zauberwürfel (Kubrick’s Cube). Alle tragen eine Uniform, es gibt kein Mobiliar und jede Wand sowie Decke und Boden haben eine lukenähnliche Schiebetür als Ausgang. Es gibt tödliche Fallen. Das System schlägt z.B. durch eine Säureattacke zurück. Ein Schocker am Anfang (einer wird in Scheiben zerlegt) hält lange an, bis am Ende noch einer draufgesetzt wird.
Mathematische Kenntnisse sind hilfreich, damit man das ‘kartesische Koordinatensystem‘ oder Primzahlen nachvollziehen kann. Andererseits reicht es auch wenn man ‘klangaktiviert‘ oder ‘Permutationen‘ versteht. Innerhalb der Gruppe kommt es dann zu Handgreiflichkeiten, Beleidigungen und Drohungen und sogar Mord. Einer wird ins Licht entlassen. Warum? Wohin? Bleibt unerklärt. Fortsetzung folgt.
Ein intellektueller Schocker, emotional erschlagend, furchterregend klaustrophobisch. Ein Albtraum, der einen noch lange verfolgt. | |
Mo, 13.08.2012TV | Die OutsiderDie Außenseiter1983 wusste niemand, dass fast alle Darsteller wenige Jahre später absolute Weltstar sein würden. Aber dass sie (‘die Brat Packs‘) das Potential bereits damals hatten, kann man deutlich sehen. Der Vergleich mit dem legendären Film von Nicholas Ray aus dem Jahre 1955 ist durchaus berechtigt und kann mit dem Klassiker mithalten. Hier sehen wir zwar keinen James Dean, aber dafür Matt Dillon als führendes Mitglied der ‘Greasers‘, sowie Patrick Swayze als Elternersatz für die zwei jüngeren Curtis-Brüder (Rob Lowe und C.T. Howell). Nicht zu vergessen Tom Cruise als echter Greaser und Diane Lane als Objekt der Begierde. Sie gehört zu den wohlhabenden ‘Socs‘. Die Anmache im Autokino und der Soundtrack mit viel Elvis-Feeling schaffen die Atmo jener Zeit. Es gibt Tote und Helden, jede Menge machohafte, coole Krawallmacher, die nichts raffen und wenige Vernünftige, die sich aber nicht durchsetzen können. Dafür ist viel Platz für deren Überlegungen. Sie zeigen stille Emotionen, mögen Lyrik und sind für manche Mädchen sogar interessant. Nur die drei Curtis-Brüder lernen wirklich aus ihren Erfahrungen und können sich nach einer klärenden Aussprache feuchten Auges umarmen. Die Generation der Eltern findet so gut wie nicht statt und wenn nur keifend. Dafür sehen wir aber ganz kurz die Autorin der Romanvorlage Susan E. Hintons als Krankenschwester.
Knallhart, sensibel bis an den Tränenrand und der Ausweg geht wieder einmal über die Bildung. | |
So, 12.08.2012TV | Neverland - Reise in das Land der AbenteuerPeter Pan und das ewige LebenSehr aufwendig gemachtes Märchen mit dem heute üblichen virtuellen Schnickschnack für alle Altersgruppen, obwohl die Jüngeren auf die Dauer doch nicht mehr mithalten können oder sich bei manchen Szenen die Augen zuhalten. Es ist nicht nur zu lang, sondern auch vor allem in der letzten halben Stunde etwas unübersichtlich. Die Handlung wogt hin und her ohne neue Impulse. Nach wie vor beeindrucken allerdings immer wieder die bombastische Riesenkulisse und die herzigen Baumgeister. Die Schauspiel-Crew ist bis auf Anna Friel als Kapitänin Bonny durchaus munter und unterhaltsam unterwegs. Bonny bringt es nicht als quasi ‘böse Hexe‘ und verliebte Piratenbraut, die aber letztlich eigene Ziele verfolgt. Dagegen gelingt Rhys Ifans als James Hook eine ambivalente Charakterfigur und Q’orianka Kilcher bringt als Aaya von Hause aus den exotischen Touch zwischen Piraten und Indianer. Bob Hoskins, der den Smee verkörpert, gehört schon fast zum Inventar. Und alle wollen natürlich ewig leben. Eine gewisse Zeit kann einen die Fantasievielfalt schon beeindrucken, aber auch pausenloses Staunen ist anstrengend. Etwas weniger wäre mehr gewesen. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.