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Bewertungen

Sa, 04.08.2012
Kino | Kick it like Beckham OV
Culture Clash4 Sterne
Der titelgebende Fußballheld der 90er Jahre muss hier nur als Aushängeschild herhalten. Heute verdient er wohl seine Millionen eher als Werbeträger. Es reicht, um das Interesse der Zuschauer zu wecken. Und die werden nicht enttäuscht. Die locker flockige Inszenierung lässt einen die tragischen Aspekte der Integration glatt vergessen. Der Film lebt von diversen Gegensätzen. Die von zwei Kulturen: hier die indische Tradition und da die moderne englische Lebensweise. Wobei nach allen Regeln der Kunst mit gängigen Klischees gespielt wird, wenn es um Wertvorstellungen geht. Heiraten oder Karriere, Gehorsam oder Respekt. Dann zwei Mädels (Keira Knightley und Parminder Nagra), die sich zwischen Freundschaft und Rivalität entscheiden müssen. Die Komik liefern die hilflosen Mütter, die Dramatik die Töchter. Nicht nur Fußballfans können sich an den schnell und gut geschnittenen Ausschnitten des Spiels erfreuen. Es gibt auch noch optische Spielereien aus der Fantasiewelt der Akteure, die den Spaßfaktor erhöhen. Alles gipfelt in einer Parallelhandlung von Fußball und Hochzeit. Auf diese Weise kommt auch noch etwas Spannung auf. Und dann findet Regisseurin Chadha eine integrationsgerechte Lösung mit zwei Siegerinnen. Im Vergleich zu anderen Filmen über Integration hat dieser hier einen hohen Unterhaltungswert.
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Sa, 04.08.2012
TV | Leila - Die Tochter des Harki
Appell an Toleranz und Zivilcourage4 Sterne
Es ist ein Lehrstück mit Spielfilmcharakter. In den 70er Jahren gab es in Frankreich Auffanglager für Emigranten aus Algerien, hier z.B. die Familie Allouche. Zwei Einstellungen werden deutlich: der Vater Said (Abel Jafri) ist zunächst unterwürfig und dankbar, in Frankreich sein zu dürfen. Seine Tochter (Leila Bekhti) hingegen fordert Freiheit und Menschenrechte. Sie gehört zusammen mit Aischwarya Rai (‘Hüterin der Gewürze‘) und Parminder Nagra (‘Kick it like Beckham‘) in die Galerie der schönsten, orientalischen Filmfrauen. Aber im Grunde kann sich die Geschichte so oder so ähnlich immer noch überall in den reichen Industrieländern abspielen. Insofern ist der Film leider von zeitloser Bedeutung, also immer noch wichtig. Es geht um Schwierigkeiten bei der Integration und zwar auf beiden Seiten dieser Parallelgesellschaften: Lager – dörfliches Umland. Vater Said hat als Harki für Frankreich gekämpft, die Dörfler nennen ihn ‘Kameltreiber‘. Er versucht seine Tochter Leila zwangsweise zu verheiraten. Aber die verliebt sich in einen Mitschüler Jérome (Pierre Perrier). Da werden traditionelle Werte wie die absolutistische Stellung des Familienoberhauptes und der Familienehre hinterfragt und relativiert. Letztendlich gibt es nur einen Weg, der aus diesem Teufelskreis herausführt: Bildung. Das ist die zeitlose Botschaft des Films. Richtig gut, interessant und wichtig.
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Fr, 03.08.2012
TV | Die schwarze Windmühle
007 gegen MI5 und IRA3 Sterne
Gute, alte Wertarbeit aus den 70er Jahren. Über die Anleihen an 007, der damals gerade seinen zweiten Frühling erlebte, kann man heute nur schmunzeln. Sie tun der Spannung keinen Abbruch. Da gibt es ein Pendant zu ‘Q‘ oder eine ältere Ausgabe von Mss Moneypenny. Ganz zu schweigen von dem bewussten Versprecher beim Namen eines Agenten ‘Sean Connery - äh - Sean Kent‘. Als Frau des Agenten John Tarrant (Michael Caine cool wie immer) bringt die großartige Janet Suzman als Mutter sogar noch einen Hauch von Tragik mit ein. Zwei renommierte Bösewichter in diesem ‘Diamantenfieber‘ gibt es: Delphine Seyrig, der das allerdings schlecht bekommt, sowie John Vernon, der als krimineller Fährtenleger eingesetzt wird. Mit ihm läuft die actionreiche Handlung auf die titelgebende ‘Schwarze Windmühle‘ zu, wo auch der erwartete Showdown stattfindet. (Schön das tropfende Blut, das den Bösewicht verrät!). Erwähnenswert zuvor das Bad im von Rotwein gefluteten Keller und die rasanten Verfolgungsjagden – eine Spezialität von Don Siegel. Hier werden die Zeiten des MI5 und MI6 dargestellt, als sich Spionage noch auf Wanzeneinbau und Abhöranlagen beschränkte. Ein All-Time-High an Spannung, so richtig gediegen gut.
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Do, 02.08.2012
TV | Moonlight & Valentino
Trauerarbeit2 Sterne
Über den Verlust ihres Mannes versuchen drei wichtige Bezugspersonen Rebecca (Elizabeth Perkins) hinwegzutrösten. Ihre Freundin Sylvie (Whoopi Goldberg), die für spaßige Unterhaltung zuständig ist, ihre jüngere Schwester Lucy (Gwyneth Paltrow), ein rotzfrecher Freak und ihre wohlhabende Stiefmutter Alberta (Kathleen Turner), die für harte Konfrontation eintritt. Diese vier hat Regisseur David Anspaugh äußerst lebendig in Szene gesetzt, mit viel weiblicher Intention, sehr gefühlvoll und sehr persönlich. Bis an den Rand der Sentimentalität und teilweise auch darüber hinaus. Jeder mögliche Frauenstatus ist vertreten: verheiratet, unverheiratet, geschieden und verwitwet. Das muss aber in einem Endlosgeschnatter enden, bis Jon Bon Jovi kommt. Und da sind wir auch schon beim sympathischen Titel. ‘Moonlight‘ ist halt doch nur als vorübergehender Lampenputzer zu gebrauchen. Rebeccas seelischer Befreiungsschlag am Ende ist ansatzweise durchaus nachvollziehbar: der Hexensabbat am Friedhof mit den dreien aber letzten Endes grenzwertig. Es läuft auf eine echt typisch weibliche Lösung hinaus: Gut, dass wir mal drüber geredet haben! Über den Inhalt kann man sich durchaus streiten, über die schauspielerischen Leistungen nicht.
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Do, 02.08.2012
TV | Stadtneurosen
Die Zufälle des Lebens4 Sterne
Der Titel passt zum Film wie der Fisch zum Fahrrad. Aber auch der des norwegischen Originals hilft da nicht weiter. Die Geschichte von den getrennt aufgewachsenen Halbgeschwistern Axel (Hermann Sabado) und Yanne (Bang Chau) wird recht interessant erzählt. Nachdem man das anfangs etwas verwirrend erscheinende Personenpuzzle durchschaut hat, nimmt einen die gut getimte Situationskomik gefangen. Die Figuren sind vor allem durch den jeweiligen persönlichen Hintergrund sehr komplex geraten. Wobei die Skala vom traumatisierten Ex-Soldaten Per (Mads S. Pettersen) bis zur im Ausland als Spülfrau und Putze arbeitenden Mutter reicht (großartig Agnieszka Grochowska!) Auch die negative Seite des ‘imbedded journalism‘ wird an einem Exempel verdeutlicht. Die verschiedenen Handlungsstränge sind ganz unaufdringlich miteinander verknüpft und offenbaren am Ende fast unbemerkt, dass die Lösung der zwischenmenschlichen Probleme die Liebe ist. Sie schafft es, dass die Geschwister auf einander zugehen und sich auch für andere öffnen. Einige ungewöhnliche Einstellungen erfordern schon Hingucker. Selbst der Sex ist interessant. Zu Recht preiswürdig.
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Di, 31.07.2012
TV | Der Vorleser
Der Vorleser & die Analphabetin5 Sterne
Die Unterschiede bei diesem eigenartigen Liebespaar könnten größer nicht sein in Bezug auf Alter, Bildung und Herkunft. Aber was sie wirklich trennt, ist ihre Vergangenheit. Er hat noch keine und sie, diese Hanna Schmitz, war KZ Aufseherin. Damit bekommt diese äußerst sensibel erzählte Liebesgeschichte eine weitere Dimension: die Deutschen und die Nazis. Es stellt sich die Frage nach Schuld und Verantwortung, nach dem berühmt berüchtigten ‘Schlussstrich‘ und die beantwortet der Film auf seine Weise. Ein hervorragend besetztes Ensemble aus Deutschen und Briten überzeugt bis in kleinste Nebenrollen. Unglaublich vor allem Kate Winslet sowohl als gefühlvolle Verführerin, als auch als barsche Frau, in der immer noch die Aufseherin steckt und die der Welt der Literatur doch so hilflos und unbedarft gegenübersteht. Ebenso großartig der junge, unschuldige Vorleser David Kross. Bruno Ganz bringt als Professor den intellektuellen Überbau (Jaspers ‘Die Schuldfrage‘) ein. Erwähnenswert ist auch der Hinweis auf die hervorragende Schnittfolge. Dieser ‘Goldene Schnitt‘ ist handlungsdienlich, informativ und kontrastbildend. Das emotional menschliche Highlight ist das Treffen der beiden nach vielen Jahren im Gefängnis, das schmerzhafteste die Erkenntnis, dass Hanna, wie sie sagt, nichts dazugelernt hat, außer Lesen. Und doch handelt sie anders. Gelungen sind auch die zwei Teile des Epilogs, die die Handlung gekonnt kreisförmig abrunden bzw. den Gedankengang weiterspinnen. Großes Gefühlskino mit intellektuellem Überbau anspruchsvoll umgesetzt.
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Mo, 30.07.2012
TV | Rache ist süß
Die Rache der Komödianten3 Sterne
Malcolm Mowbray ist keine tief schwarze Komödie gelungen, sondern eher eine hellgraue. Aber die hat den britischen Charme voll drauf. Nicht nur das ländliche Ambiente stimmt einen auf das Geschehen ein, es sind die hervorragenden Hauptdarsteller, allen voran Helena Bonham Carter als Karen Knightly. Sie wird bis zur Unkenntlichkeit hässlich geschminkt, wobei sie ihre Wandlungsfähigkeit beweisen kann. Daneben wirkt Sam Neil als Henry Bell fast etwas farblos, weil normal. Der Racheplan, den beide aushecken, ist nicht neu und es kommt am Ende ohnehin alles anders. Im Großen und Ganzen sind die Situationen, die Personen und teilweise auch das Ambiente recht skurril. Wenn z.B. der Hering als fester Bestandteil des englischen Frühstücks auf Sam Neils Hosenschlitz fällt oder ein überstürztes Nümmerchen im Pferdetransporter zwischen Henry Bell und Imogen Staxton-Billing (Kristin Scott Thomas) nicht zum Vollzug kommt. Das Feuer am Ende ist vorhersehbar, HBCs letzter Auftritt an der Orgel weniger. Ein netter Schlussgag. Man fühlt sich einfach gut unterhalten. Nett, amüsant und very British.
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So, 29.07.2012
TV | Tropic Thunder
Tropischer Donner2 Sterne
Zwei Dinge sind an diesem Film bemerkenswert: erstens die große Zahl an Promis, die zum Teil bis zu Unkenntlichkeit verfremdet worden sind, wodurch sie viel lockerer aufspielen können, weil ihnen kein Imageschaden droht, z.B. Tom Cruise. Den Regisseur Ben Stiller dagegen erkennt man sofort. Das Zweite ist der schmale Grat, auf dem dieser Film lange Zeit zwischen Klamauk und echtem Kriegsfilm hin und her wandelt, bis er sich letztendlich doch für ersteres entscheidet. Damit brechen aber auch alle Schleusen der Zurückhaltung und es kann frech, frivol und freizügig zur Sache gegangen werden. Es ist der ‘ultimative Film über den Vietnamkrieg‘, dem kein Denkmal gesetzt, sondern der mit deutlichem Touch ins Makabren auf Arm, Schippe oder anderes genommen wird. Hier wird ein Feuerwerk des vorsätzlichen Schwachsinns gezündet, das sich nicht scheut auch unterhalb der Gürtellinie bzw. in deren unterste Schublade zu greifen. Optisch gibt es diverse Anleihen bei den großen Vietnamfilmen wie Platoon oder Apokalypse Now. Als Preis würde ich dem Film den darin erwähnten ‘Schreienden Affen‘ für durchaus angemessen halten.
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Sa, 28.07.2012
TV | Gaspard der Bandit
Laaangeweile puuur0 Sterne
Die Zutaten zu diesem Gulasch sind recht vielfältig: es gibt Bildung (inklusive Tischmanieren), ein Mann (Jean-Hugues Anglade) zwischen zwei Frauen Mariette (Armelle Deutsch) und Anne (Natascha Regnier). Also schwingt auch genügend Liebe mit. Es gibt eine Theaterszene mit Kartätschen neben Verrat, Raub und Eifersucht. Alles läuft ab wie im normalen Alltag: Räuber wird gefasst und hingerichtet. Zuvor hat er noch eine vernachlässigte Ehefrau verwöhnt. Es ist nichts Besonderes an diesem Film, nichts Überraschendes, was unsere Neugier wecken könnte. Die Bilder sind im Rahmen des üblichen Kostümschinkens anzusiedeln, die Schauspieler ziehen keine echte Schau ab. Alles plätschert so dahin wie bei einem Lebenslauf der uninteressanten Art und ähnelt eher einem Telefonbuch. Da steht auch viel Wichtiges drin, was so zum Leben gehört. In der Gerichtsverhandlung wird dann zu allem Überfluss auch noch über das Glück und die Störung der öffentlichen Ordnung philosophiert. Langweilig, überflüssig, unterirdisch. Wofür manche Produzenten so ihr Geld aus dem Fenster werfen?! Ein Film, den die Welt nicht braucht. Glatte Materialverschwendung!
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Sa, 28.07.2012
Kino | Bis zum Horizont, dann links!
Der Ausflug3 Sterne
Der Film schafft es, eine gelungene Balance zu schaffen zwischen einem Oldies Spaß und einer ernsthaften Darstellung der Probleme der Alten. Das wechselt so ganz nett hin und her, wobei das hervorragende Ensemble – angeführt von Angelica Domröse und Otto Sander – seinen Beitrag leistet. Viele Episoden sind allerdings etwas kurz geraten, wären ausbaufähiger gewesen. So bleibt vieles nur als Andeutung im Raum stehen; wie z.B. das Liebesverhältnis von Schwester Amelie (Anna Maria Mühe), weil das ja auch wichtige Komponenten für die spätere Entwicklung enthält (Pistole!). Auch das zart angedeutete Liebeswallen von Sander und Domröse bot noch Möglichkeiten. Ganz im Sinne der eigentlichen Intention: ernsthaft aber nicht traurig, lustig aber ohne Klamauk. Der Witz in den Dialogen kommt von der oftmals entwaffnenden Offenheit der Alten oder ihrem knorrigen Eigensinn. Und das zündet immer! Das gilt vor allem für den ersten Teil im Seniorenheim ‘Abendstern‘. Doch dann gehen dem Drehbuchschreiber die Ideen aus und es wird fade. Und was das Ende betrifft rettet man sich in Richtung Märchen. Das verzeiht man den sympathischen Oldies und würde gerne mit ihnen weiter träumen. Gelungener, etwas knapp geratenen Spaß mit den Alten, ein Thema, das zu Beginn des 21. Jahrhunderts offenbar Konjunktur hat.

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Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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