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Fr, 27.07.2012
TV | Der elektrische Reiter
Sony und sein Rising Star4 Sterne
Sydney Pollack verbindet mit seiner herben Konsumkritik auch noch das Recht der Tiere auf ein freies Leben. Hier werden Mensch und Tier (Pferd) von Konzernen ausgebeutet und für ihre Zwecke vermarktet, bzw. medikamentös ruhig gestellt. Und diese Glamourwelt kommt natürlich in Las Vegas am besten zu Leuchten. Der Werbereiter (Robert Redford) trägt ein Kostüm mit lauter leuchtenden Glühbirnen. Das ist einzigartig und unvergesslich in der Bilderwelt des Films! So wird er auf seinem Ritt in die Wüste zunächst noch ein Teil der Neonwerbung, bevor er sich und sein Pferd davon befreit. Dieser Gegensatz von unberührter Natur und künstlichem Stadtleben bleibt prägend. Bis hinein in die Love Story mit Jane Fonda. Die vollzieht sich sehr vorsichtig und einfühlsam mit gut pointiertem Humor. In einer Nebenhandlung überzeugt sein Ex (Valérie-Lenny-Perrine). Sie meint zu ihm ‘Du läufst doch nur noch rum, um die Begräbniskosten zu sparen. ‘ Dabei hasst er den Publicity-Rummel. Wenn das ganze Land hinter ihm steht, ‘müsse er sich ja ständig umdrehen. ‘ Toll die Verfolgungsjagden von Reiter und Motorradfahrer. Die gewinnt natürlich das 12 Mio. $ Pferd. Reiter und Journalistin werden zu Verbündeten. Und zwei Wandlungen gibt es obendrein: aus dem alkoholabhängigen Werbereiter wird ein selbstbewusster Tierfreund und seine Freundin wird von einer storygeilen Journalistin, jemand, der sein Land fortan mit anderen Augen sieht. Ein zeitloser Klassiker, gut gemachte Unterhaltung.
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Fr, 27.07.2012
TV | Picknick
Einfach mal raus1 Stern
Bei aller Liebe, aber das ist verbranntes Heu. Regisseur Sitaru macht auf stilvoll, mit viel Wackelkamera. So blickt die Linse fast immer mit den Augen der Akteure um sich. Aber es passiert eigentlich fast nichts. Was unklar bleibt, soll geheimnisvoll daherkommen und die ständigen Streitereien des Pärchens Iubi und Mihai, das an einem See Picknick macht, stehen oft unmotiviert im Raum. Vieles bleibt im Ansatz stecken, unausgegoren und langweilig. Will sie nun ausbrechen oder was? Selbst die auftauchende Wanderhure Ana (Maria Dinulescu), die die beiden anmacht, (ihr fasst sie unters Röckchen, er verkneift es sich) bleibt schal und unklar. Auch der ständige Blick auf Anas üppigen Busen ermüdet auf die Dauer. Man fragt sich, was soll das Ganze? Lange Diskussionen, bei denen man vergeblich einen Sinn sucht, Streit wegen Belanglosigkeiten. Warum tun die sich und uns das an? Die Story geht aus, wie das Hornberger Schießen. Falls ich das am Ende aus der Distanz verschämt gezeigte auf einander rumreiten im Auto richtig erkannt habe, klappt es dann doch wohl bei den beiden Protagonisten (Adrian Titieni und Ioana Flora). Wieso eigentlich? Da verstört einen nichts, weil die Langeweile alles vernebelt. Wenn das Indi sein soll oder Erstling oder Arthouse? Dann ist es von alle dem unterste Schublade.
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Mi, 25.07.2012
TV | Don Mariano weiß von nichts
Polizei contra Mafia4 Sterne
Ein klassischer Anti-Mafia-Film von Damiano Damiani, der sich ja öfters mit der Cosa Nostra filmisch auseinander gesetzt hat. Zwei Handlungsstränge verlaufen hier parallel: die Ermittlungen der Polizei unter Capitano Bellodi (totalo coolo Franco Nero) und die Aktivitäten der ‘Ehrenwerten Gesellschaft‘ mit Don Mariano (Lee J. Cobb) an der Spitze. Das geniale an dieser zeitlosen Verarbeitung des Themas ist, dass beide Lager mit speziellen Methoden arbeiten, um zum Ziel zu kommen und sich außerdem, da örtlich gegenüber angesiedelt, mit dem Fernglas beobachten können. Die eine Seite fingiert Geständnisse und Verhaftungen, die andere zahlt Bestechungsgelder. Zwischen den Fronten Rosa (Claudia Cardinale), die von Don Mariano abhängig ist und von der Polizei zur Aussage gedrängt wird. Ihre schauspielerische Leistung grenzt an die der Loren in ihren besten Zeiten. Grandios auch Serge Reggani als Spitzel. Er sitzt zwischen allen Stühlen. Sein Wiederauftauchen nach der Ausgrabung mit dem Korken im Mund vergisst man so schnell nicht. Dieser sonderbare deutsche Titel enthält die Binsenweisheit der drei Affen oder wie man in Palermo sagt ‘Wer nichts weiß, lebt länger‘. Ironischerweise bezieht sich das aber auf den Boss selber. Interessant auch das lapidare Ende: der lachende Dritte in dieser Auseinandersetzung ist die Politik. Ja, so sind die Verhältnisse nun mal, nicht nur in Italien. Spannend wie das Leben selber.
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Di, 24.07.2012
TV | Wicker Man - Das Geheimnis der Insel
Der Korbmann2 Sterne
Eigentlich halte ich Neil LaBute für einen ernstzunehmenden Regisseur. Aber was er sich hierbei gedacht hat, erschließt sich mir nicht. Will er die Welt der Esoteriker als eigenes Universum karikieren, in dem eigene Gesetze gelten, dazu braucht’s mehr bissige Satire. Da reicht es nicht, wenn John Cage als ermittelnder Cop mal so ganz plötzlich einer ‘Schwester‘ einen Schwinger versetzt oder sich mit ‘Schwester‘ Honey (Leelee Sobiesky) prügelt. Oder aber soll hier wieder einmal ein alter keltischer Brauch dokumentiert werden? Das Verbrennen eines Mannes als Opfergabe an die Götter in einem Weidengeflecht, das die Form eines Menschen hat? Dann passen die Rückblenden in s/w ebenso wenig wie unrealistische Einblendungen, wenn auf einem Schiff ein Zug durchs Bild fährt. Vielleicht ist es ja der emanzipatorische Aspekt, der hier zum Tragen kommt: ein Frauenstaat, ähnlich dem der Bienen, angeführt von Schwester Summersisle (Ellen Burstyn), der die Männer als stumme Drohnen bezeichnet und sie nur zur lieblosen Fortpflanzung braucht. Dazu fehlt die nötige Konsequenz und die Vater-sucht-Tochter-Story wirkt etwas daneben. Man kann eventuell darüber schmunzeln, dass diesmal der edle John-Tempelritter-Cage als Opfer im geflochtenen Manderl sitzt und dass seine Ex auf den Namen Weidenbaum hört. Versatzstücke aus ‘Killerbienen‘, dem ‘Fog‘ und den ‘Trauernden Gondeln‘ werden erkennbar eingesetzt und so entsteht eine kryptisches Gemisch aus Horror, Cop-Thriller, Folklore Doku und ein bisschen Mystery. Nicht aus einem Guss, sondern ganz schön viel verschüttet. K.V.
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Mo, 23.07.2012
TV | Sin Nombre - Zug der Hoffnung
Ohne Namen4 Sterne
Der Film ist zu Recht mit Preisen überhäuft worden. Ohne große Umschweife kommt es gleich zu einer stimmigen Hinführung ins Thema. Wir sind in der kriminellen Welt der Tattoos, der Gangs und der Slums. Die Männer bringen mit ihrem Macho-Gehabe die Gewalt ein, die Mädels die Emotionen. In expressiven Bildern werden die hier herrschenden Machtstrukturen einer brutalen Hierarchie geschildert. Exekutionen als Strafe neben einem brutalen Aufnahmeritual. Da ist kein Platz für Individualität, das Überleben sichert nur die Treue zur Gang. Wer da ausbricht ist tot. Casper (Edgar Flores) versucht es. Er rettet Sayra (Paulina Gaitan). Beide versuchen auf dem Dach eines Güterzuges, eine hier übliche Art zu reisen, über Mexiko in die USA zu gelangen. Das Milieu ist authentisch, die grausame Konsequenz bis zum Ende logisch und voller Spannung. Besonders der dramatischen Höhepunkte am Grenzfluss geht unter die Haut, weil hier auch noch Emotionen berührt werden. In der Figur des kleinen Smiley (Kristian Ferrer) wird die Werteskala deutlich, um die es hier unter anderem geht: Zuneigung und Vertrauen gegen Angst und Verrat. Und als Beweis immer wieder Mord. Casper und Sayra haben keine Chance, aber sie nutzen sie. Packend, emotional, lebensnah.
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Sa, 21.07.2012
TV | The Rainbow Maker
Der Regenbogenmacher2 Sterne
Das Märchen mit dem poetischen Titel ist wunderschön in Bilder umgesetzt, die Darsteller sind nicht schlecht, vor allem die weiblichen sind ausnehmend gutaussehend. Zwei von ihnen: Freundin und Pilotin Lia (Chulpan Khamatova) ist locker unkonventionell und Ex Ehefrau Elena (Anna Antonowicz) der Feuerschopf ist auch nicht übel in ihrer Rolle. Zwischen den beiden Frauen der umschwärmte Vater Datho, der bekannteste Darsteller im deutschsprachigen Fernsehen Merab Ninidze. Die Kinder sind recht aufgeweckt, der Tod ist weiblich und hat auch noch Lust auf Sex. Sogar ein Happy End gibt es. Dennoch zündet der Film nicht. Er ist nett gemeint, aber nur halbherzig gemacht. Das Drehbuch ist zu unentschlossen, wie z. B. die Liebesszenen, die mehr einem griechisch-römischen Ringkampf ähneln und keine Emotionen transportieren. Die Figuren hüpfen alle so feenhaft leicht durchs Bild, ohne Bodenhaftung. Sie wirken oft kopflos hin und her gerissen, wie die besagten Blumenkinder. So bleiben sie bis ans Ende entrückt, unrealistisch wie das ‘Glückliche Ende‘. Schön anzusehen, aber per Saldo schwach.
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Mi, 18.07.2012
TV | Und immer lockt das Weib
3 Männer um BB2 Sterne
Wenn man den Originaltitel vervollständigen will, muss man ergänzen ‘…und damit kam Streit und Zweitracht in die Welt‘. Und das verdeutlicht der Film. Hier steht die Bardot zwischen drei Männern: sie heiratet den naiven Michel (Trintignant), liebt aber dessen Bruder Antoine (Christian Marquand) und wird vom reichen, ‘schläfengrauen‘ Curd Jürgens erwartungsvoll begehrt. Die Gesellschaft wirft ihr vor ‘faul, frech und unmoralisch‘ zu sein. BB mimt eine junge Frau, ‘die tut, was sie will und wann sie es will‘. In dieser Konsequenz stimmt das so aber nicht. Als Antoine sie am einsamen Strand vernaschen will, sagt sie erst ‘Nein‘ und tut es dann doch. (Wir sehen es aber nicht!) Überhaupt gibt sich BB hier ziemlich zugeknöpft. In den prüden 50er Jahren reichte bereits ihr hüftenschwingender, aufreizender Gang, ein laszives Räkeln in der Brandung oder ein wilder Veitstanz. Und sie zieht sich auch vor dem Ehemann aus, ohne etwas zu zeigen. Die Bardot soll eine Frau sein, die nur Unglück bringt und dabei ständig unglücklich ist. Den Schluss hat Ehemann und Regisseur Vadim wohl für sich selbst geschrieben: ein paar Ohrfeigen bringen sie wieder zur Vernunft und sie trabt brav mit Michel nach Hause. Als Lösung für den Kopf etwas zweifelhaft, für den Bauch dagegen wohltuend. Es ist nicht BBs bester Film!
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Di, 17.07.2012
TV | Beim Sterben ist jeder der Erste
Keine Erlösung2 Sterne
Weil eine ‘Flussfahrt‘ wohl 1972 nicht reißerisch genug war, fand man diesen genialen deutschen Titel. Da lob ich mir doch noch den anderen vom Sterben, von 007, denn da tut man es wenigstens zweimal. John Boorman, der alte Umweltaktivist, dachte bei seinem Titel wohl eher an ‘Erlösung‘ bzw. ‘Befreiung von dem Übel‘, was es für die Überlebenden der wilden Kanufahrt nicht gibt. Der Albtraum bleibt. Die Aufnahmen von der Wildwasserfahrt sind spektakulär und mit Tempowechseln gut getimed. Die Frage nach der Entsorgung der Leiche eines Hillbillys, die durch Notwehr herbeigeführt wurde, wird ausgiebig diskutiert. Neben dieser Last, die den Beteiligten trotz Notlüge auf der Seele brennt, überhöht Boorman das Ganze, indem der Ort der Handlung als Stausee demnächst überflutet werden soll. Damit sind alle äußeren Spuren verwischt, nur nicht die im Inneren von den damals noch unbekannten Ned Beatty und Ronny Cox. Die beiden anderen Jon Voight und Burt Reynolds waren keine Frischlinge im Filmgeschäft. Sie agieren aber hier in für sie recht ungewöhnlichen Rollen und sorgen für gute Unterhaltung.
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Di, 17.07.2012
TV | Der Tod kennt keine Wiederkehr
Marlowe mit Humor3 Sterne
Eine von verspielter Ironie getragene Marlowe-Variante. Man ahnt die inhaltliche Nähe zu den klassischen Bogart-Filmen und kann das Anderssein genießen. So witzig war Altman selten. (-‘Haben sie eine Katze? ‘ –‘Was soll ich mit ‘ner Katze, ich hab‘ ‘ne Mieze.‘ ) Es dauert ein bisschen bis der Film Fahrt aufnimmt, aber dann gibt es drei zeitlich getrennte, gut platzierte Schocker. Und die sind nur Mittel zum Zweck. Einer davon ist unvergesslich, wenn Gangsterboss Marty Augustine (Mark Rydell) seine Freundin nach dem Prinzip: Zuckerbrot und Peitsche behandelt, wobei die Peitsche eine Flasche ist. Der Spaß wird ebenfalls verstärkt durch manieristische Wiederholungen wie die fast bekleidungsfreien Nachbarinnen oder den filmbegeisterten Portier. Und selbst die etwas aufgesetzte Theatralik des versoffenen Genies Roger Wade (Altstar Sterling Hayden) im Streit mit Ehefrau Eileen (Nina von Pallandt) wirkt unverhohlen komisch, sowie die Bodyguards in Unterhosen (darunter der junge ‘Terminator!‘). Das Auto, das Marlowe überfährt, kann ihm nichts anhaben. Es ist offensichtlich viel wichtiger, dass der Zimmerkollege im Krankenhaus aus dem Film ‘Der Unsichtbare‘ stammen könnte. Letzte Überraschung am Ende hat eine nachhaltige Wirkung, stimmt aber auch etwas nachdenklich, weil untypisch menschlich. Lediglich der deutsche Titel ist eine Plattitüde. Man fragt sich unwillkürlich ‘Der Tod? Wie denn?‘
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Mo, 16.07.2012
TV | Susan ... verzweifelt gesucht
Die Suchanzeige2 Sterne
Größtenteils ist es eine Verfolgungsjagd mit vielen Verwechslungen, eine Schnitzeljagd per Annonce. Madonna spielt sich selber, Rosanna Arquette die gefrustete Ehefrau, die aus dem goldenen Käfig raus will. Im Verlauf wird die Suche nach Susan und ihrer vermeintlichen Doppelgängerin etwas unübersichtlich, wenn beide die Rollen tauschen. Da kommt ein Kunstraub etwas unter die Räder und im allgemeinen Finale geht fast unter, dass Rosanna nicht wieder zum Ehemann zurückgeht. Einzig die Atmo und der Zeitgeist sind gut eingefangen – auch dank Madonna. Ihre Fans lieben den Streifen. Man lebt in WGs, kifft und beklaut sich mehr oder weniger unabsichtlich gegenseitig. Die Discos haben psychodelische Farben und die Musik ist noch ziemlich verhalten in ihrer Lautstärke. Es gibt wenig zu lachen bei diesem Abtauchen in die Subkultur der 80er Jahre. Aber bereits damals waren Klamotten schon ein Markenzeichen dafür wer oder was ‘In‘ bzw. ‘Out‘ war. Hier ist es eine Jacke von Jimmy Hendrix. Man kann sich das Ganze anschauen wie ein Bilderbuch aus der guten alten Zeit. Ganz nett, ohne bemerkenswert zu sein, aber verdammt lang her!

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