Mo, 16.07.2012TV | Vor Blondinen wird gewarntDer Cinderella MannFrank Capra hat 1931 eine witzige Abrechnung mit den Reichen gedreht. Die Dialoge sind immer noch amüsant, die Argumente immer noch treffend und die Ironie kommt immer noch an. Reiche Lady heiratet armen Journalisten Stew Smith, der aber erst am Ende erkennt, dass er in Wirklichkeit Kollegin Gallagher (Loretta Young) liebt. Sie spielt unbemerkt-schmachtend aber hoch emotional.
Das Ganze ist ein gut getimter Aufbau über den Abbau der Faszination der Glamourwelt der High Society. Die wird mittels Kammerdiener und Sockenhalter, sowie einem Kanarienvogel im ‘goldenen Käfig‘ (sic!) der Lächerlichkeit preisgegeben. Auch von der Aufnahmetechnik überzeugt uns der Altmeister: s/w Rautenmuster im Boden (inklusive Kästchen-Hüpfen darauf) oder die Gegenlichtaufnahme hinter einer Brunnenfontäne. Diese Anmache ist auch von der Situation her gesehen besonders gelungen. Die Harlow spielt etwas flach die Blondine, dagegen ist Partner Robert Williams als ‘Aschenbrödel Mann‘ locker und lässig, d.h. sau-cool. Er fliegt förmlich durch den Saal und bezaubert alle mit seinem Charme. Und während sie im Who-Is-Who steht, findet man ihn nicht einmal im Telefonbuch. Klar, dass es mit den beiden nicht gut gehen kann. Gallagher gewinnt.
Die Lösung ist, dass Smith ein Theaterstück über seinen Ausflug in die Welt der Reichen schreibt. Gekonnt und immer noch gut. | |
So, 15.07.2012TV | Cash Truck - Der Tod fährt mitDer BegleiterDer Film liegt abseits vom Mainstream, was nicht unbedingt gegen ihn spricht. Im Gegenteil: die Machart (Drehbuch und Regie) ist außergewöhnlich. Ebenso das Thema: ein Geldtransport ‘Vigilante‘ (die Wachsame) wird von innen heraus überfallen. Dazu gibt es viele keine Nebenhandlungen die zusätzliche Aufschlüsse liefern, obwohl sie mit der Handlung nur sekundär zusammenhängen.
Besonders gut gelungen ist die Entschlüsselung der Hauptfigur Alex (Albert Dupontel), die so raffiniert dargeboten wird, dass kurze Andeutungen genügen. Und das ist äußerst komplex. Es geschieht nach und nach, manchmal auch recht unverhofft. Man ahnt, was Alex umtreibt und warum. Das reicht bis hin zu einer menschlich anrührenden Szene in einer Anstalt. Man fragt sich hier allerdings ‘Ist es die Ehefrau oder die Schwester, die man sieht? Die im Genre übliche Ballerei darf natürlich nicht fehlen, und zwar innerhalb der Truppe und gegen jugendliche Gangster nach außen. Hier sind Jean Dujardin und Francois Berléand mit von der Partie.
Der ganze Tonfall stimmt, das Verhalten innerhalb der Firma auch. Dazu gehört auch kiffen, saufen und dealen. Ganz zu schweigen von dem offenen, aber klaren Schluss (Falls man die letzte Zuckung von Alex richtig deutet). Gut, dass es noch solche Filme gibt. | |
So, 15.07.2012TV | Die sieben SchwerterSieben SchwertkämpferAllein der Titel, sowie ein Teil der Grundidee erinnern entfernt an den großen Akira Kurosawa. Ansonsten liegen Welten dazwischen und nichts Vergleichbares. Es ziehen Mörderbanden durchs Land und machen Kasse mittels Kopfgeld. Dabei gibt es jede Menge blutige Gemetzel und viel Gewalt – sogar beim Kurzsex. Auch Emanzen killen fleißig mit. Und falls es Fragen gibt, bekommt man als Antwort ‘Trink das Blut deiner Feinde und du wirst nie mehr Angst vor ihnen haben!‘
Was die Fans allerdings überzeugt sind die großartige Optik, die schnellen Schnitte und die temporeiche Action. Das fremdartige Ambiente und die Kostüme tun ein Übriges. Dann braucht man auch nicht über Sinn und Inhalt nicht diskutieren. Das nennt man Entertainment pur. Natürlich bleiben die Figuren etwas schablonenhaft, Charakterzeichnung ist eher unerwünscht, stattdessen Liebe und Verrat bzw. taschenpsychologische Erkenntnisse wie ‘Inmitten des Hässlichen gibt es auch Schönes!‘ Die letzten Bilder gehen dann wieder in memoriam Hollywood, wenn die Helden nach getaner Arbeit zwar nicht in den Sonnenuntergang reiten, sondern in die Wüste. | |
Sa, 14.07.2012TV | Die Moormörderin von ManchesterDer Lord und die MörderinWenn man vom effektheischenden deutschen Titel einmal absieht, (im Original steht nur der Name von Lord Longford) dann ist es eine christliche Psycho- und Sozialstudie, die auf einer wahren Begebenheit beruht. Anders formuliert, es ist ein Appell ans Vergeben im Sinne der christlichen Nächstenliebe. Die fürchterlichen Taten der Mörderin Myra Hindley (toll Samantha Morton) werden nie in Frage gestellt. Medien und Gesellschaft haben sie bereits vor Prozessbeginn verurteilt. Es geht hier eher darum, wie geht man mit einer Verurteilten um, welche Vergünstigungen (Freigang) kann man ihr gewähren? Was riskiert derjenige, der sich um sie kümmert und ihr eventuell hilft? Drei Blickwinkel tun sich auf: der von Lord Longford (wie immer großartig Jim Broadbent), der von Myra Hindley auf sich selbst und der ihres Freundes Ian Brady (Andy Serkis), offensichtlich der ‘Böse Finger‘ im ganzen Plot. Myra sieht sich als Engel, der in eine böse Abhängigkeit geraten war. Longford als echter Samariter geht seinen Weg unbeirrt weiter. Einstellungen im sozialen Umfeld ändern sich aber. Der Ruf von Lord Longford ist am Ende ruiniert. Er empfindet es jedoch als eine Bereicherung seines Seelenlebens. Als echter Christ liebt er den Sünder, aber hasst die Sünde. Wenn Broadbent und Morton nicht so toll in diesem spannungsarmen menschlichen Drama agieren würden, könnte man den Heiligenschein über ihren Häuptern erkennen. | |
Fr, 13.07.2012TV | Was Du nicht siehstDreh an der SchraubeErst wundert man sich über den unvollständigen Titel und ergänzt den Vorsatz: ‘Ich sehe was,…‘, dann fragt man nach dem Bezug zum Film. Über Dreiviertel ist ein Ferienspaß am Meer von Anton (Ludwig Trepte) mit Mutter und Freund sowie den Geschwistern David (Frederick Lau) und Katja (Alice Dwyer). Dann versucht Regisseur Fischer die Handlung in Richtung Mystery zu lenken. Hund und Freund müssen recht emotionslos dran glauben. Dann stochert man im Nebel. Lange, stille Einstellungen sind mit choralähnlicher Musik unterlegt und suggerieren tiefsinnige Hintergründe. Die Handlung ist bewusst auf Distanz gehalten, oft mit Unschärfen. Die Dialoge sind vielfach steif und unnatürlich. Das Verhältnis von Mutter (Bibiana Beglau) und ihrem Freund als Kontrastmittel etwas unausgegoren. Und weil das alles offenbar nicht reicht, dreht Fischer noch etwas an der Schraube à la Henry James. Am Anfang kommt ein Auto die Küstenstraße entlang gefahren, am Ende fährt es wieder weg. Das war’s! Ein intensives Psychodrama? Drama – ja, Psycho – vielleicht, intensiv – weiniger.
Aber als Debüt kann man den Film noch akzeptieren. | |
Do, 12.07.2012TV | Ein gutes HerzSelbstmord trifft HerzinfarktDie beiden Charaktere, die sich hier auf der Krankenstation treffen, können unterschiedlicher nicht sein: Jacques, ein alter, herzkranker, ständig fluchender Barbesitzer (Brian Cox) und Lucas ein junger, mittelloser im Pappkarton schlafender Penner (Paul Dano). Quasi das Weichei und die Kratzbürste! Es gelingt Jacques aus Lucas einen Barkeeper zu machen. Selbst als Lucas von Amors Pfeil in Gestalt von April (Isild Le Besco) getroffen wird, schaffen es die beiden Rabauken mit einander hinzukommen. Es wird überzeugend dargestellt, wie der Alte vielleicht wegen seines Herzfehlers sanfter und der Junge kalt und verbittert wird. So könnte sich ein Happy End anbahnen…wenn das Leben nicht völlig unverhofft von seiner grausamsten Seite zu schlagen würde. Eigentlich wollte Lucas nur die Ente Estragon einfangen… Hier kommt die doppelte Bedeutung des Titels in Spiel. Unkommentiert und ohne Dialoge ziehen Bilder vom OP Saal vorbei. Man ahnt wer das gute Herz spendet und wer es empfängt. Zur leichteren Verarbeitung des finalen Schocks gibt es noch ein paar versöhnlich stimmende, leicht überzuckerte Bilder, die so gar nicht ins Bild passen.
Im Großen und Ganzen aber atmosphärisch stimmig, in dunklen Farben gezeichnet und mit vielen lebhaften Gästen an der Theke, ist das Indie-Produkt recht gefühlvoll inszeniert. | |
Mi, 11.07.2012TV | CollateralGefährlicher BegleiterDie Story ist neu und nicht schlecht aufbereitet: Vincent, ein Auftragskiller (Tom Cruise) als Taxipassagier. Das geht recht flott und nicht unspannend von der Hand. Dabei entsteht sogar eine Art Verhältnis zwischen den beiden, das bis ins Privatleben des Taxi Drivers (Jamie Foxx) hineinreicht. Während Tom Cruise den Killer mimt, freundlich aber eiskalt, spielt Jamie Foxx facettenreicher. Seine Rolle bietet variable Ausdrucksmöglichkeiten und dass macht er gut. Seine Persönlichkeit reicht von aufgeweckt clever bis da-steh-ich-drüber, ist mir schnurz egal. Nur so kann er überleben. Die Kreisform der Handlung ist auch ganz passabel durchdacht und basiert auf der Idee: im Leben begegnet man sich immer zweimal. Bis die Staatanwältin (Jada Pinkett Smith) dann allerdings wieder auftaucht, begegnen wir Jason Stratham per Anrempler sowie Xavier Bardem als stick-verteilendem Ganoven.
Tom Cruise wirkt am Ende etwas zu heldenhaft überhöht, als er Disney-Qualitäten entwickelt, bevor er dann wie ein lautloser Windfurz abtritt.
Mal was anderes. Nur gutes Mittelmaß. | |
Mo, 09.07.2012TV | Jenseits von EdenGiganten und GötterEs ist wohl von den drei James-Dean-Filmen derjenige, der einen mit seiner menschlichen Komponente am meisten packt.
Es geht um die Liebe in all ihren Variationen: Mutter-Sohn, Vater-Sohn, Bruder-Bruder sowie Jungs und Mädels. Die an der Entstehung des Films mitgewirkt haben (Steinbeck: Romanvorlage, Kazan: Regie) sind Giganten, der Hauptdarsteller James Dean ist ein Gott! Einer der Filme, die man bei begrenzter Fracht auf die besagte einsame Insel mitnehmen würde. Wenn man ihn nach Jahren wieder anschaut, ist es wie ein Wiedersehen mit guten, alten Freunden.
Allein die ersten Einstellungen sind genial. Man sieht nur eine Dame in schwarz und erfährt erst später wer sie ist. Daneben gibt es unvergessliche Bilder wie die im Eishaus, als Cal seinen Bruder Aaron und dessen Freundin Avra beobachtet oder wenn Cal und Avra innerlich auf einander zugehen. Die obere Körperhälfte wird von den Ästen einer Trauerweide verdeckt. Ganz zu schweigen vom Ende, das ein Anfang ist: der starre, großäugige Blick des Vaters (Raymond Massey) zur Zimmerdecke. Vorher durchläuft die Handlung die ganze Skala menschlicher Gefühle: ungerechtfertigte Eifersucht, maßlose Enttäuschung, Ehrgeiz, Trauer, aber auch überschwängliche Freude. Und all das geschieht auf der Suche nach Zuneigung. So ganz nebenbei bekommen die Kriegstreiber noch ihr Fett weg und es gibt eine Szene fürs Automobilmuseum: die erste Fahrstunde.
‘Jenseits von Eden‘ liegt zwar fern ab vom Paradies, gehört aber in den Film-Olymp. | |
So, 08.07.2012TV | Die Liebe eines DetektivsFreilaufende LiebeWer seinen Chandler und Hammett kennt, wird den Film genießen, wegen des Wiedererkennungswertes der Situationen. Hier ist besonders der Anfang und das Ende gleich und doch anders. Für die anderen ist es einfach gute Unterhaltung. Alan Rudolph, seit den 70er Jahren für eine kleine Fangemeinde Kult, versucht sich hier in der schwarzen Serie. Leider hat er nicht in s/w gedreht. Der Inhalt ist also klar: etwas vage, etwas mysteriös, ein geheimer Beschattungsauftrag für Harry Dobbs (Tom Berenger). Anne Archer spielt hier die somnambule Auftraggeberin. Rudolph spielt mit den Motiven und dreht noch einen Zacken weiter: Der Beschatter wird ebenfalls beschattet und beschattet den Falschen. Sonst weiß man Nichts Genaues. Die Dialoge schwanken zwischen Small Talk und Geheimniskrämerei. Man ahnt etwas von einem sehr gefährlichen Bigamisten. Es gibt Abstecher in die Welt der Western Saloons und komische Einlagen wie z.B. den berühmten Tango-Schwungkuss auf der Kniebeuge. Und es gibt auch ab und zu eine spektakuläre Szene, wie z.B. wenn Neil Young am Fensterkreuz baumelt. Vieles überrascht weil es genrefremd ist und der Zuschauer wie die Akteure bewusst im Dunkeln tappt. Kein echter Chandler oder Hammett, aber der Versuch ist es wert. Ein echter Leckerbissen, nur für Fans. | |
Sa, 07.07.2012TV | Auf der Suche nach der verlorenen ZeitVon der Unmöglichkeit der LiebeWenn man sich die über 4000 Seiten des Romans von Marcel Proust nicht antun will, ist der Film eine echte Alternative. Marcel, der Ich-Erzähler, liest uns aus dem Off quasi vor und die Kamera zeigt uns was wir hören. Das geht dann ansatzlos in die Dialoge über. So hat Nina Companeez eine äußerst werkgetreue Literaturverfilmung geschaffen. Vor allem die träumerischen Ausflüge des Helden, wenn seine Fantasie mit ihm durchgeht, werden gekonnt visuell umgesetzt. Wir erfahren die Bildersprache von Proust (‘Ich fühle mich wie eine Boa, die einen Ochsen verschluckt hat.‘) ebenso wie seine geistreichen Dialoge: Sagt die Mutter des Helden über eine Bekannte ‘Wie ich sie finde? Kann ich nicht sagen, denn ich finde sie nicht.‘ Gelungen ist, dass sich die Figurenvielfalt des Romans hier vor allem auf zwei konzentriert: den Erzähler und seine geliebte Albertine. Er, ein Dandy, kränklich, hypersensibel, eher etwas schwächlich, sie eine emanzipierte junge Frau, die ihn u.a. auch mit ihrer sapphischen Liebe irritiert. Toll gecastet Micha Lescot, der mit rotumränderten, glasig-feuchten Augen seine Umgebung bestaunt. Ganz anders dagegen Caroline Tillette als Albertine das inkompatible Gegenstück: stark und lebensfroh. In der Retrospektive erkennt Marcel erst als es zu spät ist, wie viel Zeit er verplempert hat, verloren hat. Die große Liebe bleibt unerfüllt und ist letztlich unmöglich, teilweise aus menschlicher Unzulänglichkeit.
Wer anspruchsvolle, literarische wertvolle Dialoge schätzt, kommt hier voll auf seine Kosten. Und auch für Augenmenschen ist etwas dabei. Ein Muss also! | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.