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Di, 26.06.2012
TV | Lost Highway
Die verloren gegangene Autobahn1 Stern
David Lynch versucht wahrscheinlich das Phänomen der Bi-Lokalität darzustellen, das Unsichtbare sichtbar zu machen. So zerstückelt er die Handlung und macht aus zwei Filmen einen. Der Zuschauer muss sich von einem Info-Brocken zum nächsten hangeln und sich durch die spannungsarme Handlung quälen. Zwischendurch wird er erschreckt durch die üblichen Angstmechanismen wie Spinnen und viel rote Farbe. Die Szenenfolge läuft ohne logische Zwangsläufigkeit ab. Das Schlimmste sind aber die äußerst platten Dialoge, die im Klischee ersaufen, gedrängt von den ausdrucksschwachen Schauspielern, die meistens so etwas sonderbar dreischauen. Das soll wohl ein Stilmittel sein. Ein Haus, das im Rückwärtsgang explodiert neben uninteressanten Sexszenen und dämlicher Gewalt sollen wohl die Zuschauer bei der Stange halten, die erfolglos gegen die Langeweile ankämpfen. Auf der Autobahn ist der Sinn verloren gegangen. Wenn ein Regisseur etwas zu sagen hat, soll er das bitte tun. Hier liegt - wie immer bei Lynch - die Schwerstarbeit beim Zuschauer. Er muss die Ungewissheit ertragen, sich durch den gewollt geheimnisvollen Plot kämpfen und am Ende sagen: toll, alles verstanden. Kult! Na ja, mein Verständnis von einem Kultfilm ist das jedenfalls nicht. Der arme Bill Pullman. Er schaut die ganze Zeit als hätte er gleichzeitig Durchfall und Verstopfung. K.V.
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So, 24.06.2012
TV | Der göttliche Mr. Faber
Der Antworten Mann2 Sterne
Eine stark überzuckerte Love Story zwischen dem erfolgreichen Buchautor Arlen Faber (Jeff Daniels) von religiösen Themen (‘Ich und Gott‘) und der alleinerziehenden Physiotherapeutin Elizabeth (Lauren Graham) mit heilenden Händen. Im Originaltitel ist er der Mann, der auf alles eine Antwort hat, (‘Die Hölle sind immer die Anderen.‘) nur sein eigenes Leben nicht in den Griff kriegt. Der Zuckerguss, der durch die rührselige Nebenhandlung verstärkt wird, überdeckt den Witz, sodass nur gelegentlich etwas Charme durchschimmert. Ansonsten schwankt der Plot zwischen New Age und religiösem Fundamentalismus, obwohl versucht wird, beides etwas lächerlich zu machen. Das gelingt aber nur am Ende mit der Darstellung der fanatischen Fangemeinde. Im Grunde liegen zwischen Arlen und Elizabeth Welten. Sie schaffen es nicht, weil sie zu verklemmt sind und in ihrer jeweiligen Vergangenheit verhaftet bleiben, über den eigenen Schatten zu springen. Und wenn es bei ihr nicht die berühmte Torschlusspanik ist, dann hat er sie wohl mit seinem religiösen Blah blah überzeugt. So reicht es am Ende nur zu einem Shake-Hands. Weil zu unentschlossen, treibt der Film an der Oberfläche der Unterhaltung davon.
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Sa, 23.06.2012
TV | Das Fest des Ziegenbocks
Chief der Unhold4 Sterne
Ein Vater-Tochter Drama vor politischem Hintergrund. Ein Vater bietet einem Diktator (Tomas Milian), den seltsamerweise alle ‘Chief‘ nennen, seine Tochter Uranita (Stephanie Leonidas) an, um zu überleben. In Rückblenden wird das Drama erzählt, das 30 Jahre zurückliegt. Das Zusammentreffen der beiden nach so langer Zeit zeigt welche Spuren das Ereignis hinterlassen hat. Die Tochter (Isabelle Rossellini) ist immer noch traumatisiert und unverheiratet geblieben, ihr Vater (Paul Freeman) kann nicht sprechen und sitzt gelähmt im Rollstuhl. Der grausame Umgang mit Dissidenten wird ebenso gezeigt, wie die Möglichkeit eines schnellen Aufstiegs für besonders erfüllungsbereite Schergen. Dem ‘Chief‘ geht es außer um junge Mädchen noch um Ordnung und Frieden. ‘Und bezahlt wird mit Blut! ‘, sagt er. Die Untat selber wird zwar ausführlich, aber eher abstoßend ins Bild gesetzt. Man spürt die Angst von Uranita, sowie den Ekel vor dem geilen alten ‘Bock‘. Heute kann sich der Vater nicht mehr entschuldigen und Urania kann ihm nicht verzeihen. Man kann den Übeltäter nur umbringen. Auch die Ausreden und Entschuldigungen der Verwandten werden vorgebracht. Hier werden die Emotionen angesprochen nicht so sehr die Spannung. Die menschliche Tragik eines unverzeihlichen Verbrechens egal aus welchen Motiven heraus es begangen wurde.
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Fr, 22.06.2012
TV | Der menschliche Faktor
Der Überläufer2 Sterne
Otto Premingers letzter Film mit viel Prominenz der 70er Jahre (z.B. John Gielgud, Richard Attenborough). Der Agentenfilm spielt während des Kalten Krieges als KGB und MI5 die höchsten Geheimnishüter in einem Sozio-ökonomischen Systemantagonismus waren. Weitere klangvolle Namen sind Graham Greene (Romanvorlage) sowie Tom Stoppard (Drehbuch). Im Mittelpunkt steht der zum Frontenwechsel bereite Maurice Castle (Nicol Williamson), weil er sich in die bildhübsche Bantu-Frau Sarah (Iman Abdulmajid) verliebt hat. Es wird wie immer die berühmte ‘undichte Stelle‘ gesucht. Dem Thema treu bleibend, gibt es hier aber keine Actionszenen oder Gewalt wie sonst üblich in dem Genre. In der Auseinandersetzung der intelligenten Köpfe in Ost und West (Spionageabwehr!) bleibt der menschliche Faktor auf der Strecke. Wir sehen wie jemand zum Verräter wird, weil er sich zu seiner Liebe bekennt. Diese Lovestory überdeckt etwas den politisch-diplomatischen Hintergrund. Somit fehlt eine wichtige Komponente für die Spannung. Dafür wird das zeitlose Phänomen des Rassismus näher beleuchtet. Lange Dialoge und eine etwas betuliche Inszenierung verdeutlichen das Alter des Films. Und auch der ironisierende Unterton geht fast unbemerkt vorüber. Es bleibt ein schaler Nachgeschmack – nicht nur wegen des offenen Endes. Heute braucht es in einem Spionagefilm einfach mehr Pfeffer in Wort und Bild, sowie Spannung bis kurz vor der Zerreißprobe. Das Kontemplative sollte in diesem Genre einfach nicht die Oberhand gewinnen.
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Do, 21.06.2012
TV | Die Außenseiterbande
Franz & Odile3 Sterne
Ein früher Godard, (34) in dem das Können des Meisters aber bereits sichtbar wird. Gleich zu Anfang erfährt man vom Off-Kommentar, worum es geht ‘Um viel Geld, ein Haus am Fluss und ein romantisches, junges Mädchen.‘ Verglichen mit späteren Filmen ist es eigentlich ein ganz netter, einfacher, voll von jugendlichem Übermut und dem auch damals (1964) schon vorhandenen Bedürfnis ‘cool‘ zu sein. Es beginnt als harmloser Schülerulk und endet in Mord und Totschlag ohne Tragik, eher als Romanze. Dazu passt ein lyrischer Kommentar. Wenn Arthur (Claude Brasseur), Franz (Sami Frey) und Odile (Anna Karina) mit der U-Bahn fahren, heißt es ‘Sie steigen unter die Erde hinab.‘ Natürlich buhlen beide Buben um die Maid. Und da ist auch noch viel Leichtigkeit und Humor im Spiel. Wenn z.B. die drei in Rekordzeit (9Min.) Jules&Jim-mäßig durch den Louvre rennen bloß um Zeit totzuschlagen. Oder Odile fragt einen aufdringlichen Gast ‘Haben sie gute Beziehungen zu Renaud? Dann könnten sie ihr Gesicht gegen einen Wagen eintauschen.‘ Aufhorchen lassen auch solche Szenen, wenn die drei eine Schweigeminute einlegen: dann ist der Ton total weggedreht. Zum Hingucken ist die Tanzeinlage (Madison) und wenn Odile Banknoten betrachtet sieht man nur in Großaufnahme die Gesichter von berühmten Franzosen auf den Franc-Scheinen. Eine Leuchtreklame zeigt an ‘Nouvelle vague‘. Eine nicht ganz ernst gemeinte Fingerübung über Antihelden, die ziellos durch die Banlieues ziehen mit dem Ziel, irgendwann mal von da wegzukommen.
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Do, 21.06.2012
TV | Heist - Der letzte Coup
Der Überfall4 Sterne
Endlich mal ein etwas anderer Gangsterfilm! Gleich die ersten Szenen machen deutlich, dass es Regisseur David Mamet hier nicht darauf ankommt, das übliche Überfall-Szenario abzuziehen. So bleiben uns die langatmigen Vorbereitungen, Planungen und Absprachen der Gangster erspart. Ihm geht es vielmehr darum, mit Tricks und Irreführungen die Zuschauer und sogar auch die Akteure hinters Licht zu führen. Das verbreitet so viel Spannung, dass man mit der Zeit quasi auf den nächsten Handlungsdreher wartet. Und der kommt bestimmt. Dabei ist das Ganze schwungvoll inszeniert und wird von flotten Sprüchen begleitet. Die, weil gut dosiert, ein zusätzliches Vergnügen bereiten. (z.B. ‘Der Typ ist so cool, dass die Schafe ihn zählen, wenn er einschläft. ‘) Bei dem Tempo kann man leicht übersehen, wenn es mit der Logik hapert. Man kommt gar nicht dazu, irgendwelche unklaren Dinge zu hinterfragen, weil man sich nie ganz sicher sein kann, ob ein Vorhaben getürkt ist oder nicht. Dazu hat Joe (Gene Hackman) auch ein gut eingespieltes Team mit Delroy Lindo, Ricky Jay und seiner viel jüngeren Frau Rebecca Pidgeon. Danny DeVito und Neffe Sam Rockwell geben die Bösen, so nur leidlich furchterregend, dafür aber temporeich. Ein echtes Heist-Vergnügen, bei dem man sich wie in der ersten Reihe sitzend vorkommt. Schwamm drüber über das Ende, aber eine Verbeugung von Gene Hackman.
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Do, 21.06.2012
TV | The Score
Kein Volltreffer1 Stern
Die Probleme beginnen schon beim Titel. Ein ‘Volltreffer‘ ist der Film auf gar keinen Fall und wer von den beiden Gangstern hat denn schon ‘Dusel‘? Die ersten 10 Minuten sind ja noch ganz unterhaltsam, wegen der prekären Situation in der sich Robert De Niro befindet, aber dann kommt eine Stunde Routine und Einbruchs-Klischee mit viel technischem Schnickschnack. Das übliche Vorspiel. Eine Love Story – kurz und herb angedeutet - darf natürlich auch nicht fehlen. Dann immer nur Drahtgitter, Tresor, Kletterpartie Funkenflug und wie immer nichts sehendes Wachpersonal. Das einzig wahre schauspielerische Highlight ist Edward Norton als mimender Spastiker. Und dass einer der beiden den anderen am Ende über den besagten Tisch ziehen wird ist klar, denn sie mochten sich von Anfang an nicht. Ebenso vorhersehbar, dass der Sieger natürlich letzten Endes Robert De Niro heißt. Ein Film vielleicht für ihn gemacht!? Nicht zu vergessen der unförmige Marlon Brando, der hier aber nur als Denkmal seiner selbst fungiert. Die Kamera hat seinen von Adipositas gezeichneten Körper ziemlich gut kaschiert ins Bild gesetzt. Was er zu viel hat, fehlt dem Spannungsfaktor. Zu viel Langeweile bei eintöniger Darstellung. K.V.
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Mi, 20.06.2012
TV | Die Ehe der Maria Braun
Die Liebe der Maria Braun4 Sterne
Das ist vielleicht der beste Fassbinder-Film. Er brachte dem Regisseur, der auf dem Gipfel seiner Kreativität stand, Anerkennung im In- und Ausland. Anhand einer beeindruckenden Story, mit vielen Details aus Musik (Glenn Miller) oder Nachrichten (Adenauer!) schildert er eine Epoche als die BRD die ersten Schritte in Richtung Wohlstand machte. Insofern ist der Film ein anschauliches Zeitdokument. Darüber hinaus hat Peter Märthesheimer ein Drehbuch geschrieben, mit treffenden Dialogen, das Fassbinder mit Superstar Hanna Schygulla in der Titelrolle hervorragend besetzt hat. Sie trägt und prägt den Film. Insofern wird hier ein Frauenschicksal der Nachkriegszeit beschrieben. Eva Braun (sic!) verdreht den Männern den Kopf, verbindet Emanzipation mit Geschäftssinn und einem ausgeprägten Durchsetzungswillen. Sie setzt ihre Weiblichkeit als Waffe im Kampf nach oben ein. Das schafft Raum für Emotionen. Echt tragische Figuren wie Oswald, (Ivan Desny), der in seiner Liebe zu ihr hoffnungslos gefangen ist pflastern ihren Weg. Wir sehen eine kluge Eva Braun, die, wenn es sein muss knallhart sein kann, aber auch zerbrechlich und voller Gefühl agiert. Und dann der dramatische Schluss, den es so in der Filmgeschichte noch nicht gegeben hat. Der Parallellauf mit der Reportage des Fußballendspiels in Bern 1954 und das unerwartet jähe Ende der alle Wünsche erfüllenden Zweisamkeit von Maria und Hermann Braun. Waoh! Einfach genial.
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Mi, 20.06.2012
TV | Unter Beschuss
Die Ungehorsamen3 Sterne
Der Film schildert die Alltagsarbeit der Polizei und ist dementsprechend routiniert gemacht. Abgesehen von zwei Knallern einen am Anfang und einem am Ende hat er keinen Höhepunkt. Es wird offenbar auf die charakterliche Entwicklung zum Guten hin Wert gelegt. So macht Kommissar Drieu (Richard Berry) aus einem verlotterten Haufen, der nur Dienst nach Vorschrift macht, eine ganz passable Truppe. Er ist penibel, offen und ernst, charmant aber humorlos. Das Kommissariat liegt in einer heißen Gegend. Die Atmosphäre dort ist eine Mischung aus einem chaotischen Familientreffen und einem kunterbunten Volksfest, was dem Film einen französischen Touch verleiht. Drieu nennt es eine ‘Zollstation‘. Nach dem finalen Shoot-Out, der fast das Ausmaß eines kleinen Bürgerkrieges erreicht, entlockt Drieu seiner hochschwangeren Chefin (Zabou Breitman) noch eine überraschende Enthüllung. Sie hat nicht nur einen dicken Bauch, sonders es auch ebenso dick hinter den Ohren, die Böse! Eine solide Arbeit vor und hinter der Kamera. Unterhaltsam.
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Di, 19.06.2012
TV | Married Life
Eheleben F.F.E.2 Sterne
Die Frage stellt sich, ob man 2007 noch Melodramen wie in den 50er Jahren drehen sollte oder ob man es überhaupt noch kann? Ira Sachs hat es versucht. Mit einer Mischung aus leiser Ironie, die bisweilen eine schwarze Komödie durchschimmern lässt und etwas Pathos entsteht tatsächlich eine melodramatische Situation ähnlich der in den alten Filmen mit aller gebührenden förmlichen Spießigkeit. Die gut gecasteten vier Hauptdarsteller allen voran der alte Schwerenöter Pierce Brosnan, sowie das blonde Luder Rachel McAdams und die stets unterkühlte Pat Clarkson passen mit Frisuren und Kleidung gut ins Ambiente. Am überzeugendsten ist aber Chris Cooper mit seinem süßsauren Blick. Er leidet so wunderbar verklemmt schön mit einer Mine, wie wenn man in ein Brötchen beißt, dass zuvor in den Sand gefallen war. Es gibt sogar zwei kleinere Überraschungen. Das Meiste ist allerdings vorhersehbar. Wenn da im entscheidenden Moment die Kamera langsam auf die Treppe schwenkt, weiß man, dass Pierce herunterkommen wird. Auch die eheerhaltende Botschaft wird mehrmals wiederholt ‘Man kann sein Glück nicht auf dem Unglück eines Anderen aufbauen‘. Die langen Dialoge über Ehe und Treue, über Einsamkeit und Neuanfang ermüden allerdings, Langeweile macht sich breit. Die alten Originale waren besser weil stringenter und konsequenter. Das ist hier letztlich doch nur aufgewärmter Harmonie-Kaffee. Zwar warm, aber abgestanden.

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