Mo, 18.06.2012TV | Zwischen FremdenDrei FrauenschicksaleDie Eltern des Regisseurs Edoardo Ponti sind ebenso berühmt, sie die lange Liste der Weltstars, die mitspielen. Man kann sie nicht alle aufzählen, nur eine Ausnahme machen: Sophia Loren (Mutter des Regisseurs) überstrahlt sie alle. Allein schon wegen ihr lohnt es sich, den Film anzuschauen. Ihre Episode mit Pete Postlethswaite als Ehemann im Rollstuhl, die auch den breitesten Raum einnimmt, kann zu Tränen rühren. Die anderen beiden Episoden sind auch nicht schlecht, wenn man sie als Kontrast sieht. Die Zusammenführung der drei betroffenen Frauen am Ende wirkt etwas konstruiert und über ein angedeutetes schmerzliches Déjà-vu in der Figur des kleinen Mädchens kann man geteilter Meinung sein. Ich finde, es steht symbolisch für das Mädchen, das im Leben der drei Frauen eine wichtige Rolle spielt. Es steht in einer Reihe von weiteren Symbolen der Freundschaft (Armband) sowie der Pistole (Tod). Dagegen ist die leise Einleitung durchaus gelungen: sie weckt Interesse.
Wenn bei mit einander vertrauten Personen trotz jahrelanger Beziehung Eiszeit herrscht, werden sie zu Fremden. Zwischen ihnen liegen dann Leid, Trauer aber auch die Wahrheit und der Tod. Die Riege der Weltstars macht den Film ansehnlich und interessant, aber nicht zu einem Spitzenprodukt. Er hebt sich nur wohltuend vom Mainstream-Einheitsbrei ab. | |
Mo, 18.06.2012TV | Vanity Fair - Jahrmarkt der EitelkeitBecky und EmilyRegisseurin Mira Nair ist es gelungen den über 800 Seiten langen Roman von Thackeray aus der Mitte des 19. Jahrhunderts verständlich, wenn auch etwas langatmig umzusetzen. Die vorherrschenden Gelb- und Brauntöne schaffen eine Atmosphäre, die von der detailgenauen Umgebung der Insel und einer prachtvollen Ausstattung unterstützt wird. Vor allem aber hat sie den ironischen Grundton des Originals durchgehend eingehalten und viel Esprit von dort in den Film mit einfließen lassen. Dabei bleibt ein zeitloser Small Talk erhalten, mit allen ihm stets innewohnenden Gehässigkeiten.
Am Beispiel von zwei Freundinnen Becky Sharp (Reese Witherspoon) und Amelia Sedley (Romola Garai) wird der wechselseitige Auf- bzw. Abstieg der beiden geschildert. Eine mit Hilfe eines Ehemanns, die andere ohne. Hier schwingen auch erste Emanzipationsgedanken mit. Die arrivierte Gesellschaft fragt sich ‘Ist sie ein Emporkömmling oder ein Gipfelstürmer? ‘
Anders als im Roman hat Nair Thackerays Geburtsland Indien am Anfang und am Ende eingeblendet. Dies entspricht in etwa dem Bühnenaufzug des Romans an gleicher Stelle. Der Farbton, die dargestellte Figuren und der ganze Aufzug der letzten Bilder von einem schaukelnden Elefantenrücken aus gesehen sind auffallend deckungsgleich mit dem Deckengemälde von Tiepolo in der Würzburger Residenz.
Für Literaturinteressierte, Augenmenschen und Freunde der geschliffenen Dialoge ein Muss. | |
Sa, 16.06.2012TV | Bad Boys - Harte JungsSpaßige JungsDer Film liegt mitten im Mainstream, da wo die Strömung am stärksten ist.
Inhaltlich wirkt alles wie Versatzstücke aus einem vertrauten Setzkasten. Die Bösen sind dämlich und brutal (außer dem Oberbösewicht!) und die Guten sind nett und hilfsbereit, aber auch nicht viel schlauer, dafür aber viiiel spaßiger. Eigentlich sind die ‘Bad Boys‘ ja die Guten, genauer gesagt zwei junge, dynamische, farbige Cops (Will Smith und Martin Lawrence). Was die beiden aufklären sollen ist völlig unwichtig. Auf alle Fälle sind sie als Komiker besser als als Gangsterjäger. Tcheky Karyo gibt den Oberbösewicht, wobei er sich in der Rolle nicht so recht wohl zu fühlen scheint. Einer der beiden Cops hat die üblichen Eheprobleme eines Polizisten. Da gibt es Verwechslungen und Eifersüchteleien aus der Klicheetruhe. Zwischen den beiden Partnern werden coole Sprüche ausgetauscht mit abgedroschenen Pointen. Bei den Riesenballereien, die manchmal in eine Materialschlacht enden, geht das Erschießen flott von der Hand. Diese Szenen werden bewusst eingeschoben, damit man sich über die beiden Spaßvögel inzwischen nicht tot gelacht hat. Fans werden die pyrotechnischen Effekte geniessen, andere Thea Leoni, Theresa Randle sowie Lisa-Playmate-Boyle.
Völlig überraschend haben sich hier die Tränen der Anna Thomson verlaufen. Sie passen zur Handlung wie Salz zum Kuchen. Und wenn am Ende auch noch ‘die Kavallerie‘ eingreift, ist alles zu spät. K.V. | |
Do, 14.06.2012TV | Schmetterling und TaucherglockeGedankenfreiheitDie Qualität des Films ist über jeden Zweifel erhaben. Entsprechend groß war auch die Akzeptanz beim Publikum und diversen Preisverleihungskomitees.
Für mich überzeugt der Film aus mehreren Gründen: die konsequente, strikt eingehaltene Einstellung der Kamera aus der Sicht des Totalgelähmten Jean-Do (Mathieu Amalric), die nur zwecks Auflockerung unterbrochen wird. Dazu gehören Rückblenden aus seinem früheren Leben sowie seine Ausflüge ins Reich der Fantasie.
Sowie das Drehbuch, das mit zwei absoluten Highlights aufwartet: die beiden Telefonate, die Jean-Do mit seinem Vater (Max von Sydow), der in seiner Wohnung Locked-in ist und mit seiner Geliebten Joséphine (Marina Chatterley-Hands) in Anwesenheit seiner Ehefrau führt. Wenn der Film einen bis dahin noch nicht gerührt und betroffen gemacht hat, tut es das spätestens jetzt.
Eine Ensemble-Leistung. Wir sehen eine ganze Reihe französischer Alt- und Jungstars. Die alten wie Jean-Pierre Cassel, Patrick Chesnais und Niels Arestrup überzeugen durch Routine neben Isaach De Bankolé. Die jungen, gutaussehenden Französinnen wie Emmanuelle Seigner, Anne Consigny sowie Marie- Josée Croze verbreiten Wärme und Charme, musikalisch unterstützt von Jacques Brel und Tom Waits. Diese Mademoiselles sind aber nicht der einzige Hingucker. Der lyrische Titel weist auf die innere Freiheit hin und auf die Tatsache, dass es für Fantasie und Erinnerung keine Beschränkung gibt. | |
Di, 12.06.2012TV | Händler der vier JahreszeitenHans im PechEs ist der lyrischste Titel eines Fassbinder-Filmes und passt so gar nicht zu dem menschlichen und familiären Drama. Ein Euphemismus für einen Obsthändler der mit seinem Karren durch die Strassen zieht und die Früchte der Saison ausruft. Das Leben des Hans Epp (Hans Hirschmüller) vollzieht sich in einer Abwärtsspirale, obwohl es geschäftlich eigentlich gut läuft (Zeit des Wirtschaftswunders), der er konsequent nach Depression und Impotenz durch Suizid ein Ende macht. Er wird von seiner Frau Irm (Irm Hermann) geschickt beherrscht. Sie hintergeht ihn, betrügt ihn und überlebt mit seinem Nachfolger im ehelichen Bett. Hans ist der ‘kleine Mann mit der großen Frau‘. Er ist der dämliche Hans im Pech, der sich überflüssig fühlt und seiner Jugendliebe nachtrauert. Die Einrichtung der 70er Jahre erscheint heute geschmacklos, vergrößert aber das Grauen vor Ort. Die Verwandtschaft ist bis auf seine Schwester (Hannah Schygulla) herzlos und spießig. Alle schauen seinem Treiben wortlos zu.
Ein ernster Stoff, den Fassbinder in der inzwischen für ihn typischen Art und Weise darstellt: statische Szenen mit wenigen Schnitten, emotionslose Dialoge und unerwartete Gesten, die heute etwas pathetisch wirken. Dazu für die 70er Jahre recht freizügige Sexszenen. All das zusammen macht seine Filme heute zum Kultobjekt, weil sie anders sind als alle damaligen Streifen, und heute immer noch einfach genial erscheinen. | |
Mo, 11.06.2012TV | Bright Star - Meine Liebe. Ewig.Tod eines DichtersJane Campion erzählt von den letzten Lebensjahren des großen Romantikers John Keats (Ben Whishaw) wahrheitsgetreu und wie von ihr nicht anders erwartet in eindrucksvollen Bildern. Die Atmosphäre stimmt und auch die Problematik, die das Leben des Dichters bestimmte, wird treffend dargestellt. Lyrik ist eine brotlose Kunst. Davon kann man keine Familie ernähren, folglich auch nicht heiraten. Im Gegensatz zu ihm ist seine große Liebe Fanny (Abbie Cornish) Modedesignerin und Näherin und verdient ihren Lebensunterhalt. Da wir aber Anfang des 19. Jahrhunderts leben, schließt das eine das andere aus.
Fanny schwankt in ihrem Liebeskummer anfangs zwischen Schmachten und Schmollen, wohingegen er von Krankheit und Armut getrieben zwischen Kreativität und Erfolglosigkeit hin und herpendelt, nur seiner Lyrik verbunden.
Auch intellektuell liegen Welten zwischen den beiden. Dies nutzt der zynische Freund Charles Brown (Paul Schneider) weidlich aus und bringt wenigstens etwas Leben in die zähe Handlung, die viel zu dialoglastig, zu statisch und handlungsarm ist. Hier werden wichtige Werke von Keats erwähnt und durch Zitate verdeutlicht, u.a. auch das für den Titel verantwortliche Gedicht. Ebenso ergeht es gesprächsweise Byron, Coleridge und Wordsworth. Nur tolle Aufnahmen reichen nicht. Ben Whishaw mimt den kränklichen Dichter ganz passabel, Abbie Cornish bringt ihr Leid auf den Punkt. Alles Mittelmaß. Schön anzuschauen. | |
So, 10.06.2012TV | MarthaObsessionEin bemerkenswerter Film aus der Blütezeit von R.W.F. und das aus mehreren Gründen: es ist der schmerzlichste Fassbinder–Film, den es gibt.
Die Geschichte einer obsessiven Liebe mit einem gewalttätigen Ehemann, der es brutal ausnutzt, dass Martha schnatterhaft, etwas schlicht und hilflos ist. Man könnte allerdings auch die literarische Vorlage von Cornell Woolrich als Anleitung zur totalen Unterwerfung einer Frau auffassen. Dabei wird der Zuschauer quasi per optischer und menschenverachtender Gewalt gezwungen, die physischen und psychischen Qualen von Martha (Margit Carstensen) nachzuempfinden. Wenn man von der Vorgeschichte dieser Ehe einmal absieht, beginnt es mit der Vergewaltigung nach einem Sonnenbrand und endet in der Ermordung von Marthas Katze. Dazwischen liegen kleinere sadistische Mosaiksteinchen, die ihr Ehemann Helmut (Karlheinz Böhm) einbaut wie Rauchverbot, Musikgeschmack bestimmt, Bücher- und Speisenauswahl ändert, ihre Stellung sowie der Telefonanschluss werden gekündigt, gefolgt von einem Verbot, die Villa zu verlassen. Konsequent endet Marthas Leidensweg in der totalen Abhängigkeit.
Darüber hinaus ist es für Karlheinz Böhm ein schauspielerischer Meilenstein auf seinem Weg weg vom Image als Sissi-Ehemann. Und das macht er mit Bravour. Er spielt den Sadisten gekonnt freundlich schmeichelhaft, dann aber wieder brutal obsessiv.
Und nicht zu vergessen Michael Ballhaus, den Erfinder der kreisenden Kamera. Gekonnt anspruchsvoll! | |
So, 10.06.2012TV | Foolproof - Einbrechen, ausbrechen, abrechnen!Drei gegen LeoEin Krimi mit viel Hirn, aber auch Herz und Scherz. Die drei Freunde Kev (Ryan Reynolds), Rob (Joris Jarsky) und Sam (Kristin Booth) werden von Leo, ‘dem Händchen‘ gezwungen einen Bruch durchzuführen. Er weiß, dass ihr Hobby seltsamerweise ‘idiotensichere‘ Einbrüche sind als logistische und intellektuelle Trainingseinheiten. Wie sie das planen, durchführen und am Ende Leo (David Suchet) noch austricksen wird sehr unterhaltsam erzählt.
Ihre cleveren Einfälle bei Problemlösungen sind immer wieder genial, aber nachvollziehbar. Dabei sind auch Emotionen im Spiel und manch geistreicher Spruch. Aber das Tollste ist der Coup im Coup, wenn Leo versucht die drei auseinanderzudividieren. Das bringt ebenso Spannung, wie das aufkommende Misstrauen der drei untereinander. (Auch nur ein Trick!) Hochspannung gibt es am Drahtseil im Fahrstuhlschacht und bei der anschließenden vorübergehenden Erschießung der Freunde. Diese Auflösung ist dann noch ein zusätzlicher trickreicher Knaller. Die überraschenden Wendungen sind gelungen, lassen am Ende sogar Heiterkeit aufkommen. Damit es nicht zu lustig wird, macht Leo zwischendurch schon mal ernst und lässt die Muskeln spielen. Der Film kommt ganz ohne spektakuläre Übertreibungen aus und ist dafür im Detail genau. Spannend, witzig und voller Überraschungen. Gute Unterhaltung! | |
Sa, 09.06.2012TV | Runaway HeartDas fliehende HerzEine zum Abhauen bereite Ehefrau Bunny Brown (Jill Eikenberry) trifft auf einen Kleinganoven Walter (Michael Tucker) und wird von dessen Geisel zu seiner Geliebten. Eine Gangsterklamotte der schlichten Art. Die Komik dieses Roadmovies schwankt zwischen süßsauer und lauwarm, die Gags sind von einigen Ausnahmen abgesehen uralt und die Redewendungen abgedroschen (‘Kein Money, kein Bunny!). Die meisten Figuren (auch Walters Mutter) sind ohne markante Konturen. Sie wabern etwas nebulös um die beiden Hauptdarsteller herum, begleiten sie, ohne sie oder sich zu präzisieren.
Was passiert z.B., wenn zwei Verliebte in einem Boot sitzen? Genau ! Selbst der Kontrast zwischen der Hochzeit der Tochter und der Lösegeldforderung bleibt flach, obwohl parallel geschnitten. Und nachdem die Ganoven versucht haben, sich gegenseitig über den Tisch zu ziehen, ist es nicht erstaunlich, dass alle Parteien in Bunny ihre Meisterin finden. Ebenso wie ihre Lösung: ein dritter Weg. Bunny bleibt wie vom Titel verheißen ein fliehendes Herz, das sich ohne Esprit und Elan verzieht, ohne Spuren zu hinterlassen. Als Lovestory zu halbherzig und als Gangsterulk zu wenig spaßig. | |
Sa, 09.06.2012TV | Black MoonSchwarzer MondEin Film wie aus dem Rezeptbuch. Man nehme: zwei gegensätzliche Intentionen, die am Rande der Legalität operieren und ein Objekt der Begierde (hier eine Daten CD). Es gibt wilde Verfolgungsjagden im Auto, große Bosse, die sich bedrohlich aufbrezeln (hier Robert Vaughn, der Mann der seit UNCLE mit nur einem Gesichtsausdruck, einem Outfit (Anzug) und einer Frisur (geföhnt) ausgestattet ist). Unterwegs beißen einige unbedeutende Statisten ins Gras, es gibt eine Lovestory (hier mit Linda Hamilton) und ein paar Promis aus der zweiten Reihe. Technischer Schnickschnack macht sich immer gut. Der Plan muss kompliziert aussehen, damit die Überraschung – falls er gelingt umso größer ist.
Der Brei wird mit einem prominenten Hauptdarsteller angerührt. Hier ist es der junge Tommy Lee Jones (1985), der auf seine Umgebung schon mal gewaltsam einwirkt, aber auch einstecken muss, bis er dann auf der Schwelle seiner feschen Partnerin zusammenbricht, um wieder zusammengeflickt zu werden.
Es entsteht eine spannungsarme Atmosphäre, die wenn auch nicht so schön aber doch so langweilig ist, wie eine einsame Bucht bei Sonnenuntergang, nur ohne Haie oder Piranhas. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.