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Do, 31.05.2012
TV | Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada
Das Versprechen4 Sterne
Tommy Lee Jones (Hauptdarsteller und Regisseur) überzeugt sowohl vor der Kamera als auch dahinter. Es ist ihm ein ganz ungewöhnlicher Spätwestern gelungen: die Story mit dem Leichentransport eines Freundes unter tätiger Mithilfe seines Mörders Mike (eindrucksvoll Barry Pepper) in sein Heimatdorf Jiménes ist das eine, das andere ist hierbei die gekonnte Erzählweise dieser wahren Geschichte. Spannend, stimmungsvoll und atmosphärisch dicht. Die drei Begräbnisse sind streng formal gegliedert; quasi Kapitelüberschriften. Sie werden fast zur Nebensache, da sie jeweils mit einem Mord einhergehen. Mit viel Liebe zum Detail achtet Jones auf Kleinigkeiten und so gelingt ihm ein komplexes und äußerst subtiles Stimmungsbild der Grenzstadt zu Mexiko. Hier schleichen Langeweile und latente Geilheit um die Ecken der Wohnwagen. Wer kann, will bloß weg, wie z.B. Lou Ann (January Jones) Mikes Ehefrau. Das Verhältnis zwischen Grenzern und Mexikanern wird kritisch beleuchtet. Ein zweites Zusammentreffen kann dann sogar lustig sein. Als wir erfahren, dass Jiménes nicht existiert und Mel auch keine Frau hat, wird die Handlung zur Parabel über Freundschaft und das Einhalten eines Versprechens. Es geht um Vergebung und Sühne. Das sind hehre Werte, die, wenn sie so verpackt sind, der Spannung keinen Abbruch tun. Gelungen!
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Do, 31.05.2012
TV | Identität
Superkillerei1 Stern
Neben praller Action und jede Menge Schocker gibt es hier auch noch kurze Einblicke in die Abgründe der menschlichen Seele. Aber dann wird es überraschend unübersichtlich. Rollen werden ins Gegenteil verkehrt. Die beiden als Cop auftretenden ‘Retter‘ outen sich als Schwerverbrecher. Und ein kleiner Bub ist auch noch der ganz ganz böse Killer. Wer hätte das gedacht? Wofür so ein bisschen Schizophrenie alles herhalten muss. Die Handlung bewegt sich in Richtung sinnfreie Killerei, ein krudes Splatter Imitat, das sich selbst aufhängt. Die angedeuteten Erläuterungen werden so flott durchgepeitscht, dass man nur ungläubig glotzen kann. Zum Unverständnis tut die deutsche Synchronisation noch ein Übriges und so soll hier wohl der fehlende Durchblick zur Steigerung der Spannung beitragen. Das kann aber nur gelingen, wenn man vorbehaltlos einverstanden ist, sich mit Dauergrusel berieseln zu lassen. John Cusack mutiert völlig unerwartet vom Superhelden mit chirurgischen Kenntnissen zum Erzbösewicht. Ray Liotta macht es ihm nach. Allein der schauspielerische Ansatz von Rebecca De Mornay als exaltierte Schauspielzicke und Pruitt Taylor Vince, wie immer als gequälte Natur, sind bemerkenswert. Nach dem Titel zu urteilen geht es hier um die ‘Identität‘. Sie wird ausgelöscht oder gewechselt. Klaro!? Bei so viel Murks fühle ich mich verhohnepiepelt. K.V.
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Mi, 30.05.2012
TV | Die Dinge des Lebens
Zwei Unfälle4 Sterne
Der Geniestreich von Claude Sautet ist, dass er einen Autounfall und eine Beziehungskrise miteinander verbindet, also eine äußere und eine innere Katastrophe. Und das schildert er durch geschickte Schnitte außerordentlich eindrucksvoll. Wegen der drei Spitzenschauspieler stören die langen Dialoge kaum. Pierre (Michel Piccoli) steht zwischen seiner Ex Catherine (die seltene Lea Massari) und seiner momentanen Geliebten Hélène (Romy Schneider). In der neuen Beziehung kriselt es. Hélène: ‘Ich bin müde, müde dich zu lieben! ‘ Pierre schreibt einen Abschiedsbrief, will ihn wieder vernichten, da kommt der Unfall dazwischen. Von Anfang an zieht sich dieser Unfall bildlich durch den ganzen Film, wobei immer weitere Details enthüllt werden. Sein Gehirn arbeitet weiter, wenn er im Gras liegt. Wir sehen Einstellungen aus seiner Ameisenperspektive: Blumen, Schuhe. Ein Pfarrer macht ihm Angst. Ein Höhepunkt der Filmkunst ist der Schluss. Ohne Kommentar umkreist die Kamera die beiden Frauen und der Zuschauer kann nur aus deren Gesichtsausdruck entnehmen was Sache ist. Ein Ringen zwischen Entsetzen, Hilflosigkeit und Schock, etwas was vor der eigentlichen Trauer kommt. Und es gelingt Catherine noch menschliche Größe zu zeigen, nachdem sie den Abschiedsbrief gelesen hat. Unvergessen die letzten Bilder von Michel Piccoli. Dieses aufwühlende Drama ist meisterlich in Szene gesetzt und grandios gespielt.
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Di, 29.05.2012
TV | Duell der Degen
Der Bucklige4 Sterne
Abgesehen von der hübschen Alliteration ist der deutsche Titel weitgehend sinnfrei. Das Original heißt ‘Der Bucklige‘. Und so kann man über Glück und Unglück einer solchen Ausstülpung am Rücken trefflich philosophieren. Das tut man auch. Daniel Auteuil als Titelfigur sprüht nur so vor schauspielerischer Lust und beweist wieder einmal sein Können. Egal ob hier als Amme oder serviler Diener äußerlich à la Uriah Heep, er ist der großartige Seigneur ohne Furcht und Tadel. Er erscheint in Verkleidung als eine Mischung aus Cyrano und Quasimodo. Und um noch weitere geistige Väter zu nennen, ist er fechtmäßig fast so gut wie alle drei Musketiere zusammen. Es dauert zwar etwas bis der Kostümfilm in die Gänge kommt, aber dann erleben wir ein wunderschön bebildertes Szenario mit genug Action, in dem sich die Liebe eines Vaters in die eines Mannes verwandelt und zwar zu der schönen Aurore (Marie Gillain). Der Ziehvater beherrscht den Degen wie Scaramouche und kennt den tödlichen ‘Nevers-Stoß‘. Den kann er dann auch beim Erzbösewicht Gonzague (Fabrice Luchini) als finale Rache anwenden. Zur Freude der malträtierten Blanche (Claire Nebout) und dem in einer Nebenrolle aktiven Philippe Noiret. Die Handlung entwickelt sich fast im shakespeareschen Sinne – vor allem das Ende – und zum klassischen Adagio kommen alle Personen ‘just in time‘ noch einmal zusammen. Manchmal etwas bedächtig und mitunter in aller Ruhe erklärend, aber dennoch gute Unterhaltung.
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Di, 29.05.2012
TV | Bedtime Stories
Hotel oder Schuld4 Sterne
Es ist ein nettes Märchen für Groß und Klein, um einen verregneten Nachmittag angenehm zu verbringen. Hauptdarsteller Adam Sandler als Sceeter nutzt geschickt die Möglichkeit der ‘Gute Nacht Geschichten‘ und die Kids helfen bei der Ausgestaltung fantasievoll mit. Die jüngeren unter den Zuschauern können sich auf die aufregenden Märchen konzentrieren, während die Älteren sich an der Wiedererkennung von Sceeters Arbeitskollegen aus dem Hotel in den Märchen erfreuen. Hier können sich Tagträume erfüllen. Und es wird klar unterschieden: Sceeter und seine Schwester Wendy (Courtney Cox) sind die Guten, ebenso wie Sceeters erst spät erkannte, große Liebe Jill (Kerry Russell). Bemerkenswert das ‘knallrote Pferd‘ als direkte Verbindung zu einem Ferrari, der Kaugummikugelregen oder der Weltraumtanz. Und ein Kuss ist ein ’Touch Down‘! Teresa Palmer schwankt zwischen Bewunderung für den Helden Sceeter und für seinen Gegenspieler Guy Pearce, der hier einen ganz unerwarteten dämlichen Karrierist darstellt, hin und her. Und da jedes Märchen einen König oder wenigstens einen Zauberer braucht, der am Ende alles gut ausgehen lässt, kommt der immer noch unverwüstliche, wunderbar schrullige Richard Griffiths zum Einsatz. Durch die drohende Schulschließung wird es vorübergehend sogar noch einmal fast ernst. Das tut aber dem heiteren Spektakel keinerlei Abbruch. Ein echtes Feel-Good-Movie hier in der Variante ‘Romaction‘: Romantik und Action. Leichte Unterhaltung braucht also nicht notwendigerweise schlecht zu sein.
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Di, 29.05.2012
TV | RockNRolla
Das Gemälde2 Sterne
Im Gangstermilieu jagen mehrere Gruppierungen hinter einem Gemälde her, das wie leider nie zu sehen kriegen. Es sind die üblichen Zutaten für eine Brit-Comedy mit Grausamkeitshäppchen über Raubtierkapitalismus mit Russen-Mafia als Beilage: heiße Rhythmen und heiße Schnittchen (u.a. Gemma Arterton). Die Unterwelt ist wie immer hinter etwas her (hier ein Gemälde) und da bleiben dann schon mal ein paar Luser auf der Strecke, wenn’s ans Begleichen ausstehender Schulden geht. Das vollzieht sich von der Spannung her gleichförmig, gelegentlich unterbrochen durch flotte Sprüche, wie ‘ständiges Bonanza Schauen hinterlässt bleibende Schäden‘. Es entstehen zwischendurch aber immer wieder Längen, in denen sich das Ziel im Nebel verliert. Aber es gibt auch Momente, die Interesse wecken – neben den Prügel- und Folterszenen: die Vater-Stiefsohn Problematik. Da glänzt Tom Wilkinson als der Ältere, der austeilt, aber auch einsteckt. Gerald Butler als OneTwo und Thandie Newton haben den schnellsten ‘Fick‘ der Filmgeschichte: in drei kurzen, schnellen Schnitten: Kuss, Stöhnen, Zigarette. Das war’s! Und über den etwas unausgegorenen Schluss brauchen wir kein Wort zu verlieren. Schwamm drüber. Also nichts Exzeptionelles, halt die handelsübliche Unterhaltung vom Fließband.
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Mo, 28.05.2012
TV | Das Piano
Die stumme Pianistin5 Sterne
Der Film ist wie eine rote Rose. Die Farbe steht für die Liebesgeschichte, die mit äußerster Sensibilität, aber nie sentimental geschildert wird. Und die Liebenden Ada und Baines (Holly Hunter und Harvey Keitel) müssen durch Leid und Schmerz – dafür stehen die Dornen der Blume. Da ist grausame Dramatik im Spiel. Außerdem tut die lokale Geschlossenheit ein Übriges, um Atmosphäre zu schaffen. Es gibt praktisch nur Strand und Meer und einen zugewachsenen Dschungel, der keinen Ausblick gestattet. Das feuchte Klima, das die Erde in einem schlammigen Morast verwandelt beeindruckt fast unbemerkt. Hier spielt sich ein menschliches Drama ab: im Matsch! Nicht zu vergessen sind die beeindruckenden Bilder, die sich schier unauslöschlich in die Erinnerung einbrennen: z.B. zwei Figuren mit Klavier an einem leeren Strand, in strenger s/w Kleidung; das zärtliche Liebesspiel, (diese sowohl menschliche wie auch musikalische Annäherung der beiden ist einzigartig), (nennen wir es ‘Strippiano‘) und Adas dramatische Abreise. Und es gibt sogar noch Raum für komische Szenen. Man kann von dem Film nur in Superlativen reden, weil er in mehreren Kategorien überzeugt, nicht nur in den Oscar prämierten. Und die minimalistische Klaviermusik von Michael Nyman, besonders wenn sie die stumme Ada am Ende mit der Fingerprothese spielt, ist wie wenn man die Rose, die jetzt in einer Vase steht, bewundert.
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So, 27.05.2012
TV | Velvet Goldmine
Drogenrausch in Samt & Seide4 Sterne
Bereits beim Vorspann springen einem die quietsche bunten, psychodelischen Schriftzüge ins Auge. Und damit trifft der Film von Todd Haynes gleich den Ton der glamourösen Siebziger Jahre. Klamotten, Frisuren und Ausstattung liefern ein Übriges, um das Feeling jener Zeit rüber zu bringen, als sich die Jugendlichen als ‘Mods ‘n Rockers‘ gegenüberstanden. Die ausgelassene Freizügigkeit als Maxime erforderte ein Leben, in dem alles möglich ist. Man ist schwul, man ist bi etc. Aber es ist mehr als nur ein bloßer Musikfilm. Obwohl es davon genug zu hören gibt. Die Hauptdarsteller sind durchweg überzeugend. Jonathan Rhys Meyers (Brian) ebenso wie Ewan McGregor(Curt). Wir erleben beide auf der Bühne. Und sie geben ihr Letztes. Wann hat man Ewan McGregor schon mal nackt gesehen? Aber auch musikalisch ist er überzeugend. Und dass Rhys Meyers Musik echt performen kann, hat er auch 2007 in ‘August Rush‘ wieder bewiesen. Curt und Brian leben wie im Rausch, oftmals jenseits der Grenze. Sie leben ihre Träume aus und gehen daran zugrunde. Das Leben ist eine Party mit ‘Sex and Drugs and Rock ‘n Role‘. Sie wollen lieber die Ausnahme sein als die Regel. Die ganze Tragik fokussiert sich in der sie begleitenden Figur von Mandy (Toni Collette) als Brians Ehefrau. Man sieht, wie Brian vom eigenen Erfolg zerstört wird. Ein kurzes Schlaglicht fällt auch auf die Elterngeneration in ihrer ganzen Hilflosigkeit. Ein echtes musikalisches Zeitdokument und eine Ode an die Vergänglichkeit.
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Sa, 26.05.2012
TV | Wenn Du gehst
Johanna und der Priester4 Sterne
In düsteren Farben, meistens dunkelgrün und braun erzählt der Film von zwei Personen: Johanna, eine Journalistin (Agnieszka Grochowska) und einem Franziskaner (Wojciech Zieliski), deren Schicksal es will, dass sie sich im Krankenhaus kurz begegnen und wieder aus den Augen verlieren. Er zweifelt an seinem Glauben, sie ein Gutmensch durch und durch, verliert sich nach dem Tod der Mutter, für deren lebensverlängernde Maßnahmen sie auch mit ihrer Sexualität bezahlt hat. Ihr ist ihr Lebenskompass abhandengekommen. Wir blicken in die Abgründe der menschlichen Seelen, sehen das Elend ungeschminkt und erfahren seine ganze brutale Härte, können die Entgleisungen förmlich riechen. Bei diesen hoffnungslosen Perspektiven erscheint die Gier nach Leben dennoch ungebremst. (‘Man lebt nur einmal!‘) Der Wunsch nach Anlehnung ist nur allzu verständlich, wenn die Angst vor der Leere oder dem Verlust ein ständiger Begleiter ist. Geschickt werden die Lebenswege der beiden Protagonisten mit einander verknüpft und wieder getrennt. Dabei sind manche Szenen vorauseilend, andere in der Wiederholung verdeutlichend. In ihrer knallharten Direktheit wirken sie einerseits beunruhigend, andererseits interesseweckend. Für Johanna ist ‘der Abgrund überall‘, während sich der Priester fragt, woran er glauben soll. Regisseurin Ewa Stankiewicz hat ihren Sartre voll verinnerlicht. Nichts zum Wohlfühlen, aber saustark.
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Sa, 26.05.2012
TV | Verrückt vor Liebe
Wertlose Tand1 Stern
Bollywood aus der Schweiz. Es ist nicht jedermanns Sache. Dabei meine ich nicht das City Ballett mit den tanzenden Hupfdohlen und den jugendlichen Paradiesvögeln, ich meine auch nicht die gewöhnungsbedürftigen Gesangseinlagen, die ja in Fernost der übliche Standard sind. Nein die Story an sich ist einfach platt und flach. Wenn man es dermaßen knüppeldick auf die Vorhersehbarkeit anlegt, ist es, wenn sie eintritt, langweilig gewesen, wenn nicht dämlich. Hier gibt es einen Zwischenweg, der von beidem etwas enthält: Devan und Leo tanzen sich möglicherweise ins angedeutete Glück und ergehen sich lächelnd in Richtung siebenter Himmel. Die ältere Generation ist wie immer der Tradition verbunden und macht sich zum Affen, die jüngere, zwar schon mehrsprachig, aber interkulturell orientierungslos. Die eingebauten Versatzstücke wie der herzkranke Vater oder Leo die alleinerziehende Mutter mit Sohn der bei Devan Fußball spielt sollen wohl für etwas Tiefgang sorgen, was aber nicht so recht gelingt. Manches, was stilvoll sein soll, kommt als Gag daher und provoziert unbeabsichtigte Lacher. Und wenn dann zwecks Betonung der Dramatik gegen Ende auch noch der Himmel weint, möchte der Zuschauer am liebsten mitmachen. Zu oberflächlich, zu unbedarft, zu unglaubwürdig. K.V.

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