Do, 24.05.2012TV | Die letzten Tage der Emma BlankEnde gut, nix gutDer Meister des Grotesken hat wieder zugeschlagen. Mit diesem Film ist er aber noch ein Stückchen weiter gegangen als bisher. Es gibt keinen echten Plot im herkömmlichen Sinne und man sollte auch nicht versuchen, sich an mögliche Eckpfähle der Realität festzuklammern. Einfach die wundervollen skurrilen und makabren Dinge auf sich wirken lassen, sowohl in den Dialogen als auch in den Situationen. Da geschieht Unerwartetes und Unvorhersehbares. Theo (Regisseur Warmerdam selbst) macht z.B. ganz konsequent den Hund, den man zum Kacken Gassi führt. Der Butler/Ehemann Haneveld (Gene Bervoets) findet einen Schlips in seiner Suppe etc. Anfangs meint man einen Hausdrachen (Marlies Heuer) im Einsatz zu sehen, der mit einem unerschöpflichen Trommelfeuer von Anordnungen sein Personal drangsaliert. Emma ist grausam und genießt ihre Demütigungen. Die Handlung geht in Richtung Erbschleicherei. Verwandtschaftsbeziehungen zwischen allen Bewohnern werden angedeutet. Als sich das zerschlägt, bricht ein archaisches Chaos aus, ein Kampf jeder gegen jeden. Wir sehen Hass, Gewalt, sogar Liebe und Mord, aber auch fehlendes Mitleid.
Abstrus geht es schon zu, aber nicht sinnfrei. Ganz im Gegenteil. Am Ende sind alle lästigen Hindernisse im wahrsten Sinne des Wortes begraben. Eine neue Herrschaft residiert: Köchin (Annet Malherbe) und der Butler. | |
Do, 24.05.2012TV | Ich denk' an euchLieblosGleich zu Anfang wird die Frage gestellt „Was bedeutet ‘Verlassenheit‘ “? Und das ist das zentrale Thema des Films, der im Pariser Intellektuellenmilieu angesiedelt ist. Die geistreichen Dialoge, die zwischen Bonmot und Beleidigung hin und her schwanken halten den Zuschauer am Bildschirm und trösten über den endlos scheinenden Gedankenaustausch hinweg. Die Thematik ist bekannt: das leidige ‘Bäumchen-Wechsel-Dich‘ Spielchen mit Anmachen und Abweisen. Es wird mitunter versucht, alte Liebe neu aufzuwärmen. Nach angekündigtem Mordversuch und ausgiebigem Gekotze kreisen alle Liebenden umeinander, lassen aber keine echte Nähe zu und finden eine vorübergehende Stillung ihrer sexuellen Gier in einem ‘unflotten Dreier‘. Die Mädels schlagen sich und küssen sich, machen sich und anderen Angst, bevor alle wieder auf ‘Los‘ sitzen.
Ein anschauungswürdiges Sittenbild unserer Zeit, in der Planlosigkeit und Hilflosigkeit Konjunktur haben und sich stürmische Verwegenheit mit unzeitgemäßer Verklemmung abwechseln. Zwischen all diesen Polen wabert der vage Titel umher, ohne etwas zum Verständnis beizutragen. | |
Mi, 23.05.2012TV | Das Zimmer meines SohnesTrauerarbeitNach einer überlangen Einleitung, in der wir eine Bilderbuch-Familie kennenlernen, kommt es zu diesem unerwarteten Tod des Sohnes der Familie. Jetzt verlagert sich der Fokus auf die Frage, wie jedes Familienmitglied mit dem Schmerz umgeht. Es wird deutlich, dass das ganz unterschiedlich ist, jeder auf seine Art. Interessanterweise ist der Vater (Nanni Moretti) Psychiater, der sollte es am besten können. Doch er kommt am schlechtesten mit dem Verlust des Sohnes klar, macht sich stattdessen Vorwürfe. Die Schwester trauert in Richtung Neuanfang ohne Freund, und die Mutter (Laura Morante) verlagert ihren Schmerz auf die Erkenntnis ihrer Eheprobleme und wirft ihrem Mann Egozentrik vor. Ganz ohne Kitsch oder Klischees wird das Phänomen durchleuchtet. Recht eindringlich geschieht das, ohne bei dem Zuschauer trotz der fatalen Ernsthaftigkeit des Themas Depressionen hervorzurufen.
Am Ende gelingt sogar noch ein Schwenk in Richtung ‘alle Freunde sind meine Söhne und Töchter‘, die Welt eine große Familie. Das kann man sich so denken, gesagt wird es nicht. Die Kamera zieht sich diskret zurück und überlässt uns unseren Gedanken, die mit dem Zimmer des Sohnes allerdings nichts zu tun haben. | |
Mi, 23.05.2012TV | The Pledge - Das VersprechenEs geschah am helllichten TagEine überflüssige Neuverfilmung des Dürrenmatt-Stoffes, der hier aber nur ganz vage als Vorlage diente. Stattdessen hat Regisseur Sean Penn einige seiner geliebten Feinde als Bösewichte ausgeguckt: den Rassismus und den religiösen Fundamentalismus. Davon abgesehen hapert es schon mal mit der Logik, z.B. dem Auftauchen und Verschwinden der Polizei. Die ellenlange Liste der Spitzenpromis ist beeindruckend. Sie inszenieren sich selber. Jeder einzelne richtig gut in Szene gesetzt. Hier sei vor allen anderen Benicio Del Toro genannt, in einem Spitzenkurzauftritt, dessen deutsche Synchronstimme sogar das Debile an ihm gut rüberbringt.
Vielleicht bleibt der Film, was die Auflösung angeht, ja bewusst kryptisch, weil man den Inhalt als bekannt voraussetzt. Ansonsten beginnt an Ende das große Rätselraten. Bleibt eine tolle Leistung hervorragender Schauspieler quasi als Wiedersehen mit alten Bekannten getarnt. Nicht alles ist toll, bloß weil große Namen dahinter stehen. | |
Di, 22.05.2012TV | Das Netz der tausend AugenDas GeheimnisEin solide gemachter Krimi aus den 70er Jahren, der eigentlich nur durch zwei Dinge auffällt. Wir sehen drei Leinwandlegenden aus jener Zeit (Trintignant, Noiret und Jobert) in Aktion und werden von einem unglaublichen Schluss überrascht. Die Drei spielen einen für sie jeweils typischen Part, ohne Highlights ganz entspannt.
Dazwischen läuft ein Mittelteil, bei dem die Stars es weitgehend vergessen machen, dass es nicht spannend ist. Die wenigen Rückblenden mit Gelbfilter deuten das titelgebende Geheimnis an, das auch noch beim Abspann eins bleiben wird. Die zwischenmenschlichen Aktivitäten der drei auf der Flucht verlaufen – obwohl da schon mal zur Seite gesprungen wird – so ähnlich aufregend wie die Bevölkerungsdichte der abgelegenen Gegend in der wir uns befinden. Ein Kuss reichte bereits als Hinweis auf eine sexuelle Beglückung. Man könnte noch über Vertrauen und Freundschaft philosophieren, über zunehmende Schuld und abnehmende Liebe, aber was bringt das schon, wenn das Interesse keinen Finger rührt? Selbst die Polizeikontrollen – sonst meist Spannungslieferanten - verlaufen wie in einem Wintermärchen: glatt und kühl.
Lediglich Ennio Morricones Musik erwärmt das Herz. Der Rest ist Schweigen bei einem so viel lieblos heruntergekurbeltem Dreh. Selbst beim Titel denkt selbst das Internet sehnsüchtig seufzend zunächst an Dr. Mabuse oder Claude Miller. Mäßig, mäßig, mittelmäßig. | |
Mo, 21.05.2012TV | Up in the AirDer RausschmeißerWenn der Film nicht die Realität wiederspiegeln würde, könnte man ihn recht amüsant finden. Die Dialoge gehen flott von der Lippe und versprühen dabei jede Menge Witz und Geist. So aber erschreckt uns der Zynismus mit dem hier George Clooney und sein Azubi Natalie (Anna Kendrick) zur Sache gehen und Mitarbeitern verkünden „Sie sind gefeuert!“ Was den Unterhaltungswert angeht schwanken beide zwischen Herzlosigkeit und Mitgefühl, zwischen Professionalität und Menschlichkeit hin und her. Sie werden dabei fast zu Lyrikern, wenn sie Euphemismen verwenden wie ‘Wir übernehmen die Menschen in ihrem zerbrechlichsten Moment und überlassen sie den Wellen‘. In diesem Job lebt man aus dem Koffer und ist wie George sich nennt ‘der Mann mit dem leeren Rucksack‘. Eine Beziehung ist nicht möglich nur One-Night-Stands. So muss auch der Versuch mit Kollegin Vera Farmiga scheitern. Das überrascht keineswegs. Es gibt aber noch Raum für die Folgen der Kündigung, der Azubi kündigt selber und George hat Nostalgiegefühle an seine Schulzeit. Sein erfolgreicher Versuch seinen zukünftigen Schwager doch zur Hochzeit zu überreden wirkt etwas aufgesetzt und fungiert als Füllsel. Für George kann und darf es keinen Schluss geben und schon gar keinen glücklichen. Er geht einfach wieder in die Luft… | |
So, 20.05.2012TV | Unsere OzeaneUnter der OberflächeEs ist eine der besten Dokumentationen über das Leben unter Wasser, nicht nur weil sie interessant und informativ ist, sondern weil sie sich von den sonst üblichen Filmen des Genres deutlich absetzt. Dabei rede ich nicht von den tollen Aufnahmen. Manche sind rührend, andere lustig, wieder andere zeigen bisher nie Gesehenes vom Überlebenskampf des Fressen und Gefressen Werdens.
Was den Film auszeichnet ist, zum Einen dass die sonst übliche Dauerberieselung durch einen Sprecher fehlt. Hier kann man ausgiebig die Bilder genießen, die begleitet werden von einem äußerst spärlich gehaltenen Kommentar, der dazu noch philosophisch distanziert, zwar schon Bezug nimmt auf die Bilder, aber eher reflektierend das Geschehen qualitativ überhöht. Es beginnt mit der Frage eines Kindes „Was ist das, das Meer?“ Und etwas später heißt es über die Erforschung des Ozeans „Es ist ein wahrgewordener Traum, die andere Seite des Spiegels zu erforschen.“
Zum anderen wird hier eine lebensnotwendige Message deutlich: das natürliche Gleichgewicht ist aus dem Lot geraten, wir müssen etwas ändern. Es geht um Arten- und Umweltschutz.
So bekommt man Respekt vor den Tieren und es entsteht ein Gefühl der Interdependenz, begleitet von dem Wunsch, diese Lebewesen noch lange bewundern zu können. Ein Lob für Jacques Perrin, der sich im Alter zum Tierfilmproduzenten mit kurzen eigenen Auftritten gemausert hat. Klasse! | |
Fr, 18.05.2012TV | Kopfgeld - Perrier's BountyBeutegeldEine Komödie ist das ja nicht gerade, eher ein Drama, das im Gangstermilieu spielt und manchmal unter anderem auch lustige Szenen enthält.
Eigentlich ein Dreipersonenstück: Vater (Jim Broadbent wie immer großartig), sein Sohn Michael (Cillian Murphy) und die vom Freund verlassene, selbstmordgefährdete Nachbarin Brenda (Jodie Whittaker).
Zwischen ihnen und ihrer Umgebung gibt es genug Streit auch Tote. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn bedarf einer Aussprache, und Michael gesteht nach vielem hin und her Bren endlich seine Liebe. Das sind ernste Themen, die nach Bewältigung der Vergangenheit schreien, wobei die Beziehung zu Michaels Mutter nur angedeutet auch eher melo sein dürfte.
Reicht es zur Komödie wenn Bullen alt aussehen und eine magere Ehefrau ‘eine verkniffene Hungerleiste‘ genannt wird? Vielleicht sind es ja auch die Tränen der Kleinganoven oder das Hundebegräbnis, die lustig sein sollen. Für mich wirkt das alles etwas unfertig und vieles bloß angedeutet, ja unentschieden und damit unklar. Von Perriers Beute erfährt man wenig und der philosophische Kommentar aus dem Off passt wie ein Kaktus in einen Friseursalon. K.V. | |
Fr, 18.05.2012TV | Sleepy Hollow - Köpfe werden rollenDer kopflose ReiterTim Burton hat aus der literarischen Vorlage von Washington Irving (1783-1859) ein Horrormärchen gemacht. Er geht dabei weit über diese ‘Legende‘ hinaus. Das ist legitim, denn Irving ist äußerst knapp und recht vage. So kann Burton erläutern und ausmalen. Das tut er in eindrucksvollen Bildern mit viel virtueller Animation. Im Grunde hat er nur die Grundidee übernommen und trifft sich mit dieser so in etwa inhaltlich erst am Ende wieder. Dazwischen schiebt er natürlich eine Liebesgeschichte zwischen Crane und Katrina ein (Johnny Depp und Christina Ricci) und bringt eine ganze Reihe von prominenten Darstellern zum Einsatz, wohl dosiert auf viele kleinere Rollen.
Es gilt aber besonders Johnny Depp hervorzuheben. Er gibt seiner Rolle eine komplexe Tiefe mit abwechslungsreichen Gegensätzen. Seine Brille und die Gerätschaften sind legendär, seine Kindheitserinnerungen im Traum erste Sahne, eine gelungene Ergänzung, die interpretierende Erklärungen liefert. Und das Ambiente – ein dichter, dunkler Wald – der keinen Ausblick erlaubt, schafft die notwendige klaustrophobische Enge. Dazu gibt’s einen Soundtrack, der je nach Situation mithilft, die Handlung in die Länge zu ziehen bzw. wenn nötig dramatisch zu unterstützen.
Hier geht Eigenständigkeit vor bloßer Adaption, Blutschocker vor Werktreue. Am Ende überspannt Burton den Bogen fast ein bisschen. Man verliert bei den vielen kopflosen Toten fast den Überblick. Klasse! | |
Do, 17.05.2012TV | Bin gleich zurückAnna kommtWir erleben hier Island als Kiffer-Paradies. Der Stoff wird geraucht, als Kuchen gesessen und als Tee getrunken: das ganze Programm eben. Dabei steht die Dealerin Anna (Lidda Jonsdottir) im Mittelpunkt, weil sie den Stoff vertickt. Da sie kein eigenes Auto hat, müssen alle lange warten. Einziger Hinweis ist ein Schild an ihrer Tür (siehe Titel). Derweil kurvt die auf Island herum, durch wunderschöne Landschaften und erlebt diverse Abenteuer, in denen recht skurrile, koboldartige Gestalten herumgeistern, Was als Tragikomödie angekündigt wurde, entpuppt sich aber weder als tragisch noch als komisch. Derb geht es zu in dieser lockeren Szenenfolge mit harten Schnitten. Es wird ein Trip mit surreal anmutenden Situationen, die in der Tatsache gipfeln, dass eine Gans ein Handy verschluckt hat. Da hapert es manchmal mit der Logik. Zwei kleine Nebenhandlungen sollen Farbe ins Bild bringen, stehen aber ebenso neben sich wie der Main Plot. Hauptdarstellerin Jonsdottir überzeugt lediglich durch ihren vage umherstreifenden Kifferlook und ihr chaotisches Getue. Es ist eine verborgene, spezielle Komik, die nicht jeder findet. Man kann Anna zusehen, wenn sie mal in der freien Natur austreten muss, und mit den Krähen redet, die sie so sehr mag. Ansonsten inhaliert sie ununterbrochen ihren eigenen Stoff und ‘stinkt vor sich hin‘, wie ihr ein Freund bescheinigt. Nicht sonderlich aufregend, eher sonderbar. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.