Mi, 16.05.2012TV | Wo dein Herz schlägtHerzklopfenVom Titel her geht es in Richtung Rosamunde Pilcher und auch der Inhalt gibt so etwas durchaus her. Aber bei genauerem Hinsehen entdeckt man aber auch noch einen Katastrophenfilm mit grotesken Zügen. Es gibt menschliche Katastrophen und solche, die durch Naturgewalten ausgelöst werden. Von allem reichlich. Unbestritten ist die schauspielerische Leistung der drei Mädels, die im Mittelpunkt stehen. Hier überzeugt vor allem Natalie Portman als Novalee Nation. Aber auch ihre Freundin Ashley Judd als Lexi Coop hat ihre Momente sowie der eindrucksvolle Kurzauftritt von Mutter Sally Field. Gegen so viel weibliche Power kann nur ein echter Gutmensch, James Frain als Forney Hull bestehen. Die Groteske beginnt mit den Namen s.o., aber auch Novalees Tochter heißt seltsamerweise Americus. Lexi bekommt ständig Kinder von verschiedenen Männern, und religiöse Fundamentalisten sind als Kidnapper aktiv. Das geht alles recht munter und kunterbunt zu, nicht ohne die etwas dünnhäutigen Emotionen anzukratzen. In zwei Szenen wird uns dann noch die amerikanische Ethik untergejubelt: vergiss das Schlechte, gib das Gute weiter, sei stark und gib nie auf. Dass es gut ausgeht ist klar. Das gönnen wir den Ladies. Sie sind einfach liebenswert, mutig und stark. Sie wissen, wo ihr Herz schlägt. | |
Di, 15.05.2012TV | Bangkok DangerousKiller und ApothekerinInhaltlich bietet der Film nichts Neues. Joe, ein Auftragkiller bildet einen Gehilfen aus und verliebt sich in eine einheimische, taubstumme Apothekerin. Und da es ein typischer Nicolas-Cage-Film ist, gibt es erstens viel knallharte Action und zweitens eine etwas knapp geratene Love Story. Doch die Proportionen sind verrutscht. Action und Love geraten in ein Verhältnis 4: 1, wobei die Liebe unterwegs ganz auf der Strecke bleibt. Ähnlich ergeht es der Logik. Manche Szenen werden abrupt unterbrochen und können dann schon mal Verwunderung auslösen. Die ersten beiden Morde sind Meterware und vorhersehbar, zeigen aber auch Joes Grenzen. Er ist nicht 007. Als ihm dann beim Blick durchs Zielfernrohr Bedenken kommen, menschelt es bei ihm, beeindruckt aber ebenso wenig wie sein dazwischen geschobener Kommentar aus dem Off. Soll wohl stilbildend wirken. Es folgt eine recht unübersichtliche Riesenballerei. Davon wäre eventuell das Ende noch erwähnenswert: Killer gibt sich den Rest und nimmt in aussichtsloser Lage den Bösewicht mit.
Die Coolness von Cage gehört wahrscheinlich zum Job, aber weil lange Zeit ein echter Gegenspieler nicht in Sicht ist, wird’s etwas langweilig. Da unterhalten uns dann die fernöstlichen Bilder aus der Tourismusindustrie, etwas steril und stereotyp aber farbenfroh. Von der Handlung bleibt nicht viel hängen. Stattdessen der eindringliche Dackelblick von Nic Cage und der viel zu kurze Auftritt der schönen Fon (Charlie Yeung).
Frage: Wieso haben die Pangs den Stoff etwas abgeändert und dann noch mal verfilmt? K.V. | |
Do, 10.05.2012TV | Final JudgementDer RacheengelEs einer von den Filmen, die man mit Genuss verreißen und zerfleddern kann und dennoch ist man am Ende nicht frustriert oder gelangweilt.
Die Ausgangssituation ist so klar und eindeutig, dass sich jede Art von Spannung selbst verbietet. Obwohl in Farbe sehen wir inhaltlich doch eine krasse s/w Zeichnung. Straßenschläger wird Priester und jagt als Pater Tyrone einen Frauenmörder. Der ist Maler (David Ledingham) und führt sich gegenüber seinen Models und der Leinwand eher wie ein Holzhacker im Schlachthof auf. Der Versuch ihm künstlerisches Genie und Leidenschaft anzudichten zeigt ihn eher als psychopatisches Tier mit Brutalo-Allüren und ist oftmals lächerlich. Der letzte Mord sollte sein schönster werden (wir genießen das freizügige Modell) und werden vom Traum des Priesters überrascht. Es ist nicht der Plot, sondern die Schauspieler, die überzeugen. Vor allem Brad Dourif, aber auch der kurze Auftritt von Karen Black ist nicht schlecht. Ansonsten sind die Mädels (Sherrie Rose, Maria Ford, Cynthia Steele, Simone Allen) wie immer etwas naiv aber willig. Der reißerische Titel ist irreführend und voll daneben. Das Letzte Gericht findet ja wohl wie Pater Tyrone sagen würde nicht auf dieser Welt statt.
Es gelingt Regisseur Louis Morneau uns zu unterhalten bei völliger Anspruchslosigkeit und manchem Dilettantismus. Aber selbst diese Mischung muss man erst einmal bringen. | |
Do, 10.05.2012TV | Ohne SchuldFür sieDer deutsche Titel stimmt nicht so ganz, denn der Lehrer Lucien (Vincent Lindon) wird, wenn auch vielleicht unschuldig schuldig. Egal. Der des Originals betont, dass er alles ’für sie’ (Diane Kruger) tut. Der Anfang ist dann auch recht spannend, weil dubios. Man sieht nichts, man hört nur Stöhnen, fragt sich, ist das gewalttätiger GV oder ein Mord?! Nach der Hälfte kann man sich den wahren Ablauf der Handlung denken und dann wird’s nicht nur fad und teilweise unglaubwürdig, sondern es kommt auch noch im Hinblick auf das Ende die Rosarote Brille zum Einsatz. Dass man den einen Mord nur andeutet und dann offen lässt, wie es genau war, kann man verzeihen. Aber die beinahe problemlose Flucht geht so glatt wie Käserollen auf Eis, es knirscht nicht einmal, sondern – wenn es ein Western wäre – würde die glückliche Familie in den Sonnenuntergang reiten. Der Zuschauer ist nicht glücklich. Das Drehbuch verordnet es den Akteuren. Und wenn es eine Gebrauchsanweisung für einen Gefängnisausbruch sein soll, ist es nicht detailgenau.
Nach dem erstaunlichen Anfang geht’s in der zweiten Hälfte mit der Spannung steil bergab, um am Ende in einem honigsüßen Topf mit Zuckerwatte ganz weich zu landen. Da war dann ja wohl ein Remake notwendig. Das ist allemal immerhin etwas besser. Anscheinend taugt der Stoff zu nichts so recht. KV. | |
Mo, 07.05.2012TV | Bloodbrother II - Champ gegen ChampBallermann und &Das Beste an diesem Film ist noch die musikalische Untermalung, auch Klassik ist sogar dabei, wenn man sich z.B. in einem weiträumigen ’Palast’ des Mafiabosses befindet. Ansonsten ist es uninspirierte Massenware vom Hollywood-Band. Die Geschichte ist ausgelutscht wie ein Kaugummi, das man tagelang bearbeitet hat. Hauptdarsteller Viggo Mortensen schaut mit seinen stahlblauen Augen verwundert in die Umgebung. Anfangs rettet er einem Bandenboss das Leben, später wird er Mitglied der ’ehrenwerten Gesellschaft’. Als man ihm nach über einer Stunde Action diese Frage stellt, ist die Antwort ebenso überflüssig. Dialoge und Darsteller agieren recht hölzern. Damit man dabei bleibt, gibt es zwischendurch wohldosierte Blicke auf Busen und Ballereien.
In konstanter Regelmäßigkeit wird immer erst die eine, dann die Gegenseite der Bande gezeigt. Wird da etwa befürchtet, man könnte durcheinander kommen mit den vielen (beiden) Parteien? Selbst die Witze, die sich die Gangster erzählen liegen unterhalb der Kalauergrenze. Wenn sich Mortensen als verdeckter Ermittler outet ist der Rest der Spannung total futsch und als am Ende auch noch die ’Kavallerie’ auf der Bildfläche erscheint, ist das einfach nur lächerlich. Genauso wie das Pathos der letzten Bilder. Erbarme!? K.V. | |
Sa, 05.05.2012TV | Um Bank und KragenKreditwürdigEs ist ein durchaus realistisches Bild einer kapitalistischen Gesellschaft, die global eingebunden ist. Und der Spielraum der Akteure reicht von Entlassung bis Start-up Unternehmen. Zwei Familien – auch altersmäßig unterschiedlich - bewegen sich gegenläufig: beim älteren Ehepaar, den Devilles, geht es wirtschaftlich bergab, beim jüngeren, den Riccis, bergauf. Hier überzeugt besonders Huppert-Tochter Lolita Chammah. Der wirtschaftliche Erfolg führt vorübergehend zur Zerstörung der persönlichen Liebeswelt. Eine Zeitlang kann der Reichtum darüber hinwegtrösten Entscheidend ist die Flexibilität mit der sich jeder der neuen Situation anpasst. Das geschieht realistisch nachvollziehbar. Gegen Ende wird es dann etwas unübersichtlich, nachdem die Riccis auch noch in die frühere Komfort-Wohnung der Devilles ziehen. Das ist etwas konstruiert, aber witzig gemacht. Genauso wie die praktische Umsetzung des Kapitalismusgedankens der Kids. Gut, dass daraus kein Trauerspiel geworden ist, denn wenn man Frau Devilles (Pascale Arbillot) Situation nachvollzieht, ist das schon alles andere als lustig. Dagegen sind Witz und Charme im Einsatz einfach besser, inklusive des Informations-Striptease bei den Riccis (‘Ich verrate dir was, wenn du ein Teil ablegst!‘) So gesehen kann man auch aus der Krise vergnüglich Kapital schlagen. | |
Fr, 04.05.2012TV | Ein SeeStockfinsterAnfangs entsteht noch der Eindruck, dass der Film gut zum Downchillen ist. Denn es passiert fast nichts. Da ist viel dunkel, viel verwackelt, vieles unscharf und die Kamera ist viel zu dicht dran. Und so erkennt man auch fast nichts. Man erlebt eine lange, wortlose Stille inmitten einer Winterlandschaft. Die spärlichen, äußerst knappen Dialogfetzen offenbaren drei Namen, 2 Geschwister und einen Fremden, wenn ich es richtig entziffert habe. Und auch einen weit aufgerissenen Mund (à la Munch ‘der Schrei‘!), und man hörte nichts. Das etwas später einsetzende rhythmische Stöhnen soll wohl ein Hinweis darauf sein, was sich da im Dunkel im Nirgendwo abspielt, klang aber eher wie eine Beatmungsmaschine.
Von der Themaverfehlung will ich erst gar nicht reden. Es hätte auch heißen können ‘Ein Winter‘ oder ‘Der Fremde‘ oder ‘Im Holz‘. Der See ist völlige Nebensache.
Die Grenze zwischen Arthouse und Antifilm scheint hier bereits überschritten zu sein. Irgendeine Aussage wäre doch ganz schön! So bleibt eine Kunstform, die gekünstelt amorph und kryptisch ist.
Vielleicht hat Regisseur Philippe Grandrieux eine Allerweltsstory so abgedunkelt, dass man sie optisch fast nichts erkennt und damit den Inhalt geheimnisvoll verschleiert. Aber wer setzt sich schon 90 Minuten vor eine schwarze Wand? K.V. | |
Mi, 02.05.2012TV | Inglourious BasterdsOperation KinoMit dieser Groteske ist Quentin Tarantino ein genialer Coup gelungen. Und zwar weil er einen neuen Weg beschritten hat, um mit der Nazi-Problematik umzugehen. Bisher gab es entweder Kriegs- oder Spionagefilme darüber, die mehr oder weniger historisch genau einen Teilaspekt der NS-Zeit bearbeitet hatten. Hier gab es echte Helden, die Mut hatten und immer gegenüber den bösen Nazis den Sieg davontrugen; entweder kamen sie aus dem eigenen Lager oder aus dem der alliierten Nazigegner. Es gab menschliche Tragödien mit oder ohne Happy End, bisweilen Herzerwärmendes.
Tarantino macht alles anders! Er behält zwar die klare Einteilung in Nazi-Jäger, Nazi-Opfer und einfache Nazis bei. Er setzt aber zu einer Riesen-Nazi-Verarsche an und schafft in Handlung und Tonfall den Spagat zwischen Ironie bzw. menschenverachtendem Sarkasmus und der latent lauernden Grausamkeit auf beiden Seiten. Besonders Christoph Waltz zeigt das sehr gekonnt, ebenso wie sein Gegenspieler Brat Pitt. Es kommt zu makabren Situationen, in denen ein aufgesetzter Lacher keine Entspannung bringt, zumal man damit rechnen muss, dass jederzeit ein Inferno losbrechen kann, bei dem tarantinomäßig ohnehin fast keiner überlebt. Und so sehen wir dem Titel entsprechend eine ganze Reihe von ‘nicht-glamourösen Schweinehunden‘, deren Aktionen mit musikalischen Klassikern unterlegt sind. Unglaublich! | |
Di, 01.05.2012TV | FirefoxClint klaut KampfjetEin typisches Produkt aus der Endphase des Kalten Krieges (1982). Clint Eastwood klaut in einer Nacht und Nebelaktion einen Kampfjet, den ganzen Stolz der Sowjetunion. Und das geht ungefähr so einfach wie Brötchen vom Bäcker holen. Die Bösen sind natürlich die vom KGB. Und die sind auch immer etwas unintelligenter und ahnungsloser als ihre Kollegen aus dem Westen. Da die Furcht vor diesen Bösewichtern nicht mehr da ist, gibt es auch überhaupt keine Spannung. Damals eventuell schon eher. Bereits die überlange Einleitung – endlose Kontrollen im nächtlichen Moskau – ist echt ermüdend. Eine spektakuläre Explosion ist da schon ein wahres Highlight.
Es gibt ein Duell in den Wolken und viel Fachsimpelei am Boden. Die russische Seite attestiert den Amies, die Entführung sei ein genialer Plan. Unter den sowjetischen Militär erkennen wir Klaus Löwitsch, der aber auch nichts reißen kann. Man war damals die Welt noch einfach!? In späteren Filmen konnte Clint Eastwood dann zeigen, was wirklich in ihm steckt als Schauspieler und als Regisseur. Diesen Film von ihm kann man vergessen. K.V. | |
Di, 01.05.2012TV | Open Hearts - Für immer und ewigVon der Liebe verlassenDer Fokus liegt auf dem sozialen Umfeld und den Reaktionen auf einen Unfall, bei dem Joachim (Nikolai Lie Kaas) vom Hals abwärts gelähmt ist. Und es wird Tacheles geredet, was nicht heißen soll, dass es ohne Tränen abgeht. Doch es gelingt der Regisseurin Susanne Bier vom Geschehen Abstand zu halten und den Zuschauer trotzdem zu packen. Eine realistische Entwicklung setzt ein. Zwei Angehörige von verschiedenen Parteien gehen eine neue Beziehung ein: Freundin Cecilie (Sonja Richter) und Ehemann Niels (Mads Mikkelsen hier mal in Tränen!) verlieben sich in einer Art Not- und Schlafgemeinschaft. Alle reagieren heftig aber gut nachvollziehbar. Auch die Kinder! Von Anfang an wird die Handlung von Dialogen begleitet, die mit einer ganz persönlichen Ironie daherkommen. Dabei sagen die Figuren oft das Gegenteil von dem, was sie meinen. In einer Wohnung ohne Möbel sagt Niels ‘Sehr gemütlich, findest du nicht? ‘ oder zu seinem Kollegen, der wirklich ein Riesenrindvieh ist sagt er lächelnd ‘Du bist ein liebenswerter, angenehmer, sehr netter Mensch. ‘ Das schützt ohne anzugreifen, zeigt aber auch die Distanz des Sprechenden zum Geschehen und wirkt außerdem wie ein Palliativ.
Am Ende gibt es keine Gewinner. Jeder ist nur an Erfahrung reicher. Die vom Unfall betroffenen ehemals Liebenden ‘haben einander verlassen‘. Alle retten sich in die Zukunft mit ‘Offenen Herzen‘. Nordisch cool und trotzdem nicht ohne Emotionen. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.