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So, 29.04.2012
TV | Terminal
Viktor aus Krakozhien3 Sterne
Die Geschichte von Viktor, einem plötzlich staatenlos gewordenen Ausländers aus Krakozhien (Tom Hanks) ist so oder so ähnlich wirklich passiert. Es ist eine echte Dramödie. Tragisch weil realistisch und voller recht abstruser Situationskomik und Wortwitz. Es entwickelt sich ein Machtkampf zwischen ihm und dem Sicherheitschef des Flughafens (Stanley Tucci). Natürlich fragt man sich nicht, ‘ob‘ er die USA wirklich wird betreten dürfen, sondern nur ‘wann‘ und ‘wie‘. Dabei kann man Viktors spitzbübische Anpassungsfähigkeit und seinen einfältigen Charme genießen. Tom Hanks ist einfach umwerfend ahnungslos und das ist wohl neben seiner Beharrlichkeit ein Schlüssel zu Viktors Erfolg. Seine Sprachbarriere und das Flughafenpersonal sind erfreuliche Unterstützer dabei. Da wird z.B. schon mal gesprächsweise ‘Cher‘ mit ‘Schere‘ verwechselt, während der Flughafen allmählich zu Viktors Wohn- und Schlafzimmer wird. Der Grund für Viktors Einreiseversuch ist fantasievoll konstruiert, die angedeutete Lovestory mit Catherine Zeta-Jones allerdings arg schmalzig. Gegen Ende überdreht Spielberg das Script. Durch eine angetäuschte Erpressung und den Doch-Nicht-Doch-Effekt wird die Handlung etwas unübersichtlich und gleichzeitig aber auch spannender. Die Antwort auf die letzte Frage des Taxifahrers lässt uns mit einem wissend-verschmitzten ‘Ah ja! ‘zurück. Den Film kann die ganze Familie genießen.
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Sa, 28.04.2012
TV | Auferstehung
Der neue Dimitri1 Stern
Zwischen 1909 und 2001 hat es immer wieder Verfilmungen des Tolstoi-Romans gegeben. Dabei machte ein Stummfilm von Griffith den Anfang und die Taviani-Brüder den bisherigen Abschluss. Der Reiz lag vielleicht nicht nur am fehlenden Happy End, sondern auch in der Betonung von Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft. Doch das Drehbuch erlaubt keine Vertiefung eines religiösen oder sozialkritischen Ansatzes, wie er Tolstoi vorgeschwebt hat. So bleibt es ein Rührstück. Hier liegt der Fokus auf der Katharsis von Fürst Dimitri (Horst Buchholz). Er wird als ‘neuer Mensch‘ quasi wiedergeboren. Diesen Film hat Rolf Hansen 1958 gemacht. Er konnte bis in kleine Nebenrollen alles einsetzen, was im deutschen Film damals Rang und Namen hatte. Aber auch nicht-deutsche Darsteller wie Lea Massari kamen zum Einsatz. In der weiblichen Hauptrolle überzeugt die inzwischen vergessene Myriam Bru. Sie spielt abwechslungsreich erst die schüchterne Dienstmagd, dann die vom Leben enttäuschte Hure und schließlich die madonnenhaft Leidende, die allem Irdischen entsagt. Viel Aufwand wurde für die Ausstattung betrieben. Manchem Interieur merkt man allerdings die Pappwandqualitäten eines Studios an. Und die angelernte Schauspielkunst der 50er Jahre kommt oft etwas übertrieben pathetisch daher. Deshalb sehen wir zu wenig von Tolstois Tiefe und zu viel tränenreichen Herz-Schmerz verpackt in den Charme der 50er Jahre.
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Fr, 27.04.2012
TV | Das Osterman-Weekend
Operation Omega4 Sterne
Dieser Thriller der Extraklasse vom Altmeister Sam Peckinpah ist aus zwei Gründen bemerkenswert. Sein klassischer Aufbau ist für die Spannung wie Öl für ein Feuer. Nach der Vorstellung aller 4 Beteiligten in ihrem sozialen Umfeld kommt es zum jährlichen Treffen der Freunde (siehe Titel!) und ihrer Frauen. Menschliche Schwächen werden sichtbar, versteckte Drohungen ausgesprochen, es kommt zu ersten Handgreiflichkeiten. Was als lockere Gartenparty begann, geht jetzt spannungsmäßig besser ab als Schmitts besagte Katze. Der zweite bemerkenswerte Grund sind die völlig unerwarteten überraschenden Wendungen, die von total verschiedenen Bereichen herrühren. Zunächst meint man ein berühmt berüchtigter Fernsehmoderator (Rutger Hauer) will Max Danforth (Burt Lancaster) dem CIA Boss in die Suppe spucken, indem er ihm Machtmissbrauch und Vorteilsnahme nachweist. Dann geht die Entwicklung in Richtung Auseinandersetzung KGB und CIA, also ein typisches Thema des Kalten Krieges mit Spionageabwehr und der Maxime ‘Die Wahrheit ist eine nicht aufgedeckte Lüge‘ und schließlich entlarvt der CIA Mitarbeiter Fassett (John Hurt) Danforth vor laufenden Kameras aus persönlicher Rache als Mörder an seiner Frau. Er zahlt dafür einen hohen Preis. Und was wäre ein echter Peckinpah ohne wilde Verfolgungsjagden und spektakuläre Crashs. Ein Pool brennt! Der anfangs gezeigte Mord wird erst am Ende aufgeklärt. Kein bisschen angestaubt, nur etwas dunkel, vom leisen Knistern über turmhohe Flammen zum entwaffnend dualistischen Inferno.
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Do, 26.04.2012
TV | Junta
Wo sind sie?4 Sterne
Der Film spielt zur Zeit der Militärdiktatur in Argentinien und beruht auf wahren Begebenheiten. Willkürliche Verhaftungen und qualvolle Folter, um Geständnisse zu erpressen sind Normalität. Hier trifft das Opfer Maria (Antonella Costa), wohlhabend, gebildet und im Widerstand auf den Folterknecht Felix (Carlos Echeverria), der bei ihrer Mutter (Dominique Sanda) als Untermieter gewohnt hat. Man kennt sich. Sie versucht alles, um frei zu kommen, er geht scheinbar darauf ein. Ein gescheiterter Fluchtversuch mit anschließend fingierter Hinrichtung verschärft die Situation. Sie bietet sich ihm an, er arrangiert einen gemeinsamen Freigang. Ein Fehler! Die Atmosphäre in den dunklen Gefängniszellen wird durch die wackelige Handkamera beängstigend. Die knappen Dialoge schaffen ein Gefühl der orientierungslosen Hilflosigkeit, denn keiner weiß, wie es weiter geht bzw. was sich die Folterknechte als Nächstes einfallen lassen. Die Angst oder zumindest eine allgemeine Verunsicherung wird übertragbar. Vieles ist irgendwie holzschnittartig gehalten und erhöht auf diese Weise die Wucht der Impressionen. Es gibt viel Grausames zu sehen, so kann auf manches Detail verzichtet werden, manches Schicksal wird nur angedeutet. Der Film erinnert daran, dass es auch heute immer noch Folter gibt, politische Gefangene und die Willkür der Mächtigen. Und der Ort des Grauens ist gleich nebenan, getarnt als ‘Werkstatt Olimpo‘.
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Do, 26.04.2012
TV | Das Meer in mir
Abflug nur geträumt4 Sterne
Das nachhaltig beeindruckende an diesem Film über den Freitod des vom Hals abwärts Gelähmten Ramon (Javier Bardem) ist neben den großartigen Schauspielern das Drehbuch. Nach dem poetischen Titel liefert es Sätze wie „Man lernt lachend zu weinen.“ oder „Ich bin mit dem Tod verheiratet.“ Als Resümee wird festgestellt, dass wir zwar ‘das Recht haben zu leben, aber nicht die Pflicht‘. Das soziale Umfeld von Ramon, das aus Verwandten und 3 Freundinnen besteht, trägt mit dazu bei, dass wir in den Kreisel um den Lebensmüden hinein gezogen werden. Besonders Rosa (Lola Duenas), die schlichte Arbeiterin, die nur aus Gefühl zu bestehen scheint und vorbehaltlos liebt und Julia (Belén Rueda) die selbst zum Suizid neigende, totkranke Anwältin liefern eine eindrucksvolle schauspielerische Leistung ab. Die Tränen dieser Frauen sind ansteckend. Optisches Highlight ist Ramons geträumter Flug zum Meer, intellektuell überzeugt die kurze Diskussion mit einem Priester, der ebenso dran ist wie Ramon, der aber als Vertreter der Kirche argumentativ recht alt aussieht. Dabei werden Rede und Antwort von einem jungen Gehilfen via Treppenhaus transportiert. Das erheitert ebenso wie die vielen kleinen verbalen Späße, die die Bettlegerichkeit von Ramon vergessen machen sollen. Es ist keine Propaganda für den Verein „Sterben in Würde“, denn er Film betont eigentlich die sonnigen Seiten des Lebens von Behinderten und unterstreicht das Lebenswerte daran. Es gibt keine Lösung. Fest steht, für die Hinterbliebenen ist es schlimmer als für die Betroffenen selbst. Wir lernen lachend zu weinen!
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Mi, 25.04.2012
TV | Britannia Hospital
Grausames Britannien4 Sterne
Es ist eine der besten weil bissigsten Satiren über das britische Gesundheitswesen. Die hier gezeigten Zustände in den Krankenhäusern bis in die 80er Jahre entsprechen sogar der Realität. Erst die konsequente Übertreibung macht allerdings die Essenz deutlich. Nicht verändert – und das gilt auch sonst in der Welt - hat sich wohl inzwischen die Zweiklassengesellschaft bei den Patienten. Das Krankenhaus wird zu einer Festung. Draußen wird demonstriert gegen die Behandlung eines faschistischen Diktators, drinnen streikt das Personal. Wir sehen Dinge, die man heute kaum noch beschreiben kann, denn das Wort Streikposten (picket) ist inzwischen aus dem Wortschatz verschwunden. Im Hospital treibt Dr. Millar (Graham Crowden), eine Art Frankenstein, sein Unwesen und um das Maß voll zu machen steht ein Besuch der Queen Mum (wie immer in Blau) bevor. Viele Prominente beteiligen sich bei den witzigen Dialogen, allen voran Malcolm McDowell, (dem Uhrwerk-Orangenmann) sowie Alan Bates, Joan Plowright, Richard Griffiths und der 1982 noch unbekannte Robbie Coltrane. Ausstattung und Beleuchtung deuten in Richtung Science Fiction, eine Kamera wird als Waffe eingesetzt. Das soll die sensationsgeilen Medien treffen. Gegen Ende versinkt alles im Chaos, mit viel Blut, prügelnden Bobbies und einem kopflosen Homunkulus. Der Mensch der Zukunft besteht nur aus Gehirn. Das ist bitter und tut weh, weil nicht allzu weit weg von der möglichen Realität.
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Di, 24.04.2012
TV | Me Too - Wer will schon normal sein?
Das 21. Chromosom4 Sterne
Eine gewagt Liebesgeschichte zwischen dem echten Downy Daniel (Pablo Pineda) und Laura (Lola Duenas), die traumatische Kindheitserfahrungen mit sich rumschleppt. Viele Details liefern Aufklärung über das Syndrom mit dem 21. Chromosom, zeigen aber auch die eigentlich ganz normale Gefühlswelt der Betroffenen. Im Grunde unterscheidet sich Daniel von seinen Mitmenschen doch nur durch sein Aussehen und seine Sprache. Aber das ergeht ja jedem so, denn keiner ist wie der andere. Und auch Daniels geistige Kapazitäten werden z. B. durch sein Studium betont. Er ist gebildet. Die Beziehung zwischen den beiden entwickelt sich durchaus glaubhaft. Anfangs schwankt man noch, ob es von Lauras Seite Zuneigung ist oder das mütterliche Helfersyndrom. Doch dann werden wir auch noch durch wichtige Nebenhandlungen dazu gebracht, dass Daniel ganz normal zu sein scheint. Sein Verhalten ist emotional überwältigend, oft kindlich direkt (eine Eigenschaft, die wir fast alle im Laufe der Zeit verlieren) und liebenswert fröhlich. Pablo Pineda spielt sich selbst, aber auch Lola Duenas überzeugt durch differenzierte Mimik und dem Versuch überbordende Gefühle zu deckeln. Die angebotene Lösung überrascht, ist aber durchaus akzeptabel. Einziger Wermutstropfen sind die akustischen Schocker, die oftmals unverhofft das Trommelfell malträtieren. Ansonsten gelungen und aller Ehren wert.
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Mo, 23.04.2012
TV | Scoop - Der Knüller
Nur ein leiser Knaller2 Sterne
Die Idee, die dem Plot zugrunde liegt, ist gar nicht mal so schlecht. Nachdem Woody Allen schon früher einmal Figuren von der Leinwand in den Kinosaal hat herabsteigen lassen, gibt es hier ein Gespräch zwischen Lebenden und Verstorbenen in Richtung Enthüllungsjounalismus. Auch der Übergang dieses kuriosen Zusammentreffens ist ganz nett. Aber dann hat der Zuschauer nur noch zwei Optionen für seine begeisterte Zustimmung: Woodys Solopassagen mit den schnell dahingequasselten Satzteilen zu goutieren oder Scarlett Johansson zu bewundern, die versucht ihrer Rolle einen eigenen Charakter zu verleihen. Na gut die weiblichen Zuschauer können sich noch am austrainierten Körper von Hugh Jackman erfreuen. Aber das war’s auch dann schon. Die überraschenden Wendungen gegen Ende sind keine und beim Humor haben sich dann inzwischen auch die Pointen ihre scharfen Kanten abgelaufen. Die angebliche Liebesgeschichte ist etwas eindimensional und vorhersehbar, die ganze Story zu gradlinig. Bei diesem‘ Knaller‘ knallt es nicht oder zu wenig. Woody Allen hat ihn routiniert abgedreht. Seine Fans werden es mögen, andere behaupten er sei immer noch weit oberhalb des Durchschnitts.
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Mo, 23.04.2012
TV | Men on the Bridge
Job, Miete, Frau2 Sterne
Das titelgebende, symbolische Band, das die Akteure miteinander verbindet, ist die Brücke über den Bosporus. Hier bekommen wir anhand von drei gut gewählten Figuren (Rosenverkäufer, Taxifahrer und Polizist) einen interessanten Einblick ins ganz normale Leben in der heutigen Türkei. Wir werden mit allzu menschlichen Schwierigkeiten konfrontiert, wie sie fast überall auf der Welt existieren. Es geht um Jobsuche ohne Ausbildung, Eheprobleme wegen finanzieller und sexueller Meinungsverschiedenheiten und Heiratswünsche via Internet. Aber auch typisch türkische Phänomene werden beleuchtet: wie etwa der Nationalismus, dem mit Militärparaden und Feuerwerk gefrönt wird. Und es gibt Gespräche darüber, was man im Lande so allgemein von der PKK hält. Auch die weitverbreitete Ansicht, dass die Feinde der Türkei die westlichen Imperialisten sind, die vom zionistischen Kapital finanziert werden, kommt zur Sprache. Regisseurin Asli Özge kann das gelassen distanziert von ihrem Berliner Domizil aus so sehen. Die Laiendarsteller aus seiner Heimat sollten dem Film wohl Authentizität verleihen, agieren aber etwas hölzern. So wird der dokumentarische Charakter noch stärker unterstrichen. Es entsteht auch kein neues Bild vom kleinasiatischen Staat. Wir sehen, was wir bereits kennen, vielleicht hier global eingefärbt.
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Sa, 21.04.2012
TV | Astronaut Farmer
Daddy der Held2 Sterne
Der überbordende Optimismus der Amerikaner feiert hier fröhliche Urstätt. Wir Europäer sind viel zu nüchtern, um uns so eine hanebüchene Story auszudenken, dass es einem Privatmann gelingt, von seinem Acker aus eine selbstgebastelte, bemannte Rakete in den Orbit zu schießen. Billy Bob Thornton spielt diesen Charles Farmer, und hier schaut er sogar oftmals freundlich drein, unterstützt von den beiden Bruces: Willis und Dern. Der eine ist als Verneigung vor dem früheren Weltenretter gedacht, der zweite ist fürs Gefühl zuständig – und stirbt zur Unzeit. Den weiblichen Part hat Virginia Madsen übernommen, die als Figur etwas unbefriedigend angelegt ist. Sie ist einerseits mit viel Hingabe Ehefrau und Mutter, also ganz Emotion, verliert andererseits aber nicht die Realität und die Unmöglichkeit des Unternehmens aus den Augen. Lichtmäßig kommt die Story als überzuckertes Märchen daher (goldbraune Farben dominieren) mit vielen Sonnenuntergängen garniert. Zeitweise geht es sogar in Richtung Gesellschaftssatire mit Medienhype und Werbeträgern, wobei wie immer die Erwartungen ins Kraut schießen. Am Ende ist Daddy der Größte und alles ist wieder FFE. Selbst die finanziellen Engpässe werden eingeebnet und es ergibt sich für Familie Farmer ein Weg in eine güldene Zukunft. Etwas schal.

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Krimi mal anders5 Sterne

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