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Fr, 20.04.2012
TV | Morgen
Almanya1 Stern
Dunkel war’s, der Mond schien helle…Es passiert nicht viel. Man ahnt die Situation an der Südost Grenze der EU, ein gutes Gebiet für Schmuggler und Schleuser, und natürlich gibt es hilfsbedürftige Flüchtlinge. Von den beiden Männern Nelu und Behran (András Hatházi und Yilmaz Yalcin) versteht keiner den anderen. Es wird auch gar nicht der Versuch unternommen, sich zu verständigen. Nur das Wort ‘Almanya‘ taucht im Kauderwelsch des Migranten Behran immer wieder auf. Das nervt den gutmütigen Einheimischen nicht, den Zuschauer schon. Denn diese Sprachbarriere der Akteure wird zur Verständnisbarriere. Die Handlungsarmut, eine starre Kameraeinstellung und die emotionslosen Dialoge tragen mit dazu bei, dass sich alles etwas zäh in die Länge zieht, sehr hölzern wirkt. Da ist die ruppige und herzlose Unterhaltung des Ehepaares noch ein dramatisches Highlight. Meistens schwankt die Handlung aber zwischen seltsamer Komik und komischer Realität hin und her. Das Ende kommt nicht nur recht unverhofft, sondern bleibt auch noch offen, irgendwie unvollendet. Die Preiswürdigkeit liegt wohl in der Schlichtheit des Andersseins.
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Mi, 18.04.2012
TV | Mord an einem chinesischen Buchmacher
Cassavetes und Freunde4 Sterne
John Cassavetes war wohl einer der profiliertesten Indi-Filmer der 70er Jahre. Hier hat er mit seinen Freunden Ben Gazzara und Seymour Cassel eine Arbeit vorgelegt, die wie alle seine Filme nicht massenkompatibel ist. Sein Low-Budget Film trägt die für ihn typischen Kennzeichen: Wackelkamera, lange Einstellungen und lange Dialoge. Alles wirkt unpoliert und irgendwie improvisiert. Es geht um einen Auftragsmord zur Begleichung von Schulden. Dazu wird Cosmo (Ben Gazzara) von der Mafia gezwungen. Ungewöhnlich ist die detaillierte Beschreibung des Mordes, bevor er geschieht, ebenso wie die Tatsache, dass viel im Halbdunkel bleibt. Dabei kommt Cassavetes fast ohne Begleitmusik aus. Der Film lebt von der Nachtclub-Atmo und einem stets freundlich lächelnden Cosmo. Die Szenen mit der Bühnenshow sind allerdings etwas zu lang geraten. Fans schätzen, dass es kein üblicher Gangsterfilm ist. Cosmo ist ein Überlebenskünstler im Haifischbecken der Unterwelt. Für das Genre ganz untypisch wird das soziale Umfeld beleuchtet: Cosmo lebt mit seinen Mädels aus dem Showgeschäft wie eine große Familie – auch in der Freizeit. So geht der Film auch völlig unspektakulär zu Ende und bleibt wohl eher eine Sozialstudie.
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Di, 17.04.2012
TV | Lady Vengeance - Leben für die Rache
Die schöne Killerin3 Sterne
Für diesen Film muss man sich von seinen vertrauten Sehgewohnheiten verabschieden. Es kommen ganz unterschiedliche Erzählweisen zum Einsatz. Es beginnt dokumentarisch mit märchenhaften Einschüben, poetischen Bildern und führt direkt in die Realität. Dazu gibt es einen Kommentar, vorauseilende Traumsequenzen und viele abrupte Schnitte. Es wird gesungen, auf Englisch parliert mit deutscher Übersetzung und völlig unvorbereitet in eine ganz andere Szenerie eingetaucht, oft in Begleitung klassischer Musik. Dabei fliegen schockierende Bilder und mörderische Szenen vorbei. In diesem mosaikartigen Labyrinth findet man sich nicht immer gleich zurecht. Es wird nicht alles erklärt, sondern eher überrascht. Allmählich schält sich eine Handlung heraus mit vielen Sprüngen, Lücken und Schockern. Es hätte eine Klamotte werden können. Ist es aber nicht, denn der Pfad des Grauens führt mangamäßig mit vielen quälerischen Facetten ins Skurrile, dann ins Makabre, um schließlich im Surrealen zu enden. Und diejenige, die diesen Weg geht, ist sehr hübsch, sehr cool und sehr brutal (Lee Yeong-ae). Ob Mord als Vergeltung eine Lösung ist, bleibt offen. Die Gruppe der Hinterbliebenen kann zwischen rechtsstaatlicher Anklage und Lynchjustiz an Ort und Stelle wählen. Das Ende kommt mit poetischem Schneegestöber. Stil ist alles, sogar grausam.
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Di, 17.04.2012
TV | Le bon plaisir - Eine politische Liebesaffäre
Das reine Vergnügen2 Sterne
Bevor das Geheimnis um das uneheliche Kind von Francois Mitterand enthüllt wurde, war der Inhalt des Films wohl Science Fiction. 1984 da lebte der französische Präsident noch und so ging Regisseur Francis Girod wohl äußerst behutsam vor. Heute kennt man die Realität, aber die politische Brisanz ist dahin. Obwohl als Komödie angekündigt, muss man das Komödiantische zwischen den Zeilen suchen und falls man es findet, kann man es nur mühsam goutieren. Vielleicht bietet der Dialog des älteren Ehepaares noch am ehesten für einige Minuten halbwegs amüsante Passagen. Politisch korrekt ist der Film auch nicht, nur das Ambiente stimmt (Louis XVI.- Möbel). Die prominenten Darsteller (Deneuve, Trintignant, Serrault) agieren im nebulösen Raum der Unverständlichkeiten. Und wenn am Ende so etwas wie ein Politthriller angedeutet wird, wähnt man sich in einem anderen Film. Der Abspann belehrt uns, dass alles frei erfunden sei (inklusive der unlogischen Knacks). Die wenigen historischen Anspielungen sind optisch nicht gerade gelungen oder aus der Luft danebengegriffen. Die Handlung schleppt sich so etwas zäh dahin, Spannung kann man ja auch nicht erwarten. So ist ‘das reine Vergnügen‘, das der Titel verheißt, vielleicht ein Hinweis auf Mitterands ehelichen Ausrutscher, für den Zuschauer ist es das keineswegs. K.V.
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Mo, 16.04.2012
TV | Eine neue Chance
Folgen einer Männerfreundschaft4 Sterne
Eine beeindruckende Doppelstudie: der beste Freund Jerry (Benicio Del Toro) ihres ermordeten Mannes (David Duchovny) will clean werden und seine Frau Audrey (Halle Berry) will über den schmerzlichen Verlust hinwegkommen. Wie sich Jerry und Audrey gegenseitig helfen, weil sie sich brauchen, wird detailliert geschildert, mit allen horrormäßigen Abstürzen und Ermunterungen. Sie durchleben Qualen, die durch den Entzug entstehen und auch aus der Einsamkeit heraus. Beim Junkie dreht sich alles nur um den nächsten Schuss. Und das ist wie Jerry weiß ‘wie ein Kuss von Gott!‘ Larmoyanz wird ausdrücklich vermieden. Natürlich bewegen sich beide auf einander zu. Es knistert ohne Entladung. Das nachgemachte Einschlafritual ist hier grenzwertig: Jerry als Ersatzehemann?! Aufwühlende Emotionen werden sichtbar, die Kamera schaut tief ins Innere der Akteure durch immer wiederkehrende Großaufnahmen der Augen. Untergehen oder weiterschwimmen? Dabei ist das soziale Umfeld ganz wichtig. Der deutsche Titel ist pragmatisch und platt. Der des Originals ist lyrisch: Audrey und Jerry haben viel verloren. Es sind die schönen Dinge des Lebens, an die man sich erinnert. Die sind weg, verbrannt. Das Ende ist durch einen wohltuenden Minimalismus überzeugend. Halle Berry hätte für diese Leistung den Oscar eher verdient. Und Benicio Del Toro in einer seiner besten Rollen, eine Mischung aus James Dean und Tom Waits, ein Träumer und ein Held. Einfach großartig!
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So, 15.04.2012
TV | Glaubensfrage
Zweifel3 Sterne
Die katholische Kirche hat es damit immer wieder in die Schlagzeilen geschafft. So ist das Thema ‘Missbrauch‘ immer wieder hoch aktuell. Die Medien berichteten von tatsächlichen, nachgewiesenen Fällen. Hier steht aber lediglich eine Vermutung der stock-konservativen, fundamentalistischen, lebensfeindlichen Schwester Alyosius im Mittelpunkt. Die spielt Meryl Streep beängstigend authentisch. Selten hat sie so voller Hass und versteckter Feindschaft dreingeblickt und gleichzeitig Verunsicherung mit Gewissheit und hehren Absichten verbunden. Sie erweckt anfangs Verärgerung und Ablehnung, später Mitleid. Ihr Gegenspieler ist der freundliche, hilfsbereite und herzensgute Pater Flynn (Philip Seymour Hoffman). Er hat nichts Verwerfliches getan, muss sich nur gegen die üble Verleumdung wehren. Erschwerend kommt noch hinzu, dass es ein farbiger Junge ist. Die Auseinandersetzung der beiden so unterschiedlichen Charaktere ist hohe Schauspielkunst und die Dialoge beackern das ganze Feld dieses so unerfreulichen Themas. Die berufliche Zukunft von Pater Flynn überrascht nicht. Nur die etwas zu kurz geratene, tränenreiche Einsicht von Schwester Aloysius kommt etwas unerwartet und wenig überzeugend. Da läuft schon der Abspann. Man muss einfach weiterdiskutieren.
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So, 15.04.2012
TV | In Deep - Unter Wölfen
Mord unter Wasser2 Sterne
Meterware zum Downchillen. Man ist um Authentizität bemüht durch Fachjargon und High Tech wie ein Laser Mikro. In Erinnerung bleibt auch noch die Beobachtungszelle vor Ort unter einem Tarnnetz. Ansonsten ist die Story nicht neu und bietet von Anfang an klare Fronten. Die Guten sind die Bullen: zwei flotte, verdeckte Ermittler (Nick Berry und Stephen Tompkinson) und den bösen Mafiaboss mimt Ian McShane. Durch seine schwankende Ehefrau Tania (Joanna Roth) kommt etwas Spannung hinzu. Doch die wird gleich wieder verspielt, weil der mögliche Austausch der Tochter des Ermittlers gegen sie– obwohl angedeutet – nicht weiter verfolgt wird. Ein Knistern wird auch dadurch vermieden, dass die Gangster etwas schlicht und die Polizei immer etwas cleverer und schneller ist. Und auch der Mord aus Eifersucht, Rache und Enttäuschung etc. verliert an Dramatik. Man ahnt bereits so etwas! Hier kommt dann wenigstens ein Teil des Titels der Serie ins Spiel: ‘Im tiefen Wasser‘. Von Wölfen ist da wenig zu sehen, wenn überhaupt, tragen alle Schafspelz. Das Ambiente versetzt uns nicht auf die Insel, sondern eher in die USA. Alles etwas unbritisch, bis auf die schwarz-weißen Randkappen der Polizei. Na ja, geht so!
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Fr, 13.04.2012
TV | Das zweite Mal
Ermüdendes Wiederkäuen1 Stern
Der Film versucht eine Aufarbeitung des Themas ’Täter-Opfer’ am Beispiel einer lange zurückliegenden Aktion der Roten Brigaden in Italien. Heute treffen sich beide ein zweites Mal. Die Täterin, Valeria Bruni Tedeschi, will vergessen und sich nicht mehr erinnern. Er, Nanni Moretti, kann es nicht, weil die Kugel noch in seinem Kopf steckt. Eigentlich eine dramatische Ausgangssituation. Aber wie Regisseur Calopresti trotz renommierter Hauptdarsteller und trotz kleiner Nebenhandlungen hier zu Werke geht ist sehr ermüdend. Obwohl es wie eine übliche Liebesgeschichte in der Kennenlern-Phase anfängt, wird aufgrund von falschen Angaben das Interesse geweckt. Doch dann hakt es. Der Mann, der alles dransetzt, um die Attentäterin zu treffen und mit ihr zu reden, gibt sich nach kurzer Diskussion zufrieden. Da hätte man mehr erwartet. Die Fronten sind verhärtet. Sie glaubt immer noch ’man müsse einen treffen, um hundert zu erziehen’, er verweist auf die Sinnlosigkeit der früheren Aktionen. Dabei bleibt es. Man trennt sich im Regen (sic!). Die emotionslos dargestellten Rollen bieten auch den Akteuren keine Möglichkeit ihr Können unter Beweis zu stellen. Das Ende belegt lediglich, dass eine Vertreterin der Roten Brigaden nach über 30 Jahren, trotz einer sich verändernden Welt, immer noch an das glaubt, was sie früher , als man gegen Aldo Moro losging, vertreten hat. Na toll! Wieso das so ist erfahren wir nicht. So bleibt alles wie es ist. Selbst das Opfer ist nun plötzlich zufrieden. Der Zuschauer nicht. K.V.
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Mi, 11.04.2012
TV | Verbraten & verkauft
Dämliche Chaos Trupppe0 Sterne
Der Titel ist mit seiner Doppeldeutigkeit noch das Beste an diesem total verunglückten Streifen. Zum einen sind die beiden Akteure Vertreter für Grillfleisch, zum anderen werden sie – wenn man die Geschmacks- und Toleranzgrenze unter den Dielen vergräbt – so was ähnliches wie in die Mangel genommen. Es lag wohl am äußeren Erscheinungsbild der beiden (Ray Romano und Kevin James), dass mir als Assoziation spontan Dick und Doof einfiel. Aber die waren wenigstens lustig. Hier sehen wir schon zigmal durchgenudelte Situationen, klicheüberladen, mit miserablen Schauspielern, die flache Text runterspulen. Und wenn dann mal einer oder eine versucht betont witzig zu sein (’ein Scherz!’), dann hat bereits der nächste Gähner den Weg ins Schlummerland gesucht. Selbst als etwas passiert und weichgespülte Ganoven mit Pistolen rumfuchteln, wird es unübersichtlich und unglaubwürdig, keineswegs lustig. Burt Reynolds Kurzauftritt stiftet zusätzlich Verwirrung und der FFE-Schluss mit Klassikmusik passt wie Wasser zur Raffinerie. Hier wurde Unterhaltung mit Unterhalt verwechselt, Witz mit Wirsing und Spannung mit Spinnerei. Es bleibt ein Eindruck von Eis am Stiel nur ohne Eis. Es wirft ein bemerkenswertes Licht auf das Fernsehen, wenn uns diese gequirlte Sauce als Tipp des Tages verkauft wird.
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Di, 10.04.2012
TV | Hannibal Rising - Wie alles begann
Wie alles begann2 Sterne
Der vorerst letzte Teil in der Serie um das Monster Hannibal Lecter. Es ist eine spannende, in eindrucksvollen Bildern erzählte Ergänzung, die den Teil in seinem Leben schildert, den wir bisher nicht kannten. Die grauenvollen Erfahrungen als Kind werden knapp ohne Vertiefungen geschildert. Man kann nachvollziehen, wieso er später als junger Mann von Rachegedanken geleitet seine Opfer quält und sein Tun durch zynische Kommentare begleitet. Er rechtfertigt seine Taten aus einer gewissen Ohnmacht heraus, fragt ’Wo war die Polizei damals?’ Wie so oft tanzt er ihr auf der Nase herum. Neu ist, dass sich die früheren Übeltäter zum gemeinsamen Widerstand formieren und dass er eine anbetungswürdige Tante hat (die große Gong Li), die er wie die Ritter im Mittelalter in ergebener Minne verehrt. Die Mimik des Hauptdarstellers Gaspard Ulliel kommt meistens mit einem bitteren Ausdruck daher, der sich bei Bedarf zu einer Fratze des Todes verzerrt. Webbers Film schwelgt nicht in Blut, sondern dosiert es wohl portioniert. Oftmals sieht man nur das Ergebnis der Tat. Aber nicht nur deshalb fehlt allerdings die Hochspannung. Unterhaltsames Grauen, das einen weder zum Wegschauen noch zum Nägelkauen zwingt. Dazu ist es viel zu schön anzusehen.

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Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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