Do, 23.02.2012TV | Eine demanzipierte FrauVerzweifelt emanzipiertWenn demanzipiert das Gegenteil von emanzipiert ist, bedeutet es hier, dass einer Frau die Emanzipation ausgetrieben wurde bzw. sie ist ihr vergangen. Diese deprimierende Schlussfolgerung kann man durchaus ziehen, obwohl der Originaltitel ’Plenty’ ja so viel bedeutet wie etwas in Hülle und Fülle haben. Und das hat die zentrale Figur Susan (Meryl Streep) keineswegs - höchstens in bezug auf die Männer. Aber das ist nicht das Thema.
Eine Frau geht an der inneren Einstellung ihrer Landsleute (Charles Dance, Ian McKellan, Sting u.a.) zugrunde. Sie war ursprünglich lebenslustig und offen, knickt ein, wird tablettenmäßig stabilisiert, rastet in Selbsterkenntnis aus und kifft sich schier zu Tode. Dabei zeigte ihre äußere Lebenslinie doch steil nach oben: Widerstandskämpferin, Karrierefrau und Diplomatengattin. Aber die Unaufrichtigkeit, das Fehlen menschlicher Wärme und die Betonung von Takt und Haltung in der englischen Gesellschaft bringen sie um den Verstand. Vorübergehend provoziert sie und wird für geisteskrank gehalten, weil sie gegen die Ideale des englischen Gentlemans ’cool, calm and collected’ aufbegehrt.
Meryl Streep in ihrer wohl diffizilsten Rolle. Sie ist die femme fatale, die Managerin, vorübergehend ein Heimchen dann aber wieder eine Furie.
Die komplexe Inszenierung verwirrt durch lokale Sprünge und Brüche in Susans Verhaltensweise. Hierher gehören auch die zeitlichen Bezüge wie die Krönungsfeierlichkeiten der Queen oder die Suezkrise. Das macht den Film nicht unbedingt zum Publikumsmagneten. Eher etwas für Verständnissuchende für das angelsächsische Lebensgefühl. | |
Do, 23.02.2012TV | Salami AleikumEin strickender MoslemEin Riesenspaß, der auch noch eine Botschaft hat. Passt in die Reihe der gutgemachten Multi-Kulti-Filme. Das besondere daran ist, dass hier der Ulk auf die frühere DDR ausgedehnt wird. Obwohl die Mauer gerade gefallen ist, besteht sie in den Köpfen der Menschen weiter. Die groteske Komödie überzeugt durch das gut gecastete Ensemble, allen voran Navid Akhavan als Mohsen, der sich in die zu sozialistischen Zeiten kugelstoßende Anna (Anna Böger) verliebt. Allein dieses ungleiche Pärchen zwingt zum Grinsen. Und der Doping-Verdacht von damals wird erneut erhärtet. Für gute Unterhaltung sorgen außer den beiden echten iranischen Eltern Michael Niavarani und Proschat Madani natürlich der Spaßmacher vom Dienst Wolfgang Stumph. Die muntere Handlung wird durch Komik-Effekte (Freeze Frame, Gedankenblasen, fliegender Teppich, reden zum Zuschauer) verstärkt, die quasi als Sympathiebotschaften wirken. Und bevor das erwartete Happy End kommt, gibt es eine ganze Menge Dramatik und Sentimentalität.
Es wird mit Ironie klar Stellung bezogen gegen Ausländerhass und Fremdenfeindlichkeit. Das Endprodukt ist ein Anti-DDR-Nostalgie Streifen mit einen Touch von Bollywood. Und er hat auch noch eine Message: ’Man muss die verloren gegangene Heimat neu erschaffen’. Ja, Regisseur Ali Samadi Ahadi kennt seine Pappenheimer aus dem Osten unseres Landes! | |
Mi, 22.02.2012TV | Liebe auf der FluchtUnd so weiter...Teil I: Sie küssten und sie schlugen ihn
Teil II: Geraubte Küsse
Teil III: Tisch und Bett
Letzter Teil aus dem Doinel Zyklus. Antoine Doinel wird geschieden, hat eine Freundin.
Dieser Teil ist technisch am besten geraten. Es gibt viele Rückblenden aus früheren Doinel-Filmen oder man sieht, was die Staatsanwältin (Marie-France Pisier), eine alte Jugendliebe von Antoine, liest. Es ist sein inzwischen veröffentlichter Roman ’Liebessalat’ - was das auch immer bedeuten mag?! Manche Szenen aus früheren Teilen z.T. in s/w werden wiederholt, nehmen aber einen anderen Verlauf. Ebenso kann man Dialogstellen wieder-erkennen. Das hat eine verstärkende Wirkung: der Zuschauer ist reifer geworden. Ihm werden quasi diese Stellen ins Gedächtnis zurückgerufen.
Man kann diesen letzten Teil für sich genommen verstehen, kennt man die anderen Filme, kann man ihn genießen. Es wird philoso-phiert: ’Liebe ist das Gegenteil von Gefängnis’ und analysiert ’Antoine läuft wie immer weg. Er hat sich überhaupt nicht geändert.’
Zusammengefasst ergibt sich im Gespräch von zwei Frauen aus dem Leben von Antoine: er braucht nicht nur eine Frau, er braucht eine Mutter, eine Kranken-schwester und eine Freundin. Die Jetzige und die früheren Frauen sagen alle ’Non!’ zu ihm. Und so wird sich Antoine wohl weiter durchs Leben hangeln, unreif, bindungsunfähig und egozentrisch. Auf der Flucht und auf der Suche. | |
Mi, 22.02.2012TV | Tisch und BettEhedomizilTeil III des Antoine Doinel Zykluses!
Teil I: Sie küssten und sie schlugen ihn
Teil II: Geraubte Küsse
Alltag im Hinterhof mit einigen skurrilen Vertretern, Ort der Handlung des Ehe-alltags des frisch verheirateten Antoine. Sie (Claude Jade) legt Wert darauf, mit ’Madame’ angeredet zu werden. Er ist chaotisch und hat kein Verhältnis zum Geld. Elternfreuden! Antoine posiert als Vater. Heimlichkeiten, Streitereien, ein
Seitensprungversuch mit ’Madame Butterfly’. Antoine trifft Schwiegervater im Bordell und kopiert das Verhalten eines Nachbarn. Der bemerkt bezüglich der Doinels ’Jetzt lieben sich die beiden wirklich’. Ein Ende mit ironischer Distanz. Doch noch besteht das ’Ehe-domizil’ pro forma.
Nach so vielen Jahren ist der Film immer noch recht unterhaltsam, trotz mancher Längen. Aber genug Platz für eine wundervolle Hommage an Jacques Tati, alias Monsieur Hulot.
Die Dialoge sind echt realis-tisch und haben kaum an Aktualität eingebüßt. Auch Humor blitzt schon mal auf, etwas leise, nicht marktschreierisch.
Truffaut zeigt viel Verständnis für die weibliche und männliche Psyche. Beide Seiten sind mit unterschiedlichen Erwartungen unterwegs in dieser Entwicklung. | |
Mo, 20.02.2012TV | Sophies EntscheidungSophies GeheimnisMeryl Streep hat für diese Rolle einen Oscar bekommen. Aber für welchen Film hätte sie diese Auszeichnung nicht verdient. Hier schafft sie es durch ihr schauspielerisches Talent mit ihrer Geschichte, dass selbst die härtesten Tränenunterdrücker kapitulierend zum Taschentuch greifen.
Der Film kann in drei Teile unterteilt werden:
1. Das gut nachbarschaftliche Zusammenleben von einem Pärchen (ganz toll Kevin Klein als Nathan) mit einem jungen Nachwuchsschriftsteller (Peter MacNicol als Stingo)im Nachkriegs-New York.
2. Sophies Vergangenheit im KZ (Meryl mit osteuropäischem Slang).
3. Die Lüftung von Sophies Geheimnis. Hier hagelt es handfeste Überraschungen, die nur durch Lyrik und Klaviermusik erträglich werden. Aber es gibt viele Facetten, manche erst nach fast zwei Stunden.
Durch genaue Zeichnung der drei Charaktere in ihrer ganzen Komplexität und die scheibchenweise Enthüllung von Sophies Vergangenheit wird aber das Interesse geweckt. Um was für eine Entscheidung handelt es sich? Es sind im Grunde mehrere: bezüglich ihrer Kinder, ihres Freundes und letztlich für ihre eigene Zukunft. Sie erholt sich von ihren körperlichen Gebrechen, von den seelischen Verletzungen aber nicht.
Man staunt über die glaubhafte Darstellung des sonderbaren Verhältnisses von Sophie und Nathan. Er hat den tödlichen Charme, sie empfindet eine Liebe, die auf Dankbarkeit und Abhängigkeit aufbaut. Trotzdem haut einen das Ende um.
Aufwühlendes, exzellent dargebotenes Drama von größtmöglicher menschlicher Tragik. | |
Mo, 20.02.2012TV | Muriels HochzeitAbba hilftIn den 90er Jahren stand dieser Film ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Das Publikum mochte diese gelungene Mischung aus fetziger Komödie mit tragischem Hintergrund. Es wird ein genau beobachtetes Bild der Gesellschaft geliefert, das mir viel Einfühlungsvermögen eine Art Ciderella-Story bietet. Man darf diese ’Muriel’ nicht in den Hochzeitstopf von 2002 werfen, wo sich u.a. noch die ’Große, Fette Griechische’ befindet. Muriel hat mehr Tiefgang. Es ist die Geschichte eines Neuanfangs nach einer Kindheit voller demütigender Beleidigungen von Freundinnen und Familienmitgliedern. Und Toni Collette trägt diesen Film von der ersten bis zur letzten Minute. Ihre ausgefeilte Mimik kann zwischen einfältig-frustriert und himmelhoch jauchzend variieren.
Und es gibt noch mehr Neuanfänge: ihr Vater z.B. oder auch Mutters Abgang gehören in diese Box, ebenso wie ihre Freundin Rhonda. Ein Schlaglicht fällt auch auf das Verhältnis Eltern - Kinder sowie auf echte und falsche Freundschaften. Das sind aber auch Themen die jeder in seinem schon mal erlebt hat. Der Erfolg ist wohl, dass man erst mitlachen muss, um dann mitfühlend zu verstehen. Und die Musik von Abba passt dazu, wie die Faust aufs Auge. | |
So, 19.02.2012TV | OSS 117 - Der Spion, der sich liebteFranzösischer BondSeit ’The Artist’ sind die beiden Hauptdarsteller Jean Dujardin und Bérénice Bejo in aller Munde. Und das mit Recht. Hier zeigten sie bereits vor Jahren (2006) ihr komödiantisches Talent.
Aus welcher Ecke diese Parodie kommt, macht der Titel klar. Und sie bezieht ihre Komik aus der Kenntnis der James Bond Filme. Und das ist bewusst gemacht: Sound, Ambiente, überhaupt der ganze Plot kommen einem bekannt vor, ebenso wie der trockene Humor und der Umgang des Helden mit den Frauen. Mal ganz abgesehen davon, dass Dujardin Sean Connery auffallend ähnlich sieht. Dabei schrammt die Handlung haarscharf und ganz eng an 007 vorbei, ohne zu kopieren. Manchmal macht der Gegensatz zum großen Vorbild die Gaudi aus, OSS 117 ist typisch französisch, ziemlich ungebildet, aber sehr musikalisch und er kann fließend hieroglyphisch. Überraschend mutig sind Witze über den Islam (’Der Muezzin, der Opa auf’m Turm, stört mit seinem Ruf meinen Schlaf’.) und die Situationskomik, die sich aus der sonderbaren Geflügelfarm herleiten lässt. (Hühnerhandel statt Drogenhandel!). Sogar etwas schlüpfrige Passagen kommen vor und ein Kampf der Frauen wird zur Striptease-Nummer. Die Nazi-Bösewichter sind eigentlich überflüssig. Manchmal kommt noch ein Hauch Edgar Wallace und Inspektor Clouzot hinzu bis sich am Ende alles explosionsartig in einem Feuerwerk verabschiedet. Gekonnt gemacht. | |
Sa, 18.02.2012TV | Henry & JuneKunst & SexDer Film verarbeitet das ’Tagebuch’ der Anais Nin. Er spielt in den wilden 30er Jahren in Paris. Damals war das Dreiecksverhältnis zwischen der Autorin Nin (Maria de Medeiros), Henry Miller (Jack Ward) und seiner Ehefrau June (Uma Thurman) ein Skandal. Zumal hier jeder der drei etwas mit jedem/jeder hatte. Das bumsfidele Künstlermilieu mit seiner freien Liebe war eine einzige Provokation. Am Rande wird auch die Veröffentlichung des’ Wendekreises’ erwähnt, aber hauptsächlich geht es nur um das Eine. Es entsteht der Eindruck, dass Schriftsteller sexgetriebene Wesen seien, die neben dem Saufen nur immer daran denken und dementsprechend handeln.
In der Originalvorlage steht die obsessive Liebesbeziehung zwischen Henry und Nin und den beiden Frauen untereinander im Gegensatz zur schriftstellerischen Konkurrenz. Sowohl Nin als auch Henry können keine Kritik vertragen und so entzweien sie sich, obwohl sie nicht von einander lassen können. Die geistige Auseinandersetzung unter Kollegen führt bei Henry zu Ladehemmung bei Nin zur Hinwendung an June. Erzählt wird in Hochglanzbildern stimmungsvoll unterlegt mit Musik aus dieser Zeit. Einige gute Schnittfolgen und Übergänge sind gelungen, können aber gewisse Längen nicht verdecken, obwohl das F-Wort häufig praktiziert wird. Amüsanter Zeitvertreib für Zuschauer und Akteure mit Verweisen ins Literatenmilieu. | |
Do, 16.02.2012TV | Alles über EllyTage am MeerEigentlich verrät uns der iranische Regisseur Farhadi fast nichts über Elly. Er macht uns nur neugierig. Elly ist still, freundlich, hübsch, aber meistens sehr ernst, ein ruhender Pol. Sie fällt in der Gruppe von vier jungen Ehepaaren, die mit Kind und Kegel schreiend in jugendlichem Übermut für ein paar Tage ans Meer fahren, schon etwas aus dem Rahmen.
Der Versuch Elly mit einem aus der Gruppe zu verkuppeln ist nicht ganz ernst gemeint. Scheint ein netter Gag zu sein, ein möglicher Zeitvertreib in der fröhlichen Runde. Plötzlich verschwindet Elly. Es wird die Frage aufgeworfen: ist sie ertrunken oder einfach weggegangen? Darüber werden wir aber bis zum Ende keine eindeutigen Hinweise erhalten. Es gibt jede Menge Verdächtigungen und Schuldzuweisungen, Gewissensbisse und andere Interaktionen zwischen Eheleuten bis hin zu Handgreiflichkeiten. Es ist offensichtlich viel wichtiger, ob die Freundschaft innerhalb der Gruppe das aushält und wie der Einzelne auf die Situation reagiert. Deshalb gibt es endlose Diskussionen, wobei die Akteure im Haus hin und herlaufen, wie Reisende in einem Wartesaal. Es bleibt auch ziemlich vage, ob eine neu hinzugekommene Person der Bruder, der Verlobte oder gar Ehemann von Elly ist. Dem Regisseur scheint es wichtig zu sein, ob es und wenn ja warum es für Elly eine Frage der Ehre ist, egal, ob tot oder lebendig. Elly ist halt aus der Enge ihres sozialen Umfeldes fortgegangen… | |
Di, 14.02.2012TV | DeltaStummes GrauenEs ist der guten Kameraarbeit zu danken, dass dieser kleine, leise Film hauptsächlich von starken Bildern, langen Einstellungen ohne Worte und der Atmosphäre lebt. Die Dörfler des Donaudeltas, die nur stumm beobachten, sind der Rahmen und allmählich bilden sie eine Einheit mit der Flusslandschaft. Wenn hier Bruder und Schwester wie Mann und Frau leben stehen die Zeichen auf Sturm. Die eigentlichen Gräueltaten sehen wir nur von Ferne oder ungenau im Dunkel. Stöhnen und Schreie verdeutlichen die animalische Stufe. Aber das reicht vollkommen. Der Zuschauer weiß von Vergewaltigung und Mord, kann sich aber nicht voyeuristisch daran weiden.
Neben den herben Szenen gibt es aber auch wenige, ganz enge, ganz warmherzige, die das Stimmungsbild ebenso abrunden wie die männerchorähnlichen Gesänge.
Der erste Blickkontakt der getrennt aufgewachsenen Geschwister (Felix Lajko und Orsi Toth) findet beim Schwein-Schlachten statt, verstohlen, partiell und recht kurz. Das Letzte, was wir von ihnen sehen sind Symbole von ihnen: seine orangene Weste treibt ins Meer und ihr Lieblingstier die Schildkröte geht ins Wasser…
Weil eher arthousemäßig unterwegs, finden sich wohl die meisten Fans für diesen Film auf Festivals. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.