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Sa, 11.02.2012
TV | I Killed My Mother
Mord in Gedanken4 Sterne
Der eigenwillige Vorspann weckt neben dem Titel das Interesse und man bleibt dran. Die permanenten Auseinandersetzungen mit heftigsten Streitereien zwischen Mutter (Anne Dorval) und Sohn (Xavier Dolan) wirken echt und sind durchaus überzeugend. Der Hammer für die Mutter ist aber, dass sie von Fremden erfahren muss, dass ihr Sohn schwul ist. Wir sehen eine ganze Palette von Gefühlen, die die Mutter nach dem Schock durchlebt, ebenso wie die Schwierigkeiten, des Sohnes. Es wird weder für sie noch für ihn Partei ergriffen in dieser Schilderung einer phasenbedingten Hass-Liebe. Und auch das Umfeld wird eindrucksvoll geschildert. Vor allem die Lehrerin (die ihn nicht verführt!) und der Direktor der Schule, dem nach einer anklagenden Bemerkung gegenüber der Mutter von dieser aber so was von tüchtig der Kopf gewaschen wird, dass die Telefonleitung glüht. Das Mutter-Sohn Verhältnis verdeutlichen zwei Aussagen. ’Wären meine Mutter und ich Fremde, würden wir uns mögen’. Und am Ende einer lautstarken gegenseitigen Beschimpfung fragt Hubert sie ’Was tust du, wenn ich heute sterbe?’ Er geht, ohne die Antwort abzuwarten, hört also nicht, dass sie sagt ’Dann sterbe ich morgen’. Ein erstaunliches Erstlingswerk, das emotional beeindruckt, filmtechnisch überraschend überzeugt und dabei auch noch ein heikles Thema angeht.
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Di, 07.02.2012
TV | Schießen Sie auf den Pianisten
Charlie und die Frauen3 Sterne
Was für ein aufreizender Titel, inklusive Mordauftrag. Aber auf diesen schüchternen, freundlichen Klavierspieler (beindruckend Charles Aznavour) wird niemand auch nur eine Kugel abfeuern. Truffaut erzählt in drei Handlungssträngen, die alle miteinander verbunden werden: einer spielt im Jetzt, auf zwei Ebenen und einer in der Vergangenheit in Rückblenden. Hier erfahren wir etwas von Charlies früherem Leben als Konzertpianist und das tragische Ende seiner Frau. Dagegen als Kontrastprogramm läuft das Heute, wo Gangster hinter ihm und seinen Brüdern her sind. Und weil sie nicht gerade die Hellsten sind, ist Komik angesagt. Der dritte Faden ist Charlies Privatleben heute, in das die Ganoven und sein Arbeitgeber eingreifen. Hier entsteht eine Mischung aus beidem: mörderische Absichten treffen auf sonderbare Situationen bei dem Versuch der Akteure das Leben in den Griff zu kriegen. Und als ständigen Begleiter sehen wir das tief traurige Gesicht von Charlie, der am Ende wieder alles auf Anfang setzt, ein mutmaßlicher Mörder, der aus einer Familie von Dieben stammt und den Frauen in seiner Umgebung u.a. Marie Dubois und Michèle Mercier kein Glück bringt. Gelegentlich ist sogar Platz für einen Joke. ’Was starren sie so auf meinen Busen?’ - ’Ich studiere Medizin.’ Mit Humor aber auch nicht gerade mit Optimismus bewies Truffaut bereits 1960 in düsteren Bildern sein Talent. Vor allem sein technisches Können überzeugt hier besonders.
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Di, 07.02.2012
TV | Transsiberian - Reise in den Tod
Fatale Reisebekanntschaft4 Sterne
Bei diesem spannenden Winterthriller ist die Charakterzeichnung der Figuren besonders gut gelungen. Jessy (Emily Mortimer) ist skeptisch distanziert, trinkt nicht und fragt nach. Ihr Freund Roy (Woody Harrelson) ist etwas unbedarft, aber freundlich. Und dann ist da noch der supercoole Ben Kingsley, der recht ambivalent zwischen Drogendealer, Kommissar und Undercover Agent hin und herdriftet. Mit seinem Erscheinen ist die ganze Aufmerksamkeit des Zuschauers gefordert. Sonst versteht man einige Szenen später nicht. Dabei fängt alles so harmlos an: eine muntere Reisegesellschaft fährt mit der Transsibirischen. Fast 30 Minuten sieht alles nach einem Werbefilm der Tourismusindustrie aus. Aber dann! Drogen sind im Spiel, wir wissen auch wer sie wo hat und können mit Jessy mitzittern. Es wird brutal. Den Kurieren geht es ans Leder, immer mit einer neuen Wendung verbunden. Am Ende kann man nicht so recht aufatmen. Da kommt noch so viel zusammen. Und Emily Mortimer spielt sie alle an die Wand. Ihre Mimik spricht Bände und das Drehbuch legt ihr auch die schönsten Sätze in den Mund ’Wenn du alle meine Dämonen tötest Roy, sterben vielleicht auch alle meine Engel!’ Aber auch Ben Kingsley äußert sich lyrisch über das Leben in der ehemaligen SU ’Damals lebten wir in der Finsternis, heute sterben wir im Licht.’ Spannend, voller Überraschungen, prominente Darsteller agieren in wunderschöner Landschaft.
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Mo, 06.02.2012
TV | Road to Perdition
Der Weg ins Verderben4 Sterne
Die stilvoll gehaltenen Bilder schaffen von Anfang an eine zeitgemäße Atmosphäre der 30er Jahre. Aus der rein familiären Umgebung wird ein Road Movie. Wobei die eigene kleine Familie (mit Jennifer Jason Leigh als Ehefrau fast nicht zu erkennen), die von Tom Hanks ist, und die andere, große, die der ehrenwerten Gesellschaft. Wenn es in einer von ihnen Tote gibt, entstehen nie enden wollende gegenseitige Rachefeldzüge. Der Grund ist egal. Es gilt das Gesetz: Auge um Auge. Der nicht sonderlich intelligente Sohn des Paten (Paul Newman) ist hier Daniel Craig, über den einer sagt ’Er ist ein Baby, das seinen Daumen nicht von seinem Schwanz unterscheiden kann’. So muss Tom Hanks - hier ungewohnt ernst - den Weg ins Verderben allein gehen. Und jeder weiß, er kann nicht von Erfolg gekrönt sein. Es wird eine Auseinandersetzung zwischen Vätern und Söhnen und alle sind Mörder. Mörder jagen mit viel Blut Mörder in eindrucksvollen Szenen. Man merkt dem Film an, dass als Vorlage einen Cartoon hatte. Das Psycho-Duell zwischen Hanks und Jude Law ist eines der Highlights des Films und schlägt einen Bogen bis zum Ende, das dann noch mal mit vielen Überraschungen aufwartet. Tom der Killer wähnt die Gerechtigkeit auf seiner Seite. Und verkauft das auch so seinem Sohn. Der Film geht gerade wegen dieser menschlichen Aspekte unter die Haut. Er lebt von seiner Dramatik mit zweifelhaftem moralischem Anspruch. Vor und hinter der Kamera agieren nur Könner.
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Mo, 06.02.2012
TV | Outlander
Der aus dem Weltraum kam2 Sterne
Am besten verschieben wir dieses Abenteuer-Spektakel in die Ecke Märchen und Sagen. Dann lassen wir den Verstand außen vor und können uns an den wiedererkannten Zutaten erfreuen. Zunächst müssen wir uns allerdings von der unglaublichen Tatsache überraschen lassen, dass der Held bei seinem Raumschiff-Crash direkt bei den alten Wikingern landet. Dann läuft alles wie geschmiert: natürlich kriegt er (James Caviezel) die schöne, schwertgewaltige Königstochter (Sophia Myles), die etwas kriemhildmäßig unterwegs ist und wird selber König. Der alte (John Hurt) hat durch sein Ableben rechtzeitig Platz gemacht. Zuvor muss er allerdings noch eine Art Drachen mit grünem Blut töten. Das schafft er locker und einen Rivalen ausstechen, schafft er ebenfalls. Die virtuellen Kämpfe an der Steilwand drängen förmlich den Vergleich auf: vor ihm gähnte der Abgrund, hinter ihm das Ungeheuer. Das mag auch daran liegen, dass das Biest auffallend große Ähnlichkeit mit einem Artgenossen aus den frühen 50er Jahren hat. Meistens feiern Klichés fröhliche Urstätt: Zähne fletschende Wikinger, die wenn sie nicht kämpfen saufen. Die Handlung wirkt irgendwie zusammengesucht, ist recht eindimensional und vorhersehbar. Und am Ende heißt es dann ’Und wenn sie nicht gestorben sind…’
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So, 05.02.2012
TV | Sag kein Wort
Nenn die Zahl3 Sterne
Der Newcomer Gary Fleder hat einen recht unterhaltsamen Thriller gemacht. Michael Douglas spielt sich selber und das ist keineswegs negativ gemeint. So kennen wir ihn halt. Natürlich weiß jeder, dass er am Ende seine gekidnappte kleine Tochter zurückbekommt. Aber erst nachdem er dem Bösewicht Sean Bean tüchtig eingeheizt hat. Eine ganze Reihe von eindrucksvollen Schauspielern transportieren die spannende Handlung. Vor allem Brittany Murphy veranschaulicht das Schocktrauma sehr eindrucksvoll. Und selbst die in Gips liegende Ehefrau Famke Janssen mischt den Gangster mit ihrer Krücke kräftig auf. Die hübsche Jennifer Esposito vertritt die Polizei, die sich hier mal als ebenbürtiger Partner des Helden erweist. Gespannt verfolgt man, wie Michael Douglas die Grenze der Legalität überschreitet, um ans Ziel zu kommen. Es geht um eine Zahl. Dabei bleibt der Zuschauer aber lange im Dunkeln, was er wo genau vorhat. Es ist Massenware vom Hollywood-Band. Ohne großen Anspruch, getreu dem Motto ’We love to entertain you.’ Und das tut der Film durchaus.
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So, 05.02.2012
TV | Ananas Express
Pinienapfel Express1 Stern
Eine der inzwischen angesagten Komödien (2008). Die Handlung ist eigentlich unwichtig. Irgendwer ist aus irgendeinem Grund hinter irgendjemandem her. Wegen der Effekte wird maßlos übertrieben: eine ganze Hanfplantage, eine weibliche, farbige Polizistin mutiert zur Killerin. Dabei gibt es jede Menge flotte Sprüche, viel Klamauk und trotz Blut und Ballerei eigentlich keine richtigen Toten. Hier sind Schießereien Spielereien und es kämpfen Stehaufmännchen. Dabei geht ganz schön viel zu Bruch. Das scheint auch Absicht zu sein: dumm, dümmer, Dale und Saul. Seth Rogen hat wieder einmal Gelegenheit, sein Talent für turbulente Komik unter Beweis zu stellen. Es geht letztlich nur darum, wer kommt aus einer Keilerei mit dem coolsten Joke davon? Wer übertrifft wen mit Komik und Gag? Wenn man etwas nicht gut findet ’ist es pissy!’ und ’Gerichtszusteller’(das ist wirklich Dales Job!) wird mit ’Gerichtebesteller’ verwechselt. Klar, dass am Ende in dieser Materialschlacht alles in die Luft fliegt. Das wollte Regisseur Green aber nicht so stehen lassen. Drum hat er noch einen ziemlich dämlichen, völlig überflüssigen Nachschlag drangehängt. Dabei hatten sich doch schon vorher alle ganz toll lieb.
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Sa, 04.02.2012
TV | Lakeview Terrace
Terrasse mit Seeblick1 Stern
Es ist immer gut, wenn Rassismus thematisiert wird. Und das kommt auch in den Dialogen nicht schlecht rüber. Selbst die Eskalation der nachbarschaftlichen Gemeinheiten wird angemessen gesteigert. Samuel L. Jackson spielt hier ein echt fieses Exemplar der Gesellschaft, der letztlich auch nicht vor Mord zurückschreckt. Die Ausleuchtung des Hintergrundes, warum er so ist, wie er ist, scheint allerdings wenig überzeugend. Nach einigen Längen zieht sich dann auch noch der finale Showdown etwas in die Länge und gerät leicht unübersichtlich. Dabei hat der Zuschauer die Lösung mit dem gefundenen Handy längst begriffen, denn an sich geht ja alles recht gradlinig zu. Kaum Spannung, höchstens Schadenfreude über das jeweilige Opfer des Krieges über den Gartenzaun, der bis in den Intimbereich geht. Und das sollte doch wohl eigentlich nicht sein. Dazu ist alles auch zu ernst gemeint. Es tangiert einen aber höchstens marginal. Ich hatte gehofft das Feuer verbrennt die Häuser der beiden Kampfhähne, um sie im gemeinsamen Leid zu versöhnen auf einer ’Terrasse mit Seeblick’. Stattdessen wird der Böse erschossen und der Gute schmachtet am Krankenbett seiner Frau dahin. Schema F halt. Mittelprächtig. Da hat LaBute schon Besseres abgeliefert.
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Fr, 03.02.2012
TV | Lohn der Angst
Nitrotransport5 Sterne
Ein Klassiker wegen einer Reihe von Gründen. Und die vier Helden des Nitro-Transportes kennt man inzwischen so gut, dass man sie mit dem Vornamen anreden kann: Yves, Charles, Peter und Folco. Zunächst der beispielhafte Aufbau der Spannung: Ein waghalsiges Wendemanöver über dem Abgrund auf einer wackeligen Holzkonstruktion. Den Nerven der Zuschauer geht es hier bereits wie dem angespannten Drahtseil, in das der Nitro-Laster einfädelt. Dann die Sprengung des Felsbrockens. Schließlich das Durchqueren eines ölgefüllten Kuhle. Das ist der Gipfel an menschlicher Grausamkeit zwischen Notwendigkeit und Erfolg. Die ölverschmierten Körper von Yves und Charles sind unvergesslich. Und wenn Yves den sterbenden Charles während der Weiterfahrt im Arm hält, dürfen Männer weinen. Dann der tiefe Einblick in die menschliche Psyche und deren Wandel. Die Entzauberung eines Helden. Charles, der souveräne, anscheinend sehr mutige Mann von Welt entpuppt sich als Angsthase. Außerdem die Unterstützung der emotionalen Ebene durch markante Symbole und telepathische Fernwirkungen: wie z.B. eine Fahrkarte der Metro und Veras Ohnmacht. Aber der Gipfel der gekonnten Perfektion ist der Schluss. Die Überleitung durch Walzermelodien von der tanzenden Vera zum übermütig fahrenden Yves. Dem folgen nur noch drei Bilder: Yves blutendes Gesicht, die Fahrkarte und Sirenengeheul. Ende. Waoh! Zeitlos aktuell, unheimlich dramatisch, stellenweise sehr anrührend. Ein Film für den Olymp!
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Do, 02.02.2012
TV | Das Ende der Welt
Blume Hedwig2 Sterne
Das ist ein äußerst sonderbarer Abenteuerfilm, der sich da hinter dem unpassenden Titel verbirgt (Er spielt weder ’am Ende’ noch ist es ’das Ende der Welt’). Nach dem Stutzen kann man bisweilen schmunzeln, weil man etwas verunsichert ist. Anfangs ein ganz normaler Film mit komischen Dialogen, sonderbaren Situationen und plötzlicher Gewalt. Und dann ist noch ein eigenartiges Pärchen Beate und Adrian (Nikolaj Lie Kaas) auf der Suche nach der ’Blume Hedwig’, die ewige Jugend bringen soll und sich als Cannabis entpuppt. Ihre Blätter werden hostienartig gereicht. Man muss makabre Überraschungen mögen, die nicht gewaltfrei sind. Die Akteure besitzen die Walt-Disney-Qualität der 7 Leben (die immer kaugummikauende, blonde Beate (Birgitte Hjort Sorensen) wird aus dem fliegenden Helikopter geworfen und überlebt!), die Bösewichter werden einfach weggeballert. Action wie im Komik: lustig, blutig, albern. Viel liegt so zwischen Witz und Brutalität, spaßigen Dialogen und bluttriefender Action. (z.B. - ’Meine Beine sind eingeschlafen.’ - Dann will ich sie mal nicht aufwecken.’). Da passt eine Beerdigung dazu, wie der Titel zum Film. Nennen wir es durchgeknallte Komik mit abgefahrenen Passagen und einem rosarotem Schluss. Kritisches Hirn und die Ernsthaftigkeit abschalten, denn das soll ja hier eben komisch sein.

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Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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