Do, 02.02.2012TV | Der Mann, der Gott verklagteMyers gegen GottDer Titel ist Inhaltsangabe. Und man vermutet einen lustigen Gag dahinter. Genauso ist es. Für einen ganzen Film etwas wenig, daher gegen Ende einige Längen, die der Hauptdarsteller Myers, Billy Connally, aber mit viel Herz und Humor ausgleicht. Seine Slapsticks im Restaurant reichen an Didis beste Zeiten und wenn man den Film im Original schaut, kann man noch Billys schottischen Akzent genießen. Die alte David-gegen-Goliath-Geschichte hat in den angelsächsischen Ländern ja eine lange Tradition, die hier wieder einmal aufgegriffen wird. Dabei kriegen die Medien, die Kirchen und die Versicherungskonzerne ihr Fett ab, aber ironisch-freundlich. In der juristischen Auseinandersetzung über den Begriff ’höhere Gewalt’ ist man schnell bei der Existenz Gottes angelangt. Da gibt es eine interessante Wendung: Myers zieht seine Anklage zurück, denn er kann ja nicht jemanden verklagen, den es gar nicht gibt. Das wiederum bringt die Kirchen in Harnisch. Es folgt eine ruhige, beschauliche Phase, in der sich alle Akteure besinnen. Und immer kurz bevor die Handlung in den Schmalz-Topf zu fallen droht, gibt es einen ironischen Schlenker (wie den mit dem weißen Kakadu statt Taube). Ein moralischer Sieg für den kleinen Anwalt Myers und die Liebe natürlich. Locker und entspannt, lustig und freundlich, einfach sympathisch. | |
Mi, 01.02.2012TV | Des Hauses HüterinAngeknackstJean ist ein ’house sitter’. Das macht ’Kalender Girl’ Penelope Wilton ganz souverän. Und auch das Pärchen, das sie in ’ihrem Haus’ aufnimmt, spielt überzeugend. Sowohl Michael (Daniel Mays) als auch Steph (Sinead Matthew) sind gut gecastet. Alle drei haben einen psychischen Knacks aus ihrem bisherigen Leben davongetragen. Sie sind wie der Originaltitel andeutet ’angeknackst’. Doch das geht nur bei Personen, nicht bei Sachen (siehe chinesische Teekanne) Hier haben sie jetzt die Chance alte Wunden heilen zu lassen. Sie dürfen ein Leben wie in Zeitschriften genießen. Aber die Idylle ist auf Lug und Trug aufgebaut und natürlich zeitlich begrenzt. Als unbequeme Personen verschwinden, geht es andeutungsweise in Richtung Groteske mit eventuell schwarzem Humor. Leider nicht wirklich! Der menschliche Faktor steht im Vordergrund. Die drei jammern, schreien sich an, streiten sich und sind von ihrem Tun echt geschockt. Sie werden von Zweifeln und Gewissensbissen heimgesucht. Es fehlt den Akteuren die ironische Distanz zu ihrer Handlungsweise. Somit ist der finale Schocker erträglich, weil auch irgendwie konsequent. Ohne Worte sehen wir das Ende. Vielleicht ist ja die Romanvorlage überzeugender. | |
Di, 31.01.2012TV | Die Ewigkeit und ein TagWarum?Als Ausgangspunkt für die reale Welt nimmt Angelopoulos das Thema Kinderhandel und zwar im albanisch-griechischen Grenzgebiet. Hier hilft der alte, todkranke Alexander (Bruno Ganz) einem ’Ampelkind’ in seine Heimat zurückzukehren. Was als Roadmovie beginnt endet in einer surrealen Reise ins Nirgendwo, bzw. an das Ende des Lebens. Dabei wird der Blickwinkel oft geändert. Mal sehen wir Alexanders Familie zwischen Jetzt und Retro, dann ändert sich auch das Sujet und wir bekommen eine märchenhafte Geschichte erzählt, die auch ins Jetzt hineinreicht. Der Alte und der Junge begegnen den Figuren aus früheren Zeiten. Sie reisen mit dem Bus, in dem es recht skurril zugeht.
Und Alexander fragt ’Warum ist nichts so gekommen, wie wir es erwartet haben? Warum haben wir nicht gelernt zu lieben, hin und her gerissen zwischen Schmerz und Sehnsucht?’ Antworten gibt es nicht. Nur eine ’Das Morgen dauert eine Ewigkeit und einen Tag.’
Angelopoulos hat seine eigene Filmsprache, die sich nicht jedem sofort erschließt, obwohl sie nie langweilt, weil immer wieder überrascht. Lange Einstellungen, schmutzige Farben im Kontrast zum hellen Strand mit weiß gekleideten Figuren. Angelopoulos kann man so zwischen Antonioni und Fellini anzusiedeln. Ein außergewöhnliches filmisches Erlebnis der besonderen Art. Weiter weg vom Mainstream geht fast nicht. | |
Mo, 30.01.2012TV | Boy ADestruktiv und verantwortungslosDer Film schildert die Unmöglichkeit nach einer Jugendsünde und verbüßter Strafe neu anzufangen, weil die Boulevardpresse daraus Kapital schlagen kann. Relativ ruhig aber einfühlsam wird die ganze Wahrheit im Laufe des Films aufgefaltet. Die schwere Kindheit in Schule und Elternhaus und das, worüber nicht gesprochen werden darf. Bewährungshelfer Terry (Peter Mullan) und Jack sein Zögling (Andrew Garfield) schaffen beste Voraussetzungen, dass das Projekt erfolgreich werden könnte. Die Handlung läuft auf zwei Ebenen: in Jacks Kindheit und im Jetzt. Die seines Betreuers Terry zeigt sein berufliches Wirken mit Jack und sein Privatleben mit seinem gleichaltrigen Sohn, der auf Jack eifersüchtig ist und der Presse fatale Hinweise gibt. Jack, der früher Eric hieß, ist verbal etwas hilflos, emotional verschüttet und sexuell verklemmt. Die blonde Michelle (Katie Lyons) hilft ihm ein Mann zu werden. Aber selbst die große Liebe kann das Auseinanderdriften der beiden nicht verhindern, da die Presse Jacks Vergangenheit in die Schlagzeilen bringt (“Das Übel wird erwachsen!“). Er wird von den Paparazzi gejagt, verliert Job und Freundin. Am Ende steht er auf einem Turm in Blackpool. Man kennt die letzte Konsequenz, braucht sie aber nicht zu sehen. Die Schuldigen sind entlarvt, aber nicht bestraft. Profitgier und Sensationsgelüste haben einen mörderischen Job gemacht. | |
Mo, 30.01.2012TV | Ein Leben für ein Leben - Adam HundesohnWahnsinnig oder krank?Der Film verlangt einiges vom Zuschauer. Zunächst muss das geschilderte Grauen eines Konzentrationslagers verkraftet werden. Dann noch der verschachtelten Handlung folgen, die sich aus surrealen, grotesken und skurrilen Sequenzen zusammensetzt. Lücken müssen überbrückt werden.
Ort der Handlung ist heute eine Irrenanstalt in der Wüste. Die Insassen (’wandelnde Grabsteine’) sind alles KZ-Überlebende, die wegen ihrer Psychosen hier behandelt werden. Und die sind heftig! Vor allem die von Adam Stein (erschreckend gut Jeff Goldblum): ein Hund zu sein. Wieso das so ist, wird nach und nach entwickelt. Grauenhaft entwürdigend! Es war in den 30er Jahren in Berlin ein Allround-Talent: Hellseher, Clown, Zauberer, Geiger u.v.m.
Unter anderem ist entscheidend, dass er einen Deal mit dem KZ-Kommandanten Klein (Willem Dafoe) eingeht, um seine Familie zu retten. So der deutsche Titel des Films. Von Klein erbt er ein konfisziertes Vermögen. Daraus wird ihm am Ende vom Schwiegersohn (Moritz Bleibtreu) in Haifa ein Vorwurf gemacht. Er muss sich beschimpfen lassen ’Geh doch nach Europa, du altes Stück Seife!’
Sein Leben lang leidet Adam unter seinen Erlebnissen. Er blutet regelrecht an den inneren Qualen der Erinnerung, sein Herz setzt zeitweise aus. Aber er weiß auch, dass Lachen und Humor lebenserhaltend sind.
Er schafft es, einigermaßen gesund zu werden, und ohne sich oder Klein zu erschießen, kehrt er in die ’Normalität zurück, die keine Freude aber auch keinen Kummer kennt.’ | |
Sa, 28.01.2012TV | Die GrauzoneGrauer StaubEs gibt schon zahllose Filme über Konzentrationslager. Den hat Tim Blake Nelson erst 2001 gemacht. Und er erzählt bisher selten gezeigtes: die Hierarchie innerhalb der Lagerinsassen, Privilegien für einige, die in Saus und Braus leben, die brennenden Öfen des Krematoriums als Endstation der Vernichtungsmaschinerie. Blausäure, Gasmasken für das Wachpersonal, viel Schnaps und das ’Verwerten’ der toten Körper, Massenerschießungen. Das Hauptaugenmerk liegt aber auf dem grauenvollen, unberechenbaren Töten von Juden. Man kennt das und wird hier trotzdem erneut von der elementaren Wucht der Grausamkeit erschüttert. Es geht lange ohne Dialoge zu und es wird auf eine packende Dramatik aus der Handlung heraus weitgehend verzichtet. Stattdessen gibt es Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Gruppen, Flucht oder die Zerstörung des Krematoriums? Ein Aufstand vor dem unausweichlichen Ende? Lediglich Oberscharführer Muhsfeldt (gewohnt gut Harvey Keitel) taucht immer wieder auf. Er symbolisiert die ganze hirnlose Arroganz der Nazis, die gefährliche permanente Möglichkeit alle und jeden zu ermorden. Und er demonstriert seine Macht sogar an Kindern.
Als Kontrast zum bisher gesehenen gibt es am Ende einen lyrischen Kommentar aus Kindermund aus dem Off, der den Titel erläutert und das Grauen vielleicht lindert, aber nicht beseitigt. Er verdeutlicht wie der vernichteten menschlichen Intelligenz eine bleibende Stimme verliehen werden kann, aber auch einen Moment des Verzeihens. | |
Fr, 27.01.2012TV | 25 Grad im WinterDie große SucheEin gelungene Komödie über Immigration und dabei brandaktuell. Im Grunde sind alle Figuren in diesem Roadmovie fast ständig auf der Suche: die illegale Einwanderin aus der Ukraine Sonja (Ingeborga Dapkuneite) sucht ihren Mann, der unfreiwillige Helfer Miguel (Jacques Gamblin) sucht zeitweise seine kleine Tochter Laura (Raphaelle Molinier) und Sonja, ebenso wie die temperamentvolle Oma (Carmen Maura). Wie diese äußerst unterschiedlichen Vier im Laufe der Handlung eine eingeschworene Gemeinschaft mit gleichem Ziel werden, ist mit viel Tempo und lustigen Einlagen dargestellt. Es ist dem überbordenden Charme dieser Akteure zu verdanken, wenn wir mit Anteilnahme aber auch Genuss verfolgen, wie sie sich bei ihrer Suche durch die kleinen Widrigkeiten des Alltags lavieren. Kleine Erfolgserlebnisse wechseln sich bei dieser Schnitzeljagd mit kleinen Pannen ab, ein Hinweis führt zum nächsten.
Ein ernsthafter Hintergrund flackert kurz auf, Bekenntnisse des Ehemanns am Stacheldrahtzaun (sic!) bevor es dann zu diesem wunderbaren Ende kommt. Ohne kitschig zu wirken werden alle Probleme allein aus der Handlung heraus - inklusive später möglicher Love Story - zu einer solchen Lösung geführt, dass die Zuschauer mit einem Lächeln das Kino verlassen. Zu Recht auf kleineren Festivals prämiert. Hätte mehr Aufmerksamkeit verdient. | |
Do, 26.01.2012TV | Waltz with BashirTanz wie im KugelhagelEs gibt ganz wenige Animationsfilme mit einer politischen Botschaft. Dieser geht noch einen Schritt weiter und klagt an. Israel wird angeklagt wegen eines Völkermordes an den Palästinensern. Die Bilder sind so verblüffend gut gezeichnet, dass man manchmal glaubt die reale Wirklichkeit zu sehen. (Man sieht sogar den Atem der Figuren bei einem Winterspaziergang). Es gibt schnelle Kameraschwenks und Zooms. Die Animation kann übertreiben und damit das Wesentliche sichtbar machen. Das reicht von Männerfantasien (Pornos oder eine nackte Schönheit, auf der man im Wasser davontreibt) bis hin zu grauenhaften Bildern von Leichenbergen und Tierkadavern. Da kann dann auch schon mal ein Gewehr zur Gitarre werden. Einstellungen und Schnitte sind wie bei echten Filmen.
Inhaltlich sucht ein traumatisierter Soldat seine verloren gegangenen Erinnerungen aus dem Libanonkrieg. Der Titel ist ein Euphemismus für einen sich im Kugelhagel bewegenden Soldaten. Das sieht fast wie ein Tanz aus. Dann macht der Film einen überraschenden gedanklichen Schlenker: das zerbombte, von Leichen übersäte Lager wird mit Auschwitz verglichen. Beides als Völkermord bezeichnet. Hier wie dort gibt/gab es Zuschauer, die die Gräueltaten wortlos beobachteten. Und auch die verantwortlichen Politiker und Militärs der Israelis Begin und Sharon erscheinen im Bild. Eine erschütternde Schlussfolgerung, die dann noch durch echte Dokumentaraufnahmen untermauert wird. Schaurig schön aber beeindruckend wichtig! | |
Mi, 25.01.2012TV | Das große FressenIch esse, also bin ich ...nicht mehrAnfang der 70er Jahre war der Film ein Skandal und heute ist diese Groteske über den Konsum als Todesursache immer noch für viele ziemlich gewagt. Der animalische Drang zum Essen des Tierwesens Mensch wird auf einer Ebene mit der sexuellen Gier gezeigt, der totale Genuss von Sex und Speisen als ultimatives Prinzip. Dabei folgt der Film formal einem strengen Aufbau.
Im ersten Teil werden die vier Freunde vorgestellt: Michel, Marcello, Philippe und Ugo. Nie wieder standen diese Leinwandlegenden zusammen vor der Kamera. Hier stehen sie für den Balletomanen und Kunstliebhaber, den Autofreak und Frauenhelden, das Muttersöhnchen und natürlich den Koch.
Im zweiten Teil werden die Nahrungsmittel und ihre Herkunft kurz eingeführt.
Teil drei, der anfangs noch lustig und frivol daherkommt, enthält das Kernstück der Aussage mit allen Steigerungen und Entartungen. Man mästet sich! Wir hören das Entweichen der Gase aus dem Mund und aus der gegenüberliegenden Körperöffnung. Man treibt es querbeet, jeder mit jedem. Die Mutter der Kompanie ist die Rubensfrau Andrea Ferreol. Eine für alle.
Im vierten Teil sehen wir das Ende der Helden. Und es gibt jede Menge geistreicher Jokes und philosophische Überlegungen über den Vanitas-Gedanken.
Und dann reicht Ferreri noch einen Epilog nach. Philippe, der einzig Ehrbare, ist noch übrig und darf an Andreas Busen entschlafen.
Die zweite Lieferung von Frischfleisch wird im Garten deponiert. Vielleicht für die Hunde!? Großartig fotografierte Idee, von grandiosen Akteuren dargestellt, mit tödlicher Konsequenz. | |
Mi, 25.01.2012TV | P.S. - Liebe auf AnfangMittelalter trifft YoungsterDie Story ist schon etwas verquast, aber die guten Darsteller bügeln das wieder aus. Louise (Laura Linney) ist zwischen Ex (Gabriel Byrne) und jugendlichem Bewerbungslover (Topher Grace) hin und hergerissen, obwohl zu beiden Distanz besteht. Diese Beziehungen sind nicht einfach nachzuvollziehen, vorausgesetzt Louise würde sich um den Ex echt bemühen und ihre still lodernde sexuelle Gier unter Kontrolle haben. Dann kommt noch der tote Jugendfreund als Maxime hinzu, den Louise in ihrer Jugend mit ihrer besten Freundin teilen musste. Wenn jetzt das Gehirn nicht sagt ’He, was soll das denn?’ tut es das spätestens beim kussfesten Happy End. Männliche Prostitution garantiert hier den Erfolg.
Man spürt das Bemühen um eine ernsthafte Darstellung. Es gibt Psycho-Spielchen wegen der Selbsterkenntnis. Man spricht von der Macht des Schicksals (etwas Mystery muss sein!). Auch die Auseinandersetzungen mit Mutter und Bruder bleiben einfach im Raum stehen. Dabei läge hier jede Menge Zündstoff. Bleibt die wahnsinnig neue Erkenntnis: Projektleiterin testet erst einmal den jungen Probanden auf der Matratze, bevor sie ihm das O.K. gibt. Das Umfeld (Familie und Ex) bleiben außen vor. Der krumme Weg ist hier wohl der bessere. Und P.S. eventuell nur ein Anhängsel. Mehr nicht! | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.