Anzeige
Home » Profil von 8martin » 

Bewertungen

Bewertungen

Di, 03.01.2012
TV | Ein einsamer Ort
Das einsame Herz4 Sterne
Für die Freunde des film noir ist dies ein besonderer Leckerbissen. Nicht nur weil es ein früher Film (1950) von Nick Ray ist, den Wim Wenders so bewunderte, sondern auch einer der selteneren dieser Art von ihm. Darüber hinaus sehen wir einen Humphrey Bogart in einer überraschend anderen Rolle: als Drehbuchautor, zwar kollerisch aber hier eher als Ermittler, denn als Gangster. Ja mehr noch: er ist verliebt und sein Minenspiel lässt das erkennen. Hier beweist er, dass er mehr kann. Dass er am Ende geht, ist eine der Schlussvarianten die Ray anbietet, eben bogeymäßig. Das Zerwürfnis zwischen den Liebenden hatte zuvor im Kopf begonnen. Da ist Angst, ein Missverständnis und verletzte Eitelkeit im Spiel. Auch das sind für einen Krimi ungewöhnliche Zutaten. Das Drehbuch zeigt, dass man sich im Filmgeschäft auskennt. ’Kein Opfer ist zu groß für eine kleine Hoffnung auf Unsterblichkeit.’ Und es gibt Wortspiele wie ’Gütergemeinschaft’ und ’Gemeinschaftsgüter’ oder herrliche Liebeszitate: ’Ich wurde geboren, als sie mich küsste, ich starb, als sie mich verließ, ich lebte so lange, sie mich liebte.’ So gerät die eigentliche Handlung in den Hintergrund. Nur der Titel macht Kopfzerbrechen. Kein einsamer Ort!? Nur das Herz ist ein einsamer Jäger und mit dem verfolgt der Held seine Liebe. Vergeblich, vereinsamt.
Trennstrich
Mo, 02.01.2012
TV | Happy Go Lucky
Grenzenlose Frohnatur1 Stern
Selten war ein Film so total reine Ansichtssache wie der hier. Man kann verständlicherweise der Ansicht sein, dass Poppy (Sally Hawkins) beneidenswert in ihrem grenzenlosen Optimismus ist, andere meinen sie sei bemitleidenswert in ihrer Naivität. Wie dem auch sei, es ist kein toller Film. Mike Leigh hat sich an eine Art Komödie gewagt, die bisher erst einmal sein Metier war. Poppy kann einem ganz schön auf den Senkel gehen mit ihrer affigen Albernheit. Sie zelebriert das Chaos um sich herum, weil sie doch wohl etwas schlicht ist. Und so plätschert ihr Geplapper ohne Witz und Charme so vor uns hin. Eine Dreißigjährige benimmt sich eigentlich nicht so infantil. Es wird zunehmend langatmiger und bleibt eindimensional, denn die Handlung dreht sich im Kreise (Fahrstunde, Flamencokurs Pennergespräch). Gäbe es keinen One-Night-Stand mit einem Sozialarbeiter, wäre die Männerwelt völlig außen vor geblieben. Und selbst dabei benimmt sich Poppy etwas doof und keineswegs sexy. Und dann bricht als dramatischer Höhepunkt völlig unvorbereitet eine sinnfreie aber handgreifliche Auseinandersetzung mit ihrem Fahrlehrer aus. Kurz und heftig - ergebnisoffen! Die Message: ’Poppy will die ganze Welt glücklich machen!’ So einfach ist das. Na wer’s glaubt!?
Trennstrich
Mo, 02.01.2012
TV | Der seltsame Fall des Benjamin Button
Ben Knopf4 Sterne
Es ist ein wunderschönes Märchen von der großen, ewigen Liebe, die unabhängig vom Alter besteht, selbst wenn die Lebenszeiten der Verliebten in entgegengesetzte Richtungen laufen. Das schildert uns David Fincher in stimmungsvollen Bildern, die meist in Gelb- und Brauntönen gehalten sind und beweist damit einmal mehr, was er kann. Fast drei Stunden (schon etwas lang) sehen wir eine Story, die auf der Klaviatur der Emotionen wahre Symphonien abspielt und mit einem ungewöhnlichen Charme daherkommt. Durch die Rahmenhandlung bekommt das Ganze zwei Ebenen und eine zusätzliche Unterhaltungsgrundlage. Die Maskenbildner hatten hier Konjunktur und leisteten nicht nur bei Brad Pitt ganze Arbeit, sondern auch bei Cate Blanchett. Aber auch ohne die Mithilfe der Visagisten überzeugen Tilda Swinton, die durch ihren Auftritt den märchenhaften Charakter unterstreicht, sowie Julia Ormond, die die erlösende Aufklärung bringt. Die Komik der Situation unterstreichen Sätze wie ’Wir enden alle schließlich in Windeln’. Der Wandel der Zeiten wird durch markante Musikbeispiele von den Platters oder den Beatles betont. Und das Ende der Liebesgeschichte ist so schön, dass es den Romantikern fast das Herz zerreißt. Durch die Gegenbewegung der Alterungsprozesse wird allerdings eine gewisse Zeitlosigkeit herausgearbeitet. Und durch den eingearbeiteten Exkurs über den Zufall kommt noch eine philosophische Komponente hinzu. Ein Beispiel dafür, dass Gefühle nicht im Herz-Schmerz-Niveau ertrinken müssen, sondern wenn gut gemacht eine Bereicherung darstellen.
Trennstrich
Fr, 30.12.2011
TV | Mein Kriegswinter
Koopertion oder Widerstand3 Sterne
In eiskalten, blau-grauen, weißen Bildern wird eine ereignisreiche Geschichte recht unterkühlt erzählt. Ende des 2. Weltkrieges sind deutsche Besatzer in Holland. Michiel (Martijn Lakemeier) ist 14 Jahre und gerät in den Widerstand. Es stellt sich die Frage: Kooperation oder Widerstand? Der Bub muss mit ansehen, wie sein Vater in eine tragische Entwicklung mit hineingezogen wird. Wie er sich auch entscheidet, es gibt immer Tote. Das wird spannend dargestellt. Als sich herausstellt, dass der gute Onkel Ben für die Deutschen arbeitet, weiß er nicht mehr, wem er trauen soll. Somit ist es auch eine Geschichte vom Erwachsenwerden, geprägt von Misstrauen und Erfahrung. Ein Abwägen von Werten bezüglich Freund und Feind. Verrat als Mittel der Rettung, um welchen Preis? Es gibt optische Highlights, wie den Sturz vom Fahrrad in den zugefrorenen Teich, emotionale wie die liebevolle Rasur des Buben durch den Vater oder der akustische Aufstand der Mutter auf der deutschen Kommandantur. Am Ende wird es dann noch mal richtig spannend für die noch Überlebenden. Michiel lädt Schuld auf sich und kann sich über die sogenannten Befreier gar nicht richtig freuen. Zu viel war passiert. Die ruhige Erzählweise verhindert nicht ganz die emotionale Betroffenheit.
Trennstrich
Fr, 30.12.2011
TV | State of Play - Der Stand der Dinge
Spielstand3 Sterne
Dieser Krimi ist prominent besetzt u.a. mit Helen Mirren, Robin Wright Penn und Ben Affleck, spannend inszeniert und wartet mit einer optisch und logisch klar nachvollziehbaren Lösung auf. Es geht um ein düsteres Kapitel, das wir seit den Golfkriegen kennen: die enge Verbindung von Politik und Wirtschaft. Die Bush-Administration hat uns bewiesen, wie das geht, wenn Konzerne durch Staatsaufträge Milliarden verdienen, und Mitglieder der Regierung im Aufsichtsrat der Waffenlieferanten sitzen. Wenn Loyalität nur gegenüber dem eigenen Scheckbuch gilt. Hier wird so ein Fall geschildert, der zunächst nur eine moralische Dimension hat: ein verheirateter Spitzenpolitiker hat ein Verhältnis, das überraschend zu Tode kommt. Und während sein Jugendfreund Russell Crowe - hier in für die Branche unüblicher Haartracht - als investigativer Journalist tätig ist, stößt er auf einen Sumpf von Korruption und Gewalt, von Drohung und Protektion mit Verbindungen bis in höchste Staatsämter. Die Dialoge zeugen nicht nur von großer Sachkenntnis, sondern auch von guter Menschkenntnis. Gelegentlich blitzt sogar mal ein cool formulierter Joke auf. (Whisky ist ’irischer Wein’ oder ’Ich sag’s dir nur, bevor du den nächsten Dünnpfiff im Netz absonderst.’) Das ist alles solide gemachte, gute Unterhaltung. Und bei dem Spielstand gewinnt hier mal die freie Presse.
Trennstrich
Do, 29.12.2011
TV | Im Winter ein Jahr
Maler, Model und Familie2 Sterne
Karoline Link hat drei Gedankengänge mit einander verbunden. Breiten Raum nimmt die Selbstfindungsphase der pubertierenden Göre Lilly (großartig Karoline Herfurth) ein. Dann gibt es da noch den Maler Max (überzeugend souverän Josef Bierbichler), der sie und ihren toten Bruder auf einem Gemälde verewigen soll, das ihre Mutter (Corinna Harfouch) in Auftrag gibt. Diese lebt in einer zerrütteten Ehe mit Hanns Zischler. Die Figuren der Eltern hat Link etwas stiefmütterlich behandelt. Die weinende Mutter im Laub kommt etwas überraschend, ebenso wie Lillys Abschlussmonolog mit dem Bruder in den verschneiten Himmel, nachdem sie zuvor im leeren Tanzstudio für sich und uns ihr Können unter Beweis gestellt hat. Auf allen drei Ebenen agieren Figuren, die nicht zu den Gewinnern gehören: Lilly wird nach allen Niederlagen immer wieder aufstehen, Max produziert ein Bild, das der Auftraggeberin nicht gefällt, deren Ehe gerade scheitert. Über allem schwebt der Tod des Bruders Alexander. Hanns Zischler spielt wie so oft eine freundliche aber teflonbeschichtete Figur. Die vage Spannung kommt von der permanenten Ahnungslosigkeit des Zuschauers, der dem Geschehen wegen der guten Schauspieler aber mit Interesse folgt. Kein Langweiler, aber auch kein Knüller!
Trennstrich
Di, 27.12.2011
TV | Australia
Die Lady und der Cowboy2 Sterne
Der Funke will irgendwie nicht so richtig überspringen. Zugegeben Melodramen sind eigentlich nicht mein Ding, obwohl ich ’Jenseits von Afrika’ oder ’Vom Winde verweht’ –zig Mal angeschaut habe. Aber bei der Starbesetzung und dem Starregisseur kann man doch nicht schief liegen. Die Geschichte wird in wunderschönen Bildern – vor allem von der Landschaft – erzählt. Fast 2 Stunden lang sehen wir ein Farmer-Epos und Frauenfilm, ein sowohl geschäftliches als auch sexuelles Duell zwischen Kidman und Jackman (Ihn nennt man ’Boss’ sie ’Mrs Boss’). Er ist der handfeste Westerner, sie das Püppchen, das staunt, kreischt und ständig empört ist. Beide machen eine Wandlung im zweiten Teil durch. Und da bekommt der Film vorübergehend auch etwas Tiefe, denn zwischen beiden steht Nullah, ein Junge der Aborigines. Die australische Eingeborenenproblematik wird auch hin und wieder eingestreut und von ihrer rassistischen und ideologischen Seite her beleuchtet. Da ist der Einsatz des ’Rainbow Songs’ schon gelungener; das erinnert dramaturgisch an ’Que sera’ in ’Der Mann der zuviel wusste’. Mit dem furiosen Luftangriff der Japaner (2. Weltkrieg) werden alle in ein apokalyptisches Inferno gestürzt. Und es entsteht kurzzeitig etwas Spannung bevor uns das sich lang hinziehende Happy End erreicht. Der Unterhaltungswert hält sich im üblichen Rahmen einer Kaffeefahrt, auf der es viele gute Sonderangebote gibt, aber keines davon ist so verlockend, als dass es uns vom Stuhl reisst.
Trennstrich
Mo, 26.12.2011
TV | 96 Hours
Der rettende Rächer2 Sterne
Liam Neeson allein ist noch lange keine Garantie für gutes Kino. Hier schlägt er sich im wahrsten Sinne des Wortes als Bryan eineinhalb Stunden gegen die albanische Mafia durch. In pausenloser Action mit logischen Knacks wird munter drauflos gemordet, wohl weil der Zweck die Mittel heiligt. Das Killen und die Keilereien gehen so locker von der Hand, dass man aus dem Staunen gar nicht herauskommt bzw., weil die Story so ausgelutscht ist, doch abschaltet. Es sei denn man kann der schnellen Grazie des Tötens etwas abgewinnen oder sich an der formalen Schönheit ergötzen. Man sieht auch sonst nicht anderes. Blutige Nachforschungen nach dem Verbleib der Tochter. Auch der Aspekt, dass der verfolgende Rächer ja im Recht ist, wird nicht diskutiert sondern nur demonstriert. Das wirkt auf die Dauer hohl, eventuell selbstgerecht, blinder Aktionismus halt. Die meisten Figuren bleiben flach in ihrer Bedeutungslosigkeit. Kurz und knapp die Message des Originaltitels: ’Genommen’. Die haben ihm seine Tochter genommen, er nimmt vielen von ihnen dafür das Leben. Ein Kollateralschaden! Das ist Kientoplogik, gerechtfertigt durch den Unterhaltungswert. Ist das Leben wirklich so? Brauchen wir so eine Unterhaltung?? K.V.
Trennstrich
So, 25.12.2011
TV | Der kleine Lord
Lord Fauntleroy4 Sterne
Der Film gehört inzwischen zu Weihnachten wie die berühmten ’Drei Haselnüsse’. Und er ist einer der besten zum Feste. Und das nicht nur weil Weihnachten hier auch eine echte dramaturgische Rolle spielt (Weihnachtsbaum, Krippenspiel und Weihnachtsmusik). Ricky Schroder, Cedric der kleine Lord, beeindruckt besonders durch frische Unbekümmertheit, neben Alec Guinness, der den alten englischen Adel repräsentiert wie sonst keiner. Die Qualität liegt einerseits in den genauen Details, andererseits kommt noch eine soziale Komponente hinzu: eindrucksvoll die Darstellung von Armut und Krankheit bei den Pächtern. Neben dem uralten Gegensatz zwischen Amerikanern und Briten, was Humor verbreitet, trägt auch noch der Unterschied zwischen dem ’normalen Volk’ und dem Adel nicht nur zur Erheiterung bei. Die wichtigste Aussage liegt aber in der Wandlung eines alten Griesgrams zu einem liebenswerten Großvater, der einen neuen Lebensinhalt bekommt. Der kleine Cedric schließt dessen Gefühlswelt buchstäblich durch seinen natürlichen Charme auf, wobei dessen Vorurteile auf den Prüfstand kommen. Und außerdem liegen echte Muttergefühle im Clinch mit den angestammten Rechten eines Großvaters. Wenn dann auch noch das Winterwetter mitspielt und es schneit, kann man bei so viel Eintracht und Versöhnung nur wie im Film mit einem Toast auf den kleinen Lord enden. Der emotional hoch angereicherte Film passt zum Fest der Liebe wie die Kerze zum Baum.
Trennstrich
Do, 22.12.2011
TV | Die Päpstin
Papst Johanna2 Sterne
Wahrheit oder Fiktion, vorhersehbar oder traumatische Entwicklung, emanzipatorisch oder spekulativ, Historie oder böser Scherz. Der Film gibt aus mehreren Gründen Anlass zu Diskussionen. Die Thematik ist allemal provokant. Fällt jetzt auch noch eine der letzten Männerdomänen? Welches kranke Hirn hat sich das bloß ausgedacht? Die Mädels kommen halt langsam aber gewaltig… Das tangiert mich alles überhaupt nicht, obwohl es schon irgendwie dazugehört. Die Gedankenspiele gehen dann in alle angedeuteten Richtungen und es wird nie langweilig. Da kann man den Historiker schon mal beurlauben, die kritische Sehweise in die Ferien schicken und sich einfach nur wie im Zirkus unterhalten lassen. Dafür sorgt der Film nun mal. Sönke Wortmann hat ein mittelalterliches Spektakel abgeliefert, das durchaus interessant, sogar spannend ist, dabei üppig ausgestattet mit überzeugend agierenden Akteuren. Vor allem Johanna Wokalek in der Titelrolle passt haargenau als androgyner Typ, verletzlich aber stark und doch ist die Weiblichkeit nie völlig ausgeschlossen. Man fürchtet um ihre Entkleidung! Der optische Sog tut ein Übriges, die Zeit verfliegt ohne dass man es bedauert. Und der Schluss ist auch nicht unpassend. Etwas herb, aber akzeptabel. Warum nicht!?

Neueste Bewertungen

Sa, 12.07.2025 von antoniawarda

TV | Das 1% Quiz
sehr schlecht gemachte Quizsendung1 Stern

richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...

Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum

TV | deep und deutlich
strange3 Sterne

Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...

Fr, 30.05.2025 von Coa60

TV | Die Carolin Kebekus Show
Frau Baerbock2 Sterne

Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...

Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net

TV | Die Insel
20:15 Uhr bis 22:55 Uhr: ohne jedweden Tiefgang1 Stern

1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...

Sa, 19.04.2025 von frge

TV | Notruf Hafenkante
Krimi mal anders5 Sterne

Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

Ihre Lieblingsfilme und Serien auf DVD und Blu-ray.