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Di, 20.12.2011
TV | Karakter
Bekenntnisse eines Aufsteigers4 Sterne
Das Vater-Sohn Drama wird in düsteren Farben, mit viel Regen geschildert. Bei dieser Tragödie weint selbst der Himmel. Es ist ein wirtschaftlicher und juristischer Machtkampf zwischen dem unehelichen Sohn Jakob und dem Gerichtsvollzieher Dreverhaven, der seine Vaterschaft nicht anerkennen will. Stattdessen piesackt er ihn immer wieder mit Begleichung von Schulden und kann aber dessen Aufstieg zum Anwalt nicht verhindern (so er es denn jemals wirklich vorgehabt hätte). Jakob fühlt sich angespornt und lernt unentwegt, übersieht dabei sogar die Liebe seines Lebens. Die schweigsame Mutter steht zwischen allen. An ihrer Stelle erklärt der Kommentar aus dem Off Stimmungen und Zusammenhänge. Alles weitet sich zu einem psychologischen Duell aus. Die überzeugende Darstellerriege wird von Hollands profiliertestem Darsteller Jan Decleir angeführt. Der wortkarge, in seinem Job rücksichtslos brutale Dreverhaven (Decleir) offenbart am Ende seine überraschende Absicht zur titelgebenden Charakterbildung. Das ist alles sehr ungewöhnlich, aber total konsequent, von der abschließenden Prügelei zwischen Vater und Sohn bis zur Art und Weise des Endes des grausam gefühllosen Vaters. In einem Lied von Jonny Cash hat ein Vater seinen Sohn Sue genannt, um ihn hart zu machen für das Leben.
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Di, 20.12.2011
TV | Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran
Ende einer Reise4 Sterne
Der Film lebt aus der Atmosphäre eines Pariser Viertels und dem sanften Charme des Omar Sharif. Mehr noch: nicht zu vergessen der Appell an Toleranz und Menschlichkeit und die Tatsache, dass der Koran hier für allgemeine Lebensweisheiten steht und eigentlich eine Anweisung zum Glücklichsein darstellt. Da stehen Sätze wie in Stein gemeißelt: ’die Langsamkeit ist das Geheimnis des Glücks’ neben der ’Mülltonnenphilosophie’. Wir erfahren von Gemeinsamkeiten zwischen Juden und Moslems bei dieser Ersatzvater-Sohn Beziehung, die von leicht märchenhaften Zügen geprägt ist. Interessant ist auch die Evolution: Stein→Pflanze→Tier→Mensch. Der junge Moses genannt Momo (Pierre Boulanger) macht erste Liebeserfahrungen mit Nutten und einer Nachbarstochter (Lola-Perlenstickerin-Naymark). Musikbeispiele aus den 60er Jahren (Perez Prado, Sunny) unterstützen die Atmo der Zeit, ebenso wie die Bilder die anfangs überwiegend in braun und grün gehalten sind. Erst mit dem Verschwinden des Vaters (Gilbert Melki) wird die Wohnung weiß gestrichen. Kenner nehmen die Hommage an die Löwenmähne der Bardot schmunzelnd zur Kenntnis wie auch den Kurzauftritt der Adjani. Die Reise am Ende in die Heimat von Monsieur Ibrahim ist eine zu seinen Wurzeln. Hier leben Orthodoxe neben Katholiken und Moslems. Das einzige, was sie unterscheidet, ist der dort jeweils vorherrschende Geruch. Und so stirbt der Alte auch nicht am Ende, sondern er geht in die Ewigkeit und Momo steht in seinem Laden. Angenehmer Emotionstrip.
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Mo, 19.12.2011
TV | Der Name der Rose
007 als Mönch5 Sterne
Es ist die geniale Verfilmung von Umberto Ecos bestem Roman. Dieser kongeniale Film von Jean-Jacques Annaud ist aber ein eigenständiges Kunstwerk, das unbedingt in den Olymp der Filme gehört. Von Anfang bis Ende ist dieser Film optisch ein Hochgenuss. Der spannendste Krimi des Mittelalters: prall, schockierend, ergreifend. Dabei prominent besetzt. Vor allem der Mönch William-007-von-Baskerville besitzt detektivische Qualitäten. Seine entwaffnende Logik ist umwerfend, seine Gespräche mit seinem Novizen Adson, dem damals noch unbekannten, blutjungen Christian Slater, sind voller Komik. Bis in kleinste Nebenrollen sehen wir hervorragende Darsteller. Äußerst beeindruckend Maske und Spiel von Ron Perlman oder Helmut Qualtinger. Und nicht zu vergessen das junge, ’namenlose’ Mädchen (Valentina Vargas), die einzige Rose in dieser Männerwelt, die Novize Adson pflücken darf. Seltsam, dass man ihm kurz zuvor weiß machen wollte ’Bitterer als der Tod ist die Frau’.’ Kleine, sonderbare Requisiten wie die Handbrille sind bedeutsam in einem Panoptikum skurriler Mönchstypen. Besonders gelungen ist die Verbindung einer Mordserie in einem Kloster mit der handfesten Kontroverse zwischen Ketzerei und Inquisition. Was bei Umberto Eco breit ausgewalzt wird, wird hier spielerisch in spannungsgeladene Action umgesetzt: u.a. z.B. die Leibfeindlichkeit, die Frauenfeindlichkeit und die Wissenschaftsfeindlichkeit der Kirche im Mittelalter. Ist das heute anders? Bezeichnenderweise handelt das verbotene Buch vom Lachen! Genial auch der Schluss: zunächst schockierend, dann ein Grund für zufriedenes Schmunzeln. Rosen gibt’s!?
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So, 18.12.2011
TV | Doktor Schiwago
Liebe in Zeiten des Krieges5 Sterne
Es ist einer der besten Filme aller Zeiten, ein zeitloser Klassiker der Filmkunst. Der Film ist besser als die Romanvorlage von Pasternak, weil er verständlicher ist. Die Handlung ist vollständig übernommen, aber gestrafft. Es ergeben sich allerdings immer noch Verständnisschwierigkeiten beim Aufdröseln der verwandtschaftlichen Beziehungen über die Jahrzehnte hinweg. Dieses Problem macht aber die Riege der Weltklasse-Schauspieler glatt wett. Die ergreifende Liebesgeschichte zwischen Julie Christie und Omar Sharif trifft ins Herz wegen der Aufrichtigkeit und der Unerfüllbarkeit dieser Beziehung. Und das Ende, das tut ja so weh! Die Titelmusik ’Laras Thema’ ist ein echter Ohrwurm, der die Emotionen beim Hochkochen unterstützt. Der ganze Film ist ein optischer Hochgenuss. Nicht nur wegen der detaillierten Ausstattung, sondern wegen unvergesslicher Bilder von Sonnenblumen, Eisblumen, einem Meer von Narzissen und einem Landgut in Eis und Schnee. Wir sehen aber auch ein genau beobachtetes Gesellschaftsporträt aus Russland am Ende des Zarenreiches mit anschließender Revolution. Es gibt Kritik an der Herrschaft der Bolschewisten und Appelle an die Menschlichkeit. Selbst die Jahre des anschließenden Bürgerkrieges werden geschildert, wie wir sie ansonsten nur von ’Budjonnys Reiterarmee’ her kennen. Packende Einzelschicksale werden in die große Politik des Landes genial eingeordnet. Ein perfekter Film, den man nur mit Superlativen beschreiben kann und neben dem alle Remakes ein überflüssiger, peinlicher Aufguss sind.
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Sa, 17.12.2011
TV | Cleaner - Sein Geschäft ist der Tod
Der böse Kumpel3 Sterne
Sam Jackson ist der Cleaner, der normalerweise Wohnungen reinigt, nachdem die Bewohner verstorben sind. Hier war aber ein Mord geschehen. Der ehemalige Polizist gerät bei seinen Nachforschungen in ein gefährliches Dreieck von Betroffenen: da ist zunächst sein alter Kumpel Ed Harris, dem er vertraut. Dann Eva Mendes, die etwas zwielichtige Witwe des Toten. Sie ist hier mal hochgeschlossen und ernst, aber wieder ein Luder. Und dann ist da noch der ermittelnde Polizeibeamte Luis Guzman. Das ist - abgesehen von der Ausgangssituation - nichts Ungewöhnliches. Doch die menschliche Komponente (das Verhältnis zwischen Sam und seiner Tochter und die alte Männerfreundschaft zu Ed) geben dem Film eine zusätzliche tiefere Dimension. Außerdem sind die beiden männlichen Hauptdarsteller toll. So kommt eine passable Spannung auf, ohne dass ins Reißerische verfallen wird. Im Gegenteil: wir sehen wunderschöne Nahaufnahmen von an sich unappetitlichen, oft blutdurchtränkten Dingen. Im Vordergrund läuft eigentlich eine mehrschichtige, menschliche Tragödie ab. Die kurze Überraschung am Ende durch Ed Harris ist nicht wirklich eine. Zwar Mainstream, aber von der besseren Sorte. Message:’ Man kann das Blut abwischen, die Wahrheit aber bleibt.’
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Fr, 16.12.2011
TV | Le grand amour - Wahre Liebe rostet nicht
Florence oder Agnès3 Sterne
Was anfangs als verklemmt und bieder daher kommt, entpuppt sich im Laufe der Zeit als galante Persiflage auf die Eintönigkeit der Ehe. Zugegeben, das Alter (1968!) merkt man dem Streifen schon an, vor allem an den knalligen Farben, aber die grundlegende Aussage wird mit viel Situationskomik und leisem Humor dargestellt. Die Spießeridylle der damaligen Zeit wird durch den Kakao gezogen. Vieles davon hat sich aber bis heute nicht geändert. Die optische Umsetzung von Gedanken und Vorschlägen ist ein bleibender Knaller. Vor allem wenn es davon mehrere Versionen gibt. Einer der Höhepunkte ist die Traumfahrt im Bett als Auto, vorbei an Krankenwagenbetten und einem Unfall, weil zwei Betten zusammengestoßen waren bis hin zum Bettenstau auf der Landstrasse. Verklemmt sind hier vor allem die Männer. Sie machen der Falschen eine Liebeserklärung, (nicht der schönen velofahrenden Agnès (Nicole Calfan)), weil sie im entscheidenden Moment nur verschämt unter sich schauen. Ihre Unfähigkeit zu echter Liebe wird ebenso gegeißelt wie ihre Feigheit, zu ihren Gefühlen zu stehen. Sie bleiben misstrauisch, rechthaberisch und borniert und damit auch letztlich bei Ehefrau Florence (Annie Fratellini). Regisseur Pierre Etaix, der auch die Hauptrolle spielt, hat mit dem Originaltitel ’Die große Liebe’ wohl eher in die ironische Schublade gegriffen. Leider bleibt er auf halbem Wege stehen. Ein Spaß mit Nostalgie-Touch, den man ganz relaxt genießen kann.
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Do, 15.12.2011
TV | Peer Gynt
Selbstfindungstrip4 Sterne
Ein traumhafter Film im doppelten Sinne des Wortes. Regisseur Uwe Janson hat den Stoff aus der skandinavischen Bergwelt geholt und in eine Schilf- und Wasserlandschaft verfrachtet. Damit gelang ihm ein eigenständiges Werk, das intensiv und zeitlos rüberkommt. Im Unterschied zum Original fehlt das exotische Ambiente der kleinen Weltreise, und der ganze Plot ist überhaupt vereinfacht und wirkt so geschlossener. Für Experten ergibt sich zusätzlich ein aufregendes Rätselraten zwischen dem Gesehenen und der Erinnerung an Ibsens Original und Griegs Musik. Beeindruckend u.a. das Schiff auf dem Trockenen sowie Details der Hochzeitsgesellschaft. Durch wunderschöne, expressionistische Bilder (auch unter Wasser) teilweise mit Unschärfen werden Zwischenräume überbrückt, was je nach Situation durch die drei Paradestücke von Grieg (’Solvejgs Lied’, ’In der Halle des Bergkönigs’ und ’Morgenstimmung’) immer wieder unterstützt wird. Man hört eine Sprache, die zwischen Kunst und Alltag hin und herschwankt und die bisweilen auch vom Bild losgelöst verwendet wird. Auch die Handlung driftet aus der Realität in Richtung Traum und wieder zurück. Aber außer den wunderschönen Ohrwürmern bleiben Sinn und Gehalt durchaus erhalten. Es geht um Maximen wie ’Sei du selbst!’ oder ’Besiege deine Natur’. Erwähnenswert aus dem tollen Ensemble besonders Robert Stadlober, Caroline Herfurth, Susanne-Marie Wrage und in einer Nebenrolle aber durchaus beeindruckend Ulrich Mühe. Für mich drängt sich ein Vergleich zu der ähnlich genialen Umsetzung von ’Romeo und Julia’ durch Baz Luhrmann auf. Peer Gynt ist vielleicht eine Nummer kleiner. Aber trotzdem unglaublich!
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Mi, 14.12.2011
TV | Ich, Tom Horn
Kampf den Viehdieben2 Sterne
Hier hat William Wiard einem Helden des alten Wilden Westens ein Denkmal gesetzt. Anfangs ist es ein echter Cowboy-Film. Als die Boys noch hauptsächlich Kühe hüteten. Und da gab es natürlich auch Viehdiebe und solche wie Tom Horn (1860 - 1903), die das zu verhindern suchten. Dargestellt von Steve McQueen jagt er ihnen hinterher und bringt viele zur Stecke. Zu der Zeit war Viehdiebstahl genauso schwerwiegend wie Mord. Falsche Anschuldigungen bringen Horn ins Gefängnis und weil er sich nicht verteidigt an den Galgen. Im zweiten Teil ist der Cowboy völlig unwichtig. Jetzt steht die Glaubwürdigkeit im Mittelpunkt und es geht um grenzenlose Freiheit oder Gesetzestreue. Der Fortschritt, hier symbolisch dargestellt durch einen wassergetriebenen Galgen, überrollt die Menschlichkeit. Horn spürt, dass seine Zeit vorbei ist. Er hat sich selbst aufgegeben und wird gefesselt zur Hinrichtung geführt. Als schmückendes Beiwerk strahlt Linda Evans in die Kamera. Sie hat mit der Handlung eigentlich nichts zu tun. Gute Kameraarbeit und technisch brillante Bilder bieten eine gradlinige Handlung, die mäßig fesselnd ist. Vielleicht etwas nur für Steve McQueen-Fans.
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Di, 13.12.2011
TV | Nord
Eine ungewöhnliche Reise1 Stern
So kurz und knackig wie der Titel ist auch die Handlung des Films. Jomar, ein Liftbetreiber macht sich auf zu seiner früheren Ehefrau und Tochter. Bei Erreichen des Ziels endet die Filmrolle… Unterwegs triff er sonderbare Gestalten, die ihm auf ihre Art und Weise zu verstehen geben, dass sie ihn mögen: ein Teeny, ein Schwuler und ein alter Mann. Es passiert nichts Spektakulären, wenn man mal von Großvaters unverhoffter Rutschpartie unter die Eisoberfläche absieht, dem das Schneemobil voraussank. Und das ist sonderbar, weil unangekündigt und unkommentiert. Es ist halt so! Der Schnee prägt die Szenerie; ein Feuer und der Schnaps bringen allein Wärme von außen. Menschliche gibt’s nicht. Punkt. Aus. Ende. Es lohnt auch nicht etwas hineinzugeheimnisen, was nicht drin steckt. Wenn der Abspann läuft, hat man die letzten 75 Minuten bereits vergessen.
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Mo, 12.12.2011
TV | The Limits of Control
Grenzen der Kontrolle2 Sterne
Lange Einstellungen, streng durchgestylte farbige Bildkompositionen und ein geheimnisvoller Auftrag bieten viel Raum für Vermutungen und Sinnsuche. Vor allem während der ersten Stunde. Urbane Landschaften fliegen vorbei und immer im Fokus der Kamera Isaach De Bankolé, der Supercoole, Schweigsame, der aus dem Nichts kam und auch dorthin wieder zurückkehren wird. Wie er muss sich der Zuschauer zurecht finden und dafür viel Zeit und Ausdauer mitbringen. Weltstars wie Tilda Swinton, John Hurt oder der arabische Superstar Hiam Abbass geben verschlüsselte Nachrichten in Streichholzschachteln an ihn weiter. Nachdem wir erfahren, dass nichts wahr, sondern alles nur Einbildung ist, kulminiert der Film in einer fatalen Auseinandersetzung zwischen Auftragskiller (wie wir inzwischen vermuten) und seinem zukünftigen Opfer (Bill Murray). In dessen schwer bewachten Sicherheitstrakt gelangte der Killer mittels seiner Vorstellungskraft. Er zeigt dem Herrn der Kontrolle mit einer Gitarrensaite seine Grenzen auf, nachdem dieser Kunst und Wissenschaft etc als Produkte von Bohemiens, die auf halluzinogenen Drogen sind, abgetan hatte. Kann sein, dass der Umstand, dass der Killer in das Innere der Festung gelangen konnte, ein Beleg dafür sein soll, dass Kontrolle niemals grenzenlos sein kann… Es erstaunt, wenn er behauptet, das alles habe nichts mit der wirklichen Welt zu tun…Unglaublich! Ein heftiger Diskurs, der sich bei den Zuschauern nach diesem intellektuellen Spielchen fortsetzen wird.

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