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Bewertungen

Mo, 12.12.2011
TV | Schatten der Vergangenheit
Zweifacher Tod4 Sterne
Aus der engen Beziehung von Kenneth Branagh und Emma Thompson, die erfreulicherweise auch künstlerisch sehr ergiebig war, stammt dieser anspruchsvolle Thriller. Er übernahm auch neben der Regie gleich eine Doppelrolle. Gedanklich spiel er mit Wiedergeburt und Rachemotiven, enttäuschter Liebe und Hypnose als Bindeglied zwischen den Zeiten. Der harmlose Anfang steht unter der Überschrift ’Frau ohne Gedächtnis’ und scheint nichts Besonderes zu verheißen. Geht es da um Mord, um einen Traum oder um ein Trauma? Die unterschiedlichen Ebenen sind gut zu trennen in Farbe (jetzt) und s/w (damals). Nur der Zusammenhang zwischen beiden erschließt sich dem Zuschauer erst mit der Zeit. Und er kann anhand von Indizien miträtseln: So taucht z.B. eine Schere immer wieder auf oder Antiquitäten oder die Haushälterin und ihr Sohn werden erwähnt. Ein Flüstern vor der Hinrichtung bleibt lange unerklärt. Und die ausgesucht exquisiten Darsteller (Hannah Schygulla, Robin Williams, Andy Garcia etc.) helfen durch ihren besonderen Auftritt mit, das Problem zu lösen. Kleine Anleihen bei Psycho sind bewusst gemacht und zum Schmunzeln. Und im furiosen Finale wird kräftig drauflos gemordet. Man kann fast den Überblick verlieren, so spannend ist es.
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Mo, 12.12.2011
TV | Der Fang
Wildbrett als Haustier4 Sterne
Die literarisch hochwertige Romanvorlage merkt man dem Film schon an. Wir erleben den amerikanischen Bombenkrieg aus der Sicht der kambodschanischen Landbevölkerung, genauer gesagt der der Kinder. Ein Pilot stürzt über dem Dschungel ab und wird von einer Handvoll Buben bewacht. Ihr Anführer ist bezeichnenderweise der im Dorf am wenigsten geachtete Junge (Mutter Hure, Vater unbekannt!). Das einzige Wort das hier verstanden wird lautet ’Okay’. Also wird es bald der Name des Piloten. Er wird - so der Titel des Originals - wie ein Tier in einem Käfig gefangen gehalten. Beeindruckend wie Okay die Jungs mit seinem Charme, seiner friedlichen Freundlichkeit und seinem technischen Können überzeugt. (Er repariert ein Radio!). Als das funktioniert verbindet vorübergehend die Kids und Okay Musik und Tanz. Sie basteln ein Schnurtelefon mit zwei Dosen an den beiden Enden. Und es wird deutlich, dass sie nicht dieselbe Sprache sprechen. Man sieht aber auch die autoritären Maßnahmen der Roten Khmer wie die Zwangsabgaben in Naturalien für die kämpfende Truppe, Denunziantentum im Dorf (Abhören imperialistischer Sender) und die übliche, erzwungene öffentliche Selbstkritik wegen Verbrechen, die man nicht begangen hat. Zu diesen die Haupthandlung näher beschreibenden Asides gehört auch, dass die Einzige, die Menschlichkeit zeigt, die Oma ist, die auch noch zu Buddha betet. Das Ende ist nicht gerade hoffnungsvoll aber durchaus realistisch: Der junge Anführer schließt sich offiziell den Roten Khmer an und Bombardierung geht weiter.
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Fr, 09.12.2011
TV | Monster's Ball
Oscar für Philosophie3 Sterne
Wir sehen eine Gesellschaft der Lieblosigkeit, in der Huren Konjunktur haben. Ebenso weit verbreitet ist hier der ungeschminkte Rassismus. Dem Anlehnungsbedürfnis der beiden Hauptfiguren (Halle Berry und Billy Bob Thornton) wird daher ausgiebig Raum gegeben und das in interessanten Einstellungen, die oft mehr verbergen als sie preisgeben. Marc Forster hat diese ganze Problematik mit äußerstem Minimalismus geschildert. Ein Satz genügt, um eine Beziehung zu zerstören. Der Schlüssel zur Auflösung sind Zeichnungen, die auch nur kurz zu sehen sind. Wenn man nicht genau hinsieht, kommt man nicht drauf. Die Spannung kommt daher, dass der Zuschauer mehr weiß als die Akteure und der qualitative Gehalt liegt in der bloßen Andeutung der Ungeheuerlichkeit begründet. In den langen dialogarmen Szenen fragt man sich schon, warum Billy Bob so handelt. Ist alles eine Wiedergutmachung, eine Abkehr vom Rassismus oder empfindet er wirklich so etwas wie Zuneigung für Halle Berry? Er selbst sagt, er wisse es nicht. Und so sitzt man am Ende neben den beiden und schaut in den ausgesternten Nachthimmel…Schon während der langen Schlusseinstellung hat man genügend Zeit, um darüber nachzudenken. Denn da sind ja auch noch zwei tragische Vater-Sohn-Konflikte, die genügend ’Food for Thought’ hergeben. Es wird letztlich die Sinnfrage nach der Richtigkeit des eigenen Handelns gestellt und irgendwie offen beantwortet. Gut gemacht, aber gleich Oscar???
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Do, 08.12.2011
TV | Odette Toulemonde
Odette Jedermann4 Sterne
Eine märchenhafte Love Story, die optisch mit Peterchens Mondfahrt endet. Im Grunde wird ein ironischer Blick auf die Herz-Schmerz Literatur und ihre Autoren geworfen. Dabei spricht für den Film, dass er mit den gängigen Klichés des Genres spielt, indem er sie selbst verwendet, aber sich ihnen nie ganz unterordnet bzw. sie mit Witz und Charme auflöst. Balthasar (Albert Dupontel) ist ein solcher Romanautor, der eine Auszeit braucht und sie, Odette (umwerfend präsent Catherine Frot) gibt ihm seine verloren gegangene Energie zurück. Seine Leserinnen werden sogar benannt: ohne Bildung, ohne Kultur, mit einer Puppensammlung und einer Tapete mit Sonnenuntergang. Es sind Kassiererinnen und Frisörinnen, kleine Sekretärinnen und Verkäuferinnen wie Odette. Die erweist sich dem großen Gott der schreibenden Zunft allerdings als ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen. Beider erfahren die Gnade der Selbsterkenntnis und bewegen sich auf einander zu. Der jeweilige Familienanhang wirkt als Kontrastprogramm. Die ungewöhnlichen Tanz- und Gesangseinlagen von Odette sind nicht jedermanns Sache, aber eine französische Tradition. Sie sollen wohl die Leichtigkeit der Inszenierung unterstreichen, wie ihr Schwebezustand. Die abschließende zusammenfassende Erläuterung von Odette vor der versammelten Mannschaft ist allerdings überflüssig. Wir haben doch verstanden. Klichés machen nicht glücklich, sind aber erheiternd und können gute Unterhaltung bieten.
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Di, 06.12.2011
TV | Public Enemies
Bye-bye Black Bird2 Sterne
Der Routinier Michael Mann hat einen Krimi abgeliefert, der seinem Können gerecht wird. Prominente Darsteller agieren in einem mittelprächtigen Gangsterdrama. Die Spannung hält sich in Grenzen, denn es geht alles ein bisschen zu glatt: die Ausbrüche aus dem Gefängnis oder die Banküberfälle. Viel Blut und Ballerei, oft unterlegt mit bombastischer Orchestermusik. Das wirkt etwas theatralisch, lässt aber im Laufe des Films doch so etwas wie eine eigenartige Atmosphäre entstehen. Warum der Titel auf mehrere öffentliche Feinde abzielt, bleibt ein Geheimnis. Denn eigentlich ist es doch nur Johnny Depp alias John Dillinger - Bankräuber und Volksheld. Ein Feind der Öffentlichkeit würde nicht so gekonnt mit der Presse spielen!? Und er liefert eine gewohnt routinierte Vorstellung ab. Ebenso wie sein Gegenspieler Christian Bale als Kommissar. Erwähnenswert erscheinen mir außer einem Deal mit einer Illegalen, die man mit der Abschiebung bedroht, wenn sie Dillinger nicht verrät, die handgreiflichen Verhörmethoden an Dilligers Freundin Marion Cotillard. Wird ja immer wieder mal angedroht. Johns letzte Worte setzen einen lyrischen Schlusspunkt für einen Film, der zu cool ist, als dass er einen packen könnte. Nur Alain Delon ist seinerzeit schöner im Kugelhagel untergegangen.
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Mo, 05.12.2011
TV | High Fidelity
Ein Musikfilm2 Sterne
Das ist Stephen Frears eindimensionalster Film. Fast zwei Stunden geht es nur um Schallplatten. Gelegentlich fallen Namen von den Großen der Musikszene mit hörenswerten Beispielen. Das ist OK, aber der Plot als solcher kommt schon ziemlich eintönig daher. Im Plattenladen von Rob (John Cusack) entstehen Beziehungen; häufiger wird aber eine beendet oder andere zwischenmenschliche Tiefschläge verursachen Schmerzen - im Herzen. Letztlich sind die Gespräche lediglich der einzige kommunikative Weg ins Bett der Mädels. Die Platten sind zwar das Wichtigste im Leben der Youngsters, aber auch immer nur Mittel zum Zweck. So wie sich die Akteure über den optimalen Musikgeschmack in den Haaren liegen, kann man auch zum ganzen Film stehen. Obwohl Frears gelegentlich sein Talent durchschimmern lässt, durch kleine Gastauftritte von Superstars wie Tim Robbins, Catherine Zeta-Jones und Bruce Springsteen oder auch verschiedene Verläufe einer Szene anbietet, auf die Dauer ermüden auch die sich an der Romanvorlage orientierenden Dialoge. Auch der Regen kommt in steter Regelmäßigkeit wieder. Die Lektüre des Romans von Nick Hornby hat mir mehr Freude bereitet, als der Film. Da kommt auch der einzig nennenswerte Gag besser rüber: das Ranking aller möglichen Ereignisse, nicht nur der von LPs. Frears hat durch seine sonstigen Filme die Messlatte sehr hoch gehängt. Hier ist er mal ausnahmsweise drunter durch getaucht.
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Sa, 03.12.2011
TV | Bad Santa
Santa und der Zwerg4 Sterne
Wenn sie mit dem ganzen Gefühlsrummel um Weihnachten nichts anfangen können, werden sie wahrscheinlich diesen Film lieben. Es ist der Anti-Weihnachtsfilm schlechthin. Der Weihnachtsmann hier ist ein Gangster, der sein Kostüm nutzt um einen Bruch zu machen. Damit verdient er seinen Lebensunterhalt. Er säuft und flucht und treibt es mit Frauen. (Hier besonders mit Gilmore Girl Lauren Graham). Er hat keine Manieren und keine Disziplin. Außer der Deko im Kaufhaus und der Musik (Dean Martin, Bing Crosby) erinnert nur das rote Kostüm des Titelhelden (Billy Bob Thornton wie immer mit reglosem Gesichtsausdruck) an die besondere Jahresendzeit. Es kommt keine Feststimmung auf, sondern ein humorvoller Plot bietet lockere Unterhaltung. Die Wortwahl des Weihnachtsmannes ist nicht immer jugendfrei: er redet schon mal von seinem ’Saftschwengel’, nennt die Bedienung eine ’Arschgöttin’ oder wirft seinem Kumpel vor ’Er stinke, wie ein Penner am Sack.’ Beim Teilen der Beute stellt sich bei den Gangstern die Frage ’Klunker oder Bunker?’ Gerade als der anfängliche Schwung etwas zu erlahmen droht, gibt es einige makabre Scherze und das Ganze steuert dann auf ein nicht ganz ernst zu nehmendes groteskes Ende zu, das man aber durchaus akzeptieren kann. Alles ist ja schließlich nur ein Scherz, der dazu dienen soll dieses ganze emotionale Gulasch aus Lichterglanz, Tannenbaumromantik und Konsumzwang durch den Kakao zu ziehen. Und das ist gelungen!
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Fr, 02.12.2011
TV | Das Festmahl im August
Mariahimmelfahrtsfest1 Stern
Diese Komödie ist über und wohl auch hauptsächlich für Oldies gedacht. Vielleicht für einen netten Seniorennachmittag im Altenheim. Der Regisseur hat sich gleich selbst die Hauptrolle verordnet, damit weinigsten einer unter den Laien vom Fach ist. Es ist nett gemeint und man kann den alten Damen auch teilnahmslos zuzuschauen, denn es kommt nichts rüber. Kein Witz, kein Charme, der von den fast dreihundert Jahren, die da am Tisch sitzen, ausgeht. Selbst die nur 70 Minuten ziehen sich wie Kaugummi. Die Mädels verhalten sich so, wie man es von ihnen erwartet und auch gewohnt ist. Also nichts Neues. Und ein Festmahl? Man bekommt wenig Lust mitzuschmausen. Na ja, auch die Vorbereitungen dazu laufen so interessant ab wie der Fahrplan der Bundesbahn. Das Fest selber degeneriert zu einem belanglosen Kaffeeplausch. Die heftigsten Aktivitäten sieht man dann in einem kleinen Bildausschnitt während der Abspann läuft. Selbst die Marotten der Damen werden zuvor nur oberflächlich behandelt und der mittelalterliche Sohn (50) des Hauses macht sich ungewollt zum Deppen: betulich, willfährig, langweilig. K.V.
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Do, 01.12.2011
TV | Das Tier in meinem Herzen
Paul das Schwein2 Sterne
Es hätte in Emanzipationsdrama werden können, aber nach dem Schluss ist es eine brutale Bergschmonzette mit überzuckertem Ausgang geworden. Der Bauer Paul (Olivier Rabourdin) ist wirklich in mehrfacher Hinsicht ein Schwein: wortkarg, brutal und äußerst mürrisch. Er hat Sex mit seiner Frau Rosine (Camille Japy) im Stall gegen ihren Willen und redet mit seinen Viechern liebevoller als mit ihr. Auch ein spanischer Gastarbeiter auf dem Berghof und die Krankheit von Rosine ändern wenig an seinem Verhalten. Obwohl sie inzwischen zu ihrer Mutter geflüchtet ist, bleibt er im Grunde der Tyrann, dem nur eine Arbeitskraft abhanden gekommen ist. Minimale Veränderungen in seinem Verhalten genügen Rosine offensichtlich. Kurz vor der unverhofften Versöhnung schlägt sie zwar noch ein paar Mal auf ihn ein, um dann ermattet aber selig auf ihm niederzusinken. Na toll. Hier hat wohl das weibliche Harmoniebedürfnis gesiegt oder sollte etwa die unsägliche Leidenfähigkeit der Frau demonstriert werden? Alle Missetaten sind plötzlich vergeben und vergessen. Was für ein voreiliges Happy End!? Vielleicht hat ja die wunderschöne Natur der Bergwelt Rosine wieder an den heimischen Herd gelockt!? Für mich ist die Lösung wenig überzeugend.
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Do, 01.12.2011
TV | Im Zwielicht
Vier Altstars glänzen3 Sterne
Robert Benton hat mehr gemacht, als nur eine Hommage an den film noir. Zugegeben der Plot sieht sehr danach aus. Mit den üblichen Zutaten: entlaufene Tochter des Chefs zurückholen, einen Umschlag abliefern und überall gibt es Leichen. Geheimtreffen, Beobachtungen etc., der Detektiv kriegt auf die Ohren. Es entsteht eine ganz unaufdringliche Spannung. Das liegt vor allem an den vier Altstars: Sarandon, Hackman, Garner und Newman. Die glänzen immer noch und versprühen Witz und Charme. Vor allem aber sind sie supercool. Paul Newman bildet den Mittelpunkt, um den sich alles dreht. Er lenkt auch die Diskussionen und somit geht Benton einen Schritt weiter als die alten Vorbilder. Er zeigt nicht nur einfach die Guten und die Bösen, sondern er schildert Menschen, die hassen und lieben, töten und rauben. Dieser menschliche Faktor führt auch dazu, dass über Recht und Unrecht, über Wahrheit und Lüge diskutiert wird. So ist es auch ungewöhnlich, dass ein Mord aufgeklärt werden soll nur als Wiedergutmachung. Und nachdem fast jede Figur entzaubert worden ist, bis auf den eigentlichen Bösewicht - und das ist Newmans guter alter Freund - gibt es ein Finale mit einer überraschenden Auflösung. Und ein Ende zum Schmunzeln, wenn man vorher mitbekommen hat, wo genau Reese Witherspoon Paul Newman angeschossen hat.

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Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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