Mi, 30.11.2011TV | Der LeopardFeierliches Ende einer ÄraEin anschauliches Porträt der italienischen Gesellschaft aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, einer Zeit, die für Italien besonders wichtig ist, weil am Ende die nationale Einheit steht. Die überaus prächtige Ausstattung und das detailgenaue Ambiente innen wie außen atmen förmlich diese untergegangene Welt. Die Einrichtung, die üppigen Stoffe, die Bilder an den Wänden und selbst das Licht schaffen diese unvergessliche Atmosphäre. Die Sprache und der Habitus der Akteure passen ins Bild. Frauen sticken, Männer rauchen. Von den zahllosen Weltstars glänzt Burt Lancaster als Titelfigur. Er ist der Leopard, der den Untergang beobachtet und mit einem Trauerflor in der Stimme kommentiert. Der Zuschauer sympathisiert mit seiner Sicht der Dinge und betrauert vielleicht ebenso das Verschwinden dieser schönen alten Welt.
Anders Alain Delon, der als junger, strammer Soldat die Zeichen der Zeit erkennt. Ihm gehört die Zukunft. Claudia Cardinale verkörpert das schöne, liebeshungrige Dummchen vom Lande, das wie er nach oben will und ihn bezirzt. Ihr Versteckspiel sowie der große Ball bleiben wegen der gegensätzlichen Räumlichkeiten unvergessen. Hier verschwindet der Einzelne im Großen und Ganzen. Andere Glanzlichter sind Sergio Reggiagni, der wie immer eher im Verborgenen wirkt und Terence Hill hieß 1962 noch Mario Girotti.
Allein dieser Film verschafft Visconti einen Platz im ewigen Olymp des Films. Ein Klassiker und Evergreen. | |
Di, 29.11.2011TV | Prall im LebenDie Dicken und der SexDer Originaltitel drückt es direkter aus ’Die Dicken’. In dieser Groteske steht eine Therapiegruppe im Mittelpunkt, deren Ziel es ist abzunehmen (’Kilo Away!’). Die einzigen Aspekte der Gewichtsreduktion sind allerdings nur die Auswirkungen auf das Sexualleben der Teilnehmer. Die sind recht kunterbunt ausgewählt und bieten somit ausgiebigen Raum für Komik in Wort und Bild: z.B. ein religiöser Fundamentalist vor der Eheschließung, ein Schwuler von Frauen verfolgter oder ein Polizeibeamter mit zweifelhafter Vaterschaft. Bei allen Probanten gibt es Partnerprobleme - auch beim Therapeuten selber. Nach viel nackter Haut und ebenso vielen Liebesabenteuern verlaufen sich die diversen Schwierigkeiten in der Eintönigkeit der Wiederholungen. Wer mit wem? Aus Spaß an der Freud oder von Amts wegen?! So geht auf Dauer viel an Witz verloren, trotz überraschender Wendungen und einem Parallelschnitt von Zeugung und Geburt (Sic!) Tränenreiche Szenen folgen welchen mit Pathos, Albernheiten wechseln sich mit allgemeiner Menschlichkeit ab oder die fette Proll-Family provoziert durch diffamierende Beschimpfungen. Die skurrile Spirale dreht sich dann in Richtung Dialog mit einem Toten und eine Gesangseinlage am Sarg des Ehemanns. Man verfolgt das alles, weil die Schauspieler total überzeugen und gegen die aufkommende Langeweile erfolgreich anspielen. | |
Mo, 28.11.2011TV | Ein Mann, drei Leben - Mr. NobodyHerr NiemandEs ist ein anspruchsvoller, intelligenter Science Fiction Film, der zwischen den drei Leben der Hauptfigur Nemo (Jared Leto) oftmals recht unvermittelt hin und herspringt. Es dauert etwas, bis man sich zurecht findet und verwundert verfolgt, wie Nemo ertrinkt, erschossen wird - und weiterlebt. Seine große Liebe ist Diane Kruger, einer seiner Frauen die depressive Sarah Polley. Dann erfährt man, dass Nemo aus einer Zeit stammt, in der man noch starb, genussvoll aß und trank und munter drauflosvögelte. Regisseur van Dormael will nicht nur eine Geschichte erzählen, bei der viele Szenen wiederholt werden und zwar mit anderem Ausgang. Er spielt mit möglichen Zufällen, die eine andere Entwicklung aufzeigen. Das wird konsequent durchgezogen, bis Nemos eigene Existenz in Frage gestellt wird. Der 107 Jahre Alte spricht mit der Stimme eines Kindes, die Zeit läuft rückwärts und der letzte Sterbliche stirbt und wird sogleich wiedergeboren. Das Gleichgewicht von Gravitation und Expansion des Universums wird bis zu seinem Verfall weiter gedacht. Ein Schnelldurchlauf führt in die Steinzeit und der Alte begegnet sich selbst: Altersdifferenz 70 Jahre.
Da sind optische und gedankliche Anleihen an Kubricks Space Odyssey, die nicht weiter stören. Man kann sich von den interessanten Bildern treiben lassen, die mit musikalischen Oldies von Percy Sledge oder Nena zeitgemäß unterlegt sind, um am Ende verunsichert festzustellen: dass früher doch alles besser war. Ein optisches und gedankliches Experiment, das man sich durchaus gönnen kann. | |
So, 27.11.2011TV | Die WelleMitschwimmen oder abtauchenEin wichtiger Film. Eigentlich Pflichtprogramm für jeden. Dieses Projekt in der Schule zeigt nicht nur wie leicht junge Menschen manipuliert werden können, sondern auch wie leicht dies in Richtung Faschismus gehen kann. Also ein für uns Deutsche immer noch ganz wichtiges Thema.
Von der Werbung sind wir es ja gewohnt verführt zu werden, aber von Ideen?
Die Faszination, die von äußeren Emblemen, einer Uniform oder einem symbolischen Gruß ausgeht, die sich fortsetzt in Gruppenzwängen, Ausgrenzungen und neuen Machtstrukturen etc. Und dies geht bis in den ganz persönlichen Intimbereich. Erschreckend realistisch wird geschildert, wie dies Experiment aus dem Ruder laufen kann mit allen möglichen fatalen Konsequenzen. Auch die Beziehung des Lehrers (Jürgen Vogel), der hier den Ersatzführer gibt, hält das wohl nicht aus. Seine Persönlichkeit hat sich im Laufe dieser Woche anscheinend verändert - zuminderst kann man das glauben, wenn man seiner Frau (Christiane Paul) folgt. Aber auch Kritiker und Gegner kommen neben Mitläufern zu Wort, ebenso wie 100% linientreue Hirnis. Und selbst als am Ende angedeutet wird, dass der Lehrer zur Rechenschaft gezogen wird, ist das nicht ganz unwichtig, denn er hat wohl die Gefährlichkeit des Experiments unterschätzt. Nachahmen ist also nicht erwünscht. Es reicht dies als Gedankenspiel und eine Diskussion über dieses Phänomen, damit die Wachsamkeit bestehen bleibt. Kleiner Schönheitsfleck: warum ist die Welle rot? | |
Mi, 23.11.2011TV | Candy - Reise der EngelVerliebte JunkiesEin herbes Junkie-Drama, in dem die beiden Hauptfiguren Heath Ledger (Dan) und Abbie Cornish (Candy) äußerst glaubwürdig sind. Es ist ein gnadenloser physischer und psychischer Abstieg. Wenn sie anfangs vielleicht noch die gemeinsame Sucht aneinander fesselte - was sie für Liebe hielten - ist am Ende nichts mehr davon übrig. Um an den nächsten Schuss zu kommen, klauen und schnorren sie, versetzen den Familienschmuck und Candy prostituiert sich sogar.
Ein lyrischer Kommentar aus dem Off, Mozarts Requiem und Zeilen von E.E. Cummings stehen in krassen Kontrast zu den Bildern, die wir sehen. Das schafft wohltuende Distanz. Die Eltern, die hilflos aber wohl nicht ganz schuldlos an der Situation sind, und die dem Niedergang ihrer Kinder fassungslos gegenüber stehen, runden das soziale Umfeld ab. Die drei Kapitel: Himmel, Erde, Hölle stiften etwas Verwirrung, denn nach den ersten zweien fragt man sich, ob es noch schlimmer kommen kann. So geht es in den Schlussdialog zwischen Candy und Dan, der weniger die Hölle ist, eher eine Befeiung oder gar Erlösung. So kann sich jeder seinen eigenen Reim auf das Drama machen. Vielleicht ist es ja der: Drogen machen alles kaputt, auch die Liebe. Eine Warnung also!? | |
Mi, 23.11.2011TV | Die StandesbeamtinWas lange währt...Die Ausgangssituation ist recht amüsant: eine Standesbeamtin, die beruflich Ehen schließt, aber selbst auf Trennung zudriftet. Doch die vorhersehbare Story kommt etwas betulich daher, der Witz erschließt sich einem nicht immer und der Charme scheint etwas vergraben zu sein. Die Handlung entwickelt sich im typischen Schweizer Tempo. Im Verlauf des Films ergeben sich dann jedoch zwei nennenswerte Szenen, die aufmerken lassen: erstmals als die Band ’Ra-Ben’ aufspielt und dann als der Ehemann seine an sich brave Standesbeamtin in flagranti erwischt. Diese Komik ist nicht schlecht. Danach ist man drin und verfolgt das sich noch etwas verzögernde Happy End mit Anteilnahme. Quasi als Vorabspann sieht man dann nochmals alle anderen möglichen Happy Ends und damit ist sicher gestellt: alles F.F.E.
Na ja, ein nettes Filmchen. Der finale Song ist noch mit das Beste daran.
Kann man, muss man aber nicht. | |
Di, 22.11.2011TV | Gomorrha - Reise in das Reich der CamorraKuss vor dem TodeDie Vorlage von Roberto Saviano belegt, dass er sehr genau recherchiert haben muss. So kommt es, dass der Film von Matteo Garrone eine Fülle von Informationen verarbeitet, über die nur ein echter Insider verfügt. Trotz der Distanz zum Geschehen - bisweilen kommt der Film fast dokumentarisch daher - ist es spannende Unterhaltung. Mehrere Handlungsstränge verlaufen neben einander her und bieten unterschiedliche Aspekte der ’Ehrenwerten Gesellschaft’. Der Aktionsradius reicht von der Nachbarschaftshilfe bis zum ganz großen Geschäft mit der Müllentsorgung. Es werden Geschäfte im Nadelstreifen mit Behörden gemacht und ein blutiger Bandenkrieg geführt.
Erschreckend ist nicht die Tatsache, dass jeder, der dazu gehört, ständig mit einem Bein im Grab steht, sondern es ist die tödliche Freundlichkeit, die an den Tag gelegt wird. Es wird ohne innere Anteilnahme oder mit einem Lächeln im Gesicht gemordet. Unvorhersehbar und in gnadenloser Konsequenz. Es gibt Anzeichen dafür, dass sich die Zeiten geändert haben, brutaler und unberechenbarer und vor allem viel komplexer geworden sind. Vorbei sind sie noch lange nicht.
Es wird auf Theatralik weitgehend verzichtet. Lediglich ein Schocker am Anfang und einer am Ende machen da eine Ausnahme. Informativ und spannend. Ein etwas anderer Mafia-Film. | |
Mo, 21.11.2011TV | FitzcarraldoSchiff über LandVon den vielen Herzog-Filmen ist dies hier wohl der am ehesten Publikumskompatible, und zwar für ein breites Publikum. Zumindest ist es ein farbenprächtiges und bildgewaltiges Epos mit einem unglaublich präsenten Klaus Kinski und einer nicht minder beeindruckenden Claudia Cardinale, die allerdings nur in einer kleineren Rolle glänzen kann. Kinski spielt den Fitzcarraldo nicht, er ist Fitzcarraldo. Ideal gecastet verkörpert er den pragmatischen Träumer. Der bekanntlich ja Berge versetzen kann bzw. ein Schiff über Land. Neben dem unglaublichen Act steht das Verhältnis zu den Eingeborenen im Mittelpunkt. Hier geht Herzog sehr sensibel vor. Die Sprachbarrieren überwinden die Indios durch wortlose, permanente Gegenwart und der Zuschauer erahnt mit Kinski ihre Absichten. Die Ungeheuerlichkeit des Unternehmens vergleicht Kinski mit dem Umstand wie ’wenn eine Kuh übers Kirchendach springt’. Dies ist ingenieurtechnisch durchaus nachvollziehbar weil optisch überzeugend. Chorgesänge verleihen dem Projekt eine gewisse Feierlichkeit. Die Spannung entsteht durch den Gegensatz von Kultur und Natur (Caruso im Dschungel!) - an und für sich unvereinbare Gegensätze. Man versteht sich nicht, aber man kooperiert irgendwie. Europäer und Indios sind letztendlich gleichberechtigt.
Als Idee zeitlos monumental, als Film fast ein Wunder. | |
So, 20.11.2011TV | Kama SutraÄchz, stöhn, schmacht...Wer sich vom Titel verlocken lässt und eine Einführung in die indische Liebeskunst erwartet, wird enttäuscht. Auch Voyeure kommen nur recht kurzfristig auf ihre Kosten. Stattdessen schwingen glutäugige, junge Inderinnen über weite Strecken ihre Hüften, eingebettet in farbenprächtige Folklore. Ansonsten ist ein Zickenkrieg zwischen Ehefrau und Kurtisane das beherrschende Thema. Als auch noch ein verliebter Bildhauer auftaucht, bekämpfen sich die Männer ebenfalls. Meistens hören wir theoretische Diskurse über die Kunst der Verführung und sehen in Stein gehauenes Anschauungsmaterial. Es gibt tränenreiches Stöhnen und ausgiebiges Schmatzen. Lediglich die landesübliche medizinische Untersuchung ist ein netter Joke. Wie die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Männern und den Frauen ausgehen, überrascht nicht weiter und verstärkt den Eindruck, dass es sich hier um einen Schmachtfetzen à la Bollywood handelt. Aber wir werden nicht ins Leben entlassen ohne eine tiefgreifende Erkenntnis: „Das Leben hat immer Recht.“ Na, wer sagt’s denn!? | |
Sa, 19.11.2011TV | Napola - Elite für den FührerZwei FreundeNicht nur wegen der jüngsten Ereignisse (2011) bleibt dieser Film ein wichtiges Dokument gegen das menschenverachtende Naziregime. Am Beispiel zweier Freunde, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, wird das in ergreifender Art und Weise demonstriert. Der eine, Friedrich (Max Riemelt), Arbeitersohn, Boxtalent, der andere Albrecht (Tom Schilling), Sohn des Gauleiters, literarisch begabt. Sie treffen sich auf der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt. In der Figur des jungen Friedrich wird deutlich, wie ein unbedarfter Sportler in die Fänge de Nationalsozialismus geraten kann. Die detailgenaue Schilderung der Ausbildung verdeutlicht die NS Ziele ebenso wie die Faszination, die von einem geordneten Tagesablauf ausgeht, vom alles beherrschenden Gleichschritt, einer smarten Uniform und einer Gemeinschaft, die auf Kameradschaft beruht. Ganz allmählich kommt es aber auch zu demütigenden Schikanen. Bettnässer werden öffentlich gemoppt, Missbrauch wird angedeutet. Ein wichtiges Erziehungsziel ist es, kein Mitleid zu haben und sich für nichts zu entschuldigen. Bei einem ersten Einsatz dämmert es Albrecht und Friedrich, als sich der Gauleiter als Mörder outet. Albrechts Ende ist das optische und dramatische Highlight des Films, dies wird verstärkt durch den fast lautlosen Schmerz der Mutter und den bornierte Fanatismus des Vaters. Der weggedrehte Ton bewirkt eine erhöhte Erfahrung der Pein in der ganzen Endphase. Jeder der diesen Film sieht und versteht, wird sich nie im Rechtsextremismus engagieren. In sofern ein unbedingtes Muss für jeden, vor allem für junge Menschen. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.