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Fr, 18.11.2011
TV | Die Herzogin
Gescheitert1 Stern
Es ist ein prachtvoll ausgestatteter Kostümschinken, in dem eine Fassade aufgebaut wird, die Gefühllosigkeit und menschliche Kälte verbirgt. Die erdrückende Vordergründigkeit verhindert allerdings emotionale Anteilnahme. Alles läuft mit einer gewissen oberflächlichen Zwangläufigkeit ab. Ebenso wie die punktuellen Anspielungen auf historische Persönlichkeiten verpufft vieles im luftleeren Raum der Ereignisse. Und es passiert eigentlich recht viel, aber nichts Ungewöhnliches: eine arrangierte Ehe, Untreue auf beiden Seiten, Vergewaltigung der eigenen Ehefrau, flotter Dreier bzw. Doppelzweier etc. Männliche Erben sind wichtig! Hat man keine, gilt man als Versager. Klar! Dem Titel nach steht ja die Herzogin (Keira Knightley) im Mittelpunkt. Ihr Versuch sich am Vorabend der Französischen Revolution gegen den übermächtigen Ehemann (Ralph Fiennes) als Frau und als Teil der Gesellschaft zu behaupten, scheitert kläglich. Am Ende ist doch alles wieder FFE. Und auch die Erläuterung, dass in der damaligen Zeit ’gesellschaftlicher Anstand Vorrang vor persönlicher Befriedigung hat’ ist nicht neu. So what ?! Blutleerer Deko-Streifen mit prominenter Besetzung. Man fühlt sich wie Ralph Fiennes Gesichtsausdruck (nach einem Schluck Essig).
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Mi, 16.11.2011
TV | Hard Rain
Feuchte Action2 Sterne
Der Titel trifft genau den berühmten Nagel. Es ist einer der feuchtesten Filme, die ich kenne (Es regnet heftig von der ersten bis zur letzten Einstellung!) und am Ende kommt mit einem Dammbruch noch eine Steigerung hinzu. In dieser nassen Umgebung jagen Gangster (unter dem sympathischen Morgan Freeman) hinter dem Inhalt eines Geldtransporters her, was ein Wachmann (Christina Slater) zu verhindern sucht. Der Sheriff (Randy Quaid) ist die dritte Partei bei dieser Jagd. Zu dem vielen Wasser kommt dann noch eine ähnlich grosse Ballerei dazu, in deren Verlauf die Guten und die Bösen schon mal die Seiten wechseln. Die Geldgier treibt halt die Bösen ins Verderben. Ein paar Oldies bringen Komik und Mini Driver darf als weibliche Aktrice mitschwimmen. Besonders die Unterwasseraufnahmen sorgen für Spannung. Hier verzögert sich das Ertrinken dann doch etwas, bevor es überraschend verhindert wird. Die Hinführung zum Thema schafft gleich zu Anfang Sympathie wegen der menschlichen Alltagsprobleme und weckt Interesse durch die Art und Weise der Darstellung. Slater bleibt natürlich der Gute und Freeman entlässt man wegen seines Charmes in die ‚verdiente Freiheit’. Die Rettung am Ende des Westerns ist immer die Kavallerie, hier ist es die Staatspolizei. Spannend, wenn auch vorhersehbar.
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Mo, 14.11.2011
TV | Der diskrete Charme der Bourgeoisie
Bissiger Witz4 Sterne
Der Titel ist ein poetischer Euphemismus. Eigentlich führt uns der Altmeister Bunuel die gehobene Klasse der Gesellschaft vor mit all ihren Macken, ihren konventionellen Zwängen und oftmals auch sinnfreie Aktionen. Sie sind auch triebgesteuert, aber oberflächlich. Small Talk beherrscht die Zwischenräume. Das zeitlose an dieser Groteske ist die Fülle an unglaublichen Wendungen, die nichts von ihrem Biss und ihrem Witz verloren haben. Bunuel spielt mit den Erwartungshaltungen der Zuschauer nur um sie ein ums andere Mal zu enttäuschen, zu überraschen oder gar zu schockieren. Dabei würden manche Gags heute in den Abteilungen Comedy, Mystery oder Horror erscheinen. Da arbeitet z. B. ein Bischof als Gärtner, er nimmt einem Sterbenden die Beichte ab und erschießt ihn anschließend. Eine Frau wird vom eigenen Ehemann im Schlafzimmer eines Anderen entdeckt, nur weil der ihr seinen ’Eumel’ zeigen will, Offiziere kiffen und Diplomaten sind Drogenkuriere u.v.a.m. Wenn es zu blutrünstig wird, entpuppt sich die Szene allerdings als Traum. Wenn man dann an der makaber-skurrilen Schraube immer weiterdreht, muss es mit einem Massaker aller Beteiligten enden. Doch am Ende spazieren die Leinwandgrößen der 70er Jahre (Rey, Seyrig, Cassel, Audran u.a.) über eine Landstrasse zur nächsten Einladung. Einfach toll dieser aberwitzig, surreale Witz.
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So, 13.11.2011
TV | Alexander der Große
Makedone, Perser, Gott3 Sterne
Der Film von Robert Rossen ist keine historische Dokumentation. Er erhebt auch keinen Vollständigkeitsanspruch oder den der letzten Wahrheiten. Es entsteht ein lebendiges Bild einer wichtigen Persönlichkeit der Menschheitsgeschichte. Was ihn von anderen Alexander-Filmen unterscheidet, ist einerseits der Versuch einer ausführlichen Darstellung seines für ihn prägenden Verhältnisses zu Vater und Mutter. So lässt sich erahnen, was hier für eine Persönlichkeit heranwächst, mit allen Brüchen, Schwächen aber auch einem gewissen Hang zur Hybris. Er ist Krieger und Dichter und fühlt sich als Gott. Zum anderen überzeugt Richard Burton in dieser alles beherrschenden Rolle. Vor allem das Ende des großen Alexanders erscheint gelungen: noch Grieche, fast schon Perser auf dem Weg zur Unsterblichkeit und innerlich von seinen alten Kampfgenossen inzwischen meilenweit entfernt. Die Kampfszenen sind etwas betulich, dafür passt sich die Sprache etwas antiquiert und pathetisch dem 4. Jahrhundert v. Chr. an. Hierher gehören auch die vielen historisch verbürgten Zeitgenossen, die zum Einsatz kommen. Neben Alexander beeindruckt vor allem Claire Bloom als eine der Frauen an seiner Seite. Sie ist sein Gewissen und verliert zusehends an Einfluss. Nicht schlecht. Über kleine Unebenheiten kann man hinwegsehen. Mit dem Remake kann er durchaus mithalten.
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So, 13.11.2011
TV | Dreckiges Gold
Die Zugräuber1 Stern
Die Eingangssequenz ist noch das Beste vom ganzen Film. Sie erinnert stark an das Lied vom Tod: Stille, Kamera streicht beobachtend übers Gelände, man hört nur den Wind. Ansonsten hat man in den 70 Jahren auf die Popularität von John Wayne gesetzt, der hier auch ziemlich lustlos agiert und die üblichen Versatzstücke runtergespult: viel wird umhergeritten, viel diskutiert (Auch die Dialoge enthalten die üblichen Macho-Sprüche: ’Ein Mann kämpft und läuft nicht weg!’). Es gibt Unwetter, Sandstürme und die übliche Riesenballerei, eine hübsche Landschaft mit Regenbogen. Doch Spannung will nicht so recht aufkommen. Dazu ist die Suche nach dem vergrabenen Schatz zu vorhersehbar. Daran ändert auch nichts eine völlig unglaubwürdige und unerwartete Wendung am Ende, als sich herausstellt, dass die Dame (Ann-Margret als echter Hingucker!) gar keine ist und eigentlich Lilly (mit zwei L) heißt. Ebenso verhält es sich mit der vorübergehenden Großzügigkeit der Cowboys, die wirkungslos verpufft - da läuft nämlich schon der Abspann. K.V.
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Fr, 11.11.2011
TV | San Fernando Cowboy
Drunten im Tal2 Sterne
Groteske Cowboy-Ballade mit sozialkritischem Einschlag. Es beginnt als Love Story und endet als Abgesang auf eine untergegangene Welt. Der herumziehende Cowboy Harlan (Edward Norton) gerät in eine Rumpffamilie, die aus einem alleinerziehenden, strengen Vater, seine hochnotgeilen, frühreifen Tochter und ihrem orientierungslosen kleinen Bruder besteht. Den Kids vermittelt der etwas sonderbare Romantiker seine Lebensphilosophie: Finde heraus, wer du bist und lebe dann deinen Traum. Zu den Zeiten als die Cowboys das Leben bestimmten, ging das vielleicht noch an. Heute gerät man schnell mit dem Gesetz in Konflikt. Man kann sich - wie wir sehen - kurzfristig in die Illusion einer Western-Stadt retten. In der Umgebung entstehen aber schon Neubauten. Die Zeit der Cowboys ist wohl endgültig vorbei. Man kann sich heute auch nicht mehr seinen Weg freischießen. Das versucht Edward Norton, der die Figur so zwischen realitätsfernem und unverbesserlichem Eigenbrödler anlegt, wobei er einen Hauch von Schizophrenie erahnen lässt. Das ist allemal sehenswert. Der sonderbare Schluss betont dann allerdings die groteske Grundeinstellung: alles nur Asche im Wind! Echte Western-Fans kommen hier nicht voll auf ihre Kosten. Eher noch Sozialkritiker.
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Do, 10.11.2011
TV | Aufruhr in Holly Springs
Cookies Vermögen4 Sterne
Der deutsche Titel geht inhaltlich voll daneben, denn in Holly Springs gibt es alles nur keinen Aufruhr. Ein Selbstmord soll vertuscht werden, weil so etwas eine Schande wäre. Robert Altmann hat die zwei Worte ’fortune cookies’ also Glückskekse einfach umgedreht, was dann soviel bedeutet wie ’Cookies Vermögen’ und um das geht es schon eher nach ihrem Ableben. Es ist ein Anti-Action Film, obwohl eigentlich ganz schön viel los ist. Aber keineswegs im Sinne von sensationsträchtiger Handlungsfülle. Dafür sehen wir echte Typen, liebevoll und detailgenau ins Bild gesetzt Von den vielen Prominenten ragen besonders Glen Close als geldgierige Zicke und Julianne Moore als einfältige Landpomeranze heraus. Und natürlich überstrahlt Liv Tyler alle mit ihrem selbstsicheren jugendlichen Elan. So werden die Ermittlungen der Polizei zur Nebensache. (Sie sind ohnehin völlig Banane!) and eine Aufführung einer Laienspielgruppe sorgt zusätzlich für ein gerüttelt Maß an Heiterkeit. Wobei es humorvolle Parallelen zwischen dem Theaterstück und dem wirklichen Leben gibt. Es ist wohl Robert Altmanns nettester Film, voller sympathischer Figuren, die ihre Schwächen und Stärken haben. Und es gelingt ihm das Ganze nicht zum Klamauk verkommen zu lassen, obwohl Ostern buchstäbliche ins Wasser fällt und die Tür zum Waffenschrank immer wieder aufgeht. Eine kleine Perle mit Musik aus dem Süden stimmungsvoll untermalt.
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Mi, 09.11.2011
TV | Sweet November - Eine Liebe im Herbst
Süsser Novembermann2 Sterne
Pat O’Connor ist ein Spezialist für Herz-Schmerz Filme, also Emotionskino pur ist wiederum angesagt. Hier hat er einen wahren Volltreffer gelandet. Er hat ein Menu angerichtet, das alle notwendigen Zutaten enthält: zwei Personen, die nach ihrer Herkunft nicht unterschiedlicher sein können, treffen sich, verlieben sich und trennen sich vorübergehend. So weit so gut, ab er jetzt geht’s erst richtig los: sie ist todkrank und der Sensenmann greift nach ihr… Eine überzeugende Charlize Theron bringt mit ihren Tränen Steine zum weinen. Sie zieht alle Register ihres schauspielerischen Könnens und spielt dabei Keanu Reeves glatt an die Wand. Sie ist hinreißend sexy und überaus attraktiv. Hinzu kommen noch ganz knuffige, kleine Hunde, schwule, treusorgende Nachbarn und eine vaterloser Junge. Wem das noch nicht zu Herzen geht, der wird mit Musik von Enya betört. Ein herrlicher Schmachtfetzen, aber nur für Fans. Und ganz nebenbei wird auch noch vorgeführt, dass Liebe Berge versetzen kann, will sagen: hier wird aus einem karrieregeilen Edelmacho ein echter Gutmensch. Schmeckt wie Honig mit Puderzucker bestreut, süßer geht’s nimmer. Und dann der Schluss: man kann sich fast am eigenen tränenreichen Seufzer verschlucken.
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Mo, 07.11.2011
TV | Paris, Paris
Faubourg 362 Sterne
Die Geschichte eines Varieté Theaters aus den 30er Jahren zu erzählen liegt nicht gerade im Trend der Zeit. Doch Regisseur Christophe Barratier hat noch zahlreiche Nebenhandlungen eingebaut. Klar, es geht um viel Musik und Chansons, aber auch noch um Streik, Arbeitskampf, Gewerkschaft und die rote Revolution. In dieser tollen Ensemble Leistung schält sich ganz allmählich dann ein Vater-Sohn Drama und eine Love Story heraus. Natürlich ist Gérard-M. Mathieu-Jugnot die alles tragende Figur. An seiner Seite eine Reihe anderer Prominenter wie Pierre Richard. Und es gibt viel Glamour, Glitzer und Tra la la. Aber jedes Mal wenn die Handlung mit etwas zuviel Pathos daherkommt und bevor der Zuckerguss die Oberhand gewinnt, schlägt die Realität z. B. in Form des faschistoiden Kapitalisten blutig zu. Dem muss man natürlich mit einem Mord entgegentreten. So geht das Ganze dann in Richtung Märchen. Ganz unterhaltsam, aber ohne großen Anspruch.
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Mo, 07.11.2011
TV | Wahl der Waffen
Ganovenehre4 Sterne
Drei französische Superstars garantieren allein schon gute Unterhaltung. Es ist ein Edelthriller im Hochglanzformat. Zwischen den beiden sich bekämpfenden Parteien: der Welt der Gangster (hier äußerst eindrucksvoll vertreten durch Gérard Depardieu) und den inzwischen Etablierten (Yves Montand und Catherine Deneuve) kommt es zu persönlichen Verwicklungen und zwischenmenschlichen Abhängigkeiten, bei denen jede Seite ihr Wissen über den Gegner zu ihrem Vorteil nutzt. Misstrauen und Missverständnisse beherrschen die Szene. Jede Seite hat Verbündete und geht nicht gerade zimperlich mit ihren ’Feinden’ um. Und auch ganz subjektive Facetten kommen zum Tragen und erhöhen die Komplexität der Story, die von einer ungewöhnlichen Ausgangsituation ausgeht. Der langgezogene Showdown enthält mit Deneuves Ende einen unglaublichen Schocker, der in der Filmgeschichte wohl einzigartig ist. Gekrönt wird alles durch eine völlig unerwartete Lösung, die zwar menschlich fast ans Übernatürliche grenzt, aber ethisch doch so wertvoll ist, dass man ihr einfach zustimmen muss. Edel eben, hilfreich und gut. So wie der Mensch in seiner ganzen Schwäche halt sein sollte.

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