So, 06.11.2011TV | Der TeufelshauptmannSie trug ein gelbes BandEs ist einer der emotionalsten Filme von John Ford. Dabei hat dieser Klassiker alle typischen Merkmale, die die Hand des Meisters erkennen lassen: der Kommentar aus dem Off unterstreicht die nationale Bedeutung der historischen Situation und die Figuren agieren als unvergessliche Charaktere vor der Szenerie einer malerischen Wüstenlandschaft mit den markanten Felsen. Auch die Komik kommt keineswegs zu kurz, ebenso wie die Massenschlägerei, die dahinsausende Postkutsche und die unvermeidliche Love Story. Die etwas magere Spannung wird durch gefühlsbetonte Auftritte ersetzt, wie etwa die eines Gespräches von John Wayne mit seiner verstorbenen Frau an ihrem Grab, wobei er mit einer Kürbiskanne die Blumen gießt. Da kann es sein, dass der Zuschauer ähnlich wie John den Tränen nahe ist. Und dann wird Johns wehmütiger Abschied von der Armee zelebriert, den es natürlich so nicht geben kann!?
Ganz leise wird Fords Kritik am Krieg erwähnt: der wird nur von jungen Heißsporns gemacht, für weise, alte Männer ist er nicht erstrebenswert.
Der deutsche Titel unterschlägt leider die lyrische Komponente des Originals.
Alles in allem nicht epochal überragend, aber immer noch turmhoch über anderen Streifen dieses Genres. | |
Di, 04.10.2011TV | Von Liebe und BedauernBedauern (Mehrzahl !)Eine alte Liebe wird ganz heiß aufgewärmt. Doch am Ende stehen die beiden ’40plus’ völlig anders da als am Anfang. Zwischendurch geht es mal hin und her, meistens zickt sie (Valeria Bruni Tedeschi) rum und treibt ihn (Yvan Attal) damit fast in den Wahnsinn. Maya und Mathieu werden älter, aber nicht weiser. Sie ist starken Stimmungsschwankungen unterworfen und beide hängen schon mal spinnerten Träumereien aus der Jugendzeit nach, bis Maya dann endlich doch wieder nicht will. Bei dem vielen Hin und Her gibt es auch viel Lauferei und viel ermüdendes Simsen. Bald ist allen klar, dass es für die beiden kein Happy End geben kann. Da es aber immer noch so weiter geht mit heimlichen Treffs und Ehepartner belügen, macht sich Unbehagen breit. Das Ende nach Jahren zeigt sie zwar etwas abgeklärter aber eigentlich genauso hilflos wie am Anfang in der heißen Phase. Keiner weiß Rat und so bleibt nur der Titel als Erklärung fürs anschauen - aber ohne Liebe. Die ist hier außen vor geblieben. | |
Mo, 03.10.2011TV | Roter SatinBefreiung durch BauchtanzMitunter kann der das Kino auch wegweisend sein. Der tunesische Film ist es auf alle Fälle. Man sieht, wie eine Alleinerziehende über den Bauchtanz zu einer selbstbewussten Frau wird. Sehr sensibel und durchaus überzeugend geht Regisseurin Raja Amari (Jahrgang 1971) dabei vor. Sie durchleuchtet die weibliche Psyche und macht das Auftauchen an die Oberfläche der Selbstständigkeit durch detailgenaue Beobachtungen sichtbar. neue Schuhe, eine neue Frisur. Außerdem kann sie auf die großartige Schauspielerin Hiam Abbass zurückgreifen. Die hier ihr ganzes Talent zum Tragen bringt. Anfangs schleicht sie unsicher und etwas nach vorne geneigt durch die Strassen. Ihre Wohnung ist kalt und steril, fast farblos. Dagegen ist der Suq, wo sie einkaufen geht und die Bar ’Roter Satin’ ein Farbenmeer. Nur ihre Tochter lässt es kräftig krachen. Ein Mann zwischen beiden Frauen könnte ein Drama auslösen. Doch Amari findet eine für alle zufriedenstellende Lösung, die auf der Ahnungslosigkeit der Tochter beruht und die die Frauen Nordafrikas aufruft, ihr Hausmütterchendasein zu verlassen, selbst wenn es z. B. mit dem Mittel des Bauchtanzes ist. | |
Mo, 03.10.2011TV | MaskeradenMounir und RingoVon der Machart her gesehen kann sich dieser algerische Film durchaus sehen lassen. Er bezieht die wunderschöne Landschaft mit ein. Inhaltlich entführt er uns in die exotische Welt Nordafrikas. Ein Gerücht verändert die Welt eines kleinen Dorfes. Natürlich geht es um eine Heirat. Es ist amüsant mitanzusehen, wie es sich ausbreitet und eine gewisse Eigendynamik entwickelt. Das ganze Dorf nimmt daran teil, weil alles öffentlich verhandelt wird und jeder ein neues Detail hinzufügen kann; teils aus Wichtigtuerei, teils aus Neugier aber nie ohne Eigennutz. Die Familie ist gezwungen das Spiel mitzuspielen, um ihr Gesicht nicht zu verlieren. Es gibt Komödiantisches am Rande, das auch wir nachvollziehen können. Es gibt Lästereien und Schabernack unter Frauen. Manches ist sogar extrem cool. Und auch die Älteren werden noch einmal jung.
Am Ende hat der Film noch eine ermutigende Message an die überwiegend junge Bevölkerung des Landes: zieht in die Welt, erweitert euren Horizont, raus aus der Enge eines kleinen Dorfes. Und - wenn man an die getrickste Hochzeitszeremonie denkt - bewahrt die Tradition, aber nur soweit, dass sie euch nicht hinderlich ist. Macht die Maskerade mit, solange ihr euch bewusst seid, dass es nicht eure Wirklichkeit ist. | |
So, 02.10.2011TV | BazarDie alte GabrielleRegisseurin Claire Denis hat schon öfter den Alltag von farbigen Immigranten in Frankreich thematisiert. Es sind die kleinen und großen Dramen der ’kleinen Leute’, die sie interessieren. Hier geht es um eine innige Vater-Tochter Beziehung (Lionel und Josephine), die sehr einfühlsam und mit wenigen Worten geschildert wird. Hier gibt es jede Menge Gesten, die genauso viel Aussagekraft besitzen wie Worte: eine Umarmung, ein Händedruck, ein Blickkontakt. Und weil die Figuren so schweigsam sind, erfahren wir auch nicht im Voraus, was sie vorhaben. Die langen Einstellungen überbrücken die Lücken in der Handlungsführung. Man braucht sie allerdings, um sich zurecht zu finden, die handelnden Personen und die örtlichen Gegebenheiten einzuordnen. Oder Szenen werden ohne die Antwort auf eine Frage abzuwarten, plötzlich abgebrochen. Lionel verschwindet nach dem Tanz in einer Bar. Jeder weiß, wie er die Nacht verbringt. Gegen Ende werden die Handlungstupfer immer häufiger, immer öfter werden wir zu gedanklichen Kombinationen gezwungen: eine Frau (die einzige Weiße!), die über die Familie philosophiert, ein Grab, Josephine in weiß etc.
Man muss sich viel Zeit nehmen. Lange Zugfahrten verdeutlichen Lionels Job. Und wenn das Motorrad mal durch ein Pferd ersetzt wird, erinnert der Ritt vielleicht an die afrikanische Herkunft der Reiter?! Die ungewöhnliche Machart fällt aus dem Rahmen, ein Wink mit dem Arthouse-Zaunspfahl ist nicht zu übersehen, trotz des trinkfesten Titels. Selten, aber gut! | |
Sa, 01.10.2011TV | Die BesatzerRealistisch, dramatisch, tragischBereits der Titel macht klar, worum es im Irak-Krieg eigentlich ging: die Besetzung eines fremden Landes und diejenigen, die das tun sind keine Befreier sondern Besatzer. Mit diesem Film verarbeitet Großbritannien sein Kriegstrauma und die Tatsache, dass sein Premierminister dem Volk damals nicht die Wahrheit gesagt hatte. Es wird deutlich, dass es im Krieg nie Gewinner geben kann. Damit bekommt dieser Film auch eine allgemeingültige Aussage. Die Akteure durchleben nicht nur lebensgefährliche Situationen und menschlich anrührende Tragik, die an die Nieren geht, weil sie so lebensnah ist, sondern sie reflektieren auch über ihr Tun und erhellen viele mögliche Diskussionen. Selbst die schwierige Liebesgeschichte zwischen einem englischen Soldaten und einer Irakerin macht da keine Ausnahme. Der Ausgang ist schockierend. Es bleibt dem einzigen Kriegsgewinnler nichts anders übrig, als sich kaltschnäuzig über alle Skrupel seiner Kameraden hinwegzusetzen. Das macht die moralische Schäbigkeit seiner Haltung deutlich. Hier geht Profit buchstäblich über Leichen.
Unheimlich spannend, aber auch emotional beeindruckend und teilweise sogar informativ. Ein wichtiger Film also. | |
Do, 29.09.2011TV | 35 RumEinmal im LebenRegisseurin Claire Denis hat schon öfter den Alltag von farbigen Immigranten in Frankreich thematisiert. Es sind die kleinen und großen Dramen der ’kleinen Leute’, die sie interessieren. Hier geht es um eine innige Vater-Tochter Beziehung (Lionel und Josephine), die sehr einfühlsam und mit wenigen Worten geschildert wird. Hier gibt es jede Menge Gesten, die genauso viel Aussagekraft besitzen wie Worte: eine Umarmung, ein Händedruck, ein Blickkontakt. Und weil die Figuren so schweigsam sind, erfahren wir auch nicht im Voraus, was sie vorhaben. Die langen Einstellungen überbrücken die Lücken in der Handlungsführung. Man braucht sie allerdings, um sich zurecht zu finden, die handelnden Personen und die örtlichen Gegebenheiten einzuordnen. Oder Szenen werden ohne die Antwort auf eine Frage abzuwarten, plötzlich abgebrochen. Lionel verschwindet nach dem Tanz in einer Bar. Jeder weiß, wie er die Nacht verbringt. Gegen Ende werden die Handlungstupfer immer häufiger, immer öfter werden wir zu gedanklichen Kombinationen gezwungen: eine Frau (die einzige Weiße!), die über die Familie philosophiert, ein Grab, Josephine in weiß etc.
Man muss sich viel Zeit nehmen. Lange Zugfahrten verdeutlichen Lionels Job. Und wenn das Motorrad mal durch ein Pferd ersetzt wird, erinnert der Ritt vielleicht an die afrikanische Herkunft der Reiter?! Die ungewöhnliche Machart fällt aus dem Rahmen, ein Wink mit dem Arthouse-Zaunspfahl ist nicht zu übersehen, trotz des trinkfesten Titels. Selten aber gut! | |
Mi, 28.09.2011TV | Auf EhrenwortUnglaublichUnter den zahllosen Anti-Nazifilmen aus der Traumfabrik, ist der von Raoul Walsh noch einer der harmloseren Art, weil die Faschisten nicht zu überzeichnet als Grobiane und Deppen dargestellt werden. Sie sind überhaupt weitgehend ausgeblendet, was, ebenso wie die langen Einstellungen, allerdings der Spannung schadet. Das Ganze kommt etwas betulich daher. (1944!) Die Handlung konzentriert sich fast ausschließlich auf das Liebespaar (Errol Flynn /Jean Sullivan) und den Mann der Sureté (Paul Lukas). So gesehen gerät der Film etwas eindimensional und kann sich am Ende nur in einen übersteigerten Nationalismus retten. Nach Errols Weg zur Gestapo folgen nur zwei Sätze: „Was war er eigentlich für ein Mensch?“ - „Ein Franzose!“ dann folgt die Marseillaise.
Der Titel des Originals hinterfragt das überdimensionale Heldentum etwas ironisch ’Ungewisser Ruhm’. Das ist auch notwendig, denn diese geballte Fülle von Ehrenhaftigkeit, auf die der Film am Ende hinausgeht, ist heute schier unerträglich. Etwas angestaubt. | |
Di, 27.09.2011TV | UngesühntDas verschwundene DossierInhaltlich bietet der Polizeikrimi insgesamt Stoff für drei Thriller: zunächst wird ein Verbrechen aufgeklärt, dazu kommt ein Krieg zwischen verfeindeten Mafia-Clans und schließlich geht es dann noch in Richtung eines korrupten Justizapparates. Bereits die parallel laufenden Anfangssequenzen erregen Aufmerksamkeit: ein Wolf wird in den Bergen erlegt und ein ’Gangster’ auf einem Parkplatz. Und dieses duale Prinzip wird weiterverfolgt in Form von zwei Liebesbeziehungen. Da trifft es die emotionale Sympathie der Zuschauer besonders hart, wenn die beiden Frauen erschossen werden. Die grenzübergreifende Polizeiarbeit öffnet den Blick und passt den Krimi der Jetzt-Zeit an. Wirft aber auch noch ein Streiflicht auf albanisches Brauchtum. Hier begehen noch Ehrenmänner Ehrenmorde. Einer der deutsche Titel ist etwas unverständlich, denn gesühnt wird jede Menge und das Ende bleibt doch offen. Das Original betont hingegen worum es eigentlich geht: ein Dossier K. ist verschwunden. Spannende Unterhaltung weit über der Norm. | |
Mo, 26.09.2011TV | Affären à la carteDas ÜblicheIm Mittelpunkt steht das immer wiederkehrende jährliche Diner unter Freunden. Es sind vorwiegend Ärzte, Juristen, Künstler etc., die Generation 40 plus, beruflich erfolgreich, lange verheiratet. Man kennt sich und auch all die ’kleinen’ Geheimnisse. Das Interesse wird geweckt, weil der Zuschauer mehr Details der Einzelnen kennt als die anderen. Man verfolgt Selbstgespräche, ehrliche und geheuchelte Wertschätzungen. Natürlich redet jeder über jeden, der nicht anwesend ist und wir sehen immer wieder Szenen, die die übrigen Freunde nicht kennen. Das ist so schwungvoll und mit soviel Esprit gemacht, dass man gar nicht merkt, dass es meistens Dialoge sind. Es liegt am flotten Drehbuch und an der überzeugenden Ensembleleistung. Herausragend, obwohl ein wenig im Abseits stehend, sei nur Pierre Arditi und Patrick Chesnais erwähnt. Wie sie zur Musik der Platters die Kuh fliegen lassen ist Emotion pur und überhaupt erste Sahne. Gegen Ende wird es dann vorübergehend etwas unübersichtlich. Man sieht nur und hört nichts. Der deutsche Titel spiegelt die Leichtigkeit der Situation, der des Originals bezieht sich streng genommen auf den geänderten Sicherheitscode zum Wohnkomplex der Gastgeber. Der gesellschaftliche Verhaltenskodex hat sich nämlich keineswegs geändert. Alles wie gehabt, aber gut gemacht. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.