Do, 08.09.2011TV | PrivatunterrichtGrenzenlosWenn auch etwas konstruiert, so ist es doch ein bemerkenswerter Ansatz, um für das Phänomen Missbrauch eine Erklärung zu finden. Im Vorspann lesen wir ’den Grenzen gewidmet’. Die werden hier allerdings um der Klarheit willen deutlich überschritten. Und das geht so: Erstens Ausnutzen einer schwierigen Situation, in der Hilfe gebracht wird (Versagensängste). Zweitens ein Vertrauensverhältnis herstellen, das auf einer äußerst liberaler Basis beruht (Nachhilfe). Drittens durch Nachfragen auf individuelle Probleme stoßen, die letztenendes auch mit Sex zu tun haben (themenzentrierte Gespräche). Viertens hier Hilfe anbieten: erst nur darüber reden, dann vormachen, dann mitmachen (Praxis). Geschenke verstärken die Abhängigkeit. Der Jugendliche kann die subtile Vorgehensweise nicht durchschauen. Erschreckend in der Zwangsläufigkeit, aber auch in der jugendlichen Hilflosigkeit. Die aufklärerischen Argumente sind allerdings etwas flach und die ewig langen, immer wiederkehrenden Dialoge beim Essen etwas ermüdend. Filmisch nicht erste Sahne, aber thematisch leider immer noch aktuell. | |
Do, 08.09.2011TV | Gerichtshof zu PferdeReise in die VergangenheitDer Marsch von Richter Feng, der alten Frau Yang und einem jungen Juristen führt uns in eine andere Welt. Sie sprechen Recht in abgelegenen Gegenden des Reiches der Mitte. Hier gibt es keine Strassen, Autos oder Fernseher. Die drei marschieren durch eine wunderschöne Landschaft und machen Station in kleinen Dörfern, die Hühnerbauch oder Hühnerfuß heißen und die von Minderheiten bewohnt werden. Dort wird die landesübliche, farbenfrohe Tracht getragen. Die Gerichtssitzungen bieten Gelegenheit für Handgreiflichkeiten, aber auch zur Unterbrechung von Hochzeitsfeierlichkeiten. Da ist genug laute Komik drin. Dann gibt es aber noch eine leise im Verhältnis von Feng und Yang. Abends am Feuer in der Hütte wird es persönlich, aber bei voller Wahrung der Haltung unter Respektspersonen. Der Richter ist pragmatisch, leutselig aber einsam. Frau Yang könnte ihn erlösen. Es bleibt aber bei Andeutungen. Bis hin zu dem mysteriösen Schluss: ihrem Abschied… Dabei spielt das Verhältnis zu den Ahnen offenbar immer noch eine große Rolle. Der Kontrast zwischen moderner Zivilisation und bodenständiger Rückständigkeit wird aufgezeigt mit Sympathie für beide Seiten. Dabei wird die menschliche Komponente nie vernachlässigt. Mal ganz was anderes. | |
Mo, 05.09.2011TV | La misma Luna - Wenn der Mond scheint, denk an michGrenzgängerEine schlichte, vorhersehbare Handlung ist die Basis für dieses Mutter-Sohn-Zusammenführungsevent an der mexikanischen Grenze. Anfangs als Carlitos noch in Mexiko bei seiner Oma lebt, ist ja alles noch ganz nett. Aber nach dem illegalen Grenzübertritt, der tatsächlich einen Hauch von Spannung aufkommen lässt, wird es albern. Von da an gibt es Gefühlskino pur, glatt gebügelt und tränenreich. Ein Kliché jagt das nächste, eine nicht nachvollziehbare Aktion wird von weiteren sonderbaren Ereignissen abgelöst. Am unglaubwürdigsten ist die Mutter, ganz zu schweigen vom vorübergehend auftauchenden vermeintlichen Vater, der sich dann aber gleich wieder unangekündigt verdrückt. Und dann die angetäuschte Hochzeit. Das wirkt alles etwas kryptisch. Meinungsverschiedenheiten werden lauthals abgehandelt. Das soll wohl so etwas wie künstliche Dramatik bringen. Und nachdem sich auch noch die Polizei zum Affen macht, geht der Rest von Anteilnahme flöten. Man findet einfach keinen Halt in diesem unausgegorenen Sumpf hochstilisierter Zuneigung. Einzig und allein der kleine Carlitos (Adrian Alonso) rettet die Familienehre vor der Tonne. K.V. | |
Mo, 05.09.2011TV | The WoodsmanDer HolzmannDer Film soll wohl ein Plädoyer dafür sein, dass Pädophilie heilbar ist. Zumindest suggeriert das der Titel. Zu diesem Zweck geht er sehr behutsam und sensible vor. Und die äußeren Bedingen passen auch. Dazu gehört eine Freundin (Kyra Sedgwick), die seit ihrer Kindheit auch an einem Päckchen zu tragen hat und die den Druck etwas von ihm nimmt. Parallel dazu gibt es natürlich therapeutische Sitzungen. Kevin Bacon spielt den Ex-Häftling Walter sehr überzeugend. Er ist sehr ernst, redet in kurzen aber präzisen Sätzen und kommt sowohl mit dem Mobbing der Kollegen zurecht als auch mit dem provozierenden Polizeibeamten. Der Höhepunkt ist eine Szene im Park. Hier weiß man zunächst nicht, ob Walter wie früher das kleine Mädchen Robin (sic!) anmachen will oder ob es ein Feldversuch in eigener Sache ist, um herauszufinden, ob er wieder normal sei. Den guten Ausgang kann man noch nachvollziehen. Und auch, dass er kurz darauf einen echten Pädophilen bewusstlos prügelt. Das kann so etwas wie eine Katharsis sein. Aber so ganz normal ist er ja wohl noch nicht. Zwischenzeitlich gibt es einige Längen und unklare Symbole wie der rote Ball irritieren etwas.
Es ist ein ernsthafter Versuch, kinogerecht aufbereitet, ohne Wertung aber eindringlich durch die guten Schauspieler. | |
So, 04.09.2011TV | Der Spitzel - 50 Dead Men WalkingGegen EnglandMehr als die erste halbe Stunde braucht man, um Freund und Feind einzuordnen. Aber wenn man das durchgestanden hat, erlebt man einen durchaus spannenden Irland-Krimi. Das Hineinkommen ist ähnlich umständlich, wie das Verständnis des Originaltitels. Es ist hilfreich, wenn man zwischen IRA, UDF und MI5 unterscheiden kann und es einem gelingt, die Mittelsmänner herauszufiltern. Dabei helfen aber auch noch die beiden zentralen Figuren, die von Jim Sturges (als der Ire Martin McGartland) und Ben Kingsley (als Fergus der Tommy mit vollem Haupthaar!) sehr unterschiedlich aber eindrucksvoll dargestellt werden. Der Weg, wie es zu dem Seitenwechsel kommt, wird nicht besondern deutlich geschildert. Ebenso ab wann und wieso es den englischen Besatzern dämmerte, dass Martin ein Spitzel ist. Dafür wird mehr Wert auf das soziale Umfeld (Mutter, schwangere Freundin, Geburt etc.) gelegt. Es soll ja wohl auch eher die Verfilmung der Biographie des Martin McGartland sein. Alles in allem ist das menschlich anrührend und wird echt tragisch geschildert mit der ganzen Brutalität, die beide Seiten in diesem Konflikt angewendet haben. | |
So, 04.09.2011TV | Gesetz der Straße - Brooklyn's FinestDrei CopsFast schon ein bisschen zu perfekt, aber eindrucksvoll in der Kernaussage und Bildgestaltung. Über den verkürzten Titel kann man Ergänzungsüberlegungen anstellen. Ist etwa Brooklyns feinste Wohngegend gemeint oder vielleicht Brooklyns beste Bewohner? Beides wäre äußerst sarkastisch. Hier kommt alles zusammen, was sonst nur für sich allein genommen schon einen Krimi füllt. Diese Welt ist nicht mehr unterteilt in Gut und Böse, sondern alle Figuren haben menschliche Schwächen. Die Rolle von Richard Gere ist am zwielichtigsten. Die von Ethan Hawke dagegen ist klar; die mörderische Geldgier spielt er überzeugend gut. Und die von Don Cheadle am tragischsten, weil er sich zwischen Freundschaft und sozialem Aufstieg entscheiden muss. Alles eigentlich tragische Anti-Helden im Gegensatz zu der eiskalten Agentin Ellen Barkin und dem eindimensionalen Gangsters Wesley Snipes. Das bunte Kaleidoskop dieses Mini-Universums enthält trotz aller Action manchmal auch langatmige Phasen, über die man aber gut hinwegkommt bei dieser blutigen Unterhaltung. | |
Sa, 03.09.2011TV | Sieben Minuten im HimmelEinmal Himmel und zurückDer lyrische Titel kann irreführend sein, wenn man nicht den Volkglauben akzeptiert, der dahinter steckt. Ein leiser und äußerst ernster Film, der in düsteren Bildern ein tragisches Erlebnis aus dem Alltag von Israel behandelt. Aber nach 9/11 kann es Selbstmordattentate eigentlich überall geben. Es wird teilweise in Rückblenden erzählt. Dabei gibt es einen ständigen Wechsel von der Zeit vor dem Attentat und der Zeit danach. Oft gehen die verschiedenen Ebenen ansatzlos in einander über und erleichtern nicht unbedingt die Orientierung. Und es gibt überraschende Wendungen. Die entscheidende ist wohl die Aufklärung über den Ist-Zustand der Beziehung von Galia und ihrem Freund vor dem Attentat. Das offene Ende zeigt, dass es unwichtig ist, wie die neue Geschichte weitergeht. Offensichtlich ist die Verarbeitung des Traumas das Hauptanliegen von Regisseur Omri Givon. Das wird glaubhaft dargestellt. Hier geht der Film sehr sensibel, wenn auch manchmal mit logischen Knacks, vor. Das Auftauchen des Gutmenschen Boaz zum Beispiel ist allerdings zu offensichtlich. Egal. Ein Fingerzeig vielleicht für jeden, der wie Galia „sein Leben zurück will.“ | |
Fr, 02.09.2011TV | Fritz the CatTierische MenschenRalph Bakshi hat vor langer Zeit einen Mega-Cartoon zeichnen lassen. In den 70er Jahren verboten, zumindest nicht jugendfrei, ist es heute ein Riesenspaß. Zugegeben manche werden den Film auch heute noch etwas obszön und vulgär finden oder zumindest recht anzüglich und sehr freizügig. Robert Crumb hat darin die Grenzen des bürgerlichen Anstands mit seinen Zeichnungen bewusst überschritten. Das geht aber eben nur im Cartoon, in echt nicht. Für die Kids ist es heute History für die 68er Nostalgie: ein Zeitdokument. Die Dialoge sind gespickt mit dem gängigen Fachjargon von damals und federn die prallen Sexszenen, in denen es Fritz tierisch wild treibt, etwas ab. Es gibt Friedensmärsche, Sit-ins und Basisgruppen. Man fragt nach dem politischen Bewusstsein und verkündet den ’Sprung nach vorn für Amerikas soziale Revolution’. Und es gibt Gruppensex als Suche nach der Wahrheit getarnt. Natürlich darf der obligatorische Trip nach Westen (Kalifornien) nicht fehlen mit all den Hippies und Hasch und psychodelischen Effekten. Unvergesslich der Hase auf der Harley mit Hakenkreuz. ( Easy Rider!) Selbst die Beatles werden zitiert „And in the end, the love you make is equal to the love you take.“ Muss man gesehen haben, um das Verständnis für jene Zeit zu überprüfen oder eine Bildungslücke zu schließen. | |
Fr, 02.09.2011TV | Keine Sorge, mir geht's gutGeht ganz gutSehr einfühlsam gemacht und mit überzeugenden Schauspielern besetzt. Und so habe ich auch die ersten 80 Minuten mit Interesse verfolgt. Zwei Dinge haben mich jedoch dabei immer wieder beschäftigt: erstens ’Was will der Regisseur uns sagen?’ Sehen wir hier das übliche Eltern-Kinder-Problem? oder ist es die immerwährende Nähe zwischen Zwillingen? oder vielleicht ein Seitenhieb auf die Behandlungsmethoden der modernen Psychiatrie?
Und zweitens wurde es immer klarer, dass der verschwundene Zwillingsbruder nicht wieder auftauchen wird. Damit ging das bisschen angesammelte Spannung immer mehr flöten. Zumal die erklärenden Erkenntnisse etwas konstruiert Zufälliges an sich haben. Die letzten zehn Minuten bringen dann zwar eine Lösung, die man fast schon nicht mehr braucht, denn die Tochter hatte sich ja inzwischen beruhigt, weil wieder frisch verliebt (ein Tröster schwirrte die ganze Zeit schon um sie herum) und die Eltern wollen ohnehin die ganze Geschichte unter dem Teppich halten. Und auch als am Ende jeder der vier Beteiligten Bescheid weiß, sprechen sie nicht miteinander darüber.
Dann kann es nur am Drehbuch liegen. Ansonsten halten wir es wie es der Titel empfiehlt. | |
Do, 01.09.2011TV | Hwal - Der BogenDer alte Mann und das MädchenDieses Mal hat der große Magier der Bilder wohl nicht gezaubert. Er erzählt nur ein symbolträchtiges Märchen. Vom alten Mann und dem jungen Mädchen. Beide sind sonderbare Figuren, die sowohl namenlos als auch wortlos sind. Sie flüstern nur manchmal, leben auf einem Schiff, wo der Alte etwaige Nebenbuhler unter den Angelgästen abwehren muss. Das tut er mit Hilfe seines Bogens. Ein junger ’Prinz’ erobert ihr Herz. Es läuft auf eine Kraftprobe zwischen den beiden Männern hinaus. Es siegt letztlich die Tradition. Bei der angedeuteten hochzeitlichen Vereinigung des Alten mit dem Mädchen wird der Pfeil zum Penisersatz, die Defloration farblich unterlegt. Das Ende ist bewusst nicht klar erkennbar, nur das nachgereichte Motto kann eine Erklärung sein: „Stärke und ein wunderschöner Klang, so wie er von einem angespannten Bogen kommt. So will ich bis zu meinem Tode leben.“ Der titelgebende Bogen ist also sowohl todbringende Waffe als auch ein wohlgefühl-lieferndes Musikinstrument. Und während man noch über den Ausgang der Geschichte nachdenkt, stellt man fest, Kim Ki-duk hat uns doch wieder verzaubert. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.