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Do, 01.09.2011
TV | Der Dorfschullehrer
Der schwule Lehrer2 Sterne
Man muss sich viel Zeit für den Film nehmen, denn es gibt bei den ereignisarmen, langen Kameraeinstellungen viele wortlose Pausen, in denen man versuchen kann, den Gedanken der Akteure nachzuspüren. Und man muss sich für das Thema interessieren: ein Homo outet sich. Die Problematik dabei ist, dass er sein Umfeld in zwei Kategorien einteilen kann: die, die wissen, dass er schwul ist und die, die es nicht wissen. In der ersten Kategorie gibt es wiederum zwei Unterabteilungen: die, die Verständnis für seine Veranlagung zeigen und die, die es nicht tun. Trotz der löcherigen Erzählweise ist alles etwas langatmig. Der Zuschauer kann sich nur mit den latent einfließenden Problemen befassen: Obwohl der Dorfschullehrer (Slamas Lieblingsschauspieler Pavel Liska) allen Leuten hilft und nur Gutes tut, ist er nicht glücklich. Er sucht Zuflucht im Gebet, versucht für seine unsittlichen Berührungen von den Betroffenen Vergebung zu erhalten und auch ein Suizid misslingt. Erst als es dazu kommt, dass „die Träne rinnt, die Erde hat ihn wieder“ werden wir entlassen… Immerhin gibt es die üblichen Einblicke in das Dorfleben inklusive zweier Geburtshilfen bei einer kalbenden Kuh. Also doch noch etwas für Agrarökonomen.
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Mi, 31.08.2011
TV | An einem klaren Tag
Über den Ärmelkanal4 Sterne
Der Titel verrät ebenso wenig über den Inhalt, wie die gesamte Aktion der Jungs auch geheim bleiben soll. Aber genau wie man nach kurzer Zeit weiß, worum es hier geht, so ist auch das Unternehmen im kleinen Ort schon bald kein Geheimnis mehr. Peter Mullen und Brenda Blethyn, die Ikonen, wenn es um die Darstellung der sogenannten ’Kleinen Leute’ geht, brillieren hier wie immer. Der Film reiht sich ein in die große, ruhmreiche Kategorie ’British Working-Class Drama/Comedy’. Die zentrale Figur wird auch nicht zum Helden hochstilisiert. Er vollbringt die Tat für sich selbst. Die erfolgreiche Mischung von mehreren Handlungssträngen macht den Charme des Films aus: da sind zunächst die Arbeitskollegen, dann die Familie (mit Frau, Sohn und Enkeln) die hier eine wichtige Rolle spielt und ganz nebenbei geht es auch um das Ausmerzen von Rassismus. Viele kleine Alltagsszenen bringen die menschliche Komik ganz natürlich rüber. Peter Mullen verdeutlicht unnachahmlich die Empfindungen, wenn man arbeitslos wird: Ratlosigkeit, Wut und auch Scham. Doch anstatt in Depression zu verfallen, findet er ein Ziel, das ihn aufrichtet. Und nachdem das geschafft ist, ist Schluss, Aus, Ende. Das war’s! Gekonnt gut, mit Humor aber auch Ernsthaftigkeit erzählt dieser kleine Film eine typisch englische Geschichte. An einem klaren Tag, kann man eben von Dover aus Calais sehen…
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Di, 30.08.2011
TV | Station Agent
Der kleine Eisenbahn Freak4 Sterne
Es ist eine ruhige, aber eindringliche Charakterstudie von drei völlig unterschiedlichen Typen. Fin (Peter Dinklage), ein wortkarger Eisenbahnexperte, der sich selbst als ’Zwerg’ bezeichnet. Er hat Stil und ist die bestimmende Figur in diesem Trio. Joe (Bobby Cannavale) ein Imbissverkäufer, der Logorrhoe hat und der die pure Lebensfreude verkörpert, ist das krasse Gegenteil. Und Olivia (Patricia Clarkson) die Malerin mit Eheproblemen, versucht, sich zurecht zu finden. Sie treffen in Neufundland am Rande der Welt aufeinander. Wie sie sich ’menschlich’ aufschließen, sich öffnen und für einander da sind, wird in eindrucksvoller Weise dargestellt. Es passiert eigentlich nicht sehr viel, nur ab und zu gehen die drei die Gleise entlang oder begleiten Fin beim ’Train Spotting’. Die Gespräche werden allerdings immer persönlicher und intensiver, dadurch auch aufschlussreicher. Kontakte nach außen zum feindlichen, neugierigen Umfeld sind selten und stören eigentlich das Universum der Drei. Sie sind sich selbst genug. So vergeht die Zeit recht angenehm und man fühlt sich gut, weil man sie mit drei sympathischen Typen verbracht hat.
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Mo, 29.08.2011
TV | Gemeinsam stärker - Personal Effects
Traurige Liebe3 Sterne
Kaum ein Film zelebriert die Trauer und ihre Beschäftigung damit intensiver als dieser hier. Alle Personen haben wirklich gute Gründe abgrundtief traurig zu sein, denn die Schicksalsschläge, die sie trafen, waren nicht von Pappe. Manche sind noch doppelt bestraft, weil sie mit einem Handicap behaftet sind. Und überhaupt scheint es hier niemanden zu geben, der auf der Sonnenseite des Lebens steht. Die deprimierende Lage wird noch verstärkt, weil die Justiz keine Gerechtigkeit schaffen kann. Alle Traumata bleiben weiterhin bestehen. Wenn sich hier zwei sehr unterschiedliche Typen (Michelle Pfeiffer und Ashton Kutcher), behutsam auf der Suche nach Zuwendung auf einander zubewegen, hinterlässt das einen nachhaltigen Eindruck, und gegen Ende kommt sogar noch so etwas wie Spannung auf. Die schafft dann zwar wieder eine gewisse Entspannung, hält sich aber mit einer klaren Aussage über den weiteren Lebenslauf aller Beteiligten zurück. Es bleibt bei Andeutungen. Diese Gestaltung des Schlusses ist besonders gelungen, denn sie lässt mehrere Möglichkeiten offen. Der Titel verheißt, dass jedes Handeln Auswirkungen auf das soziale Umfeld hat und wenn es wie hier gut gemeint ist, ist es hilfreich, tröstlich und wirkt wie ein Palliativ.
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So, 28.08.2011
TV | Haus der Mörder
Haus der Monster3 Sterne
Ein ungewöhnlicher Krimi, in dem ein Privatdetektiv in zwei Mordfällen ermittelt. Dabei stößt er auf skurrile Typen, die alle etwas mit Mord zu tun haben. Er nennt sie eine Bande von Wölfen oder Monstern. Dabei gehen sie recht unterschiedlichen Berufen nach: Schriftsteller, Gallerist, Autohändler, Stripper, Versicherungsvertreter, Model u.a. Wir tauchen in die Kunstszene ein (Francis Bacon) und werden mit fernöstlicher Spruchweisheit versorgt: z.B. „Zehn Zungen, die etwas behaupten sind weniger wert als zwei Augen, die etwas sehen und die sind nicht so viel, wie eine Hand, die fühlt.“ Die Verwirrung wird komplett, wenn sich herausstellt, dass Justiz und Polizei im Korruptionssumpf gemeinsame Sache machen. Streng formal werden alle Bewohner zu Beginn namentlich vorgestellt und in der finalen Vollversammlung wird aufgeklärt. Und das ist keineswegs langweilig. Es gibt lustige Dialoge wie A: „Demnächst werde ich in Endstation Sehnsucht mitspielen.“ B: „Spielst du die Entstadion oder die Sehnsucht?“ Und wenn Detektiv Jacques (Serge Dupire) einsieht, dass man Rache nicht mit Blut abwaschen kann, findet er für das ganze Lumpenpack eine erstaunliche Lösung. Vieles bleibt lange Zeit rätselhaft und mysteriös, sehr abwechslungsreich und voller Action. So etwas sieht man leider nicht oft.
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So, 28.08.2011
TV | In einer heißen Nacht
Die heiße Ärztin1 Stern
Arg konstruierte Story mit mehreren Anleihen an klassische Krimis oder Ehedramen. Außer der rasierklingenmäßgen Ärztin und Mutter (Renée Soutendijk), die die nächtliche Luft zum Flirren bringt und ältere Herrn zum Säfteln, wird noch eine klare Spur zum Nachbarn gelegt. Damit ist die Spannung weitgehend dahin, trotz einiger eingebauter Schlenker. Denn wenn er wirklich der Mörder ist, haben wir’s ohnehin schon lange gewusst und falls nicht, fühlen wir uns verschaukelt, wegen dieser eindeutigen und einzigen Spur. Andere angedeutete Möglichkeiten kann man gleich vergessen. Sie sind zu oberflächlich und nicht ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Auch die Personen im Umfeld sind etwas blass oder unverständlich. Einzig mit den Kameraeinstellungen, dicht am Objekt und unterlegt mit den üblichen Geräuschen/Tönen wird versucht die Aufmerksamkeit zu erhalten. Selbst der sonderbare Aufsitz auf der Fensterbank als ultimativer Liebesbeweis will nicht richtig greifen. Als Krimi zu wenig originär und vorhersehbar und als Beckenboden-Gymnastik zu wenig anschaulich. Hundert Minuten halt nur Renée…
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Sa, 27.08.2011
TV | Die Faust der Rebellen
Güterwagen Bertha3 Sterne
Einer der ersten Filme von Martin Scorsese aus den frühen 70er Jahren mit einer damals noch unbekannten Barbara Hershey. Aber sie beherrscht die Szene von Anfang bis Ende. Ihre deutsche Synchronstimme ist ein perfektes Spiegelbild dieser sonderbaren Persönlichkeit: etwas naiv, aber dennoch entschlossen, besitzt sie eine animalische Gefühlslage. Ein unbeschwertes Lächeln wird zu ihrem Markenzeichen. Der Ernst der Lage beeindruckt sie nie. So locker wie sie sich als kriminelle Gelegenheitshure durchschlägt, folgt sie unbeirrt ihrem Liebsten Big Bill (David Carradine). Beide geraten unversehens zwischen die Fronten von Ausbeutern und Ausgebeuteten. Verachtung und Verfolgung durch rassistische Kapitalisten machen ihnen den Garaus. Obwohl Big Bill immer betont, ein Gewerkschafter zu sein - was er auch im Grunde seines Herzens immer geblieben ist - wird er und sein Umfeld doch mit Beschimpfungen wie ’Huren’, ’Niggern’ und ’Trickbetrügern verunglimpft. Der Film bliebe weniger bedeutsam, wenn da nicht außer dem für Scorsese so furiosen Finale noch mit einer pseudo-christlichen Symbolik ein beeindruckendes Bild den Abschluss bilden würde. Der Zug wird zum Kreuz. Beachtliches Frühwerk, das geniale Züge erkennen lässt.
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Fr, 26.08.2011
TV | Michael Clayton
George der 'Müllmann'2 Sterne
Die Anfangssequenz findet den Zuschauer überrascht, weil unwissend. Erst am Ende kommt die Aufklärung. Dazwischen agiert George Clooney als selbsternannter ’Müllmann’. Er klärt einen Umweltskandal auf und legt illegale Machenschaften bloß, ’räumt für andere den Dreck weg’. Am Rande taucht noch die Verwandtschaft auf. Spielschulden belasten seine finanziellen Möglichkeiten. Er bewegt sich in einem dichten sozialen Umfeld. Wir erfahren immer nur so viel, dass das Interesse nicht erlahmt. Dabei braucht man die letzten Zusammenhänge nicht zu verstehen. Man kann sich ja gut optisch an den handelnden Personen entlang hangeln. Clooney ist der Gute, Tilda Swinton das skrupellose Monster. Auch die anderen Akteure sind überzeugend. Man spürt, es geht wie immer um Macht, Einfluss und sehr viel Geld. Vielleicht braucht es heute auch nicht mehr so viele Hintergrundinformationen, denn ähnliche Themen sind ja allseits bekannt. So kann sich Regisseur Gilroy ganz auf die Spannung und die Erzählweise konzentrieren, die sich aus einer Vielzahl von Facetten zusammensetzt. Durch die lange Exposition sind gewisse Längen offenbar nicht zu vermeiden. Vermindern den Unterhaltungswert aber nur unwesentlich.
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Mi, 24.08.2011
TV | In den Schuhen meiner Schwester
Fast Zwillingsschwestern3 Sterne
Es beginnt als Zickenkrieg zwischen zwei äußerst unterschiedlichen Schwestern. Aber mit dem Auftritt von Shirley MacLaine als ihre in der Versenkung verschwundene Großmutter kommt echte Qualität hinzu. Sie vermittelt zwischen Maggie (Cameron Diaz) und Rose (Toni Collette). Man verzeiht dem Film das vorhersehbare Happy End und allem FFE, denn die Erzählweise von Curtis Hanson, der den weiteren Verlauf der Lebenswege der beiden Mädels parallel schaltet, ist bewegend und voller interessanter Überraschungen. Die Wandlung der Cameron Diaz von der stehlenden, arbeitsscheuen Nymphomanin hin zu einem wertvollen Mitglied der Gesellschaft ist durchaus glaubwürdig. Erwähnt sei nur eine von mehreren logischen Konsequenzen als anschauliches Beispiel: ihre überwundene Leseschwäche wird am Ende mit dem Verlesen eines Gedichtes von E.E. Cummings gekrönt. Daneben läuft die Suche ihrer Schwester Rose nach einem eigenen Weg und natürlich auch nach einem netten Mann. Der Titel ist mehrfach einsetzbar. Neben einem ganz vordergründigen Sinn für die austauschbare Fußbekleidung ist eine andere Lesart das enge Verhältnis der beiden Schwestern. Jede kann sich in die andere hineinversetzen, so fühlen wie sie. Wie bei Zwillingsschwestern: ich an ihrer Stelle… Warmherzig, zeitweise melo, erfrischend pfiffig, eine gute Mischung mit drei überaus überzeugenden Frauen.
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Di, 23.08.2011
TV | Die vier Federn
Zeichen der Feigheit2 Sterne
Ein echter Abenteuerfilm aus Englands kriegerischen Zeiten Ende des 19. Jahrhunderts. Bemerkenswert ist nicht nur Heath Ledger, der eindrucksvolle Kampfszenen hat und auch echte Mimik bring, sondern die Atmosphäre auf der Insel zur damaligen Zeit. Hier lehnt sich Regisseur Kapur eng an die Romanvorlage an. Und die kann Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben. Zwei Generationen beschäftigen sich mit dem Krieg. Die ’Alten Krieger’ kommen mit viel Selbstbewusstsein, einer guten Portion Arroganz und jeder Menge Stolz daher, wobei der Standesdünkel eine große Rolle spielt. Die jungen Offiziere dagegen sind kraftstrotzend in ihrer Sturm und Drangphase, bisweilen albern und kindisch. Auch der übliche Hurrahpatriotismus kommt nicht zu kurz. Wenn da einer den Kriegsdienst verweigert, passt das überhaupt nicht ins Bild. Die Reaktionen der Gesellschaft darauf (Verachtung, Demütigung) sind das eigentliche Thema im Hintergrund. Man fragt sich, ist er schwul oder feige? Oder noch schlimmer etwa ein Pazifist? In diesen Chor der Gegenspieler reihen sich sein bester Freund (Wes Bentley) und seine Verlobte (Kate Hudson) ein, die in der Folgezeit zwischen den beiden Freunden steht. Die Lösung des Problems wird lange hinausgezögert, obwohl der Ausgang jedem längst klar ist. Doch bevor es zu diesem standesgemäßen Happy End kommt, gibt es noch überraschende Erkenntnisse: der Soldat kämpft nicht für Fahne und Vaterland, sondern für die Kameraden links und rechts von ihm. Wunderschöne Bilder aus der Wüste und ein stimmungsvolles Zeitbild.

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