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Sa, 20.08.2011
TV | Alisa, das Meermädchen
Weiblicher kleiner Prinz2 Sterne
Der Anfang und das Ende sind schon echte Hingucker. Erst eine unbekleidet schwimmende Rubensfrau und dann trifft ein Auto die titelgebende Hauptfigur. Dazwischen eine Folge von zusammenhanglosen Szenen, die nur durch Alisas Auftauchen verbunden werden. Da gibt es Feuer, einen Orkan, eine Sonnenfinsternis und Krawalle mit Vandalismus. Alisa als Studentin sowie als Putze. Sie will entjungfert werden, rettet ein Leben und lügt, um an ihr Glück zu kommen. Wie ein Hamster auf der Rolle kommt sie nie voran, es geht nur immer irgendwie weiter. Sie bleibt bis zu ihrem unerwartet plötzlichen Ende ein Pechvogel. Man könnte meinen, dass sie wie ein weiblicher ’Kleiner Prinz’ die Metropole Moskau durchstreift getrieben von der Verwirklichung pubertärer Jungmädchenträume. Eine hoffnungslose Großstadtballade mit slapstickähnlichen Einlagen, schön anzuschauen wegen optischer Aufheller, aber nicht packend. Der Zuschauer zeigt, obwohl gut unterhalten, eher die kalte Schulter. Das kann auch am Schluss liegen, denn in den Nebenhandlungen ist alles wieder FFE. Und wie im Märchen kommt dann der Seufzer’ Und wenn sie nicht gestorben sind…’
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Fr, 19.08.2011
TV | Alexandra
Besuch der alten Dame3 Sterne
Ein Anti-Kriegsfilm mit Gelbfilter, in dem der Krieg nicht stattfindet. Es wird nur viel über ihn geredet. Wir sind in einem russischen Militärlager in Tschetschenien: veraltete Waffen, primitive Unterkünfte und schlechtes Essen; überall Schmutz. Das ist nicht die einzige Kritik an der einstmals glorreichen russischen Armee. Beide Völker werden wohl nie gute Freunde werden. Aber viel schlimmer ist die Feststellung, dass die Russen nicht einmal gefürchtet werden. Großmutter Alexandra (Galina Wischnewskaja) besucht hier ihren Enkel. Dabei schließt sie Freundschaft mit Malika, einer Einheimischen. Das gibt Anlass zur Hoffnung. Beide sind sich einig darüber, dass „Männer immer Feinde sind, Frauen aber Schwestern.“ oder „Die Armee zerstört nur, sie baut nie etwas auf.“ Die Welt ist aus den Fugen geraten. Wir sehen natürlich viel vom Lagerleben, neben Szenen eines Wochenmarktes und bewohnten Ruinen. Bemerkenswert, weil außergewöhnlich, sind aber zwei Szenen: ein nächtlicher Rundgang durchs Lager erscheint so zwischen einer Peter-Pan-Reise und einem Traum. Und dann die zwischen Großmutter und Enkel, die fast an die Grenze einer echten Liebesbeziehung reicht, ohne sie zu überschreiten. Das zärtliche Flechten eines Zopfes ist ein Liebesdienst der besonderen Art. Eine lohnende Anstrengung, wenn man sich Mühe gibt.
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Do, 18.08.2011
TV | Unschuldig verfolgt
Superfrau Sigourney1 Stern
Der deutsche Titel hält die Spannung unter Verschluss, weil er das Ende bereits wertend vorwegnimmt und der des Originals kommt so oft vor, wie der Stundenzeiger innerhalb eines Tages an der Zwölf verübertickt. Der Versuch, ein Bild einer amerikanischen Provinzstadt zu zeichnen, will nicht so recht gelingen. Es kommt einfach keine Atmosphäre auf. Zu viele Nebenaspekte versperren den Durchblick und die Figuren - außer Sigourney Weaver natürlich - sind schablonenhaft. Der Ehemann zum Beispiel (farblos David Strathairn) und die beste Freundin (schwach Julianne Moore, trotz Tränen) sollten eigentlich Hauptstützen sein, zumal da ja noch eine Unachtsamkeit der Hauptschuldigen einem Kind den Tod brachte. Die allgemeine Ablehnung der Nachbarn ergeht sich in den üblichen Klichés und das Verhältnis zwischen Ehemann und bester Freundin wird erwartet und dann doch abgebrochen. Selbst die lieben Kleinen, deren Verhaltensweise Tennessee Williams einmal mit ’halslosen Monstern’ verglichen hat, sind am Ende lammfromm und lieben ihre Eltern. So scheint wohl die Botschaft die zu sein, dass ein echter Amerikaner sich nicht unterkriegen lässt. Er kittet seine Familie. rettet seine Ehe, verkauft Haus und Hof und fängt irgendwo wieder neu an. Kleine juristische Plänkeleien übersteht er mühelos. Aber der Supermann ist er ja eigentlich wirklich nicht, denn er tut nur das was ihm Mutti Weaver sagt, denn die weist allen immer schon den Weg. Es bleibt eine amerikanische Schmonzette, die am amerikanischen Traum weiterbastelt.
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Mo, 15.08.2011
TV | Die Stadt der Blinden
Die sehende Anführerin4 Sterne
Die Romanvorlage von José Saramago ist ein brillantes Konstrukt, das Fernando Meirelles erstaunlich umgesetzt hat. Die Blindheit, die sich hier wie eine Epidemie ausbreitet ist nur die Grundlage, auf der sich alle folgenden Entwicklungen abspielen. So bricht Chaos und Panik aus, es kommt zu Ausschreitungen und es stellt sich die Frage nach Anstand und menschlicher Würde. Geduld und Nachsicht aller Beteiligten werden auf eine harte Probe gestellt. Bei begrenzten Lebensmittelvorräten müssen sich Frauen prostituieren und auch eine eigene Herrschaftsform kristallisiert sich heraus. Action gibt es genug mit Feuer und steigender Gewaltbereitschaft. Plünderungen kommen uns recht aktuell vor, genauso wie der überall herumliegende Müll. Der besondere Kick ist, dass sich eine Frau (wie immer überzeugend Julianne Moore) als Sehende unter die Blinden gemogelt hat. Und so erhält die Gruppe eine Anführerin, die sieht, was hier wohl als provokante Forderung nach Allgemeingültigkeit gemeint ist. Dass die Stadt, in die sie wieder zurückkehren tot und versifft ist, ist nicht verwunderlich, sondern denkt diese intellektuelle Parabel einfach konsequent weiter. Beeindruckende Bilder von einer Endzeitstimmung, die eigentlich ein Neuanfang sein müsste. Anfangs schockierend mit einem fragwürdig offenen Ende.
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So, 14.08.2011
TV | Stephen King: Dolans Cadillac
Die Autogrube2 Sterne
Wenn es nicht erwähnt wäre, würde man kaum Stephen King - den King of Horror - hinter der Vorlage vermuten. Es ist ein ganz stink normaler Gangsterfilm angereichert mit den üblichen Erschießungen/ Exekutionen und den gebräuchlichen Machtspielchen unter den Gegenspielern. Lektionen werden erteilt, die Mädels wie Frischfleisch verhökert und wenn es auf den finalen Showdown zugeht, kommt ein nicht uninteressanter Racheplan zum Tragen und bringt noch vorübergehend einen Hauch von Spannung. Dieser Schlussteil ist allerdings schon etwas fragwürdig. Hier wird mit klaustrophobischen Ängsten gespielt. Das Ende ist vorhersehbar. Dem lieben Christian Slater glaubt man den Bösewicht nicht so recht, obwohl er sein Bestes tut, um gefährlich dreinzublicken und jeden Satz mit den milieuüblichen Flüchen zu verzieren. Und Wes Bentley, der zum Witwer gebombte Lehrer, ist schwer vorstellbar als Vater dieses unglaublichen Rachplans. Über die schlecht-gecastete Mainstream Durchschnittsware mit mäßiger Spannung kann man getrost den Mantel des Schweigens legen.
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Sa, 13.08.2011
TV | Endstation Schafott
Oberflächlich schuldig4 Sterne
Unter den zahllosen Gerichtsthrillern fällt hier die Sichtweise aus dem Rahmen: ein Ex-Knacki (Alain Delon) zwischen integrativer Sozialarbeit (Jean Gabin) und schikanöser Überwachung durch einen von Vorurteilen getriebenen Kommissar (Michel Bouquet), der ihn so heftig und so lange piesackt, bis er ausrastet. Hier gibt es nicht nur Action um der Action willen, sondern hier werden Sinnfragen gestellt. Gibt es den geborenen Verbrecher? Darf man nicht nur das Verbrechen an sich beurteilen, sondern muss man nicht auch seine Ursachen mit heranziehen? Und klafft da nicht die ewige Lücke zwischen Recht und Gerechtigkeit? Mildernde Umstände werden in ihr Gegenteil verkehrt und unmenschliche Zustände im Strafvollzug angeprangert. Zwei emotionale Tupfer beeindrucken besonders: am Anfang die ersten Schritte in die Freiheit. Da wird es dem Entlassenen fast schwindelig und am Ende der Gang zur titelgebenden Guillotine; fast wortlos und ohne Kommentar. Das System wird der Lächerlichkeit preisgegeben, wenn Geschworene einschlafen und der Richter Kreuzworträtsel löst. Ein Gangsterdrama, das einen von der Erzählweise her menschlich berührt und schauspielerisch überzeugt, vor allem Alain Delon und das natürlich die Todesstrafe verurteilt. Spannung mit Tiefgang also, anspruchsvoll und gut gemacht.
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Do, 11.08.2011
TV | Siebenmal lockt das Weib
Frau mal Sieben3 Sterne
Manchmal werden Episodenfilme gemacht, weil der Stoff nicht für einen ganzen Langfilm reicht und man die einzelnen Teile frei floaten lassen kann. Dann gibt es welche, in denen durch Vielseitigkeit ein Thema von verschiedenen Seiten beleuchtet wird und es gibt die, in denen ein Protagonist mit seiner schauspielerischen Dominanz die einzelnen Teile verbindet, weil sich alles im Kern um mehrere Figuren dreht, die er aber immer wieder verkörpert. Hier ist es eine verheiratete Frau: mal betrogen, dann wieder begehrt, mal anlehnungsbedürftig aber auch wild entschlossen. Siebenmal schlüpft Shirley MacLaine in ganz verschiedene Rollen. Dabei spielt sie die Unattrakiv-Brave, dann die Unterkühlt-Verschrobene, die Sexy-Listenreiche oder die Temperamentvoll-Alberne. An der Seite von vielen prominenten Kollegen in Nebenrollen (Sellers, Barker, Gassman, Caine, Noiret, Arkin u.v.a.) zeigt Shirley alle Facetten ihrer schauspielerischen Begabung. Manchmal sogar alle in einer Episode, wie in ’Super Simone’: Ihr schriftstellerisch aktiver Gatte liest aus seinen unvollendeten Werken und ihr Gesichtsausdruck veranschaulicht das Geschehen. Vittorio de Sica beweist wieder einmal sein außerordentliches Gespür für skurrile Situationen wie Selbstmord im Brautkleid, Anmache in einem Trauerzug oder die Manager-Gattin, die wegen eines Abendkleides den Aufstand probt. Da brauchen die großartigen Schauspieler dann bloß noch zu agieren. Inzwischen Kult der 60er Jahre.
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Di, 09.08.2011
TV | Letztes Jahr in Marienbad
Erinnern oder Vergessen5 Sterne
Es ist wohl der komplizierteste, mysteriöseste und zugleich ungewöhnlichste Film aller Zeiten. Man wird von der magischen Optik, den stringent durchgestylten schwarz-weiß Bildkompositionen ins traumhafte Geschehen mit hineingesogen. Kulisse und Darsteller überwältigen, erschrecken und wecken doch zugleich Interesse. Park und Schloss wirken entrückt, die Aktionen unnatürlich unterkühlt. Bild- und Tonwiederholungen verwirren und bieten doch aber auch irgendwie eine Orientierung. Man bleibt dran, weil man einfach wissen möchte, was da eigentlich los war. Hinweise werden dankbar angenommen. Im weiteren Verlauf kann man sich in etwa eine Handlung zusammenreimen - ist sich aber nie ganz sicher. Und diese Ungewissheit ersetzt die Spannung, macht die zeitlose Großartigkeit des Films aus. Jeder sieht das, was er sehen will. Resnais meinte, man solle den Film anschauen, so wie man sich eine Symphonie anhört. Nur eins steht fest: es ist ein Liebesfilm der besonderen Art. Und dann nicht zu vergessen das 1-3-5-7-Spiel! Das ist ebenso einfach wie kompliziert. Feinde spielen es auf Leben und Tod. Generationen haben es seitdem immer wieder nachgespielt. Weiter kann man an der Arthouse-Schraube kaum drehen. Es ist wahrscheinlich von allen Unmöglichkeiten das ultimativ Mögliche.
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Di, 09.08.2011
TV | Eine Nacht in Rom
Zwei verliebte Lesben1 Stern
Zwei Mädels verlieben sich und verbringen gemäss dem Titel ’eine Nacht in Rom’. Nur eingefleischte, einseitig vorbelastete Voyeure können von der vielen nackten Haut nicht genug bekommen. Aber nach fast 100 Minuten langt’s. Gut fotografiert aber inhaltsarm. Viel Streicheln, Stöhnen, Rolle rückwärts. Und damit noch überhaupt irgendetwas geht, lügen sich die beiden (Elena Anaya und Natascha Yarovenko) ständig neue eigene Identitäten vor. Aber das hebt keineswegs den Unterhaltungswert. Und auch die beiden Nackedeis verlieren im Laufe der Nacht an optischer Zugkraft. Die persönlichen Hintergründe der beiden sind - wenn man diese Nacht betrachtet - nicht sehr überzeugend. Und als dann jedem klar ist, dass es kein Happy End für die beiden Süßen geben wird, findet Regisseur Julio Medem keinen Schluss. Erst frühstücken sie noch, dann baden sie gemeinsam, dann packen sie ihre drei bis sieben Sachen und dann… na endlich. Das Beste ist wohl der englische Titel mit der Alliteration. Ansonsten K.V.
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So, 07.08.2011
TV | Die neunte Kompanie
Russischer Pyrrhussieg3 Sterne
Natürlich fallen einem sofort die legendären Hollywood-Streifen zum Vietnamkrieg ein, wenn man diese russische Produktion über Afghanistan sieht. Doch deren Klasse erreicht dieser Film nicht. Optisch bemüht mit der üblichen Pyrotechnik und wiederkehrenden Landschaftaufnahmen, inhaltlich gibt es anfangs genügend männliche Kraftmeierei neben den Hauptaktivitäten der Soldaten, wenn sie nicht kämpfen: kiffen, poppen, saufen. Es gibt viel Hektik und Schreierei, viel Ballerei im Tempowechsel mit ruhigen Einstellungen und gegen Ende genügend Schocker, denn fast alle Helden tot. Dieser Blutzoll ist schon beeindruckend fotografiert. Doch Spannung will trotzdem nicht so recht aufkommen. Das liegt an der Machart. Die einzelnen Szenen werden nicht entwickelt und sukzessive aufgebaut, sodass sie uns mit hineinziehen, sondern kurz aneinander gereiht. Dabei wechseln die Drehorte ziemlich schnell und zeitweise geht der Überblick verloren. Die Distanz zum Zuschauer bleibt. Ganz behutsam geht man mit der in der Sowjetunion nicht besonders populären ’Perestroika’ um. Wie der Name von Gorbatschow wird beides nur mal erwähnt, bevor man am Ende den Abzug der siegreichen Sowjetarmee sieht. So kann man wohl etwas Balsam auf die traumatisierte russische Seele träufeln.

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Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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