Do, 04.08.2011TV | PrincesasGruppenbild mit HureWenn man sie nach ihrem Beruf fragt, antwortet Caye „Ich bin Hure.“ Und wenn ihr etwas fehlt, ist es, dass sie nie von der Arbeit abgeholt wird. Ein Frauenfilm, der nicht nur das Milieu sensibel beleuchtet, sondern auch den familiären Hintergrund der beiden Protagonistinnen Caye (Candela Pena) und Zulema (Micaela Nevarez) ausführlich darstellt. Obwohl sie offen über ihren Beruf sprechen, verheimlichen sie es vor ihren Familien. Und obwohl beide eine völlig verschiedene Ausgangsposition haben, entwickeln sie eine schwesterliche Solidarität für einander. Und jetzt erlangt der Titel in den Gesprächen der beiden seine ganze Bedeutung: „Huren sind Prinzessinnen, die so sensibel sind, dass sie spüren wie die Erde sich dreht. So wird ihnen dauernd schwindlig. Sie bringen andere zum Fliegen.“ Eine weitere Aussage passt noch genauer auf die beiden: „Prinzessinnen werden krank und können sterben vor lauter Traurigkeit, wenn sie fern von ihrem Königreich sind:“ Damit das nicht passiert fliegt Zulema nach Hause und Caye outet sich ihrer Familie gegenüber. Nicht aber ohne ihrem Dasein zuvor noch eine philosophische Basis zu geben „Jemand existiert nur, weil man an ihn denkt.“ Sowohl die Realität der Strasse als auch die Poesie der Worte treffen Auge und Ohr der Zuschauer. Bemerkenswert. | |
Mi, 03.08.2011TV | Las Bandidas- Kann Rache schön sein!Die BlutschwesternDie Spannung bezieht der Film aus einer sehr komplexen, bisweilen unübersichtlichen Handlung, die Lücken einbaut und logische Fragezeichen aufwirft. Am Anfang sind es ungewöhnliche Gegensätze, die das Interesse wecken: ein poetischer Kommentar aus dem Off - man sieht eine Erschießung; ein Einbruch wird von Flamenco-Tanzeinlagen unterbrochen, Männer vermöbeln Frauen brutal und es gibt Blow-Jobs bei Gangstern und Staatsbeamten. Und so geht es weiter: ein Heiratsantrag wird von einem Mord unterbrochen etc. etc. Hier wird mit dem Cliché gespielt, dass Frauen die schlechteren Gangster seinen, einen Einbruch mit Tunnelbau z. B. einfach nicht bringen. Wir werden vom Gegenteil überzeugt. Sie benutzen ihr Geschlecht, dann das Hirn und auch die Muskeln. Und wir erfahren aus Gesprächen, dass Spanierinnen, wenn’s drauf ankommt, schlimmer sind als Helden in Actionfilmen. Der deutsche Untertitel: ’Kann Rache schön sein’ soll das wohl ironisierend zum Ausdruck bringen. Im Original heißt es dagegen ’Gehe nur so spazieren’. Von Paco de Lucia mag ich hier in dem Zusammenhang gar nicht reden.
Die Männer sind hier die Brutalos schlechthin, etwas beschränkte Machos halt. Frauen versuchen es ihnen heimzuzahlen und am Ende müssen beide Seiten heftig Federn lassen. Eine Art Rahmenhandlung um Gabriel ’Babyface’ den Killer kommt etwas unausgegoren daher. Und die damit verbundene, seltsame Liebegeschichte stört mehr als dass sie erhellt.
Alles etwas verwirrend, aber trotzdem blutig spannend. | |
Di, 02.08.2011TV | VogelfreiMona auf der WalzMitte der achtziger Jahre hat der Film große Aufmerksamkeit erregt. Erstens wegen der Hauptdarstellerin, der überaus überzeugenden Sandrine Bonnaire und zweitens wegen seiner Machtart und auch wegen des Inhaltes. Er ist aufgebaut, wie die Ermittlungsarbeit der Polizei, indem Personen, die die tote Außenseiterin Mona getroffen hatten, Statements abliefern, die Betroffenheit und Hilflosigkeit signalisieren. Zwischendurch erleben wir sie mit verschiedenen Typen: ein Ökofreak, eine Nutte, eine Biologieprofessorin, Bahnhofspenner etc. Mona wird beneidet, beschimpft, man misstraut ihr, fürchtet sich aber auch vor ihr. Sie sucht die totale Freiheit und findet die totale Einsamkeit auf ihrem Weg in die Abwärtsspirale. Als Kontrast werden ihr zwei unglückliche Pärchen gegenübergestellt, die all das verkörpern, wovor sie flieht. Erwähnenswert hier ist die damals noch unbekannte Yolande Moreau. Zur Auflockerung gibt es ein kleines Trinkgelage mit einer alten Dame und Beziehungen der Personen untereinander, die sie trifft. Der französische Titel ’Ohne Dach kein Gesetz’ ist ebenso treffend wie der deutsche. Auf Dauer hat die Außenseiterin keine Überlebenschance. Das ist der Preis, den sie wohl für die absolute Unabhängigkeit zahlen muss. Sie muss ständig alles unter Kontrolle haben. Das gelingt ihr aber immer weniger.
Realistisch und immer noch beeindruckend. | |
Mo, 01.08.2011TV | Hochzeit auf ItalienischFilumenas MännerEine klassische Komödie der 60er Jahre, die man sich auch heute immer wieder anschauen kann. Das Bemerkenswerte daran ist nicht die an sich trockene Thematik “eine durch vorsätzliche Täuschung erzwungene Ehe“, sondern was de Sica mit seinen beiden Hauptdarstellern (Sophia Loren und Marcello Mastroianni) daraus gemacht hat. Selten war die Loren so wandlungsfähig wie hier: vom verängstigten Landei über die flotte Vollblutnutte zur selbstbewussten Matrone. Aber auch Mastroianni beweist einmal mehr sein Talent: vom Womanizer über den vorübergehend willfährigen Trottel zum erwachsenen Mann, der zu seinen Gefühlen steht.
Atmosphäre, Gestik und Komik bringen das Italien-Feeling mit viel Palaver und temporeicher Action gut rüber. Die Handlung ist aber ganz allgemein irgendwie zeitlos. Das gibt es immer wieder, dass ein reicher Mann seiner Freundin alle mit Geld zu bekommenden Dinge schenkt. Nur heiraten tut er sich nicht. Nach zwei Dritteln schlägt diese etwas einseitige Liebesgeschichte nach vielen Tricksereien und Täuschungen in ein echtes menschliches Drama um. Bei der Suche nach den vermeintlichen Söhnen werden echte Gefühle sichtbar. Sophias erlösende Tränen machen schon Eindruck. Ebenso wie der hauptsächlich komödiantische Charakter des Films. Dafür hier nur zwei Beispiele: Sophias Unterschrift (’Filumena’) schrieb Filmgeschichte und das unerwartete „Grüß Gott!“ zur Begrüßung, als die beiden im Bett überrascht werden, mögen genügen.
Großartig, zeitlos und typisch italienisch. | |
Sa, 30.07.2011TV | Tee mit MussoliniDie Mädels machen'sBereits der Titel lässt auf einen humorvollen Film schließen. Und das ist er auch. Zeffirelli hat in der Tradition von Fellinis ’Amarcord’ ein vielschichtiges Porträt seiner Heimatstadt Florenz geschaffen. Vor und im Zweiten Weltkrieg geht es um Kunst (mit vielen Originalen), um die Erziehung des kleinen Luca. (Er wird erwachsen). Aber es geht auch um Politik. Der Faschismus Mussolinis ist hier nicht zum Fürchten, eher eine Lachnummer. Eine illegale Auswanderung und der Widerstand werden geschildert und natürlich der ewige moralische Gegensatz USA - Großbritannien. Diese prall gefüllte Story wird aber von den fünf grandiosen, älteren Damen getragen: da ist zunächst Joan Plowright, die Ernsthafte und Nachdenkliche, dann Lily Tomlin, die Wilde und etwas Burschikose, neben Judi Dench, die rebellische Künstlerin mit einem Herz für Tiere, Maggie Smith ist very British und Cher gibt den mondänen aber großherzigen Vamp. Schauspielerisch sind die fünf kaum zu überbieten. In einem furiosen Finale schlagen vier von ihnen sogar die Deutschen in die Flucht. Die äußeren Umstände haben die unterschiedlichen Frauen zusammengeschweißt. Sie liefern eine warmherzige Komödie mit ernstem Hintergrund ab, eingebettet in die wunderschöne Landschaft der Toskana. Ein Film zum Genießen und Wohlfühlen. | |
Fr, 29.07.2011TV | Elegy oder die Kunst zu liebenDas sterbende TierBei diesem ’Klagelied’ nach dem Roman von Phillip Roth hat sich Isabel Croixet
sehr eng an die literarische Vorlage angelehnt. Das kommt der hohen Qualität der Dialoge zugute. Im Mittelpunkt steht das Liebesverhältnis zwischen David einem Professor (Ben Kingsley) und seiner Studentin Consuela (Penelope Cruz). Es ist dieser ewige Gegensatz zwischen Jugend und Schönheit auf der einen Seite und Alter und Weisheit auf der anderen. Dadurch wird er gezwungen über sein Leben nachzudenken. Sie ist für ihn ein Kunstwerk und besitzt ’eine gewisse elegante Ernsthaftigkeit’. Er erschrickt über die Erkenntnis, dass er sich bisher stets verhalten hat wie ein Teenager. Und natürlich ist er besitzergreifend und eifersüchtig. Leise und sehr gefühlvoll kommen sich die beiden näher. Viele Großaufnahmen zeigen ihre Gesichter als Spiegel innerer Seelenkämpfe. Die Zukunft macht ihm jedoch Angst. Eine Vertrauenskrise entzweit die beiden. Er muss feststellen, dass sein Verhältnis zu Consuela ein Fehler war. Er hat das Unmögliche herausgefordert. Nach Jahren kommt sie zurück und hat Brustkrebs. Es kommt zu einem letzten Versuch, ihre Schönheit auf einem Aktfoto zu konservieren. Nach der OP zieht sich die Kamera diskret zurück. Wenn es eine echte Elegie ist, dann war’s das. Eine Klage über die verlorene Liebe oder über die Vergänglichkeit der Männlichkeit? Bei Roth steht allerdings David im Mittelpunkt: ‚Das sterbende Tier’. Nicht schlecht. | |
Do, 28.07.2011TV | SeitensprüngeZwischehn ErwachsenenEin bunter Reigen von Pärchen, die nur über das Eine reden - es aber nicht mehr tun. Meistens ist der Verhältnis am Ende oder schon lange vorbei. Dabei ist jeweils einer der beiden wie bei einem Staffellauf in der nächsten Episode wieder dabei.
Trotz der starren Kameraeinstellung und der oft langen, wortlosen Pausen, kann man dem jeweiligen Diskurs mit Interesse folgen. Dabei wird das Phänomen ’Liebe’ von ganz verschiedenen Seiten verbal beleuchtet. Einer will Schluss machen, der andere nicht. Einer glaubt, da ist noch was, der andere sieht das nicht so. Es geht in den Bereich der Prostitution, der sexuellen Ausbeutung bei einem Einstellungsgespräch oder dem Wunsch nach Benotung danach. Peinliche Situationen hinterlassen durchaus einen Eindruck.
Der Originaltitel lautet ’Zwischen Erwachsenen’. Und was da so zwischen denen läuft, zeigt die (Selbst)Zweifel, auch das Misstrauen und das Deprimiert-sein in einer längeren Beziehung. In allen geschilderten Fällen ist der erste große Liebesrausch vorbei und Langeweile macht sich zumindest bei einem der Partner breit. So kommt Begehrlichkeit auf Andere ins Spiel. Aber auch hier geht man sich bald auf die Nerven. Männer lügen, Frauen ahnen etwas. Beide Geschlechter gehen unter, nicht gemeinsam, sondern jeder für sich. Diese Diskussion kann man am Ende unter Arthouse-Fans fortsetzen. | |
Mi, 27.07.2011TV | Rookie - Der AnfängerDer große AutoklauEin üblicher Clint Eastwood-Film, mit viel Ballerei und Keilerei. Und wer auf solchen Macho-Sprüchen steht wie „Ein Mann muss zu seinem Wort stehen“ kommt hier voll auf seine Kosten. Darüber hinaus gibt es in diesen Filmen immer einen leicht ironischen Unterton in den Dialogen z.B. „Ich dachte, du wärst tot.“ Antwort „Sind sie jetzt sehr enttäuscht?“ Eine Neigung, die in seinen späteren Filmen weit mehr betont wird. Professionell sind auch die sich wiederholenden Szenen mit neuer Besetzung. Die bereiten den finalen Lacher besonders gut vor. Ebenso wie die ständige Suche nach Feuer, um sich seine Zigarre anzuzünden.
Und dann haben Eastwoods Filme noch eine Nebenhandlung: hier ein Vater-Sohn-Konflikt und ein Kindertrauma des ’Anfängers’(Charley Sheen). Das tut der Spannung keinen Abbruch, sondern schafft Qualität. Schauspielerisch überzeugt vor allem Sonia Braga als einskalte Killerin, die wuchtig austeilt.
Nichts Außergewöhnliches, aber spannende Unterhaltung. | |
Di, 26.07.2011TV | Toto der HeldVerlorenes GlückVertauschte Babys, verlorene Kindheit, versäumtes Glück. In der Machart erinnert der Film im Grunde an Comics. Hier werden alle im Wege stehenden Hürden leicht überwunden und es gibt schrille Einblendungen neben makabren Szenen. Doch das traurige Gesicht von Michel Bouquet und die stillen Rückblenden im Gefängnis geben psychologische Tiefe. Darin spiegelt sich der ganze Frust über sein unglückliches Leben. Die unerwarteten Schnitte machen die Erzählweise interessant. Ein verdecktes Gesicht, eine Gestalt von hinten und immer wieder zurück zu Michel Bouquet. Die Kernaussage wird in Ringform gestaltet, sodass man erst am Ende die Leiche erkennen kann. Aber bereits vorher ahnt man das Unmögliche des Unterfangens. Man kann die geraubte Jugend nicht zurückholen. Nur der Kinderwunsch ist verständlich: einmal ein Held zu sein. Am Ende ist der Rachefeldzug etwas unübersichtlich und die häufigen Verwechslungen verwirren etwas. Wichtig wird die Erkenntnis, dass das beneidenswerte Leben des anderen gar nicht so erstrebenswert ist. Schließlich gibt es eine erstaunliche Lösung, die von der ursprünglichen Absicht des ’Helden Toto’ etwas abweicht. Ein gefühlvoller Mix aus Kinderträumen, verpassten Gelegenheiten und späten Einsichten. Schön schrill und irgendwie anders. | |
Di, 26.07.2011TV | Die AffäreNichts NeuesEiner der Filme aus der endlos langen Reihe der Ehedramen. Hier ist es wieder einmal die wohlsituierte Mutter von zwei Kindern (Kristin Scott Thomas), die sich in den Bauarbeiter Sergi Lopez verliebt. Auch wenn es kein echter Kriegsfilm ist, so kann man den Ehekrieg doch in die Kiste „Im Westen nichts Neues“ stecken. Das einzige Unterscheidungsmerkmal zu der übrigen Masse ist, der finanzielle Überlebenskampf der Frau, nachdem ihr der verlassene Ehemann (Yvan Attal) den Geldhahn zugedreht hat. Das wird breit ausgewalzt. Dabei reichen ihre Versuche an Geld zu kommen von sinnlos bis albern. Und der einzige Unterschied zwischen Ehemann und Lover scheinen doch wohl die Aktivitäten auf der Matratze zu sein. Als dann noch die Lösung von Truffauts ’Die süße Haut’ gleich zweimal daherkommt, ist die Luft vollends raus. Kann die Lösung wirklich ein Schuss sein? Höchstens der in den Ofen. K-V. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.