Mo, 25.07.2011TV | Magere Zeiten - Der Film mit dem SchweinSau im HausEine großartige Darstellerriege macht diese Gesellschaftssatire zum Genuss. Michael Palin spielt unaufgeregt, im Gegensatz zu Maggie Smith, die viele Facetten ihres Könnens zeigt, nicht zu vergessen die leicht demente Oma, um nur drei zu nennen. Außerdem bietet die Ausgangssituation jede Menge Möglichkeiten durch neue Komik gute Unterhaltung zu bieten. Dazu gehören die allgemein üblichen Gehässigkeiten unter Nachbarn sowie der Versuch sich von ihnen zu unterscheiden mittels gesellschaftlichen Aufstiegs.
Das Einzigartige, typisch Britische kommt in drei Szenen besonders gut zum Ausdruck: (Michael Palin) der einzige Fußpfleger der Filmgeschichte im Einsatz, während Madame Pralinen genießt. Dann die Lösung des Problems auf dem Weg vom lebenden Schwein zu Wurst und Schinken: das Schlachten; nachdem vergasen und vergiften ausgeschieden waren. Aber auch die sonderbarste Liebeserklärung beim Aufmalen einer Naht auf die Wade, damit es aussieht, als ob die Frau Nylonstrümpfe trage - ein Zeichen für Wohlstand oder die drei ’Wangen’. Die Dialoge sind voll von unterschwelligem, leisem Humor wie z. B. bei der Vorbereitung des Dinners in diesen ’mageren Zeiten’ „Es sind 250 Gäste und Jesus ist nicht unter ihnen.“ Der deutsche Titel ist griffiger als der des Originals, denn der ist völlig unverständlich.
Kann man sich immer wieder mal anschauen. | |
So, 24.07.2011TV | NoraJoyce und NoraDie lebenslange Liebe zwischen dem literarischen Genie und dem Dienstmädchen ist stimmungsvoll dargestellt. Und es wird ständig die eigentliche Unmöglichkeit dieser Beziehung herausgearbeitet. Da herrschen Misstrauen und Zwietracht, heftige Gefühlsausbrüche, aber auch obsessive sexuelle Abhängigkeit und es gibt für die damalige Zeit auffallend viele F-Wörter. Der intellektuellen Diskrepanz der beiden Charaktere werden als Anker ihr Selbstbewusstsein und ihre Bodenständigkeit gegenübergestellt. Diese unüberbrückbare Kluft versuchen beide dennoch zu überwinden und scheitern mit einem Sieg vor Augen. Wir erleben einen Dichter (McGregor ähnelt ihm äußerlich nicht im Entferntesten!), der nicht sehr mutig, aber sehr musikalisch ist. Und als ’wilden Jim’ kannte man ihn bisher so nicht. James und Nora machen aus Liebe ständig Fehler, sind hilflos bockig und dennoch wieder Meister im Versöhnen. Aus diesen subjektiven Spannungen heraus entsteht zeitweise im wahrsten Sinne des Wortes eine gewisse spannungsgeladene Atmosphäre, die aber auch Längen aufweist. Leider wird das literarische Talent von James Joyce nur erwähnt, ohne wirklich vorgestellt zu werden. Das menschliche Drama der beiden bekommt hingegen die Oberhand und ist schon beeindruckend. | |
Sa, 23.07.2011TV | Ein Unbekannter rechnet abZehn kleine NegerleinEiner der vielen Versuche, Agatha Christies bekanntesten Thriller zu verfilmen. Und der hier scheint mir nicht besonders gelungen. Die Machtart ist antiquiert, die Darsteller agieren steif bis gehemmt, die Dialoge sind mehr als hölzern und die einzelnen Szenen stolpern so vor sich hin. Gleich mehrere Autoren sind für das Drehbuch verantwortlich. (Vielleicht waren es ja „die vielen Köche…“). Sie lassen die stattliche Anzahl von Weltstars in einer drögen Handlung versinken. Nach dem dritten Mord macht sich statt Spannung Belustigung breit, statt Schockereffekt kommt Erheiterung auf. Mit nerviger Musik wird erfolglos versucht Spannung vorgaukeln. Und damit der Zuschauer die Story von den 10 kleinen Negerlein auch erkennt, wird er überflüssigerweise immer wieder darauf hingewiesen. Das gibt der Spannung den Rest. Ebenso werden die Untaten der noch Lebenden mehrmals erzählt. Das Ganze ist ohne Elan und Esprit lustlos runtergekurbelt und man fragt sich, wie konnte es Peter Collinson nur gelingen für dieses Machwerk die Créme de la Crème des internationalen Films vor die Kamera zu bekommen.
Peinlich! Im Nachtprogramm kann man sich zwischen Totgähnen und Einschlafen entscheiden, falls man es nicht schafft, die besagte Tonne zu öffnen und… Die mit dem Label ’K.V’. | |
Sa, 23.07.2011TV | Murphys GesetzDer Bulle und die QuasselstrippeEin üblicher Charles Bronson Film. Wie immer mit viel Fäusten, Fusel und Kanonen. Und natürlich wird er wieder einmal zu unrecht verdächtigt. Klar, dass sich am Ende alles aufklärt.
Doch das einzige, was diesen Streifen von den andern Bronson-Filmen unterscheidet, ist nicht das heute immer noch beachtenswerte Finale, auch nicht das der Titel heute eine geläufiges Zitat ist, wenn man beschreiben will „Alles was schief gehen kann, geht auch schief“, und auch nicht die damals noch unbekannte Kathleen Whilhoite. Aber ihre rotzfrechen Sprüche, die jeden Satz mit einem Schimpfwort enden ließen, sind immer noch erheiternd. Selten hat eine deutsche Synchronisation so viel einfallsreiche Fantasie in diesem Bereich walten lassen. (z.B. „stinkender Eselsfurz“ oder „mieser Rattenschwanzpopel“).
Das reicht von anzüglich bis schnodderig, von coolem Kids-Jargon bis zur üblen Unverschämtheit, z.B. „Bist du taub auf den Schalltrichtern?“ oder „Kannst mir an die Socke husten, Opa“ oder auch „Hast wohl ’ne Nonne gepimpert?“ oder „Kümmere dich um deinen Flaggenmast, du Müllbeutel.“ Ein herrlicher Sprüche-Cocktail! Und in dem Maße, wie sich die beiden näherkommen, nehmen auch die bösen Sprüche ab. Nur unter diesem Aspekt ist es ein Vergnügen. | |
Fr, 22.07.2011TV | JaffaIsraelis kontra PalästinenserEin eindrucksvolles, realistisches Familiendrama, das die Problematik der Region in eindrucksvoller Form darstellt. Wenn ein Israeli einen Palästinenser beschäftigt, gibt’s Probleme, wenn dann noch Liebe mit im Spiel ist, kann es in einer Katastrophe enden. Regisseurin Keren Yedaya hat mit ihren beiden Lieblingsschauspielerinnen (Dana Ivgy und Ronit Elkabetz) einen ihrer besten Filme abgeliefert. Durch dialogarme Szenen entsteht eine explosive Atmosphäre. Bedeutsame Blicke und Gesten sagen mehr als Worte. Und es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Lunte an das Pulverfass gehalten wird. Als das geschieht, ändert sich alles und bezieht den Zuschauer emotional mit ein durch unerwartete Wendungen. Wenn latenter Hass und schlummernde Vorurteile an die Oberfläche gespült werden, kann eine Familie zerbrechen. Und dann bietet uns Yedaya einen orakelmässigen Schluss an, wie er nicht besser aus Delphi hätte kommen können: die beiden zentralen Figuren als Vertreter der Israelis und der Palästinenser beobachten sich am Strand, sie sehen sich, reden aber nicht miteinander…
Nachdenkenswerte Schilderung in Spielfilm-Format trifft den zerstörerischen Nagel auf den Betonkopf. | |
Do, 21.07.2011TV | Old JoyWandern im WaldEs ist die Entdeckung der inhaltlichen Leere, bzw. das Fehlen von anschauenswerter Handlung. Über eine Stunde lang wandern zwei Jugendfreude durch den Wald, nehmen ein Bad und gehen wieder heim. Sie führen bedeutungslose Gespräche, teils persönliche aus der gemeinsamen Jugendzeit, teils über Gott und die Welt, Chaos und Ordnung. Man traut seinen Augen und Ohren nicht und bleibt nur dabei, weil man überzeugt ist, dass noch etwas passieren wird. Tut es aber nicht. Sie wandern immer weiter. Man sieht endlose Kamerafahrten durch Baumgipfel und hört im Autoradio politische Diskussionen über Präsident Johnson. Selbst gegen das eiserne Theatergesetz von G. B. Shaw wird verstoßen: wenn man eine Pistole sieht, muss sie auch zum Einsatz kommen. Manche Kritiker haben hier die angebliche Melancholie mit Langeweile verwechselt. Nach der unterschiedlichen Lebenseinstellung der beiden Typen muss man lange und tief graben, um fündig zu werden. Und der Titel ’Alte Freude’ scheint ironisch gemeint zu sein. Die Freude ist nicht auszumachen, ebenso wenig wie der angebliche Verlust linker Ideale. Das ist keine Werbung für das Independentkino. K.V. | |
Mi, 20.07.2011TV | Commander HamiltonBonsai BondDer Film ist mit skandinavischer Coolness, recht solide und konventionell gemacht. Mit bisweilen auch tiefgründigen Dialogen geht es im alten Ost-West Gegensatz natürlich um einen Bombenklau. Und ein Vergleich mit dem ’großen Bruder’ 007 drängt sich förmlich auf. Hier gibt es tatsächlich mehrere Parallelen: zunächst die thematische Nähe, dann der persönliche Einsatz des Superagenten (überzeugend Peter Stormare) mit einfachem technischen Schnickschnack (natürlich ohne Q). Es gibt sogar einen leichten Anflug von Ironie und schließlich agiert der Agent global. Aber es sind auch zwei Unterschiede zu erkennen: hier sind echte Gefühle im Spiel (das Liebespärchen Stormare/Olin) bildet einen Kontrast zu den sonst so unterkühlten Emotionen ihrer Umgebung. Will sagen Hamilton ist nicht so teflon-mäßig unterwegs wie 007 mit seinen One-Night-Stands. Und außerdem sind am finalen Erfolg Männlein und Weiblich gleichermaßen beteiligt. Und wenn man noch genauer hinschaut entdeckt man sogar eine Problematik wie die Entscheidung zwischen Befehlsverweigerung und einem Verbrechen, zwischen Landesverrat und nationaler Sicherheit. Alles ist halt ’ne Nummer kleiner, aber trotzdem immer noch gut, vor allem der Gag beim Showdown. Gute Unterhaltung mit Niveau. | |
Mo, 18.07.2011TV | Eine leidenschaftliche AffäreEine selbst zerstörerische LiebeDer Film zeigt die unmögliche, selbst zerstörerische Liebe zwischen zwei Schriftstellern in der Mitte des 19. Jahrhunderts: George Sand und Alfred de Musset. Sie, die skandalträchtige Emanze, er, der sich selbst suchende Dichter, der nur von momentanen Emotionen getrieben wird. Beide durchleben in ihrer Beziehung die gesamte Gefühlsskala menschlicher Emotionen: Leidenschaft, Misstrauen, Raserei, Depressionen, Eifersucht, literarische Rivalität, aber auch körperliche Gebrechen. Zwei starke Persönlichkeiten driften zwischen Gewalttätigkeit und Zärtlichkeit hin und her, zwischen Wahnsinn und Vulgarität. Nur eins fehlt den beiden Titanen: beseelende Einfalt. Wie zwei gleich geladene Pole stoßen sie sich immer wieder ab, nur um sich wieder anzuziehen. Sie verbrennen an ihrer unmöglichen Liebe. Dies fatale Verhältnis wird eindrucksvoll in düsteren Bildern dargestellt und so fast zum Greifen nahe die Gewissheit ihres Scheiterns. Benoit Magimel in einer seiner beeindruckendsten Rollen und Juliette Binoche steht ihm in Nichts nach. Die Literatur wird hier fast zur Nebensache bei der geballten Ladung an Vitalität und Genie. Wirklich sehenswert. | |
Mo, 18.07.2011TV | Die Macht des SchicksalsFingers MachtEine recht lose Verknüpfung von vier Kapiteln :Glück, Vergnügen, Kummer und Liebe, die inhaltlich nicht gerade vor Originalität strotzen. Aber die glaubwürdigen Schauspieler (allen voran Andy Garcia als ’Fingers’) übertünchen den schwachen Inhalt. Die Intensität der einzelnen Teile nimmt allerdings zusehends ab. Nach den ersten beiden konnte man noch eine Diskrepanz zwischen Titel und Inhalt ausmachen. Es war eher das Gegenteil von Glück und Vergnügen. Teil 3 betrifft alle betroffenen Personen: sie haben und verursachen Kummer. Im letzten Kapitel wird’s etwas philosophisch, die einzelnen prominenten Darsteller (Julie Delpy z.B.) werden aber auch undeutlicher und die Überschrift wirkt etwas gewollt. Das ist nicht der Gipfelpunkt für alles bisher gesehene, sondern eine Aneinanderreihung von Soap-Elementen, die allerdings gut verkauft werden, unterlegt mit Sinnsprüchen wie „Narben sind die Landkarte der Seele.“
Hier spielt der Gangsterboss Fingers ’Schicksal’ und das brauchen alle Beteiligten nicht so sehr, wie die ’Luft zum Atmen’. Gut gemacht, mit Highlights zwischen den Niederungen. | |
Sa, 16.07.2011TV | Monsieur MaxGnadenloser Nazi-TerrorSelten ist es einem fürs Fernsehen gedrehten Film gelungen mit so einfachen Mitteln eine so beklemmende Atmosphäre zu schaffen. Tatsächliche und latente Gewalt hängen permanent im Raum. Und wir sehen wie aus einem lebenslustigen, jungen (ganz toll Guillaume Gallienne) ein kranker, verängstigter alter Mann wird: der homosexuelle zum Katholizismus konvertierte Jude Max Jacob. Der Film geht teilweise über die gefühlsmäßige Schmerzgrenze hinaus, wenn wie hier die gequälte Kreatur im Mittelpunkt steht. Man kann die ganze Hilflosigkeit, die totale Ohnmacht und das unendliche Leid fast physisch nachvollziehen und muss mit dem Protagonisten einfach mitleiden. Ein großartiger Jean-Claude Brialy bringt Steine zum Weinen und setzt sich ein letztes, beeindruckendes schauspielerisches Denkmal.
Was seine Lage noch verschlimmert ist die abweisende Haltung seiner Freunde, deren Hilfe er braucht. Darunter namhafte Künstler wie Picasso, Cocteau oder Jean Marais. Das waren in den 40er Jahren Giganten in der Kunstszene. Hier erleben wir sie als egozentrische, arrogante Egomanen, denen es an menschlicher Größe und Mitgefühl mangelt. Das lässt Max noch größer und damit sein Ende noch schmerzlicher erscheinen.
Eine emotionale Tortur, bei der der Zuschauer mitwächst durch Betroffenheit und Selbstreflexion. Ein Nullum für die Spaßgesellschaft. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.