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Bewertungen

Fr, 15.07.2011
TV | Spuren von Blut
Spurlos1 Stern
Ein ungewöhnlicher Film im negativen Sinne. Zum einen ist der Inhalt sonderbar. Anfangs sieht es nach solider Polizeiarbeit aus. Allerdings tappen Zuschauer und Ermittler den ganzen Film weiterhin völlig im Dunkeln. Neue Erkenntnisse sind schwer nachvollziehbar. Verwunderung kommt auf! Aber das ermüdet auch nach gut einer Stunde. Dann folgen für Krimis ungewöhnliche Ereignisse. Mit dem Tod des Kommissars (Herzversagen!) geht es vollends bergab. Über weite Strecken wird dem sozialen Umfeld der Ermittler wesentlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt, als der Lösung des Falles. Dadurch verabschiedet sich die Spannung vollends, denn das ist eiskalter Kaffee: Ende einer Ehe, männliche Lust während der Schwangerschaft der eigenen Frau etc. Und nachdem man mit höchster Anstrengung bis zum Ende durchgehalten hat, kommen noch zwei unverständliche Schocker hinzu, die eigentlich nur durch den plötzlichen Knall der Pistole aufhorchen lassen. Überraschend sinnlos und völlig unglaubwürdig, weil ohne Erklärung, einfach so! Und weil noch Zeit ist, gibt es zum Schluss letzte, überzuckerte Familiebilder im Sonnenuntergang am Strand. K.V.
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Do, 14.07.2011
TV | Der Loulou
Die jungen Wilden3 Sterne
Ein frecher Film, der das Lebensgefühl der späten 70er Jahre wiederspiegelt. Frech in der Thematik, grandios in der Leistung der Schauspieler Isabelle Huppert und Gérard Depardieu. Beide noch sehr jung, schockieren sie das Establishment. Eine Frau zwischen zwei Männern ist nicht gerade neu. Sie entflieht der bürgerlichen Enge einer Beziehung und flüchtet in die jugendliche Freizügigkeit zu einem Kleinkriminellen (Depardieu) ohne für immer dort zu bleiben. „Heute liebt man nicht mehr“, sagt einer. Das Leben wird vom Lustprinzip bestimmt. Und so poppt und prügelt man sich durch den Alltag. Dabei gibt es immer wieder emotionale Kehrtwendungen von Beschimpfungen und Prügeleien kippt die Handlung zu Besänftigungen und Friedensangeboten. Das gilt sowohl für die ’Liebensbeziehung’ als auch für das Verhältnis des Verflossenen mit dem Neuen. Es gibt Sex und Schläge. Am Ende taucht als Kontrastprogramm der Bruder auf, der die entscheidenden Fragen nach Lebensunterhalt und Lebensplanung stellt. Er trifft auf Verständnislosigkeit. Man lebt schließlich nicht um zu arbeiten und man arbeitet nur - wenn überhaupt - soviel wie irgend nötig, auch jenseits der Legalität. Man lebt am Rande der Gesellschaft in einer eigenen Nische. Ein irgendwie verstörendes Sozialdrama, das man sich aber heute immer noch anschauen kann.
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Do, 14.07.2011
TV | Love Comes Lately
Späte Liebe3 Sterne
Hier hat Jan Schütte seinen Lieblingsschauspieler (Otto Tausig) mal nicht in einer Komödie eingesetzt, obwohl es schon komische Dialoge und Situationen gibt, die zum Schmunzeln anregen, wenn der 80-Jährige Max von diversen Frauen immer wieder angebaggert wird. Und es sind auch ganz unterschiedliche Typen von Frauen mit unterschiedlichen Motiven. Aus der Reihe der mehr oder weniger liebeshungrigen älteren Damen sei nur Barbara Hershey erwähnt, von der man lange nichts gesehen hat und die als Einzige souverän zum Zuge kommt. Es wird aber auch von den Schwierigkeiten erzählt, die man beim Anknüpfen von Beziehungen im Alter hat. Dann gegen Ende gelingt dem Regisseur eine Überschneidung von literarischen Begebenheiten (er liest aus einer Kurzgeschichte vor) und der Realität. Beide Elemente haben den gleichen Inhalt. Damit nimmt er uns mit auf eine Ebene, in der Ort und Zeit bedeutungslos werden. Man ist sich nicht sicher, ob das Geschehen lediglich Fiktion ist oder Wirklichkeit. Das weckt unser Interesse, macht betroffen und lässt schließlich auch wieder aufatmen. Natürlich ist die Zielgruppe 70 plus, aber auch Gerontologen werden gut unterhalten.
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Mi, 13.07.2011
TV | Arn - Der Tempelritter
Arn und Cecilia2 Sterne
Ein richtig nettes Ritterepos mit allem was dazugehört: Kreuzzüge, eine Love Story, ein Bastard, eine Verleumdung, eine Männerfreundschaft zwischen Christen und Muslimen und eine glückliche Familienzusammenführung. Das alles ist sogar recht solide gemacht, ohne spektakulär zu sein. Flotte Kampfszenen wechseln sich mit ruhigen Einstellungen ab. Und durch die musikalische Untermalung mit Chorälen kommt sogar ein bisschen Mittelalter-Feeling auf. Es gibt keinen künstlerischen oder historischen Anspruch bei dieser Romanverfilmung. Die Zusammenführung der beiden Handlungsstränge ist vorhersehbar und bald weiß der Zuschauer mehr als die Akteure. Darunter befinden sich viele bekannte Schauspieler Skandinaviens. Die Handlung ist von erträglicher Spannung und verläuft von den wenigen Schwierigkeiten mal abgesehen ziemlich glatt. Und damit wir nicht darauf ausrutschen, gibt es zum Schluss, um zu viel Melodramatik zu vermeiden, ein historisches Zuckerl von den historischen Schwedenhappen: Frieden im Königreich! Zum eigenen Abschalten kann man einschalten.
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Mo, 11.07.2011
TV | Jahreszeiten - Iklimler
Traurig schön3 Sterne
Ein ruhiger und sehr leiser Film, der durch seine Optik überzeugt und durch die langen wortlosen Einstellungen beeindruckt, vielleicht sogar mit einem philosophischen Touch. Eine traurige Elegie auf das Ende einer Beziehung. Beide Partner (Nuri Bilge und Ebru Ceylan) haben den Film gemacht und spielen die Hauptrollen. Die vielen Großaufnahmen der Gesichter spiegeln das Innenleben der Akteure wieder: schweigen, schauen, nachdenken. Die Blicke sind offen, suchen, tasten den Anderen ab, aber sie signalisieren auch Hilflosigkeit. Beide versuchen auf ihre Art sich gegen die Entwicklung zu stemmen, können sie aber nicht aufhalten. Darüber sind sie aber auch nicht besonders traurig. Das Glück scheint weit weg zu sein. Zwei den meisten altbekannte Dinge passieren dann doch noch: er versucht sich mit einem One-Night-Stand zu trösten und versichert ihr später, er habe sich total geändert. Dies verdeutlicht die Aussichtslosigkeit des ganzen Unternehmens. Der deutsche Titel bezieht sich auf die ’Jahreszeiten’. Sie wechseln und wir können sie nicht beeinflussen. Im türkischen Original heißt ’Iklimler’ das ’Klima’… Bleibt der Mensch ein Suchender und alles liegt in Gottes /Allahs Hand?! Weit weg vom Existenzialismus! Schön traurig - traurig schön.
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Mo, 11.07.2011
TV | Das Leben vor meinen Augen
Sonderbar2 Sterne
Schon der Titel ist etwas kryptisch und das Drehbuch hält sich weitgehend an diese Vorgabe. Obwohl Uma Thurman ihre Tränendrüsen häufig sprudeln lässt kann uns das alles nicht erreichen. Wir verstehen sie nicht. Die Szene mit dem Amoklauf in der Schule (in der Jugendzeit) steht nur so im Raum. Hier wie auch an anderen Stellen zerstören wilde Schnitte den Handlungsverlauf. Hier stammt wohl ’schneiden’ von ’zerschneiden’. Und auch die häufige Wiederholung einzelner Szenen bleibt ein Schuss in den Ofen. Nachdem man sich das Trauma der jungen Frau selbst zurecht gelegt hat, stiftet ein Schlenker am Ende nochmals Verwirrung. Man glaubt, man ist in einen anderen Film. Hier werden Seitensprung-Problematik neben plötzlichen Doppelrollen und Zeitsprüngen bunt durchgemischt ohne eine auflösende Erklärung. So verpuffen manche passablen Ansätze und hinterlassen in den Pupillen der Zuschauer zwei große Fragezeichen. Der Film schwankt zwischen problematischer Teeny-Komödie und unklarem Melodram.
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Sa, 09.07.2011
TV | Bringing Out the Dead - Nächte der Erinnerung
Der Rettungssanitäter2 Sterne
Ein sehr subjektives Berufsbild von einem Rettungssanitäter (Nicolas Cage), der ausgebrannt ist, Alkohol und Drogen konsumiert und sich dennoch einen menschlichen Touch im Umgang mit den Hilfesuchenden bewahrt hat. Der Zynismus der Kollegen bestimmt die Kommunikation. Ist wohl ein Schutzverhalten, um in diesem Stress und inmitten des menschlichen Elends zu überleben. In bestimmten Situationen nimmt Cage im Rausch Kontakt zu den Sterbenden auf. Das wird optisch umgesetzt, wie er die Toten wieder an die Oberfläche bringt. Eine predigende Nonne weist den Weg der Wiederauferstehung. Die letzte Einstellung wirkt demnach fast wie eine Pieta, wenn sich Cage an Patricia Arquette anschmiegt. Doch diese Religiosität wirkt etwas aufgesetzt. Eigentlich findet all das nur im Kopf von Cage statt, der von Toten heimgesucht wird, die er nicht retten konnte, und der durchaus nachvollziehbar an seiner Umgebung verzweifelt. In dieser hoffnungslosen Welt ist vielleicht die Flucht in einen religiösen Wahn ein möglicher Ausweg. Bedrückend realistisch und zugleich aber durch die Antennen zum Jenseits nach oben offen.
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Fr, 08.07.2011
TV | Löwenkäfig
Frauenknast3 Sterne
Der Titel bezieht sich auf einen Frauenknast in Südamerika. Mit fast dokumentarischer Distanz wird der Weg von Julia ins Gefängnis und auch wieder heraus geschildert. Zwischenzeitlich hatte sie dort ein Kind bekommen. Dabei werden wir im Dunkeln gelassen, ob sie zu Recht oder zu Unrecht einsitzt. Nur wenn man ihr glaubt, stimmt Letzteres. Ein starker Frauenfilm, der die Atmosphäre und das Leben in der Strafanstalt genau schildert, ohne zu übertreiben. Das Gefängnis ist ein eigener Kosmos, in dem es den Kindern eigentlich noch am besten geht. Sie erfahren hier so etwas wie Freiheit, weil sie nichts vermissen, was sie nicht kennen. Sie werden geliebt und finden wie in einer Großfamilie Geborgenheit. Erst als man Julia Thomas wegnimmt, wird sie aktiv. Wenn ihr Sohn bei ihr hätte bleiben können, hätte sie die Haft ertragen, aber so… Und über den Schluss kann man sicherlich diskutieren. Darüber hinaus brandmarkt der Film frauenfeindliche Tendenzen im Strafvollzug; ohne anzuklagen wird dies nur sachlich festgestellt. Die relative Ruhe schließt die Emotionalität des Zuschauers nicht aus. Man verfolgt mit Zufriedenheit den Start in eine neue Realität.
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Do, 07.07.2011
TV | Die Möglichkeit einer Insel
Das ewige Leben1 Stern
Bereits der Vorspann verheißt, dass es in ’schweres Geläuf’ geht. Und das ist nicht übertrieben. Bei der Verfilmung seines Romans hat Michel Houellebecq diesmal die Regie gleich selbst übernommen. Vielleicht hat es sich sonst keiner zugetraut oder war daran interessiert. Rausgekommen ist ein Film-Essay, der mit vielen Andeutungen vollgestopft ist, die sich an einer spärlichen Handlung entlangwinden. Manches ist recht konkret wie der Pauschaltourismus oder die Miss Bikini Wahl. Doch die sind vordergründiges schmückendes Beiwerk. Im Kern soll es wohl um eine Sekte gehen, die das ewige Leben im Angebot hat. In langen Dialogen und Vorträgen wird erläutert, wie der Neo-Mensch geklont werden kann. Das wird verdeutlicht, indem man diffuse, amorphe Flächen sieht, die miteinander verschmelzen. Das ist noch alles recht anschaulich und als Groteske nachvollziehbar. Aber dann schreitet der plötzlich gealterte Benoit Magimel durch eine tote Landschaft, begleitet von einem Jack Russell und erblickt in der Ferne eine farbige Afrikanerin…Ende! Hier könnten jetzt spekulative Interpretationen ansetzen. Die müssen aber notgedrungen so nebulös sein wie die Bilder, die wir gesehen. Vielleicht ist ja die ’Möglichkeit einer Insel’ gleichzusetzen mit dem ewigen Leben!? Möglich ist alles. Anstrengend, unklar, leicht daneben.
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Do, 07.07.2011
TV | Cast Away - Verschollen
Robinson Reloaded1 Stern
Auf diesen Film hat die Welt wirklich nicht gewartet. Er ist überflüssig wie ein Kropf. Während Chuck Noland mit bekannten Mitteln versucht auf der Insel zu überleben, wartet das Publikum - weil es ja alles schon kennt - auf seine Rettung. Und das dauert - denn es passiert ja nichts Neues. Und das Ende? Ja wie soll denn die weitergedachte Melville-Geschichte sonst ausgehen? Also auch das ist vorhersehbar. Man versucht zwar noch wenige Einstellungen lang mit eventuellen Hoffnungen der Zuschauer zu spielen, im Sinne von ’Na brennt der Tom Hanks doch noch mit Helen Hunt durch?’ Nichts da. Er steht am Ende auf einer Kreuzung, von wo die vier Strassen ins Nirgendwo hinführen. Das einzige Bemerkenswerte an dieser Schmonzette ist die optische Umsetzung des Flugzeugabsturzes und die nachfolgende Anlandung. Das sind etwa 5% des ganzen Werkes. Aber ansonsten: Tonne auf… K.V.

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Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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