Mi, 06.07.2011TV | Das Hotel New HampshireViel Lärm ums HotelRegisseur und Drehbuchautor Tony Richardson hat sich aus der prallen Vorlage von John Irving geeignetes Material herausgesucht und einen im Großen und Ganzen recht passablen Film daraus gemacht. Die darin zur Verfügung stehende Auswahl ist riesig: eine Vergewaltigung wird gerächt, es gibt erste Liebeserfahrungen (hetero- und homoerotische) und auch eine sonderbare Defloration ist dabei. Wir sehen bombenwerfende Terroristen, die ’Radikale’ heissen, einen pupsenden Hund, jede Menge skurrile Figuren und einen literarischen Erfolg, der Wohlstand bringt. Dabei geht es Schlag auf Schlag. Gags werden gleichermaßen gefolgt von Slapstickeinlagen und Schockern. Es gibt Katastrophen, menschliche Dramen und viel Situationskomik. Die Dialoge sind unheimlich frech, aber es gibt dazwischen auch besinnliche Szenen, die anrührend sind. Alles in Allem eine abwechslungsreiche Vielfalt von Ereignissen. Die Jungstars von damals(1984) sind heute Filmgrößen von Hollywood (Foster, Lowe, Bridges, Kinski, Modine u.a.). Richardson schlägt uns für eine gewisse Zeit in den Bann seiner temporeichen Story. Doch dann geht ihm in der zweiten Hälfte die Luft aus. Das Ende zieht sich hin, Szene wird an Szene gereiht, man sehnt den Abspann herbei, denn es ist alles gesagt. Und als Rückversicherung erfahren wir am Ende dass ’das Leben ein Märchen’ sei.
Kann man, muss man aber nicht… | |
Di, 05.07.2011TV | Vicky Cristina BarcelonaBardem kriegt sie alleDer langweiligste Woody Allen, den ich kenne. Alle möglichen Spielarten der Liebe werden hier nur ausdiskutiert bis zum Abwinken. Ein Lesestück also, wenn es nicht - und das ist noch das Beste daran - die leichte spanische Gitarrenmusik gäbe. Xavier Bardem nimmt man durchaus den Womanizer ab und seine problematische Ex (Penelope Cruz) ist die Einzige, die ein paar Szenen hat, wo ihr Temperament zum Einsatz kommt. Doch das ist aber auch schon alles. Hall und Johansson verkörpern die personalisierte Langeweile, sind unsicher, mit sich und der Welt im Unklaren und ihr Tun ist nicht nachvollziehbar. Was für ein Drehbuch?! Ohne Charme, ohne Witz und letztlich auch ohne Ziel plätschern Figuren und Dialoge so dahin. Allens Drehbuch ist einfach nur geschwätzig. Die Grundaussage ist gleich Null bzw. alles kalter Kaffee. Dabei ist diese Problematik sowohl literarisch als auch filmisch schon hundert Mal beschrieben worden - und auch noch wesentlich besser. Was hat den Altmeister da nur geritten?
Na gut, Promiskuität kann ja vielleicht heute angesagt sein. Wenn man mit sich sonst nichts anzufangen weiß, genügend Zeit und Geld hat, kann das ein wohltuender Zeitvertreib sein. In eine filmische Form gegossen, muss es aber schon amüsant, geistreich und voller Überraschungen sein. Und es darf dann nicht auch noch ausgehen wie das Hornberger Schiessen. Ärgerlich! K-V. | |
Mo, 04.07.2011TV | The Yellow Handkerchief - Das gelbe SegelBretts LebensbeichteOberflächlich betrachtet ist es ein Roadmovie. Es geht nur seltsamerweise vorwärts in die Vergangenheit und zwar in die von Brett (William Hurt) dem alten Ex-Knacki. Mit ihm fahren zwei Youngsters Gordon und Martine. Alle drei suchen sich selbst im Spiegel der anderen. Erst hilft Brett den Jugendlichen aus der Patsche, dann sagen die ihm, wo’s für ihn in seinem Leben wirklich langgeht. Hauptsächlich lauschen die Kids der Lebensbeichte von Brett und ziehen im Gegensatz zu ihm die richtigen Schlussfolgerungen. Alle drei sind kantige, unfertige Typen, unabhängig vom Alter. Es fällt dem Zuschauer schwer, sich mit einem von ihnen zu identifizieren. Sie schlagen stets die ausgestreckte Hand aus, die sich ihnen entgegenstreckt. Sie verletzen die, die sie lieben. Brett vor Jahren, die Kids tun es jetzt. Umso überraschender ist es, wenn am Ende der Titel (egal ob mit Segel oder Taschentuch) zum Tragen kommt und sich mit einem versöhnlichen Ende verabschiedet. Haben etwa alle drei doch diese Harmonie gesucht, ohne sich im Klaren darüber zu sein? Obwohl sie auf der Flucht waren, ging es doch immer nur in Richtung Heimathafen? Mit diesen Spekulationen bleiben wir allein zurück.
Dieser leise, ruhige, kleine Film psychologisiert in der Kommunikation, analysiert dabei das Verhalten der drei beteiligten Personen und gibt weiten Spielraum für Diskussionen. | |
Mo, 04.07.2011TV | Watchmen - Die WächterToller MixWenn wie hier eine Graphic Novel als Vorlage diente, ist im Film ja auch fast alles erlaubt. Hier gelten andere als die sonst üblichen Dimensionen. Der Film versucht sie sogar noch zu übertreffen. Es gibt surreale Figuren, die mit Spezialeffekten ausgestattet sind und wuchtige Bilder, die der Schwerkraft ebenso trotzen wie die Martial Art Kämpfe. Die knallharte Action ist brutal eindimensional und passt gut zu den simplen Dialogen und den Sprüngen in der Handlung. Der Inhalt ist unwichtig, die Darbietung ist alles. Übermenschliche Helden tauschen ihre taschenpsychologischen Erkenntnisse aus, so wie andere Geld wechseln und philosophieren über Gott und die Welt. Dabei geht es natürlich galaktisch zu und es gibt ’Kataklysmen’, kleine atomare Explosionen. Am Ende läuft alles auf den uralten Kampf Gut gegen Böse hinaus, Freundschaft gegen Größenwahn. Die Guten kämpfen für Gerechtigkeit und Frieden. Die ’Welt könnte eine Hippie-Kommune’ werden, denn ’wer will schon einen Cowboy im Weißen Haus’? So kommt auch noch etwas Humor auf, sanft unterlegt z.B. mit Ohrwürmern von Nat King Cole, Jimmy Hendrix und Leonard Cohens Hallelujah beim GV.
Alles im Dienst des Entertainments. Und der Mix haut hin. Bombastische Optik, gepaart mit praller Action bringt viel Abwechslung. Die Musik umschmeichelt die Empfindungen der Zuschauer und vollendet den Sog, dem man sich nicht entziehen kann. | |
So, 03.07.2011TV | Die SchlemmerorgieKöstliche MördersucheEin kleines Meisterwerk, im wahrsten Sinne des Wortes eine köstliche Krimi-Komödie. Nicht nur für Gourmets, sondern auch für Genießer von geistreichen Wortgefechten. Den großen Stars (Bisset, Segal, Noiret, Cassel, Rochefort u.a.) merkt man an, dass sie Freude an dem haben, was sie da vor der Kamera aufführen. Der fragende Titel des Originals von 1978 ist genauer ’Wer tötet die großen Köche Europas?’ Und diese Mördersuche ist auch noch spannend gemacht. Obwohl man schon bald Max (großartig Robert Morley) den Restauranttester für den Mörder hält, gibt es am Ende noch eine weitere Drehung an der Lösung- und Komik-Schraube. Es ist ein lustbetontes Umbringen, unterbrochen von einem Duell mit Lebensmitteln als Waffen und einer Massendiskussion auf der Tanzfläche. Dabei geht es unter anderem auch um den Gegensatz von Fast Food und Slow Food, sowie um den Zusammenhang von Lust am Essen und Lust an der Liebe. Die humorvolle Logik der Grundidee ist die: wenn der genießerische Vielfrass Max (selbst ein Kunstwerk, jede Fettfalte ein Pinselstrich!) von den lukullischen Leckereien der Spitzenköche langsam aber sicher umgebracht wird, weil er der Versuchung nicht widerstehen kann, dann ist es deren Schuld und nicht seine. Deshalb muss man die Köche umbringen. Ein mögliches Remake muss daneben alt aussehen.
Ein nettes Mitbringsel als Dankeschön, wenn man zum Essen eingeladen ist. | |
Sa, 02.07.2011TV | IntimacyMittwochs von 2 bis 4Die sehr freizügigen Sex-Szenen (6 an der Zahl!) sind nur die halbe Miete. Sie kommen aber an die Darstellungsweise von Nagisha Oshima durchaus heran, der sich ja bekanntlich ’Im Reich der Sinne’ tummelte. Die Dreiecksgeschichte spielt sich darüber hinaus noch auf zwei weiteren Ebenen ab: im Ehe- und Berufsleben der beiden Wilden Jay und Claire. In Gesprächen mit Freunden oder zwischen Ehemann (überzeugend Tim Spall) und Lover (Mark Rylance) versucht jeder, etwas über den anderen herauszufinden, glaubt einen angeblichen Wissensvorsprung einholen zu müssen. Fragt sich, was weiß der andere über mich, dass ich noch nicht kenne? Da geht es echt philosophisch zu, wenn behauptet wird ’Reden zerstört alles, Schweigen schützt’.
Es ist anscheinend unwichtig, wie sich Jay und Claire (Kerry Fox) trafen. Ebenso unbedeutend ist die Frage ’Und wie wird es weitergehen?’ Klar ist, es gibt keine gemeinsame Zukunft für die beiden. Sie genossen schweigend den Augenblick, schwelgten vorübergehend im Hier und Jetzt, frönten ihrer animalischen Gier. Doch das ist vorbei! Für Claire ist es das Ende der Lust. Die hatte sich über Jahre aufgestaut. Doch für Jay geht der Weg von der Lust zum Frust. Er kann sie nicht festhalten, obwohl er das am liebsten möchte. Derbe Kost, die vielleicht eine neue Sichtweise auf den Sex bewirken kann. | |
Fr, 01.07.2011TV | Ich denk an Dich, PalomaDas DreimädelhausEin vielschichtiges Gesellschaftsbild aus dem Algerien des Jahres 1995. Alles dreht sich um drei Frauen: die Alte Aldjéria eine Ex-Prostituierte, Scheherazade, ihr ’bestes Pferd im Stall’ und eine Nachwuchsschönheit Paloma.
Die Geschichte beginnt mit dem Ende, was der Spannung keinen Abbruch tut. Das verhindern die geschickt eingestreuten Rückblenden, die den größten Teil des Films ausmachen. Wie sich Aldjéria mit ihren sogenannten Serviceleistungen durchschlägt, wird sehr unterhaltsam erzählt. Sie fühlt sich als Wohltäterin der Menschheit und hilft vornehmlich zahlungskräftigen Frauen gegen ihre allmächtigen Ehemänner. Das macht sie mit viel Witz und Phantasie.
Nadir Moknéche zeigt uns moderne, selbstbewusste Frauen. Das mag für viele Nordafrikaner provozierend, aber auch informativ sein. Für Europäer ist es äußerst amüsant. Lange Zeit verfolgen wir die Geschichte der ’Lust-Paloma’ (Originaltitel) und erfreuen uns an der symbolträchtigen Wiederkehr ihres Namens als Lied in einer Bar oder als bitter-süßes Dessert.
Ein Versuch sich mit den für sie üblichen Mitteln ihren Lebenstraum zu erfüllen misslingt Aldjéria allerdings. Sie erkennt nicht die Zeichen der Zeit und deren Veränderungen. Die Korruption im politischen System wird ihr zum Verhängnis. Jetzt erst verstehen wir die Anfangsszene.
Bei einem bacchantischen Fest kippt die Handlung und wird ansatzlos und federleicht zu einem teilweise märchenhaften Ende geführt. Durchaus sehenswert! | |
Fr, 01.07.2011TV | SplendorGlanzlosDer Film sollte wohl Ende der 90er Jahre thematisch punkten: eine gemischte Dreier-WG. Damit versuchte man damals wohl konservative Spießer zu schocken. Mit mäßigem Erfolg, aber heute … Davon abgesehen ist die Story fad, ausgelutscht und unglaubwürdig. Viele Frage tun sich auf: Wie können nur zwei so wilde Rammler zu hilflosen Weicheiern mutieren? Und wieso eiert die Süße bei dem Angebot so unentschlossen durch die Gegend? Oder wieso kommt der dritte Freier nicht zum Zug, obwohl er klar der Beste ist? Alles unausgegorenes Geschwurbel um einen Versuch herumgelagert, das blonde Gift Ron (Kathleen Robertson) in Szene zu setzen. Dabei macht der Regisseur Araki auch noch monologmäßige Anleihen bei Godard. Soll wohl das Niveau heben. Und was der Titel mit dem Film zu tun hat, bleibt wohl sein ewiges Geheimnis. ’Glänzend’ sind weder die Story, der ein Ende fehlt, noch die Schauspielkunst der Akteure. Die bewerfen sich mit platten Dialogen. Und als Prädikat für den Film wäre ’Splendor’ der blanke Hohn. Keine Sekunde zögern: nicht nur den Daumen senken, sondern gleich den ganzen Arm! K.V. | |
Do, 30.06.2011TV | The Life Aquatic with Steve Zissou - Die TiefseetaucherRotmützenMan muss auf den cool-schnodderigen Sprüchen von Bill Murray stehen, um diese weitgehend sinnfreie Groteske zu mögen. Seine deutsche Synchronstimme passt hervorragend zu seinem reglosen Gesichtsausdruck. Er tobt fast nie, Emotionen sind nicht sein Ding. Regisseur Wes Anderson hat eine ansehnliche Anzahl von Promis um ihn herum versammelt (Dafoe, Blanchett, Wilson, Huston, Goldblum u.a.) und auch an der musikalischen Begleitung nicht gegeizt. Das hat dem Ruhm der Weltstars keinen Abbruch getan. Sie konnten sich hier halt mal völlig unangestrengt vor der Kamera bewegen, nur so zum Spaß. Und auch einige wenige ganz nette Einfälle gibt es - wenn man mal vom nicht stattfindenden Tiefseetauchen oder dem Jaguarhai einmal absieht. Der Hafen, wo sich die Rotmützen Geld besorgen wollen, heißt bezeichnenderweise ’Port-au-Monnaie’ und Willem Dafoe schwäbischer Dialekt ist zum Schmunzeln.
Die Filme von Wes Anderson passen so gar nicht in irgendeine Schublade, auch wenn auf dem Label ’Skurril’, ’Durchgeknallt’ oder ’Comedy’ steht. Es könnte ebenso auch ’Funny Phantasy’ draufstehen oder ’Science Fiction Abenteuer’. Was auch immer. Entweder man mag diese tenenbaum-mäßigen-Filme oder nicht. Ich bekomme davon immer ein flaues Gefühl im Magen. Vielleicht übersäuert der bei dem Humor. | |
Mi, 29.06.2011TV | Gran TorinoDie WandlungEs ist wohl Clint Eastwoods reifster und vielleicht bisher sogar lustigster Film. Die Reife zeigt sich in der völlig unerwarteten Lösung des Bandenkrieges. Hier ist die ’Auge-um-Auge-Mentalität out. Das überrascht bei diesem Regisseur schon, wenn man an seine Rollen in den Western denkt. Ja er geht sogar noch einen Schritt weiter, übernimmt die Märtyrerrolle und ebnet so den Weg für eine gesetzmäßige Bestrafung der Übeltäter.
Aber es auch ein lustiger Film mit Niveau. Selten wurden so blumige Beschimpfungen für den Gesprächspartner gefunden (’Bambusratte’ oder ’Frühlingsrolle’) wie hier und man wird aufgeklärt, dass Fluch nicht gleich Fluch ist, sondern sogar eine freundschaftliche Begrüßung, über die man durchaus schmunzeln kann.
Außerdem wird das titelgebende Auto genial eingesetzt. Man kennt die Bedeutung dieses Gefährts von Anfang an und versteht seinen belohnenden Einsatz am Ende. Dadurch entsteht ein Spannungsfeld, in dem der Film zu Dreivierteln als integrativer Nachbarschaftsversuch zwischen verschiedenen Ethnien daherkommt, um im letzten Drittel dann aber ziemlich heftig zu werden. Die zuvor so treffend gezeichneten Figuren (vor allem auch die Enkel) bewirken, dass man das ungewöhnliche Ende akzeptiert. Eastwood wandelt sich vom traumatisierten, knorrigen Macho zum Märtyrer. Unbedingt sehenswert! | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.