Mo, 27.06.2011TV | Smart PeopleGriesgrämiger WitwerDie Story vom griesgrämigen Witwer ist wirklich nicht neu. Und natürlich hat er ein sanftmütiges Herz, nur kann er es nicht zeigen. Seine Kinder übrigens auch nicht. Doch die Dialoge sind recht geistreich und halten wach. Das Entscheidende ist aber, dass die überaus glaubwürdigen Darsteller - allen voran Dennis Quaid und Thomas Haden Church - den schwachen Plot vergessen machen. Ihre unaufdringliche schauspielerische Leistung verdeckt die abgedroschene Handlung. Man ist erfreut, wenn man den unterschwelligen Humor mitbekommen hat. Kleine Vokabelfehler in der deutschen Fassung stören nicht weiter, wenn es hier ’unethisch’ statt besser ’unmoralisch’ heißt.
Selbst der Schluss ist offen. Vielleicht sind manche Figuren etwas geläutert oder haben neue Erkenntnisse gewonnen. Denn eines trifft auf keinen von ihnen zu: dumm sind sie nicht, eben ’smart’ halt! Nur manchmal steht ihnen ihre eigene Intelligenz selbst im Wege. Aber das Leben geht weiter…Wer hätte das gedacht. | |
So, 26.06.2011TV | Ghettogangz 2 - UltimatumKrieg in den ProblembezirkenEin aufrechter Cop, Damien, und ein Insider, Leito, aus der Szene mischen den Polizeiapparat Frankreichs kung-fu-mässig auf. Das ist nicht ungewöhnlich, zumal sie so manche korrupte Machenschaften entlarven. Hierbei gehen sie keineswegs zimperlich zur Sache. Trotzdem ist es keine Verherrlichung von Gewalt, denn der Cop kämpft nicht nur für eine gerechte Sache, sondern er ist immer besser und schneller als die Bösewichte, schneller mit dem Bizeps und dem Mundwerk. Das Erzähltempo ist atemberaubend und wird für fast zwei Stunden ununterbrochen durchgehalten. Aber außerdem gibt es noch jede Menge coole Sprüche und erkenntnisreiche Dialoge wie z.B. „Es liegt nicht an den Gesetzen, sondern an denen, die sie anwenden.“ Oder „Dieser Krieg trifft den Nerv der Demokratie.“ Einer der ironischen Höhepunkte der beinschwingenden, fliegenden Auseinandersetzungen ist der Kampf mit und um einen van Gogh. Und der Superkonzern (’Harriburton’) heißt rein zufällig natürlich fast so wie der z. Zt. größte Waffenlieferant und Kriegsdienstleister der Welt (’Halliburton’).
Erschreckend auch die Hilflosigkeit der politisch Verantwortlichen, abgesehen vom französischen Präsidenten versteht sich. Ansonsten schaut die Welt ja immer nur auf die Vororte von Paris, wenn dort Autos brennen.
Das ist spannende Unterhaltung mit Sinn und Niveau. | |
Fr, 24.06.2011TV | Brügge sehen ... und sterben?Viel Blut in BrüggeAls Groteske angekündigt ertrinken die drei Hauptdarsteller des Films (Farrell, Gleeson und R. Fiennes) im Blut. Grotesk? Grotesk sind lediglich einige Passagen der Dialoge und die fehlende Logik im Handlungsablauf, vor allem gegen Ende. Das reicht zwar nicht zum Schmunzeln, mag aber als passable Unterhaltung noch durchgehen. Doch zur echten Groteske reicht es nicht. Also eine Verlegenheitsbezeichnung; zwischen mörderischem Gangsterkrimi und unfreiwilligem Urlaub auf Abruf ?! Der Kontrast zwischen der wunderschönen, mittelalterlichen Stadt Brügge und den unverständlichen Diffamierungen dieses Ambientes durch den Kunstbanausen Farrell ist wohl gewollt. Dass sich die beiden Gangsterkumpel nicht gegenseitig umlegen war vorhersehbar. Grotesk ist dann allerdings das Überleben von Collin Farrell, nachdem Fiennes ein Sieb aus ihm gemacht hat. Grotesk halt! Die Love Story mit Clémence Poésy! und alle damit zusammenhängenden Überraschungen sorgen für zusätzliche Action.
Der deutsche Titel macht das Abstruse viel deutlicher als der des Originals ’In Brügge’. Dabei mag es manchen Zuschauern ebenso ergangen sein wie den Gangstern, die sich fragen „Wo liegt das eigentlich?“ | |
Do, 23.06.2011TV | ReconstructionHello und Good-byeEs wird uns zweimal gesagt: am Anfang und am Ende, dass alles nur konstruiert ist, alles nur ein Film sei, und dass man aber doch mitleide.
Na ja, zunächst weckt die Erzählweise schon Interesse, weil es eine unorthodoxe Folge von Szenen gibt, die man etwas verwundert verfolgt. Inhaltlich geht es nur um das Eine und zwischen ’Hello’ und ’Good-bye’ sieht man davon aber nicht viel. Dann versucht man im Kopf die Einzelteile dieses Puzzles langsam zusammenzufügen. Auch das hält einen noch eine Weile dabei. Doch je länger man zuschaut, desto mehr fühlt man sich wie der berühmte Hamster auf der Rolle. Viele überraschende Wendungen kommen lediglich nur zustande, weil die beteiligten Personen an Amnesie leiden. Das nervt dann doch immer mehr. Und von dem vielen Hin und Her fühlt man sich einfach verschaukelt. Es ist halt ein Versuch! Oder anders ausgedrückt: Operation gelungen, Patient tot! Von den drei vorgegebenen Prämissen kann man die zuletzt genannte kaum nachvollziehen. Da ist für die Figuren und ihre Allerweltsprobleme letztlich viel eher Mitleid angesagt. Noch Fragen? Dann schau dir das offizielle Plakat zum Film an… | |
Mi, 22.06.2011TV | Kabuli KidEin freies AfghanistanDer Film gewährt einen detailreichen Einblick in den Alltag im heutigen Kabul. Da es keinen spannungsgeladenen Aufbau gibt und ein offenes Ende, geht die Kategorisierung wohl eher in Richtung Parabel. Thema ist die Suche nach der Mutter eines im Taxi zurückgelassenen männlichen Babys. Afghanistan sucht also seine Wurzeln. Am Ende gibt es sogar vier Mütter, nachdem eine Salomonische Entscheidung vorangestellt wurde, ähnlich dem ’kaukasischen Kreidekreis’. Es könnten etwa die Russen, die Taliban, die Afghanen selber oder die Amerikaner sein. und als man sie endlich gefunden zu haben scheint, hält sich der Film sehr bedeckt; soll heißen: eine Mutter gibt es, aber sie ist unbekannt. Doch dann versteckt Regisseur Akram ganz am Ende doch seine Lösung: Von den Burkaträgerinnen geht eine mit dem Bündel davon. Sie hinkt, ist alt und kann wenig mit dem Kleinen anfangen. Wer die Mutter letztlich ist, erfahren wir nicht, nur den Namen des Babys: “Massoud“. Ein afghanischer Held, der für Demokratie im Lande gekämpft hat und Gegner der Taliban war. Er wollte ein westlich orientiertes, freies Land. Der Taxifahrer streichelt einmal das Baby und sagt ’Du bist ein Löwe’. Den Titel trug der historische Massoud ebenfalls. Afghanistan hat bei der Suche nach seinen freiheitlichen Wurzeln mehrere Optionen. Es braucht einen langen Atem bis das Land die richtige auswählen wird. | |
Di, 21.06.2011TV | The Reaping - Die Boten der ApokalypseSeltsame ErnteSinnfreier Horror-Trash! Anfangs war man noch bemüht, eine vernünftige Basis für die Nachforschungen der Anti-Wunder Taskforce zu schaffen. Aber nachdem die Hauptintention des Films dargelegt war in Form von einer logischen Verbindung aller biblischen Plagen im alten Ägypten, war die Luft auch raus. Übrig blieben nur Knalleffekte, um den Zuschauer zu erschrecken und abgegriffene Horrorfiguren, die aber aufgrund der flotten Schnitte so schnell vorbeisausten, dass sie ihre Wirkung total verfehlten. Alles in allem ein kruder Mix von oberflächlichem Opti- und Akusto-Terror - nicht Horror - dass es nur die sprichwörtliche Sau graust. Und wenn einem gar nichts zum Titel einfällt, bemüht man halt die Apokalypse. Und ’Geerntet’ wird hier schon mal gar nichts, höchstens endloses Gähnen. Sinn verfehlt, Titel verfehlt, spannende Unterhaltung verfehlt. Was für ein Schmonzes! K.V. | |
Mo, 20.06.2011TV | PersepolisDie Freiheit ist farbigMit dem symbolischen Titel hat die iranische Regisseurin wohl bewusst die alte persische Hauptstadt gewählt, einen Ort, der eine bewegte Geschichte hatte: Blütezeit und Zerstörung. In klaren, holzschnittartigen Bildern erfahren wir mehr über die letzten zwei Jahrzehnte dieses lange vor unserer Zeit blühenden Landes als in allen iranischen Filmen zusammen. Eine durchaus amüsante Schilderung, über die wir gemeinsam mit liberalen Iranern lachen können. Die Sprache ist locker und frech, besonders die der kleinen Marji, eines kleinen Mädchens, das zur jungen Frau heranwächst, Erfahrungen im Ausland sammelt und zurückkehrt. Es ist eine kritische Aufarbeitung der Zeitgeschichte mit revolutionären Umstürzen (Schah, Ayatollahs etc) und sozialen Veränderungen. Hierbei wird nicht übertrieben, sondern in durchaus realistischen Szenen die jeweilige Wirklichkeit dargestellt. Und dadurch erhält der Film eine überregionale, zeitlose Bedeutung: Überleben in einem totalitären Polizeistaat. Persönliche Integrität gilt als Maxime für Marji. Und auch der liebe Gott hat seinen Auftritt ebenso wie die Beschreibung des Weihnachtsmannes als rotgekleideter Cola-Knecht.
Die leibfeindliche Ideologie wird besonders beim Studium der darstellenden Künste lächerlich gemacht.
Bedenkt man die Entwicklung im Nahen Osten wird der Film noch lange eine wegweisende Bedeutung behalten. Nicht nur als Entwicklungs- und Bildungsfilm oder als Appell für Zivilcourage sondern auch als Beispiel eines Integrationsversuches in einer globalen Welt.
Als Kontrast sind die wenigen Darstellungen von freien Gesellschaftsformen farbig, sonst herrscht knallhartes s/w. Den muss man einfach gesehen haben! | |
So, 19.06.2011TV | In Marseille wartet der TodDrei BrüderDie äußerst komplexe Handlung spielt im Gangstermilieu mit vielen Brutalitäten zwischen Franzosen und Arabern, die nicht immer leicht nachzuvollziehen sind. Der Ex-Knacki Pitou (Vincent Cassel) versucht sich wieder einzuleben. Vieles hat sich verändert. Es bleibt aber die unbeantwortete Frage: Geschäfte oder Gefühle? Mittendrin die schöne, schwangere Monica Bellucci und der coole Bulle Richard Boringer, der zwischen den Fronten steht. Bedeutungsschwere Sätze wabern umher wie “Das Meer ist kalt und verdreckt von Arabern und Juden…“ oder “Du bist nicht draußen, du hast nur den Käfig gewechselt.“ Dies verdeutlicht das Weltbild der Akteure. Die Botschaft des Films läuft auf die Sinnlosigkeit krimineller Aktivitäten hinaus. Milieugebunden entwickelt sich zwangsläufig eine Reihe von Gräueltaten, die für Außenstehende völlig unverständlich sind. So ist auch das seltsam offene Ende zu verstehen, das den deutschen Titel rechtfertigt. Der des Originals geht wohl eher in die Richtung ’So sind sie halt manche kriminelle Mittelmeeranrainer: hart, kompromisslos und ständig im Krieg. Regeln gibt’s nicht’.
Die Spannung hält sich in Grenzen, wenn man von den Gewaltexzessen und Riesenballereien mal absieht. Ein Gangsterfilm mit Mittelmaß. | |
Sa, 18.06.2011TV | Shakespeare in LoveOscar für WillJohn Madden ist ein Geniestreich gelungen. Es gibt viel Dramatik, genügend Komik und auch ein bisschen Tragik. Ein großartiges, bis in kleine Nebenrollen prominent besetztes Ensemble (Paltrow, Fiennes, Dench, Firth u.v.a.) bringt eine atmosphärisch glaubhafte Show über die Rampe. Dies wird unterstützt von pompöser Deko und einer temporeichen Inszenierung mit turbulenter Action und einer Titelmusik, die ins Ohr geht. Es ist für Kenner von Shakespeare und seiner Zeit, aber auch für Newcomer auf diesem Gebiet ein amüsanter Hochgenuss. Die Kenner erfreuen sich an der Wiedererkennung von Szenen und Textstellen aus Shakespeares Stücken, Newcomer fühlen sich äußerst gut unterhalten. Der Titel hat hier doppelte Bedeutung und deckt sowohl die Realität ab, als auch das Theaterstück ’Romeo und Julia’, auf das alles zuläuft. Eine textgleiche Abfolge zwischen beiden belustigt und verdeutlicht eine mögliche Entstehung des Stückes, wobei man sich in der Tradition der Verkleidungs- und Verwechslungsstücke bewegt. Und die Tatsache, dass üblicherweise Männer Frauenrollen übernahmen, wird hier umgekehrt: eine Frau spielt vorübergehend einen Knaben. Die Liebe findet nicht erst am Ende ihre Erfüllung, sondern schon mittendrin. Die verfahrene Situation einer Vereinigung für die Ewigkeit wird in echt Shakespearescher Art und Weise durch einen königlichen, salomonischen Schiedsspruch geregelt und der Aussicht auf ein neues Stück „Was ihr wollt“. Rundum gelungen! | |
Fr, 17.06.2011TV | Fireworks WednesdayEheproblemeEin junges Paar, das das Eheleben noch vor sich hat, bildet den Rahmen für einen Einblick in zwei in die Jahre gekommenen Ehen. Hier ist viel Lug und Trug im Spiel. In schier endlos langen Streitereien der Eheleute, die vom Misstrauen, Schwindeleien aber auch von Klatsch und Tratsch geleitet sind, glauben wir der einen Seite und werden am Ende überraschenderweise vom Gegenteil überzeugt. Es kracht also, wie der Titel verheißt. Draußen sind es Knallfrösche, im Haus streiten sich Mann und Frau. Abgesehen von dieser Symbolik hat der Film für die Iraner noch eine viel höher einzuschätzende Bedeutung. Es sind die fragwürdig gewordenen Rechte des Mannes in einer sich schnell verändernden Welt. Und daneben das erstarkende Selbstbewusstsein der modernen Frauen im Iran. Die meiste Zeit hasten die Akteure durch plastik-verpackte und unaufgeräumte Zimmer schreiend hinter einander her. Das junge Pärchen kommt und fährt mit einem Motorrad in die Provinz. Abgesehen von der überraschenden Wende geht schließlich alles seinen iranischen Gang…
Das Tempo der Dialoge macht die Verfolgung der Handlung anhand der deutschen Untertitel nicht leicht. Man muss sich halt Mühe geben, wie beim Verständnis dieser Eheprobleme. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.