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Do, 16.06.2011
TV | Public Enemy No. 1 - Teil 1 von 2
König der Ausbrecher4 Sterne
Ein spannender Krimi, der in seiner prallen Action bewusst als Zweiteiler angelegt ist. Und keine laue Szenen zulässt. Er nimmt das Ende vorweg, ohne den Ausgang zu zeigen. Eigentlich Stoff für vier Filme: das übliche Gangstermilieu, in dem das Gesetz des Dschungels gilt und die oberste Maxime Respekt heißt. Dann ein Gefängnisfilm mit den üblichen Ausbruchsversuchen und Seitenhieben auf den Strafvollzug. Gefolgt von einer Gerichtsverhandlung, bei der Korruption im Spiel ist. Und schließlich ein Spiel mit der Presse zur Imagepflege des inzwischen berühmt berüchtigten Königs der Ausbrecher. Als Zugabe kommt noch ein Touch von Bonny und Clyde hinzu. Wir verfolgen diese Gangsterkarriere, die Vincent Cassel grandios darstellt, und sind einfach gepackt von der überaus interessanten Handlungsfülle, in der brutale Gewaltszenen (auch gegen Frauen) wohl dosiert sind und die viele überraschende Wendungen aufweist. Es gibt aber auch noch Platz für Emotionen (Mesrine zu seinem Vater oder zu seiner kleinen Tochter) und er hat einen Hang zu philosophieren mit Anlehnung an die rote Terrorszene. Diese Komplexität einer Person zeigt, dass Gangster auch Menschen sind, die nur anders ticken, wie immer durch eigene Erfahrungen geprägt. Das Hochgefühl dieses redegewandten, sympathischen Gauners unterstreichen Ohrwürmer von der Piaff und Tammy Wynette. Sehenswert!
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Di, 14.06.2011
TV | Ludwig II.
Wahnsinn und Tod3 Sterne
In diesem fast vierstündigen Mammutwerk spielt das Ambiente und die überbordende Ausstattung die Hauptrolle. Der Zuschauer wird zum bewundernden Betrachter von Pomp und Preziosen, von unglaublichem Reichtum als Sponsor der schönen Künste. Die Kamera beobachtet das Geschehen an Originalschauplätzen oft aus der Distanz, sodass der Einzelne im Gesamtbild verschwindet. Erst wenn sich etwas bewegt, kann man Menschen erkennen. Dunkle Bilder mit viel Schwarz schaffen eine morbide Atmosphäre und lange Dialoge sind um historische Korrektheit bemüht. Das alles wird von Helmut Bergers grandioser schauspielerischer Leistung überragt, sodass alle anderen Figuren (u.a. auch Romy Schneider) zur Nebensache werden. Man braucht viel Zeit und Ruhe, um von der berauschenden Optik mitgetragen zu werden in ein märchenhaftes Reich, das nicht von dieser Welt zu sein scheint, wenn in der Handlungsarmut kostümschwere Auftritte zum Selbstzweck geraten und keine noch so kleine vergoldete Verzierung unbeobachtet bleibt. Ja auch Träume können mitunter ganz schön lang sein…
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Sa, 11.06.2011
TV | Drachenläufer
Wiedergutmachung4 Sterne
Eine gelungene Literaturverfilmung, auch wenn die Leser des Romans viele Details vermissen. Das Filmskript musste offenbar raffen und das ist im Großen und Ganzen gelungen. Die Grundidee kommt eindrucksvoll rüber. Zwei Jugendfreunde (Amir und Hassan) erfahren, dass sie Stiefbrüder sind. Also eine afghanische Familiesaga vor dem Hintergrund wechselnder Besatzungsmächte, die eine Gesellschaft, die liberal und westlich orientiert war in die Steinzeit zurückkatapultieren. „Die Mullahs wollen unsere Seelen kontrollieren und die Kommunisten sagen wir haben keine.“ Doch der Stolz und die Ehre der Afghanen sowie die Liebe zu ihrer Heimat machen es den Besatzern schwer. Ungeachtet der jeweiligen politischen Verhältnisse vor Ort bleiben schmerzvolle Erfahrungen und jugendliche Beschuldigungen unvergessen und ungesühnt und ziehen den Zuschauer mit in den Strudel der Ereignisse, die zwischen der Heimat der Akteure und den USA hin und herpendeln. Erschreckend sind die Grausamkeiten der Taliban. Dagegen findet Amir tatsächlich eine kämpferische Lösung, die der Familienehre keinen Abbruch tut, den Zuschauer aber nicht ungerührt lässt. Ganz schön spannungsgeladenes Kino, das noch auf lange Zeit aktuell bleiben wird.
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Sa, 11.06.2011
TV | E-Love
Paule und die Männer1 Stern
Fast eine Dokumentation über das boomende Single-Treffen via Internet. Dabei ist Anne Consigny als zentrale Figur durchaus überzeugend. Sie steht zu ihrem Alter, ihrer Figur und ihrer erwachsenen Tochter. So weit so gut. Doch das ganze Drumherum gerät ziemlich spannungslos und ohne Witz. Man sieht lediglich, was einer Frau so alles passieren kann und welche Frustration bei den ersten Treffen aufkommt. Ihr Beruf als Professorin für Philosophie ist total unglaubwürdig. Interessant sind lediglich ein paar Schnitte mit ansatzlosen Übergängen auf die Ebene der Wünsche und Hoffnungen oder der eigenen Vergangenheit. Hier wird man kurz geweckt. Ansonsten ist der Übergang von der Langeweile zum Tiefschlag angesagt. Und den kann man ruhig weiterpflegen, da es am Ende immer so weitergeht…
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Fr, 10.06.2011
TV | It's a Free World - Ausgebeutet
Spiegelbild der Welt3 Sterne
In den Filmen von Ken Loach stehen immer die Arbeitnehmer im Mittelpunkt. In seinen Working Class Dramen hat er oft teils mit Humor teils mit krassen Realitätsschilderungen beeindruckt. Wobei er immer sehr sensibel und mit großer Sachkenntnis zu Werke geht. Sein Herz schlägt unüberhörbar links. Jetzt hat er sich die Arbeitsvermittlung von illegalen Einwanderern vorgenommen. Hier versucht Angie (Kierston Wareing) mit einer Ich-AG Fuß zu fassen. Zwangsläufig gerät sie in die Illegalität und holt sich mehrmals gelinde gesagt eine blutige Nase. Doch ihre Geldgier ist so übermächtig, dass sie alle moralischen Skrupel beiseite wischt und unbeirrt konsequent ihren Weg macht. In der Ellenbogengesellschaft herrscht ein knallharter Konkurrenzkampf. Mindestlohn ist ein Fremdwort, Ausbeutung an der Tagesordnung. Ohne Partei zu ergreifen schildert Loach, wie hart es in der Branche zugeht und das macht betroffen. Lediglich zwei Randfiguren (Vater und Freundin) stellen die berechtigten Fragen, die eigentlich selbstverständlich sein müssten. Angies Reaktionen zeigen aber, wie begrenzt ihre Einsichten sind, wie eng ihr kapitalistischer Tunnelblick ist und wie skrupellos sie die nächste noch so kleine Chance ergreift weiterzumachen. Diese sogenannte ’freie Welt’ ist kalt und brutal.
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Do, 09.06.2011
TV | Einmal Polizist, immer Polizist
Abgesang2 Sterne
Wenn es nicht der letzte Film der beiden Stars Jean-Claude Brialy und Jean-Pierre Cassel gewesen wäre, bräuchte man kein Wort über diesen Streifen verlieren. Er ist nicht lustig, auch nicht richtig traurig, lange Dialoge haben einen Ziehharmonika-Effekt auf die Handlung und lassen keinerlei Spannung aufkommen und ein leicht ironisches Ende ist von Anfang an absehbar. Die frustrierende Situation in Pflegeheimen ist auch hinlänglich bekannt und schon die Vor-Acht-Uhr Serien haben ausgiebig etwaige kriminelle Machenschaften in diesem Milieu geschildert. Die Alten werden je nach körperlicher bzw. geistiger Konstitution entmündigt oder ruhig gestellt. Also nichts Neues, alles wie gehabt! Nur dass hier einmal Exbulle und Heiminsasse in einer Person zu ermitteln versucht… Neben den beiden Altstars wären noch erwähnenswert Micheline Presle, die ihre Klapprigkeit nur mühsam überspielen kann und Yolande Moreau, die wie immer schauspielerisch überzeugt. Hier gelingt ihr der Spagat zwischen mütterlich-liebevoller Pflegerin und ebenso mitfühlender potentieller Mörderin. Sie ist unaufdringlich diabolisch präsent. Manchmal sind es halt die wichtigen Nebenrollen, die einen Film anschauenswert machen.
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Mi, 08.06.2011
TV | Der Augenzeuge
Wer war's ?4 Sterne
Es ist ja bekannt, dass Peter Yates weiß, wie man echte Spannung aufbaut. In diesem intelligenten und sehr vielschichtigen Krimi aus den 80er Jahren ist ihm dies besonders gut gelungen. Die Handlung stützt sich immer wieder auf zuvor eingeführte Aspekte, was sie besonders überzeugend und nachvollziehbar macht. Hinter dem Augenzeugen sind naturgemäß mehrere Leute hinterher, inklusive die Polizei. Der Zuschauer tappt lange in Dunkeln und dort findet auch der finale Showdown statt. Aber die schnellen Schnitte lassen keine Zeit zum nachdenken. All das passiert nach einigen unerwarteten Wendungen, die die Hintergründe nur andeuten und so das Interesse steigern. Was man zwischendurch allerdings klar erkennbar mitbekommt sind die unvereinbaren Gegensätze der Protagonisten: Der Titelheld Daryll, ein armer Hausmeister (umwerfend jugendlich charmant William Hurt) gesteht seine Liebe der reichen TV Journalistin (Segourney Weaver). Beide haben kurzfristig zu Ende gehende Beziehungen. Hinter ihrer tritt ihr Geliebter (Christopher Plummer hier mal als Bösewicht) immer mehr in den Vordergrund. Darylls Wissen vom Mord gilt für sie als aufrichtiger Liebesbeweis und wird so lange in der Schwebe gehalten, bis sich die Ereignisse über den Liebenden temporeich überschlagen. Spannende Unterhaltung mit tollen Akteuren. Im engeren Sinne ein echter ’Whodunnit’.
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Di, 07.06.2011
TV | Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
Schön aber kurz5 Sterne
Allein der Titel enthält in seinem ambivalenten Antagonismus Stoff genug für ein philosophisches Seminar. Das Leben könnte so leicht sein. Beschwingt verfolgen die drei Hauptfiguren ihre hedonistischen Ziele und es entsteht ein Dreiecksverhältnis, das durch den Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes in Prag heftig durcheinandergewirbelt wird. Damit bekommt die Geschichte eine feste zeitliche Einordnung. Das Geniale daran ist die wechselseitige Beeinflussung von Liebesbeziehungen und politischen Verhältnissen. Im dritten Teil sehen wir zwei Protagonisten wieder nach Flucht und Rückkehr in die CSSR bei ihrer Auseinandersetzung mit den wiedererstarkten Altkommunisten. Der unpolitische Womanizer und Chirurg Thomas (Daniel Day-Lewis) wird nicht zum politischen Wendehals dafür aber menschlich reifer. Fast ebenso ergeht es seiner Ehefrau Theresa (Juliette Binoche). Die Szene, in der sie und die Dritte im Bunde (Lena Olin) sich gegenseitig nackt fotografieren ist eine der schauspielerischen und dramaturgischen Highlights des Films. Es knistert zwischen beiden, die eigentlich Rivalinnen sind. Zuvor kommt der böhmische Charme zum Einsatz. Selten gab es eine lustigere Trauung! Nach mehreren überraschenden Wendungen kommt der Schocker am Schluss. Es ist nichts für Happy End Fetischisten. Und es ist nicht nur so, dass das, was erzählt wird, unter die Haut geht, sonder auch wie es erzählt wird. Im ach so leichten Leben mit vielen Höhen gibt es halt auch unerträgliche Tiefen. So ist halt das Leben. Kongenial von Regisseur Kaufman und Romanautor Kundera. Spannend, berührend, meisterhaft!
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So, 05.06.2011
TV | La dolce vita - Das süße Leben
Die Legende lebt5 Sterne
Fellinis Klassiker von 1960 ist Kult. Typisch für ihn ist die lockere Aneinanderreihung von sehr verschiedenartigen Szenen, die nur durch Marcello Mastroianni verbunden werden. Ausgehend von der Welt der Schönen und Reichen landet die Handlung am Ende auch wieder dort in einer destruktiven chaotischen Party, denn nur die Reichen führen ein ’süßes Leben’. Dazwischen gibt es ironische Schilderungen von Starrummel, Intellektuellen-Talk, lästige Paparazzi und religiöse oder existentielle Diskussionen neben hysterischer Wundergläubigkeit. Ein Höhepunkt ist die selbstlose Hass-liebe von Marcello, dem ’Party Boy’ und Reporter der Klatschpresse und Emma (ganz toll Yvonne Fourneaux). Aber der absolute Gipfel ist das unvergessliche Bild der Ekberg im Trevi Brunnen nach einer Reise durch die Nacht. Von den vielen Prominenten in für sie untypischen Rollen sei nur Lex-Shatterhand-Barker als volltrunkener Playboy erwähnt. Alle Figuren agieren auf festgelegten Bahnen, selbstverliebt und egozentrisch. Nur ab und zu tauchen echte Gefühle auf, um sogleich wieder zu verschwinden. Das Zeitlose an diesem s/w Klassiker ist die unglaubliche Vielfalt der Themen, die wie in einem drehbaren Kaleidoskop präsentiert werden, ihre kontrastreiche Abfolge und die überragende Darstellungsweise durch Kamera und Schauspieler.
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Sa, 04.06.2011
TV | Nothing in Common - Sie haben nichts gemeinsam
Gemeinsamkeiten3 Sterne
Nein, Vater und Sohn haben wirklich nichts gemeinsam - wenigstens von den äußeren Anlagen her. Der Sohn (Tom Hanks) ist der absolute Überflieger in der Werbebranche, erfolgreich bis zum Abwinken und sein Vater (Jackie Gleason), alt und krank, wird gefeuert. Beide mögen sich nicht. So laufen fast eine Stunde lang zwei Handlungen neben einander her. Eine schwungvoll inszenierte Komödie. Erst als Vaters Probleme auch die des Sohnes werden, gehen beide auf einander zu. Und jetzt kriegt die Entwicklung über dramatische Wendungen menschliche Tiefe. Jetzt wird der Film echt gut. Alle Personen machen einen Reifeprozess durch, jeder findet seinen Weg (auch die getrennt lebenden Eltern von Tom Hanks) und so wird jeder erst nach allem irgendwie erwachsener. Und man erkennt, dass letztenendes Vater und Sohn, doch etwas Gemeinsames verbindet: beide sind in ihrem Inneren herzensgute, warmherzige Typen, die es aber nicht zeigen können. Eine Entwicklungs-Dramödie, bei der man über das Lachen zum Nachdenken kommt. Und ein Ergebnis, das alle zufrieden macht, denn wer möchte nicht auch so ein Vater-Sohn Verhältnis?!

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Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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