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Mo, 23.05.2011
TV | The International
Einer gegen die Bank4 Sterne
Ein spannender Krimi mit ernüchternd visionärem Inhalt aus der Bankenbranche. Gleich die Anfangsszene bringt Spannung auf hoher Ebene und hält sie auch mit guten Tempowechseln über die eindrucksvolle Schießerei im Guggenberg bis hin zu einer verblüffenden Lösung, die mit einem lapidaren ’Gracie!’ beendet wird. Eine Aussage zum Schmunzeln, die alles ein wenig relativiert. Die Mordanschläge verfolgen das Prinzip der Kennedy-Morde und verdeutlichen die tödliche Macht des Kapitals. Die Dialoge enthalten Aussagen wie ’Gerechtigkeit ist eine Illusion’ und ’Man kann der Bank innerhalb des kapitalistischen Systems nicht das Handwerk legen’. Mit der Figur, die Armin Müller-Stahl darstellt, kommt dann noch echte menschliche Tragik ins Spiel. Und seine philosophischen Überlegungen haben durchaus Niveau. Sicherlich hat Tykwer mit dieser internationalen Koproduktion den Weltmarkt bedient. Der deutsche Rahmen ist für ihn längst zu eng. Gekonnte Action mit Tiefgang. Davon will man mehr sehen.
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Mo, 23.05.2011
TV | Gegenspionage
Das Springfield Gewehr2 Sterne
Für den deutschen Titel gab es, wie im Dialog betont wird, 1952 kein englisches Wort. Counterintelligence wurde wohl erst etwas später gebräuchlich. Deshalb stellt auch das Original ein Schnellfeuergewehr in den Mittelpunkt. Es ist die Zeit, da der alte Vorderlader ausgedient hatte. Eine der neuen Tötungsmaschinen war so effektiv wie fünf der alten Bauart. Ansonsten geht es um Pferdediebstahl, denn die Kavallerie war kriegsentscheidend. Es fällt auf, dass Gary Cooper noch Zeit findet, familiäre Probleme zu lösen. Ehefrau und Sohn lenken ihn von seinen Aufgaben ab. Eine echte Liebesgeschichte gibt es nicht. Natürlich steht auch soldatische Ehre und der amerikanische Bürgerkrieg im Vordergrund. Nach unehrenhafter Entlassung aus der Armee wird der Held am Ende natürlich wieder aufgenommen. Dazwischen steht eine bemerkenswerte Szene, in der die Zuschauer und fast scheint es so, als ob auch die Darsteller überrascht wurden: Coopers Gegenspieler wird per Schnitt blitzschnell und keiner weiß wie vom Bösewicht zum Helfershelfer. Fans genießen halt den 12-Uhr-Mittagsblick von Gary Cooper und einen ansehnlichen Western der 50er Jahre.
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So, 22.05.2011
TV | Tränen der Sonne
Ruf des Dschungels2 Sterne
Der Film hätte eher heißen sollen ’Der Ruf des Dschungels’, denn von der Sonne sehen wir herzlich wenig und Tränen kann nur der Zuschauer vergießen, ob der wie aus dem Setzkasten zusammengestopselten Handlung. Trotz viel Ballerei - vor allem am Ende, weil es wohl ein Höhepunkt sein soll - kommt keine rechte Spannung auf. Der Trupp läuft den ganzen Film durch den tief zugewachsenen Dschungel und jeder weiß, dass das Unternehmen gelingen wird und endlich Bruce-ichrettedieWelt-Willis mit geschlossenen Augen an Monica Belluccis Brust sinken kann. Ihr unverständliches Rumgezicke zuvor wirkt aufgesetzt und ist zum Teil auch unverständlich. Genauso wie das unentschlossene Drehbuch: à la ’rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln’. Willis kommt mit einem Gesichtsausdruck aus, Bellucci hat immerhin drei zur Verfügung. Alle Zutaten einer actionreichen Handlung sind zwar vorhanden und doch bleibt der Film flach und uninteressant. Das Nigeria-Problem bleibt ohnehin außen vor. Hier hat Hollywood mal nach erfolgversprechendem Rezept auf die Schnelle ein aktuelles Thema verbraten.
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Sa, 21.05.2011
TV | Die Kraniche ziehen
Eichhörnchen und Boris4 Sterne
Es ist eine traurig-schöne Liebesgeschichte aus dem 2. Weltkrieg und somit auch ein Anti-Kriegsfilm. Wir sehen den unvereinbaren Gegensatz zwischen großer Liebe und großem Krieg. Mit fast kindlicher Leichtigkeit inszenierte Kalatosow den Beginn dieses Dramas, das er in überschäumendem Jubel über den Sieg gegen Hitler-Deutschland ausklingen lässt. Das Ende sieht zwar ein wenig nach sozialistischer Filmkunst aus, aber was vorher kameratechnisch und von der Bildgestaltung her zu sehen war, beeindruckt immer noch und wurde in den 50er Jahren in Cannes zurecht ausgezeichnet. Dieser poetische Realismus schildert auch ein zeitloses Phänomen: es ist das Erwachsenwerden in einer kriegerischen Umgebung. Die Story wird untermauert von Symbolen aus der Tierwelt (ihr Kosename, ein Kinderlied, der Titel). Beeindruckend werden optische und akustische Parallelen hergestellt: ein Klavierkonzert neben Sirenengeheul und Bombenangriffen. Ein Klassiker des Films, den man gesehen haben muss! Fachleute können sich immer noch etwas abschauen und normale Zuschauer können sich einfach ergreifen lassen.
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Fr, 20.05.2011
TV | Spy Bound - Agenten im Schatten
Agentenalltag3 Sterne
Nach 10 Minuten weiß man, wer die Bösen und wer die Guten sind und auch worum es geht. Es ist ein actionreicher Beginn. Doch dann wird deutlich, dass es mehrere Geheimdienste gibt, die sich bekämpfen. Dabei geht es um Politik, Diplomatie und natürlich um Profit. Und man lernt die Hierarchie innerhalb der Organisationen kennen. Da fallen Entscheidungen ganz oben, die Agenten vor Ort halten in einem tödlichen Spiel den Kopf hin. Sie sind die wahren Helden oder aber auch die Leittragenden. Ihr Alltag wird geschildert. Das betont der überraschende Schluss: das Leben geht halt weiter. Aus diesem Geschäft kann man nicht aussteigen. Auffallend ist die Ruhe, d.h. es gibt lange, wortlose Passagen, in denen man viele kleine Details sieht; durch die lange Stille wird Selbstverständlichkeit und Professionalität vermittelt. Hinzu kommt, dass das Agentenpärchen Cassel/Bellucci weitgehend im Mittelpunkt steht. Zwischen ihnen menschelt es ansatzweise, und das darf eigentlich nicht sein, aber diese Problematik bringt Farbe in den dunklen Alltag der Geheimagenten. Solide gemacht verbreitet der Film irgendwie eine angenehme, beruhigende Spannung.
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Do, 19.05.2011
TV | Der steinerne Kreis
Der Rat der Steine1 Stern
Prominente Hauptdarsteller sind kein Garant für einen gelungenen Film. Deneuve versucht krampfhaft böse drein zu schauen, was ihr niemand abnimmt, Bleibtreu holt sich eine rote Nase und andere Verwundungen und Bellucci kriecht durch Schlamm in unterirdischen Kanälen. Der Rest der kryptischen Story bleibt weitgehend unklar und auch die wenigen virtuellen Einblendungen überzeugen nicht wirklich. Das ganze Mystery-Geheimnis muss in langen Dialogen erklärt werden. Alles verläuft immer wieder ziemlich glatt trotz Mord und Schiesserei und bleibt an der Oberfläche. Der Rat der Steine bleibt eine Mischung aus Dalai-Lama-Findung, kommunistischer Zukunftsforschung und metaphysischem Anbändeln mit einer überirdischen Macht. Allerdings bleibt unklar, wie und weshalb die funktioniert. Bekannte Personen tauchen aus unerklärlichen Gründen an den entlegensten Orten der Welt auf. Man tippt auf ein Netz von Weltverschwörern. So macht sich letztenendes neben Unzufriedenheit mit der Handlung auch noch Langeweile breit. Die Anzahl der Ausstrahlungen in diversen Sendern ist umgekehrt proportional zur Qualität. Manchen Filmen kann man tv-mäßig einfach nicht entgehen.
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Mi, 18.05.2011
TV | Wie sehr liebst du mich?
Die heilige Hure2 Sterne
Manche sagen, der Film sei ein Schmarren, andere argumentieren Henscheid-mässig: ’Es ist die Trilogie des laufenden Schwachsinns!’ Fakt ist, die Handlung ist zu vernachlässigen, die steife, abweisende Darstellung mit Minimalmimik der Schauspieler (Campan, Depardieu) tut ein Übriges, um Distanz zu schaffen. Und dann kommen Schlag auf Schlag überraschende Wendungen. Die Handlung geht in völlig unvorstellbare Richtungen. Blier spielt mit den herkömmlichen Erwartungen der Zuschauer, die er nicht nur nicht erfüllt, sondern mit dem Gegenteil beantwortet. Diese unglaublichen Szenen wecken schon in gewisser Weise Interesses, weil sie nicht nur gewöhnungsbedürftig sind, sondern weil man genau das sieht, was man wirklich nicht erwartet hätte. Das kann unangenehm sein. Manche werden das langweilig finden. Dazu gibt es lockere Dialoge zum Schmunzeln. Im Mittelpunkt steht die pralle Monica Bellucci, die das Zuschauen garantiert. Da sie ständig im Bild ist, drängt sich die Frage auf, ob Blier ihr den ganzen Film überhaupt zugedacht hat? Ohne Monica Bellucci wäre das groteske, filmische Experiment total gescheitert. So aber ist sie das Stückchen Zucker im schwarzen Kaffee.
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Di, 17.05.2011
TV | Tödliche Affären
Ein Mord verbindet4 Sterne
Fünf verheiratete Kumpels, eine Loft (so der Originaltitel) und eine weibliche Leiche. Ihr Tod verbindet sie alle miteinander. Der ganze Film ist konsequent futuristisch durchgestylt: Licht, Glas und Stahl. Das und die raffinierten Retros hinterlassen einen bleibenden Eindruck, der nur noch durch die Tatsache verstärkt wird, dass man überzeugende Einblicke erhält, wer der Mörder war. Kaum hat man einen Köder geschluckt, kommt eine neue Perspektive ins Spiel. Schließlich könnte es jeder der fünf Kumpels gewesen sein. Diese ständig wechselnden Mordmotive und die guten Darsteller erzeugen eine gleichbleibend hohe Spannung von Anfang bis zum Ende. Selbst die Ehefrauen geraten in Verdacht, das Liebesnest auffliegen zu lassen. Und auch hohe Politiker und einen reichen Baulöwen kann man vorübergehend verdächtigen. Letztlich geht es aber um das Verhältnis von echter Männerfreundschaft und egoistischer sexueller Gier. Beides kann man wohl nicht von einander trennen bzw. beides läuft nur solange alles glatt geht. Dann ist sich jeder selbst der Nächste: der Freund wird zum Feind. Machart und Thematik haben das Zeug zum Kultfilm. Unbedingt sehenswert.
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Mo, 16.05.2011
TV | Sierra Charriba
Verfolgungsjagd2 Sterne
Die aufwendige Mühe der Restauration dieses Films hätte man sich sparen können. Die Welt wäre keineswegs ärmer ohne ihn. Viele Szenen besitzen die Helligkeit der sprichwörtlichen ’Neger im Tunnel bei Nacht’. Hollywood Größen der 60er Jahre agieren mit dem üblichen Pathos, hölzern und steif, allen voran Charlton Heston. Dazwischen als optischer Aufheller die damals dralle Senta Berger, die zwischen Frust und Liebeserwachen hin und her schwankt. Die Handlung windet sich recht kryptisch zwischen allen möglichen Fronten hindurch, während sich immer deutlicher Langeweile breit macht. Es gibt die üblichen Zutaten, wenn es um die Suche nach einer anführenden Rothaut geht. So sehen wir unterwegs allerdings kaum Highlights und selbst das unbefriedigende Ende verpufft wie Rauch im Wind. Für uns bleibt lediglich die kleine Rolle von Mario Adorf im Gedächtnis mit seinem unverkennbaren Gesichtsausdruck. Vielleicht wurde ja auch nur deshalb so viel weggeschnitten und wieder hinzugefügt, weil die Handlung doch allzu offen und vage blieb. Das verleitet vielleicht zum Herumdoktern. Selbst die unterschiedlichen Titel zeigen, dass man sich nicht auf eine Hauptperson einigen konnte. Nur für Westernfans!
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Sa, 14.05.2011
TV | Red Dust - Die Wahrheit führt in die Freiheit
Wahrheit und Freiheit4 Sterne
Der Film zeigt in dramatischer Form das Ausmaß der Grausamkeiten während der Apartheid. Im Rahmen der Aufarbeitung versucht die ’Wahrheits- und Versöhnungskommission’ vor Ort Licht ins Dunkel dieses Kapitels der südafrikanischen Geschichte zu bringen. Es wird ein komplexes Geflecht von Beziehungen und Abhängigkeiten durchleuchtet. Und vom Standpunkt der 90er Jahre stellt sich die Frage nach Vergebung oder Vergeltung. Wir sehen auch, welche Möglichkeiten sich ergeben für damals schuldig gewordene. Nach einem Geständnis bietet sich ihnen die Gelegenheit durch Amnestie einer Strafverfolgung zu entgehen. Dabei kann es schon vorkommen, dass es zu einem Deal zwischen den Parteien kommt, um die wirklichen Bösewichte zur Verantwortung zu ziehen. Anfangs etwas zäh und unübersichtlich, nimmt die Handlung dann aber an Fahrt und Dramatik auf. Ein Schritt auf dem weiten Weg, am Kap eine gemeinsame Nation aus Schwarzen und Weißen entstehen zu lassen. Aber die Wunden sitzen tief, Täter und Opfer kennen sich und können sich immer noch begegnen. Ein Zitat von Bischof Tutu, dem Gewissen des Landes, gibt die Richtung vor. Gut gemachte, packende Schilderung einer Zeit, die noch gar nicht so weit zurück liegt.

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Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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