Fr, 13.05.2011TV | Chansons d'amourLiebesliederEs ist etwas für Liebhaber der französischen Lebensweise, nicht unbedingt für Verliebte. Mit unheimlich leichter Hand wird hier ein Blumenstrauß gebunden, in dem es homo- und heteroerotische Beziehungen gibt, manchmal ist auch eine Figur mehrfach unterwegs: probiert erst das eine dann das andere, geht also als bi durch. Wie Schmetterlinge flattern Jungs und Mädels recht unbekümmert von Blüte zu Blüte. Dabei ist es kein Bäumchen-wechsel-dich-Spielchen. Das Ende einer Beziehung eröffnet schon im Keim die nächste. Andererseits verhindert diese Situation, dass er oder sie zuviel leiden müssen. Und so bliebe alles an der Oberfläche, wenn da nicht von allen Beteiligten zwischendurch immer wieder zart-melancholische Chansons (Titel!) gehaucht würden. Die sind musikalisch und vom Text her besser als die Handlungskette und offenbaren echte Gefühle und Selbstreflexion. Bei einem offenen Anfang und einem ebensolchen Ende ist wohl auch eher der Zufall und die Planlosigkeit fehderführend. Völlig wertneutral und unkommentiert segeln wir über die Gefühlswiese der Befindlichkeiten. | |
Fr, 13.05.2011TV | 8MM - Acht MillimeterDer PornofilmjägerWenigstens der Titel hat einen Bezug zum Film: es geht um eine Filmrolle auf der in 8 mm nicht nur Hardcore Porno zu sehen ist, sondern auch noch ein Mord. Fast eine Stunde lang langweilt man sich dann gähnend an den Ermittlungen des Nicolas Cage. Dann, kurz vor dem Einnicken bzw. Wegzappen wird es gewalttätig und blutrünstig. Das ist aber wenig beeindruckend, weil man dem Hauptdarsteller zwar optisch aber nicht logisch folgen kann. Der Gipfel ist dann das vorhersehbare, tränenreiche, schmalzige Ende, bei dem alle happy sind außer den Zuschauern. Von Anfang an passte die Familiengeschichte mit Frau und Baby nicht so recht zur übrigen Story, obwohl sie breiten Raum einnimmt. Die Rolle der jungen Mutter ist total unglaubwürdig, wenn sie so zwischen Liebe und Vorwürfen herumzickt. Die Frau eines Privatdetektivs verhält sich anders. Nicolas Cage hat ja schon öfter einen Spagat zwischen Action und Tränen versucht z. B. mittels einer Mandoline. Der hier ist ihm ganz schön misslungen, selbst wenn man auf Snuff steht. | |
Mi, 11.05.2011TV | Lockende VersuchungFreundliche ÜberredungDieses kleine Meisterwerk von William-BenHur-Wyler wird zu Unrecht zur Bedeutungslosigkeit verdrängt. Mit viel leisem Humor und menschlicher Wärme setzt er den freundlichen, friedlichen Quäkern ein Denkmal. Sie unterscheiden sich von ihrer Umgebung durch Sprache und Kleidung und vor allem durch absolute Gewaltfreiheit. Wie die Familie Blumer diesem Problem im amerikanischen Bürgerkrieg begegnet, ist durchaus beachtenswert. Der Titel bezieht sich nicht nur auf die Kriegsdienstverweigerung, sondern auch auf amouröse Aktivitäten. Der Verführungsversuch der drei Farmerstöchter bei Anthony Perkins ist immer noch erste Komik-Sahne. Und wie die eheliche Versöhnung zwischen Gary Cooper und Dorothy McGuire auf dem Stroh, die man nicht sieht, euphemistisch umschrieben wird, kann schon eine Schmunzelorgie provozieren. Und natürlich gibt es auch ein ’Wagenrennen’ zur Kirche. Bei der Namensgebung für den Bauer ’Hitzepock’ hat sich Wyler wohl an seine Heimat erinnert. Diese ganze Komik dient aber nur dazu, ein im Grunde zeitloses Thema vorzustellen: hält man auch noch die andere Wange hin? Oder ab wann rechtfertigt es die Notwehr zur Waffe zu greifen? Wyler gibt eine vernünftige Antwort, die allerdings schon etwas auf Kosten der religiösen Fundamentalisten geht. | |
So, 08.05.2011TV | Die vier apokalyptischen ReiterKrieg, Tod, Krankheit, HungerAuch wenn jeder der 4 Reiter eine ganz spezielle Bedeutung hat, allen gemeinsam ist Krieg und Tod. Mehrmals wird auf diese apokalyptischen Gestalten verbal und optisch Bezug genommen. Das ist für 1962 gar nicht mal so schlecht gemacht. Die langen Dialoge und die historischen Originalaufnahmen mit Rotfilter bieten zudem einen Cocktail von wichtigen Namen und Orten von vor und während des 2. Weltkrieges, und verbürgen so Authentizität. Trotz einer gewissen zähen Langatmigkeit (über 2 Stunden) kommt hin und wieder vor allem gegen Ende Spannung auf. Nicht nur wegen der echt tragischen Liebesgeschichte, die etwas angestaubt wirkt, sondern auch wegen der damit verbundenen überraschenden Wendungen. Hierher gehört auch die SS-Figur die Karlheinz Böhm verkörpert. Sein Versuch das Sissi-Image loszuwerden gelingt nur scheinbar. Dabei ist er eigentlich eine weitere tragische Figur, die zwischen Familienehre und Nationalsozialismus hin und herschwanken müsste. Der Schluss kann missverständlich sein: da kommen nicht die vier apokalyptischen Reiter, sondern die zwei westlichen Alliierten. | |
So, 08.05.2011TV | Der AnschlagBen rettet die WeltObwohl konventionell gemacht ist es anfangs nicht leicht die drei Handlungsstränge richtig einzuordnen. Die aktuelle Situation des Kalten Krieges liegt ja auch schon lange zurück und anders als bei 007 geht hier eine Bombe wirklich hoch. Drum geht es hier um die berechtigte Furcht (s. Originaltitel), die damals alle hatten ’Wer zuerst schießt, stirbt als Zweiter’. Oder wie es ein Cartoon seinerzeit karikierte: der Präsident der USA stolpert an einem Schaltpult herum und lallt „Huch, jetzt hab ich aus Versehen den Dritten Weltkrieg ausgelöst!“ Der Film setzt auf Action und bietet Spannung. Beides gibt den internationalen Systemantagonismus der 60er oder 70er Jahre recht gut wieder. Alan Bates ist der notorische Bösewicht zwischen den Fronten, dessen Ende nicht überrascht. Sowohl der amerikanische als auch der russische Präsident lassen trotz allem Misstrauen den gesunden Menschenverstand obsiegen und retten die Welt, die sie mehrfach hätten auslöschen können (atomarer Overkill!). Manches geht aber auch etwas glatt und die Folgen der Bombe sind überschaubar. Darüber kann man hinwegsehen und über das vorhersehbare zuckersüße Happy End der eingebauten Love Story mit der schönen Bridget Moynahan nur schmunzeln. Es bleibt unterm Strich ein unterhaltsamer Thriller mit viel Prominenz aus der ersten und zweiten Reihe. | |
Fr, 06.05.2011TV | LemmingHaustier im SiphonEs beginnt mit einer Reihe von unerwarteten, peinlichen Situationen und endet in einer Katastrophe. Auch wenn am Schluss wie immer der Garten gewässert wird und das Pärchen so tut, als sei nichts geschehen. Wenn der Boden der Realität verlassen wird, die beiden Charlotte (Gainsbourg und Rampling) die Personen vertauschen wird es grotesk im positiven Sinne. Der Lemming im Siphon ist nur symbolisch gemeint, wenn auch real vorhanden. Zwischen Selbstmord und Mord, der wie Selbstmord aussieht, liegen zwei kommunikative Brüche der beiden Paare: beim jüngeren glaubt sie unberechtigterweise an seinen Seitensprung. Sie dagegen tut es wahrscheinlich. Keiner redet mit dem anderes darüber. Jeder weiß, was er getan oder nicht getan hat. Die Nerven spielen verrückt, der Zuschauer weiß nicht, was er glauben soll. Wir sehen Situationen, die es gar nicht gegeben haben kann. Vielleicht ist es der erneute Einsatz der fliegenden Webcam, der das Ende erträglich macht. Dieses Gerät erfüllt hier quasi seine Bestimmung auf eine nachvollziehbare aber überraschende Art und Weise. Ungewöhnlich aber gut. | |
Fr, 06.05.2011TV | American History XEx-FaschoEin starker Film, der Gewalt zeigt, ohne sie zu verherrlichen, auch wenn sich die Spirale offensichtlich immer weiter zu drehen scheint. So gibt es am Ende nur Frust und Tränen. Doch zuvor sehen wir, wie man aus der rechten Ecke rauskommen kann. Eine Mischung aus schmerzlichen Erfahrungen und wenigen Menschen, die einem den Weg vorgeben. Aber das alles gelingt nicht, wenn man nicht wie Derek gründlich nachdenkt, seine Ansichten offen überprüft und die Sackgasse erkennt. Ein großartiger Edward Norton überzeugt sowohl beim Weg in den Faschismus als auch beim Weg wieder hinaus. Mittendrin gibt es jede Menge häuslicher Gewalt in voller Emotionalität als Fortsetzung einer Diskussion am Familientisch. Auch ein Kennzeichen rechter Ideologien. Wenn das Wort nicht überzeugt, schafft das die Faust. Erst gegen Ende wird der Vater entzaubert, obwohl er dem Sohn durch seinen Tod als Vorwand gedient hatte, gegen Nigger vorzugehen. Rassismus wurzelt im Elternhaus. Besonders intensiv ist die Darstellung der Beziehungen innerhalb der Restfamilie: unterschiedliche Geschwister und eine hilflose Mutter. Es braucht nicht viel an Vorstellungsvermögen, um die amerikanische Situation auf die Festung Europa zu übertragen. Insofern ein zeitloses Thema über Vorurteile, Rassismus, fehlgeleitete Jugendliche, über Ausgrenzung und Gewaltbereitschaft, aber auch, obwohl es Rückschläge geben kann, ein Plädoyer für eigenständiges Denken. | |
Do, 05.05.2011TV | Der Mann aus LondonMord in tiefschwarzer NachtBereits die Eröffnungsszene - falls man sie als solche erkannt hat - zeigt, welche Anforderungen hier an Geduld und Ausdauer des Zuschauers gestellt werden. Die überlangen Einstellungen in s/w sind Bela Tarrs Markenzeichen. Er kämpft bewusst gegen unsere Sehgewohnheiten an. Man muss sich schon anstrengen, um überhaupt etwas in der wortlosen Stille zu erkennen. Zumal sich lange Zeit im Bild fast nichts tut. Die Kamera selbst scheint sich mehr zu bewegen als die Akteure. Die sehr sparsam verwendeten Sätze erschrecken einen fast, wenn sie emotionslos im Staccato rausgehämmert werden. Nach kurzer Schreierei folgt wieder Stille. Man spricht Englisch und Französisch. Manche Dialoge kommen aus dem Nichts oder man hört Sätze, sieht aber nicht wer sie sagt. Es werden Namen erwähnt von Leuten, die wir nicht kennen: Mr Mitchell, Mr Brown, Monsieur Maloin. Selten wurde die tiefschwarze Nacht so konsequent zum stilbildenden Ambiente eingesetzt. Manche Szenen, wie der Gang zu einem Schuppen, erleben wir in Echtzeit. Kurz vor dem Ende erfahren wir Details und eine verblüffende Lösung: ein korrupter Inspektor vertuscht einen Mord und verteilt die Beute. Alles äußerst ungewöhnlich. Insofern passen Handlung und Darstellungsweise irgendwie schon zusammen. Auch wenn ich ehrlich gestehen muss, dass mein Daumen ständig auf Fast Forward drücken wollte. | |
Mi, 04.05.2011TV | 20.000 Jahre in Sing SingGangstermelodramEiner der ersten frühen Gefängnisfilme von Michael-Casablanca-Curtiz. In den 30er Jahren standen Stars wie Spencer Tracy und Bette Davies im Zenit ihres Ruhmes. Sie bezeugen den klassischen, anspruchsvollen Standard Hollywoods. Hier geht es nicht nur um einen ungewöhnlichen Deal zwischen einem Häftling und dem Gefängnisdirektor (Urlaub auf Ehrenwort), sondern es wird auch die Todesstrafe und die menschliche Betroffenheit der Hinterbliebenen beleuchtet. Von so viel aufrechter Ehrenhaftigkeit ist auch der Direktor gerührt, tut aber nichts, um den Gang des Schicksals zu stoppen. Dass wäre allerdings möglich gewesen, denn wenn es zwei potentielle Mörder gibt, ist es immer einer zuviel. Doch für die Liebenden wäre das gleichgültig, wer von beiden in Sing Sing einfahren muss. Wir sind offensichtlich noch lange vor DNA, KTU oder dem Nachweis durch Fingerabdrücke. Auch sonst wirkt die Machart etwas angestaubt und selbst die ironischen Bemerkungen der Knastbrüder sind obwohl cool gemeint ziemlich antiquiert. Es ist auf alle Fälle ein Wegweiser für spätere Gefängnisfilme und für die menschliche Tragik in Bezug auf die Todesstrafe. | |
Di, 03.05.2011TV | My Blueberry NightsLizzys großes HerzSchon allein die Idee, die dem Ganzen zugrunde liegt ist nett und wird dem Titel voll und ganz gerecht. Ja der Blaubeerkuchen spielt eine nicht unwichtige Rolle. Die prominenten Schauspieler überzeugen durchaus. Vor allem die Deputantin Norah Jones (sonst mit Klavier unterwegs) spielt das Mädchen Lizzy, das Erwachsen werden will, sehr glaubhaft. Man begreift ihre hoffnungslose Leichtgläubigkeit, die bis an die Grenze der Einfalt reicht, aber auf verständnisvoller Menschlichkeit beruht. Das vorgegebene Happy End mit Jude Law stört keineswegs zumal zwischen den beiden lange Zeit tausende von Meilen liegen. Lizzy wird eingerahmt von den beiden unheimlich wandlungsfähigen Natalie Portman und Rachel Weisz. Leise Barmusik schafft mit viel Blues eine fast intime Atmosphäre. Neben den Drinks geht aber auch noch Lebensphilosophie über den Tresen: z.B. die Schlüsseltheorie, die aber darüber hinaus noch ein Ankerplatz ist für die Lovestory. Durch einen selbstreflektierenden Kommentar aus dem Off werden die wunderschönen Bilder stimmungsvoll begleitet. Gelungen! | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.